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Filmkritik: Ralph reicht's

Eine Kritik zu einem Film auf CW? Nun, immerhin geht es in Disneys neustem Machwerk ja auch um Videospiele.

Mittwoch, 12. Dezember 2012 um 14:46 von HatWolf

Geben wir es zu: Die Idee zu so einem Film hatte jeder von uns irgendwann einmal. Ein Film, wo viele bekannte Videospielcharaktere zusammen kommen, miteinander interagieren und in dem die Welt "hinter" dem Spiel gezeigt wird. In Ralph reicht’s (Originaltitel "Wreck-it Ralph") bringt Disney die Welt der Videospiele zum Leben und das ganz ohne Schützenhilfe von Pixar, die für längere Zeit mit ihren computeranimierten Familienfilmen das Studio mit der Maus in den Schatten stellten. Hauseigene Versuche einen computeranimierten Film zu erschaffen, artete bei Disney auch mal gerne in experimentell-cineastische Katastrophen wie "Himmel und Huhn" oder "Triff die Robinsons" aus, wobei Filme wie "Bolt" oder "Rapunzel neu verföhnt" zu harmlosen, aber immerhin kompetent produzierten Familienfilmen wurden. Wo darf sich nun das neuste Machwerk "Ralph reicht's" einordnen?


Randale Ralph trifft sich mit anderen Videospielbösewichten,
um ihnen sein Leid zu klagen. Darunter bekannte Gesichter wie Bowser oder M. Bison.

Randale Ralph führt das Leben eines Bösewichts. Jeden Tag zertrümmert er aufs Neue das gleiche Penthouse, nur damit sein Gegenspieler Fix-It Felix, Jr. in Jump'n Run-Manier die Schäden repariert und ihn vertreibt. Damit tritt Ralph sicher die lange Videospieltradition von immer wieder verlierenden Bösewichten wie Bowser oder Dr. Robotnik an, die aber nach jeder Niederlage stets neue Pläne aushecken. Wo aber Bowser die Entführung der Prinzessin und Robotnik das Terrorisieren von harmlosen Tierchen nie langweilig zu werden scheint, fühlt sich Ralph nachdem 30 jährigem Bestehen seines Arcade-Videospiels ausgebrannt. Immer erhält Felix die ganze Aufmerksamkeit, stets wird er gefeiert und von allen bejubelt, während der stämmige Bösewicht nur ein einsames Dasein fristet. Nachdem er nicht einmal zu der 30-Jahre Feier seines eigenen Spiels "Fix-It Felix, Jr." eingeladen wird, platzt ihm die Hutschnur. Prompt verlässt er seine eigene Spielwelt, um in anderen Videospielwelten eine Medaille zu gewinnen, der ultimative Beweis, dass auch er ein Held sein kann. Ohne seinen Bösewicht wird das Spiel Fix-It Felix, Jr. aber von dem Arcadehallenbesitzer als kaputt erachtet und droht vom Strom abgestöpselt zu werden. Um den Untergang seiner Welt zu vermeiden, eilt also Fix-It Felix Ralph nach, um ihn wieder zurück zu holen, auch wenn er selbst dadurch durch andere Videospiele springen muss. Die Gefahr ist aber auch hier für einen Videospielhelden mit mehreren Leben groß, denn wer außerhalb seines eigenen Spiels stirbt, für den bedeutet es das endgültige Game Over.


Von bunten Retro-Spielen zu düsteren Endzeit-Shootern -
Die vorkommenden Videospielwelten haben alle einen ganz eigenen Stil.

Die Werbung des Films und der Trailer haben in der Videospiel-Community nicht nur wegen der familiären Thematik Wellen geschlagen. Vor allem wurde der Film durch den Auftritt von "echten" Videospielfiguren beworben. Ganz markant wurde dabei eine Szene in den Vordergrund gestellt, in der sich Ralph mit anderen Videospielpersönlichkeiten zu einem anonymen Antagonisten-Meeting trifft. Dabei waren Bowser aus Super Mario. Dr. Robotnik aus Sonic, Neff aus Altered Beast, M. Bison aus Street Fighter oder Clyde aus Pacman. In der Tat gibt es innerhalb des Films noch viele weitere Videospiel-Cameos zu bewundern, wobei es aber auch zu befürchten war, dass sich "Ralph reicht’s" auf geliehene Figuren und bekannte Gesichter als billiges Dauergimmick alleine verlassen könnte, um den gesamten Film zu tragen. Glücklicherweise ist das nicht der Fall. Die meisten Cameos kommen nur am Anfang des Films vor und werden als Stilmittel benutzt, um die Glaubwürdigkeit der Videospielwelt für den Zuschauer zu vermitteln. Tatsächlich verlässt sich der Film ab der Hälfte verstärkt mehr auf seine Geschichte und die eigenen Charaktere als auf Videospiel-Anspielungen. Diese Elemente sind auch stark genug, um das Machwerk zusammen zu halten. Ein wenig enttäuscht das Konzept des Films aber dennoch, da genau dieses nie zu seinem vollen Potenzial ausgeschöpft wird. Die Handlung verspricht dabei zwar, dass Ralph und Felix durch verschiedene Videospiele springen, am Ende kommen sie aber nur an zwei fiktiven virtuellen Welten vorbei. Der düstere Endzeitshooter "Heroe's Duty" erscheint hierbei als das uneheliche Kind von Doom und Call of Duty, während das Mario Kart-artige "Sugar Rush" ab der Filmhälfte die Optik und die Handlung des Streifens völlig dominiert. Entschädigen kann die Videospiel-Hommage wiederum durch die einprägsamen Charaktere, welche durch ihre unterschiedlichen Charakterzüge eine unterhaltsame Mischung in den Film bringen. So trifft der gutmütige Felix Jr. auch auf die taffe Kommandeurin Calhoun, die als Ego Shooter-Charakter kaum etwas für bunte Jump'n Run-Figuren übrig hat, während Ralph sich mit dem Glitch-Charakter Vanellope aus Sugar Rush anfreundet, die als Spielfehler ihr eigenes Spiel gar nicht verlassen kann. Natürlich wird die Freundschaft der beiden Außenseitern durch äußere Ereignisse auf die Probe gestellt und wer hier nicht die schlussendliche Filmmoral schon erahnen kann, der ist nicht älter als zehn oder hat noch nie einen Disney-Machwerk gesehen.


Sieht zuckersüß aus, ist aber ein Programmierfehler:
Vanellope dürfte es eigentlich gar nicht geben.

Aber mal von den abgedroschenen Moralpredigen solcher Familienfilme abgesehen: Die grundsätzliche Handlung von Ralph reicht's mag nicht unbedingt neu sein, die Art wie sie hier aber erzählt wird ist durchaus sehr kreativ und originell. Bestechen kann hier durchaus das solide Film-Script von Phil Johnston und Jennifer Lee, welches jedes im Film erwähnte Detail sinnvoll mit dem Handlungsverlauf zusammenknüpft und auch für eine ordentliche Wendung sorgen kann. Dabei wurde auch Raum für gut platzierten Humor und Action-Szenen gelassen, welche beide nicht überstrapaziert werden, um so ihren Effekt zu verlieren. Die Handlung selbst mag solide sein, doch die eben erwähnten Charaktere stechen als Highlight besonders hervor. Nachvollziehbare und charmante Figuren, die sowohl für den richtigen Witz aber auch für echtes Drama sorgen können, war bisher eine absolute Stärke von Pixar, hier aber schafft es auch Disney ganz alleine den selben Balanceakt zu meistern, um dem Kinostreifen Substanz zu verschaffen, damit es nicht nur in einen chaotischen Blödelfilm abdriftet.

„Ralph reicht’s“ ist für Kinder als auch Erwachsene ein absolut geeigneter Film, besonders wenn man sich mit der Materie auskennt und die vielen durchaus witzigen Anspielungen auf verschiedene Videospiele verstehen kann. Das Konzept wird vielleicht nicht ganz ausgereizt, bleibt aber trotzdem angenehm kreativ und einfallsreich bis zum Ende. Disney erreicht zwar hier immer noch nicht in Drehbuchqualität das Niveau, welches von Pixars Toy Story, Ratatouille oder WALL-E aufgestellt wurde, übertrumpft aber alles was Disney bisher selbst an computeranimierten Filmen produziert hat. Für Videospiel-Freunde mit einer Schwäche für Pixar oder Disney ist es jedenfalls eine volle Empfehlung wert.


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