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The Queer Side of Gaming - Homosexualität in Videospielen

Nachdem durch Kickstarter eine neue Spielemesse mit Schwerpunkt Homosexualität in Videospielen finanziert wurde, lohnt es sich vermutlich einen Blick auf unser allseits geliebtes Hobby unter diesem Gesichtspunkt zu werfen. Wie wird und wurde mit Homosexualität in Videospielen umgegangen?

Samstag, 08. September 2012 um 10:45 von HatWolf

(Bildquelle Notrel-Blog - vielen Dank!)

Eines der größten Themen des anfangenden 21. Jahrhunderts ist mit Sicherheit "Toleranz", bzw. das allgemeine Gewährenlassen fremder Denkweisen, Sitten, Ausrichtung und Ideen, welches vermutlich für jeden modernen Menschen ein achtenswertes Ziel sein sollte. Probleme und Meinungsverschiedenheiten kommen dagegen eher auf, wenn es darum geht die Methoden festzusetzen, in denen Toleranz funktionieren sollte und in welchen Rahmen Toleranz stattfinden muss und kann. Für ähnliche Diskussionen in der Gaming Community sorgte in letzter Zeit die Ankündigung einer neuen Spielemesse, die sogenannte "GaymerCon", welche die erste "Geek Lifestyle"-Messe ist mit einem Fokus auf LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) Kultur. Sinn und Zweck der Spielemesse soll es sein auf sogenannte "Gaymer" als Teil der Community aufmerksam zu machen und zu beweisen, dass Videospiele etwas für jede Demographie ist, genauso übergreifend auf Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität und Herkunft. Kritik hagelte es trotzdem, vor allem wurde der Vorwurf groß, dass man mit einer eigenen Messe eher Signale für eine Ausgrenzung geben würde, anstatt für eine Integration, wobei andere Stimmen sich laut die Frage stellten, ob Gamer nicht allgemein intolerant seien. Wessen Ansicht man auch ist: Das Für- und Wider beweist eindeutig, dass Homosexualität immer noch ein Thema ist, dass nicht der Selbstverständlichkeit angehört und dessen bloße Erwähnung hitzige Diskussionen entbrennen lassen kann. Wenn also aktuell noch diskutiert wird, was Toleranz bedeutet, wo Toleranz aufhört, wo man sie fordern und wie man sie sinnvoll umsetzen kann, lohnt sich vielleicht ein Blick darauf wie in der Geschichte der Videospiele mit Homosexualität umgegangen wurde. Von den bescheidenen Anfängen der Pixelabenteuer bis zum modernen HD-Zeitalter: Wir führen euch durch die zumeist eher unbeleuchtete Historie der Videospiele.

Spätere Ausgaben des Handbuchs streichen diese Beschreibung.


Homosexualität ist ein Thema, dass von Nintendo of America in den 80ern und 90ern stark beschnitten wurde, da es gegen eine damals strenge Produktpolitik verstieß. Um ein Spiel für ein Nintendo-System herauszubringen, musste ein Entwickler erst die Erlaubnis von Nintendo einholen, die es sich vorbehielten das Material unter die Lupe zu nehmen und Änderungen zu fordern. Zu den generell aussortierten Themen gehörten Drogen, sowohl bei Tabak als auch bei Alkohol, Gewalt gegen Frauen, Blut und zu detailreiche Brutalität, vulgäre Sprache, Nacktheit, politische oder religiöse Symbole sowie sexuelle Inhalte in Form von angedeuteten oder expliziten Inhalten. So musste beispielsweise im NES-Spiel Dragon Warrior III eine Schwulenbar für den westlichen Release 1991 rauseditiert werden. Erst zehn Jahre später war das Spiel ungeschnitten auch hier für den Gameboy Color erhältlich. Umso ironischer ist es, dass Nintendo die Ehre zukommt die erste transsexuelle Figur in die virtuelle Spielewelt eingeführt zu haben. Das Spiel Doki Doki Panic, welches westlichen Spielern als ihre Version von Super Mario Bros. 2 für den NES bekannt sein sollte, stellte 1988 einen Miniboss namens "Birdo" ("Catherine" in der japanischen Version) vor, ein Art Dinosaurier in verschiedenen Farben und mit einer Schleife auf dem Kopf, der Eier aus seinem großen runden Maul schießen konnte. Das Handbuch der ersten Editionen des Spiels beschrieb ihn als einen Jungen, der sich für ein Mädchen hält und lieber "Birdetta" genannt werden wollte. In weiteren Auflagen des Spiels und des Handbuchs wurde diese Passage allerdings gestrichen, auch verhinderte Nintendo einige Zeit Birdo als Jungen zu bezeichnen und ließ sie/ihn als reine weibliche Figur auftreten. Gewisse Verwirrungen zu dem Geschlecht des rosa Dinos blieben aber dennoch erhalten, die Nintendo aber mittlerweile wieder einräumt. Die Trophäe in Super Smash Bros. Brawl zu Birdo bezeichnet Birdo als "rosa Kreatur mit unbekanntem Geschlecht".

Das Vorkommen von Homosexualität in Spielen bleibt aber weiterhin eher eine Ausnahme, das selten von Entwicklern und Publishern wenn überhaupt mehr als in einer kurzen Referenz in Spiele eingebracht wird. So traten zwar zwischen 1980 und 2000 impliziert schwule oder lesbische Nebencharaktere in diversen Spielen wie Circuit’s Egde (1989), Return of the Phantom (1993) oder Dracula Unleashed (1993) auf, spielten aber eine minimale oder eine komische Rolle, die oft von dem überzeichneten Bild der damaligen Hollywood-Filme beeinflusst waren. Ein erster richtiger Tabubruch im Medium Videospiel fand allerdings 1995 mit dem Sci-Fi Graphic Adventure "The Orion Conspiracy" statt, in dem Protagonist Devlin McCormack den Mord an seinem Sohn Danny auf eigene Faust untersucht. Bei dem Gespräch mit einem engen Freund des Jungen, erfährt der Vater erst von der Homosexualität seines Sohnes. In gewisser Weise setzt das Spiel somit gleich zwei Meilensteine in der Hinsicht: Zum einen ist es das erste Spiel, in der das Wort „Homosexualität“ überhaupt genannt wird und zum anderen ist es auch das erste Videospiel, in der ein offenkundig schwuler Charakter vorkommt. Vor allem wird hierbei das Thema nicht als "komisches und humoristisches Element" gebraucht, sondern ist Teil einer ernsthaften Auseinandersetzung, etwas was relativ selten ist, damals wie heute.

Die erste Videospielmesse, die sich ganz dem Thema widmet. Notwendig oder Überflüssig?






Während in linearen Spielen die Erwähnung und die Darstellung von LGBT-Inhalten durch Szenario und Story-Verlauf ja auch gar nicht vorkommen muss, ist dies bei Videospielen, die den Spielern möglichst viel Entscheidungsfreiheit lassen eine ganz andere Angelegenheit. Rollenspiele leisteten stets Pionierarbeit wenn es darum ging den Spieler zu ermöglichen sich eine eigene Figur für sein Abenteuer zu schaffen und den Verlauf von Geschichten durch eigenes Eingreifen zu beeinflussen. Ziel vieler Rollenspiele ist es, die Identifikation mit der virtuellen Figur zu optimieren, dem Spieler das Gefühl zu geben, dass er durch eine selbst geschaffene Figur Teil der Spielwelt wird. Bei Entscheidungen, die der Spieler treffen kann, ist oft seine Präferenz gefragt, ob in Moral, Ästhetik oder eben Sexualität. Schließlich erlauben zahlreiche Rollenspiele dem Spieler auch eine Beziehung mit einer der Figuren in der Geschichte des Abenteuers einzugehen. Wann waren Entwickler also auch bereit sich einzugestehen, dass der Spieler eventuell nach seinen eigenen Präferenzen sich nicht für eine Frau/Mann-Beziehung innerhalb des Spiels entscheidet, sondern für eine gleichgeschlechtliche Liaison? Wie sollte man das Thema innerhalb des Spiels zur Sprache bringen und wie sollten die virtuellen Figuren auf die Entscheidung des Spielers reagieren? Sowohl Ultima VI: The False Prophet als auch Ultima VII: The Black Gate (beide für IMB PC 1992) von Origin System erlaubtem dem Spieler in diversen Örtlichkeiten sich für eine gewisse Gebühr in der Spielwelt "unterhalten" zu lassen, wobei nicht zu sehen war, wie die "Unterhaltung" stattfand. Interessant ist nur, dass der Spieler sich unabhängig vom Geschlecht eine männliche oder weibliche Begleitung aussuchen durfte, eine Entscheidung, die aber keine Reaktion innerhalb der Spielwelt hervorrief. Das ist sicherlich aber nicht nur dem Fakt zu zusprechen, dass Entwickler das Thema Homosexualität nicht offen ansprechen wollten. Tatsache ist, dass das Thema Sex in Videospielen, egal in welcher Form, selten zur Sprache kam, einfach weil es zu diesen Zeiten noch mehr als Medium für Kinder und Teenager betrachtet wurde. Sex und sexuelle Inhalte waren selten mehr als impliziert und eine Randerscheinung, dessen direkte Ansprache möglichst direkt vermieden wurde.

Wenn es darum geht, welches Videospiel dieses ungeschriebene Gesetz brach, gehört Fallout 2 sicher zu den allerersten. In der postapokalyptischen Spielwelt von Fallout ist das älteste Geschäft der Welt auch nach dem Zusammenbruch der modernen Gesellschaft noch weiterhin präsent und wird zur direkt angesprochenen Dienstleistung. Obwohl das Spiel Sex in keiner grafischen Repräsentation darstellt, so wird es als Stilmittel eingesetzt, um den Stand der Menschheit auch zwei Jahrhunderte nach dem Ende der Welt wie wir es kennen zu demonstrieren. In einem Videospiel von 1998 eine wahre Revolution. Noch mehr, da es Charakteren mit einem Wert von 8 Charisma oder mehr möglich war an einer bestimmten Stelle im Spiel der Tochter oder dem Sohn eines Schlachthausbesitzers eine gemeinsame Nacht anzubieten. Egal ob man sich für Tochter oder Sohn entscheidet, die angefangenen Schäferstündchen werden von dem wütenden Vater unterbrochen, der den Spieler zur Heirat zwingt, was je nach Kombination in eine ziemlich witzigen Heiratsszene führt (und den Spieler dazu zwingt sich zu überlegen, wie er sich daraus wieder herauswindet). Auch wenn das Thema an der Stelle sicher mehr komisch als ernsthaft angesprochen wird, so bleibt es doch eine offene Ansprache auf die Entscheidung und Sexualität des Spielers, was es bis zu dem Zeitpunkt in dieser Form gar nicht gab. Zudem ist Fallout 2 somit der erste Spiel, welches eine gleichgeschlechtliche Ehe für den Spieler ermöglichte.

Pink & Schwul: Die Darstellung von homosexuellen Figuren wühlt oftmals arg in Klischees.


Dass das Thema für Spieleentwickler aber weiterhin ein heißes Eisen blieb, bewies Blizzard in den frühen Jahren des Online-Rollenspiels World of Warcraft, welches in kürzester Zeit zum Massenphänomen wurde. Im Jahr 2006 bestrafte Blizzard einen Spieler, der seine Gilde als besonders schwulen- und lesbenfreundlich bewarb. Grund für die Abmahnung war ein angeblicher Verstoß gegen die "Belästigungspolitik" des Onlinespiels. Der Spieler verteidigte sich zwar damit, dass er nicht vorhatte jemanden zu belästigen, doch Blizzard wies das Argument dadurch von der Hand, dass angesprochene Schwulen- und Lesbenfreundlichkeit bestimmte Spieler dazu bringen würde andere Spieler zu belästigen, die ohne diese Erwähnung nicht belästigt worden wären. Eine denkwürdige Aussage, die vor allem entlarvt, dass es nicht unbedingt die Spieleentwickler sind, die LGBT-Inhalte nicht ansprechen wollen, vermehrt geht es hierbei darum, dass sie sich Sorgen machen wie die Spieler mit diesen Inhalten umgehen würden. Von ähnlichen Beispielen kann auch Spieleentwickler Peter Molyneux berichten, der mit seinem eigenen Rollenspiel Fable ebenfalls dem Spieler ermöglichen wollte eine gleichgeschlechtliche Beziehung einzugehen. Dies wurde von Publisher EA offenbar mit jeder Menge Bedenken beobachtet, da sie sich zu keinen Kontroversen hinreißen lassen wollten. Auch BioWare musste damals federn lassen. Im 2007 erschienen Rollenspiel Jade Empire übernimmt der Spieler in einem mythologischen China die Rolle eines Lehrlings von fernöstlichen Kampfkünsten. Im Laufe seines Abenteuers trifft er auf viele Verbündete, die ihm bei seiner Reise helfen und wie es bei BioWare zur Tradition werden sollte, liegt ein großer Fokus auf den Gesprächen und Beziehungen mit den Figuren des Spiels. Im Verlauf der Handlung kann der Spieler durch eine bestimmte Auswahl von Gesprächsoptionen eine Romanze mit einer Figur seiner Wahl aufbauen. Die Figuren Weiter Himmel und Seidenfuchs erwiderten allerdings auch Annäherungsversuche von Spielern mit dem selben Geschlecht. An einer bestimmten Stelle des Spiels, kurz vor der letzten Schlacht, wird, egal welche Figur sich der Spieler für seine Romanze ausgesucht hat, es zu dem ersten Kuss beider Spielfiguren kommen. Während die Kussszenen zwischen Frau und Mann allerdings gezeigt werden, blendet das Spiel schnell in einen schwarzen Bildschirm über, falls der Spieler sich an der Stelle für eine gleichgeschlechtliche Romanze entschieden hat. Diese Beispiele machen jedenfalls deutlich, dass viele Entwickler und Publisher den allgemeinen Videospielern keinen Umgang mit einem brisanten Thema wie Homosexualität zutraut und negative Reaktionen fürchten. Doch steht es wirklich so schlimm um die angebliche Intoleranz der Spieler? Blizzard hat sich nach Protesten von Spielern für die damalige Abmahnung entschuldigt und ermöglichte im Valentins-Feiertag in World of Warcraft, dass Spieler auch gleichgeschlechtlichen Figuren Liebesgeschenke machen konnten. EA entschloss sich die gleichgeschlechtliche Heirat in Fable drin zu lassen, nachdem Molyneuxs Ankündigung auf der E3 von vielen Spielern positiv aufgenommen wurde. Und BioWare ist mittlerweile bekannt dafür homosexuelle Beziehungen in Spielen wie Dragon Age oder Mass Effect mit der gleichen Darstellung in Ästhetik und Emotionalität zukommen zu lassen wie heterosexuelle. Vielleicht kann man also Videospielern doch mehr zutrauen, als man es zunächst vermutet.

Mass Effect 3 bietet eine optionale, gleichgeschlechtliche Romanze für Protagonist Shepard an.


Warum muss Homosexualität in Videospielen überhaupt sein? Die Frage ist in gewisser Weise berechtigt, da das Medium Videospiele sicherlich keine obligatorische Verpflichtung zur Darstellung von Sexualität besitzt. Entwickler können selbst entscheiden welche Themen innerhalb des Spiels zum Tragen kommen und welche nicht und müssen sich hierbei keinem Gleichberechtigungskodex unterwerfen. Sexualität in Spiele reinzubringen, in denen sie nicht reingehören ist auch sicher albern. Aber die Darstellung von homosexuellen Charakteren als glaubhafte Figuren ist ebenso wichtig wie die Darstellung von glaubhaften, weiblichen Figuren in Videospielen - reine Konzentration auf eine junge männliche heterosexuelle Zielgruppen grenzt ein Medium wie dieses schlicht und ergreifend zu stark ein bzw. aus. Besonders homosexuelle Teenager haben es nötig Vorbilder zu besitzen, mehr als jeder andere Teenager, der mit seiner Sexualität innerhalb des Heranwachsens nicht in Konflikt gerät. Videospiele bieten eine virtuelle Welt, in der Spieler keine Diskriminierung für ihre Ansichten, ihren Glauben oder ihre Sexualität erfahren. In der Hinsicht bietet die virtuelle Spielelandschaft Homosexuellen öfters nicht nur mehr Rechte als im realen Leben, sondern auch mehr Akzeptanz. Besonders in den USA gehört Sex noch zu den brisantesten Themen. Viele moderne Videospiele geizen auch nicht gerade mit dem Thema und verwenden Sexualität oft in einer plakativen und voyeuristischen Art und Weise. Ein gedankenvoller Umgang mit dem Thema Sex ist in Spielen daher von Grund auf schwierig, noch mehr wenn man auch über den Tellerrand hinaus blicken will. Für ein Heranwachsen und Erwachsenwerden des Mediums Videospiel ist dies aber ohne Frage absolut notwendig und förderlicher als das Totschweigen von unangenehmen und brisanten Themen sowie Situationen. Auch wenn Methodik und Vorgehensweise dieser Konfrontation bisher sicher eine Sache der Auslegung ist und nie für alle eine zufriedenstellende Einigung bringen wird, so müssen Spieler wohl in Videospielen, wie auch im realen Leben, zukünftig damit umgehen lernen, dass es Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen gibt. Das muss ja nichts Schlechtes sein.


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