Einloggen

Du bist noch nicht bei consolewars registriert? Dann erstelle
jetzt ein Benutzerkonto!

Gabe Newell, Steam, Windows 8 und das Linux-Druckmittel

Was hinter der Kritik stecken könnte und was Konsolen damit zu tun haben

Dienstag, 31. Juli 2012 um 14:45 von tkx

Gabe Newells Aussagen über Windows 8 haben in der letzten Woche für ziemlich viel Aufregung gesorgt, da er nicht weniger behauptet als dass Windows 8 eine Katastrophe sei. Die bisherigen Kritiken an Microsofts neuster Betriebssystem-Version bezogen sich auf die Problematiken mit der neuen Metro-Oberfläche in Bezug auf einem normalen Desktoprechner wo Hand- und Fingergesten nicht genutzt werden können.

Newell schlägt hingegen in eine andere Kerbe, er kritisiert nicht direkt die Touch-Funktionalität des Betriebssystems, sondern viel mehr die Absicht Microsofts in Zukunft ähnlich wie Apple Software für die neue Metrooberflächliche ausschließlich über den Microsoft bzw. Windows Store anbieten zu wollen.

Das Muster der Kritik ähnelt jener die Newell schon 2007 geäußert hat aber damals in Bezug auf Konsolen: Das Entwickeln auf Konsolen wäre generell die "Verschwendung von jedermanns Zeit und eine Katastrophe auf vielen Stufen [...]" Er behauptet auch, dass die Konsolenhersteller sich gut daran täten, ihren Fehler (nämlich die Entwicklung der Konsolen überhaupt) zuzugeben, und diese einzustampfen.

Woher kam die Kritik und wieso äußerte er sie? Damals wie auch heute sieht er die Existenz von Steam durch neue Plattformen bedroht: Die neue Konsolengeneration rund um die XBOX 360 und PS3 war nicht nur erfolgreich sondern es schien auch so zu sein, dass die Konsolen dem PC endgültig den Rang ablaufen und der PC zum Nischenprodukt würde. Dadurch würde auch Steam marginalisiert werden, da ein Wachstum ohne neue Kunden nicht möglich ist. Heutzutage sind dank Wii, PS3 und XBOX 360 Konsolen in jedem Haushalt anzutreffen, auch in solchen, wo man vorher keine Konsolen vermutet hätte aber der PC ist nicht in der Versenkung wie von manchen befürchtet (oder auch erhofft) verschwunden. Steam erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit und Newell konnte aufatmen.

Offene Plattformen sind wichtig. . .



Seine Kritik an den Konsolen fokussiert sich auf die proprietäre und geschlossene Vertriebsstruktur, die das Konsolengeschäft geprägt hat: Der Hersteller hat die totale Kontrolle über die Software die auf der eigenen Konsole läuft. Die aggressive Lizenzierungspolitik, von Nintendos Hiroshi Yamauchi erfunden und geprägt, ist das, was Newell im Kern kritisiert, denn Valves Erfolg kommt von einer "offenen" Plattform, dem PC.
Durch seine heftigen Tiraden konnte Newell aber etwas bewirken, was vor ihm keiner in diesem Ausmaß schaffte: Er bekam Zugang zu Sonys proprietäre Playstation Network und integrierte einen Teil von Steam (Steamworks, eine API mit der Spiele mit der Steam-Plattform interagieren können), was natürlich so etwas wie ein Fuß in der Tür im Konsolenbereich gesehen werden kann. Natürlich war er anschließend voll des Lobes für Sony und bezeichnet die Plattform als "offen" während er weiterhin gegen Microsofts XBOX Live ätzte.

. . .damit geschlossene schön Gedeihen können.



Inzwischen sollte das Muster erkennbar sein, nach dem Newell handelt: Die Kritik an Windows 8 richtet sich offensichtlich auf den Windows Store. Nachdem Gabe Newell 13 Jahre lang bei Microsoft gearbeitet und maßgeblich an den ersten Versionen von Windows mitgearbeitet hatte, verließ er seinen Arbeitgeber und gründete er 1996 mit einem Kollegen Valve. Dort stellte er die Mittel für die Entwicklung von Half-Life bereit und entwickelte anschliessend mit Steam einen eigenen Umschlagplatz für Spiele und streicht pro verkauftem Titel einen Teil des Verkaufswerts ein. Wenn in Zukunft Spiele über den Windows Store gehandelt werden, der ja als Teil des Betriebssystems immer integriert ist, wird Valves Steam ein Problem bekommen mit der Akquirierung zukünftiger Kunden.

Die bisherigen Kunden werden weiterhin Steam nutzen und wahrscheinlich auch weiterhin Spiele dort kaufen - denn die bereits getätigten Käufe sind unumgänglich mit Steam verdongelt. An diesem Punkt ist Steam genauso geschlossen wie die anderen Systeme, die er kritisiert. Er ist sogar noch schlimmer, da Steam die totale Kontrolle über die gekauften Titel eines Nutzers hat.

Microsoft steht durch Apple unter Druck und der klassische PC verliert an Boden. Immer mehr Menschen greifen zu Tablet-PCs die immer öfter verkauft werden und welche sich Software aus geschlossenen Systemen beziehen. Microsoft kann sich Gabe Newells Kritik anhören, hat aber nicht wirklich andere Optionen als einen Windows Store für Windows 8 anzubieten: Da das neue Windows nicht weniger als für alle Hardwareformate herhalten soll, ist es für Microsoft ratsam, dass sie mehr Kontrolle über die Software, die auf diesen z.T. sehr unterdimensionierten Geräten (z.B. billige Smartphones mit kleinem Akku und wenig Speicher) läuft, ausübt. Gerade Windows RT, die ARM-Prozessorversion von Windows 8, wird auf den Store angewiesen sein. Microsoft belässt es aber nicht dabei: Die Integration von XBOX Live in Windows 8 ist Newell auch ein Dorn im Auge, zementiert es doch die Vormachtstellung dieser Plattform - einer Plattform, auf die Valve keinen Zugriff hat.


Es geht um harte Dollar




Newell und Valve saßen aber nicht untätig herum und er hat wieder unterstrichen, dass er Steam auf Linux portieren wird. Eine Portierung von Steam auf den Mac gibt es seit etwa zwei Jahren. Die meisten Valve Spiele laufen auf dem Mac und die Entwicklung könnte ähnlich auf Linux verlaufen nur gibt es ein Problem mit Linux: Seit 20 Jahren wird Linux der Sieg über den Windows-Desktop-PCs vorhergesagt aber dieser Tag tritt aus den verschiedensten Gründen nicht ein. Nicht zuletzt, weil es kaum Spiele für das System gibt und man für die meisten Spiele dann doch Windows laufen lassen muss. Vielleicht schafft es Valve mit der Portierung von Steam und einigen Spielen Linux attraktiver zu machen, aber sehr wahrscheinlich zielt Newell eher darauf ab, Microsoft zu bewegen Steam bzw. Steamworks in den Windows Store oder XBOX Live zu integrieren. Ob das klappen wird, steht in den Sternen, denn Microsoft sieht XBOX Live auf dem richtigen Weg und als die Online-Gaming-Plattform überhaupt. Der Erfolg des Dienstes gibt Microsoft jedenfalls recht. Valve wird mit Linux neue Kunden erschliessen können, aber bei weitem nicht so viele erreichen wie es auf Windows möglich ist.

Ist Newells Kritik im Grunde nicht scheinheilig? Geht es bei dieser nicht darum, dass Newell seine geschlossene Plattform auf jeder anderen geschlossenen Plattform anbieten möchte? Er möchte den PC weiterhin als "offene Plattform" sehen und führt an, dass es ohne den PC Valve, id, Epic, Zynga, Facebook und sogar Google nicht geben würde. Microsoft wird ja den normalen Desktop nicht eliminieren, Steam wird weiterhin auf Windows 8 funktionieren, aber es stört Newell offenkundig, dass auf dem PC nun auch ein proprietärer Store seine Pforten öffnet und dieser Store nicht sein Store ist. Man sollte die gesamte Kritik recht gelassen und eher als taktieren von Seiten Newells als einen Frontalangriff auf Windows sehen. Ob Windows 8 durch die Metro-Oberfläche bei den bisherigen Desktopnutzern gut ankommt und die Strategie des einen Betriebssystems für alle Plattformen wirklich aufgeht, lässt sich noch nicht abschätzen und bedarf weiterer Analysen.


X

Liebe Leute, wie ihr wisst, benutzen alle Webseiten Cookies um Daten von Euch zu speichern. Andere speichern ziemlich viel, wir aber benutzen die Cookies nur, um euren Login zu speichern, und speichern wie lang ihr auf CW wart (für die Achievements). Durch das Benutzen unserer Webseite akzeptiert Ihr unser Cookiemanagement.