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Im Blickpunkt: Nvidia Shield Tablet

Warum Nvidia´s neues Gaming Tablet beeindruckt, aber trotzdem nur eine Machbarkeitsstudie bleiben wird.

Freitag, 17. Oktober 2014 um 06:21 von trip


Alles auf Anfang. Nvidia hat von seinen Fehlern gelernt und versucht nach dem erfolglosen Shield Portable erneut im mobilen Gaming Markt Fuß zu fassen. Anders als der direkte Vorgänger entspricht das Shield Tablet eher einem traditionellen Tablet als einem Handheld und ist somit deutlich alltagstauglicher geworden. Eine alternative für PSVita, 3DS und Co?

Die eierlegende Wollmilchsau?



    Prozessor Nvidia Tegra K1, 4 x 2,2 Ghz
    Display 8 Zoll, 1920 x 1200
    Speicher/RAM 16/32 GB, 2 GB
    Batterie 5500 mAh
    Betriebssystem Android 4.4.2 mit Erweiterungen
    Mini-HDMI
    Preis ca 299 Wifi-only mit 16 GB, ca 380 mit LTE und 32 GB

    Inklusive
    DirectStylus 2, Dabbler,
    Twitch-Integration, Nvidia Gamestream
    2x Kameras mit je 5 Megapixel,




Das Herz des Shield Tablet bildet der Tegra K1, welcher auf derselben Architektur, wie die Geforce 600er-Reihe basiert und 4 Prozessorkerne mit jeweils 2,2 Ghz bietet. Der Arbeitsspeicher beträgt heute schon standardmäßige 2 Gigabyte, der Systemspeicher mit 16 bzw. 32 Gigabyte zwar recht knapp bemessen, über MicroSD lässt sich der Speicher auf bis zu 128 Gigabyte zusätzlich aufrüsten. Damit einer Veröffentlichung auf Twitch nichts im Weg steht, spendierte man dem Gerät 2 Kameras mit jeweils 5 Megapixel. Diese erledigen ihren Dienst zwar zuverlässig, von einer hohen Qualität wie bei klassischen Smartphones kann man aber nicht sprechen. Wer seine Mitmenschen auch im Regionalbus mit seinem persönlichen Musikgeschmack beglücken möchte, darf sich sehr gute, aber auch sehr laute Lautsprecher freuen.

Die schiere Rechenpotenz des Shield Tablets macht das Gerät bisher einzigartig auf dem Markt. Der Tegra K1 bietet 384 GFLOPS bei einem Verbrauch von 5-7 Watt, welcher nur in Benchmarks und sehr rechenintensiven Apps tatsächlich erreicht wird. Dieser Wert bezieht sich auf das komplette Gerät inklusive Display (sic!), eine Geforce 8800 Ultra aus dem Jahr 2007 gönnte sich alleine schon für 387,1 GFLOPS noch schlappe 209 Watt.

Mit dem mitgelieferten Zeichenprogramm Dabbler zeigt Nvidia auch gleich, wie man den K1 auch außerhalb von Spielen und Benchmarks richtig auslasten kann. Dank der 3D-Beschleunigung Verlaufen Wasserfarben physikalisch korrekt, unterschiedlicher Lichteinfall wird in Echtzeit berechnet und selbst das simulierte Wasser in den Wasserfarben trocknet auf Wunsch in derselben Zeit, wie es in der Realität trocken würde. Es natürlich kein Ersatz für Photoshop und einem Wacom Digitizer, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Bei der ganzen Leistung, die uns der K1 bietet, wollen wir den eigentlichen Sinn hinter dem Shield Tablet nicht vergessen. Bereits der Vorgänger gilt als echter Geheimtipp für Fans von Emulatoren und so ist es nicht verwunderlich, dass dasselbe auch für das Shield Tablet gilt. Der Google Playstore bietet auch einige noch Tegra 4 optimierte Titel wie das Altehrwürdige Half Life² oder den Kultpuzzler Portal an. Es ist schlicht und ergreifend beeindruckend, wie gut die Source-Engine auf so einem Gerät läuft und für 7,99 Euro pro Titel kann man echt nicht meckern. Damit alles auch gut steuerbar bleibt, bietet Nvidia für knapp 60 Euro einen optionalen kabellosen Controller an. Dieser wird über Wlan mit dem Tablet verbunden und soll so eine besonders geringe Latenz bieten. Wir haben auf einen Test verzichtet, da dieser trotz einiger interessanter Konzepte kaum Mehrwert gegenüber der Konkurrenz bietet. Besitzer eines Xbox360 Controller für Windows dürfen sich freuen: Dank eines Micro-USB zu USB-2.0 Adapters lässt sich der Quasi-Standard unter den Controllern ohne Probleme mit dem Shield Tablet verbinden.

De brevitate vitae



Egal, für welchen Controller man sich letztlich entscheidet, ohne einen ist das ganze Gerät nur bedingt nutzbar.

Dieser ist spätestens im sogenannten „Konsolen-Modus“ Pflicht, welcher das Tablet in eine stationäre Konsole verwandelt. Dazu wird das Tablet per Mini-HDMI an einen normalen Fernseher angeschlossen, der komplette Bildschirminhalt wird nun statt den nativen 1200p in 1080p wiedergegeben. Dadurch ist der Playstation ¾ Controller nur bedingt für das Shield einsetzbar, da bei jedem Umschalten in den Konsolen-Modus das Tablet rebootet und damit die Bluetooth-Verbindung automatisch beendet. Eigentlich sollte eine erneute Koppelung kein Problem sein, aber genau da beginnt die Problematik:

Erstens lässt sich der Playstation Controller nur durch eine Modifikation und einer kostenpflichtigen App überhaupt zu einer Zusammenarbeit mit „betriebsfremden“ Geräten überreden.

Zweitens bleibt beim Konsolen-Modus das Display des Shields zwar dauerhaft schwarz, aber witzigerweise werden Eingaben darauf erkannt. So ist es zwar theoretisch möglich eine erneute Koppelung zu starten, es braucht aber viel Glück und Geduld, da eine Eingabe unpräzise und nicht sichtbar ist.

Warum Nvidia überhaupt in diesem Modus das Display deaktiviert, wissen nur die Götter. Die Argumentation mit dem Energiesparen gilt nur bedingt, schließlich gibt es ja noch den sogenannten „Spiegel-Modus“. Dieser gibt auf dem Tablet die nativen 1200p Auflösung wieder, auf dem Fernseher wird das Ganze dann gleichzeitig als gestauchtes Bild mit Rändern wiedergegeben. Dass es für dieses Problem die passende (kostenpflichtige) App gibt, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Nvidia versucht wohl mit aller Kraft, den Konsolen-Modus schmackhaft zu machen und auf der anderen Seite möglichst viel unerwünschtes Zubehör auszusperren.

Wer keine Lust auf Ports und Minispielchen hat, darf sich seine PC-Spiele per Wlan oder LTE auf sein Tablet streamen lassen. Dazu wird der Bildschirminhalt in ein Live-Video umgewandelt und anschließend auf das Endgerät übertragen. Voraussetzung dafür ist, dass der heimische Rechenknecht mindestens mit einer Geforce Grafikkarte der 600er-Reihe ausgestattet ist und das man einen leistungsstarken Wlan-Router im Haus hat, welcher am besten noch im 5-Ghz-Bereich funkt. Sollte zumindest das Letztere wie bei Autor nicht zutreffen, ist die maximale Streaming Auflösung auf 720p begrenzt. Der lahmende Breitbandausbau in Deutschland und der Unwillen der Internet-Provider, vernünftige Router anzubieten zollen hier ihren Tribut.

Kommen noch Störsignale ins Spiel, kann die Auflösung auch schnell unter 480p rutschen. So geschehen beim streamen von Half Life 2, welches auf dem PC unter FullHD zwar mit knapp 300 FPS berechnet wurde, auf dem Tablet aber in 360p wiedergegeben wurde. Wie wird wohl dann die Streaming-Auflösung im Konsolen-Modus sein? Wir haben das Ganze in der Praxis ausprobiert und wurden vom Ergebnis überrascht. So flimmerte ohne Probleme GTA IV in seinen 1080p auf dem Fernseher, allerdings nicht in der Qualität, die nativ vom Rechner daneben berechnet wurde. Insgesamt ist das Ganze eine interessante Geschichte, zeigt aber zugleich auch die großen Schwächen von OnLive, Playstation Now & Co. Ein Wechsel des Routers kann hier natürlich Abhilfe leisten, ist aber nicht sinn der Sache. Ein von Nvidia zertifiziertes Gerät kostet meistens über 100 Euro, das Tablet ab 299 Euro und der passende Controller nochmals 60 Euro. Wer also schon ein recht aktuelles Tablet hat, sollte sich einen Kauf gründlich überlegen, schließlich bekommt man für dieses Geld schon eine aktuelle Konsole mit Spiel.Ärgerlich ist auch die Batterielaufzeit, welche das Tablet nach durchschnittlich 6 Stunden, bei rechenintensiven Apps sogar schon nach ca. 3 Stunden an die Steckdose zwingt. Auch stellt sich der Tegra K1 nach einiger Zeit als ein kleiner Hitzkopf heraus, welcher das ganze Gerät auf eine fast schon unangenehme Temperatur aufheizt. Nvidia hat zwar viel Arbeit in Kühlung investiert, scheitert wie die Konkurrenz an dem typischen Einschränkungen dieser Geräteklasse.


IMHO: Nicht perfekt, aber brauchbar



Nvidia darf sich zu Recht auf die Schulter klopfen, eine so leistungsfähige und zugleich so energieeffiziente Architektur geschaffen zu haben. Der Akku-Verbrauch ist zwar ärgerlich, auf Grund der gebotenen Leistung aber nachvollziehbar. Die Ausstattung des Shield Tablets ist für den Preis ab 299 Euro vollkommen in Ordnung und stellt eine gute Alternative für das kommende Nexus 9 dar. Dieses wird knapp 400 Euro kosten und voraussichtlich weniger aufs Spielen ausgelegt sein, trotz vermeintlich besserer Hardware. Trotz der gebotenen Leistung habe ich bisher keinen Grund gefunden, meine bisherigen Konsolen einzumotten. Die Spieleauswahl ist trotz der großen Auswahl im Google Playstores nicht auf dem hohen qualitativen Niveau, wie man sie auf Handheld und den stationären Konsolen gewöhnt ist. Warum Vorzeigetitel wie Bioshock und Knights of the Old Republic immer noch keine Umsetzung für Android bekommen haben, bleibt mir nach wie vor schleierhaft. Half Life ² und Portal mögen zwar zeitlose Klassiker sein, stellen aber kein ernst zu nehmendes Kaufargument da.

Bereue ich die Anschaffung ? Zu keinem Zeitpunkt. Nach 5 Jahren wurde es einfach Zeit, mein altes Galaxy Tab in den wollverdienten Ruhestand zu schicken. Ich male gerne mit Dabbler und auch im Alltag verhält sich das Tablet genauso, wie man es von einem hochwertigen Tablet erwarten kann.
Das Streamen von Spielen mag zwar eine feine Sache sein, auf Grund der vielen Baustellen kann ich aber noch einige Zeit darauf verzichten. Ich muss ganz ehrlich zugeben dass das Hauptargument für einen Kauf die breite Möglichkeit der Emulation war. Viele PSP Titel laufen auf Anhieb in voller Geschwindigkeit und in FullHD, ebenso wie viele andere System aus den alten Tagen. Und Shenmue mobil zuspielen hat schon etwas leicht nerdiges ;)

Fazit: Technikfans, die schon alles haben oder denen ein IPad zu Mainstream ist, bekommen eine interessante Machbarkeitsstudie für einen guten Preis.




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