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Silent Hill: Revelation Review

Der neue Film zur bekannten Horror-Spielreihe kommt bald ins Kino. Consolewars war bereits vor Ort und konnte sich den Streifen schon ansehen.

Freitag, 23. November 2012 um 13:41 von HatWolf

Wahre Freunde des Horror kamen nie um Konamis Videospiel-Serie Silent Hill herum. Diese ließ zwar in den letzten Jahren stark nach, steht in ihren ersten drei bis vier Spielen trotzdem für beklemmende Atmosphäre, düstere Geschichten und eine feine, sehr subtile Art von Horror, die ein ständiges Gefühl der Unsicherheit den ständigen Schreckgespenstern von Zombies, Geistern und anderen bekannten Monstern vorzieht. Die Kreaturen, die die Welt von Silent Hill bevölkern, sind leidende, zerstörte Wesen, verzerrt in Geist und Körper, welche die inneren Konflikte der Protagonisten auf fast voyeuristischer Art und Weise nach Außen tragen. Silent Hill ist keine böse Macht von Außen, sondern der wahrhaftige Horror, den Menschen für sich selbst schaffen, was es nicht nur erschreckend, sondern fast poetisch macht. Für eine Filmumsetzung bietet das natürlich genug Raum und Fläche, um einen wahrhaftigen, menschlichen Alptraum zu erschaffen. Oder man macht daraus eine Spukhausachterbahn mit billigen Jump Scares, seichtem Soap Drama und einer sinnbefreiten Handlung, die mit 3D-Effekten ihre mangelnde Tiefe ausgleicht. Das ist natürlich auch möglich.


Vincent Carter (Kit Harington) steht im Konflikt
zwischen seinem bösartigen Kult und dem Mädchen, dass er seit 5 Minuten kennt. Wahres Drama.

Silent Hill: Revelation heißt der zweite Teil der Videospiel-Umsetzung, wobei hier der Regiestuhl von Christophe Gans an Michael J. Bassett (Solomon Kane) übergeht. Die Handlung folgt dabei lose dem dritten Teil der Spielreihe, in der die junge Heather Mason (Adelaide Clemens) zum trostlosen Ort Silent Hill zurückkehren muss, um ihren Vater Harry Mason (Sean Bean) vor einem bösen Kult zu retten. Die plötzliche Namensänderung der Figuren (aus Sharon wird Heather, aus Christopher wird Harry) rührt übrigens von dem irrwitzigen Wunsch der Filmemacher her, die Handlung von Silent Hill 3 auf die Leinwand zu bringen und trotzdem an den ersten Film anzuknüpfen, der typischerweise die Spielhandlung samt Charaktere völlig veränderte. Ergebnis ist ein wahrhaftes Chaos aus widersprüchlicher Charaktermotivation, störender Übergänge und arg fabrizierten Handlungssträngen. Steckten Rose und ihre Tochter Sharon am Ende von Christophe Gans' Filmumsetzung noch in der Welt von Silent Hill fest, so erklärt die Fortführung die Befreiung von Sharon mit einem Siegel, welches in einer Rückblende zwar zum Einsatz kommt, aber im weiteren Handlungsverlauf nur bedingt noch etwas beiträgt. Auch der eigentlich komplett vernichtete Kult aus dem ersten Teil kehrt von den Toten zurück. Nur die Anführerin Christabella wieder zu beleben, wäre dann doch etwas zu albern gewesen. An ihre Stelle tritt eben ihre Schwester Claudia. Um der Absurdität die Krone aufzusetzen, vereint Revelation in dem neuen Orden den christlich fanatischen Kult des ersten Films und den bösartigen Kult aus dem Spiel. Ergebnis ist eine fromm gottgläubige Vereinigung, die nun einen bösen Gott aus der Hölle beschwören will. Warum auch nicht? Jeder braucht wohl ein Hobby.


Pyramidhead sitzt im Karussell und treibt es manuell an. Neue Lieblingsbeschäftigung?

Optisch trifft Silent Hill: Revelation eigentlich perfekt die Spielreihe. Kulissen und das Design der schaurigen Welt von Silent Hill ist gut getroffen, auch der Soundtrack von Silent Hill-Größe Akira Yamaoka passt punktgenau. Selbst die unheimlichen Monster sehen klasse aus und perfekt für eine richtige Umsetzung des Spiels. Ruiniert wird das Ganze leider nur durch die inkonsequente Richtung, die die Handlung einschlägt und die peinlichen Klischeedialoge. Kit Harington gibt hierbei als Heathers Freund und geheimer Kultanhänger Vincent eine schauspielerische Leistung ab, die für "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" ungenügend wäre. Die Schuld liegt aber nicht unbedingt bei ihm, da die Handlung und die gestelzten Dialogzeilen kaum Raum für Höhepunkte lassen. Adelaide Clemens' Darstellung von Heather Mason kommt ebenso lustlos rüber und wird nur übertroffen von Sean Bean, der durch den Film stolpert als sei er eben gerade aus dem Bett gefallen. Das restliche Ensemble von Schauspielgrößen wie Malcolm McDowell und Carrie-Anne Moss kommen in ihren kurzen Szenen ebenfalls kaum zum Zuge.

Silent Hill: Revelation ist am Ende leider reine Zeitverschwendung geworden. Weder für Fans der Spiele, noch für reguläre Kinogruselfreunde ist der Streifen geeignet, höchstens für die "Bad Taste"-Fraktion, die sich über Filme noch ironisch amüsieren kann. Die schiere Albernheiten der Handlung, der Dialoge und der Schauspieler können nämlich tatsächlich in dem Sinne unterhalten, allerdings reiht sich Revelation trotzdem in die lange Tradition der schlechten Videospielverfilmungen ein. Schade.

Für jemanden der Horrorspielen kaum etwas abgewinnen konnte und den Hype um Resident Evil nie verstand, war das erste Silent Hill Spiel so etwas wie eine Offenbarung: Kein billiger Splatterhorror, sondern subtil gemachter Panik-Horror verführte, ja gar verdammte den Spieler nach Silent Hill um dort nach seine verschwundenen Tochter zu suchen. Überraschend war die Art wie Konami damals in den ersten zwei Teilen der Serie Musik und Optik gekonnt einsetzte um den Horror im Kopf so sehr zu intensivieren, dass man mit erhöhtem Puls und leicht panisch im Zimmer saß und diese Spiele spielte.
Konnte der erste Teil des Films die Hauptelemente die das Spiel so packend machten, gekonnt auf die Leinwand adaptieren, verblasst der zweite Teil in dessen Vergleich.


"Talk to the hand 'cause the face ain't listening..."

Nur ein Beispiel: Wurde der infernale Klang der Sirene im ersten Teil (sowohl im Spiel als auch im Film) zum Vorboten des Horrors und verursachte beim Spieler bzw. Zuschauer Schweissausbrüche durch die zu erwartenden Ankunft des Bösen, so schafft der zweite Teil nichts von dem, er verstrickt sich sogar aufgrund gewollter Effekthaschereien zu einem billigen abstottern aller Horrorelemente der Silent Hill-Reihe. Es werden somit vollkommen sinn- und kontextlos Monster und Bösewichter gezeigt nur um sie gezeigt zu haben und um einen vermeintlichen Fanwillen gerecht zu werden. Das ist in der Ausführung im zweiten Teil nicht nur lächerlich, sondern macht die auch so schon sehr dünne Story geradezu absurd. Wie kann man es denn erklären, dass der vernichtete Kult aus dem ersten Teil im zweiten Teil einfach munter weitermacht. War Alessa also doch nicht erfolgreich? Oder gab es doch zwei Kirchen? Alles unwichtig, denn der Splatter ist das einzige was in Silent Hill: Revelations zählt. Die Regie geht sogar dermaßen weit, dass Monster aus Silent Hill Menschen in der realen Welt töten. Wie das geht? Alles eine Frage der Sichtweise.

Silent Hill, das in den Spielen und auch im ersten Film noch teilweise die Menschen zur Buße und Reflektion über Ihre eigenen Sünden zwingt, wird zum Höllentor und gebärt Monster über Monster ohne wirklichen Sinn. Braucht ihr noch mehr Sinnlosigkeiten? Wieso gibt es in Silent Hill noch eine "funktionierende" Anstalt für Geisteskranke, in der Monster umherlaufen und lebende Menschen in Ihren Zellen eingesperrt werden, diesen aber nichts passiert? Und wieso stürzen Ärzte zur Lobotomie eines Gefangen in einen OP wo die berüchtigten Krankenschwestern nur darauf warten sie zu zerfetzen? Fragen, die uns nur Regisseur Michael J. Bassett beantworten kann.




Wir können uns nicht entscheiden welcher Film schlechter ist: Silent Hill Revelations oder Resident Evil: Extinction. Sucht es Euch aus: Karusell-fahrenden Pyramid-Head oder Umpa-Lumpa-Zombies (Las Plagas, ok?) aus der Umbrella-Retorte.

3/15


+1 Punkt für unfreiwillig komisch.



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