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All about Microsoft...

Microsoft... für die einen Satan, für andere Heilsbringer. Doch wie konnte es dazu kommen, das ein kleiner Junge mit ner grossen Brille zum reichsten Mann der Welt aufstiegt? Mehr dazu hier im Feature...

Mittwoch, 18. September 2002 um 19:49 von Hubaaaa


Wie alles begann



M$, Microschrott, Winzigweich... das sind wohl noch die netteren Synonyme für Microsoft. Wie konnte es kommen, dass die Garagenfirma eines kleinen Jungen mit grosser Brille zu einem der weltweit grössten Softwareunternehmen heranwachsen konnte? Und warum reagieren viele bei dem Namen Microsoft wie der Papst wenn es um Satanisten geht? Und warum zum Geier müssen die Jungs aus Redmond jetzt auch noch den Konsolenmarkt unsicher machen?
Fragen über Fragen... naja, ich versuche mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen :D

Am 28. Oktober 1955 wird William Henry Gates III, Sohn von William H. Gates II, einem Anwalt aus Seattle und Mary Gates, einer Millionärin und Lehrerin, gebohren. William H. Gates III, heute bekannt unter dem etwas schlichteren (und kürzeren) Namen Bill Gates, wuchs zusammen mit seinen zwei Schwestern in Seattle auf und kam mit 13 Jahren an der Lakeside Private Highschool zum ersten mal in Kontakt mit Computern. Dort sammelte er dann auch seine ersten Programmiererfahrungen. 1973 studierte er dann in Harvard, verbrachte aber einen Grossteil seiner Zeit damit, mit seinem Freund Paul Allen, eine eigene Version der Programmiersprache BASIC für den neuen 8008-Chip der damals noch unbekannten und unbedeutenden Firma Intel zu programmieren.

1974 war das Geburtsjahr des Altair von der kleinen Firma MITS, den es nur als Selbstbauset gab. Er war der erste kommerziell erfolgreiche Heimcomputer - auch wenn ihm so ziemlich alles fehlte, was man heute als festen Bestandteil eines Computers ansieht. Es gab z.B. weder Monitor noch Tastatur, sondern nur eine Reihe von Schaltern und Lämpchen, um mit dem Computer zu kommunizieren. Um den Altair zu programmieren musste man Maschinencode in Form von Zahlenfolgen eingeben, was ausserordentlich umständlich und schwierig war. Gates und Allen hatten ebenfalls ein Altair-Kit bestellt und ihre BASIC-Version für den Heimcomputer portiert. Ed Roberts, der Chef von MITS bot Allen daraufhin eine Stelle als "Director of Software" bei MITS an, der musste kurz darauf feststellen, das alle Programmierer bei MITS "Director of Software" waren. Er nahm die Stelle trotzdem an. Gates arbeitete neben seinem Studium halbtags bei MITS - allerdings nicht sonderlich lange, denn 1974 bringt Intel den 8080er Chip heraus, den Vorgänger der heutigen PC-CPUs.

Der IBM-PC kommt...




Gates und Allen wollten BASIC für den neuen Intel-Prozessor vermarkten und gründeten ein Jahr später (wir schreiben das Jahr 1975) eine neue Softwarefirma: Microsoft. Gates bricht sein Studium ab und widmet sich voll und ganz der neuen Firma. Damals lag der Firmenstitz von MS noch nicht in Redmond sondern in Albuquerque (New-Mexico), weil auch MITS dort war. Immerhin arbeiteten Allen und Gates noch zwei Jahre für MITS und die Firma war der einzige Kunde von Microsoft. 1977 wird MITS von der Firma Pertec aufgekauft, die glaubte damit auch die Rechte an MS-BASIC zu ergattern. Gates und Allen zogen vor Gericht und gewannen. Der Wegfall von MITS als Kunde konnte MS gut kompensieren, da sich ihre BASIC-Version inzwischen ganz gut verkaufte. Die Firma zieht nach Redmond um und hat inzwischen (wir schreiben das Jahr 1979) schon 80 Mitarbeiter.

1980 ist IBM, liebevoll auch Big Blue genannt, der weltweit grösste IT-Konzern. Allerdings hatte man das Aufblühen der Heimcomputer komplett verschlafen, weil man dachte das nur Grossrechner eine Zukunft hätten.
Der rasante Aufsteigt der kleinen Garagenfirma Apple und deren Dominanz auf den Schreibtischen der Firmen bewegten Big Blue allerdings ein eigenes Konzept für Personal Computer vorzulegen - und so wurde in kürzester Zeit der IBM-PC entwickelt. IBM wandte sich an Microsoft, weil man von ihnen gerne BASIC lizenzieren wollte. Gates und Allen stimmten natürlich zu. Als nächstes gingen die Leute von IBM zum Haus des DRI-Chefs Kildall. DRI (Digital Research) hatte CP/M entwickelt, damals das Standardbetriebssystem für Microcomputer. Allerdings traf die Abordnung von IBM nur Kildalls Frau an, weil Mr. Kildall gerade beim Golfen war. Und Mrs. Kildall weigerte sich das von IBM geforderte Geheimhaltungsabkommen zu unterzeichnen, ohne nicht vorher zu wissen, worüber IBM eigentlich reden wollte, was IBM nicht verraten wollte ehe nicht das Abkommen unterschrieben wäre - ausserdem wollte das Ehepaar Kildall demnächst in Urlaub fliegen und hatte also keine Zeit für IBM.

Die Mannen von IBM zogen also unverrichteter Dinge wieder ab und schauten noch einmal kurz bei Microsoft vorbei um Gates zu fragen, ob er jemanden kennen würde, der ein Betriebssystem anbieten würde. Gates erkannte die Gelegenheit und log der Mannschaft von IBM schamlos vor, Microsoft selbst habe ein passendes Betriebssystem. Die Verträge wurden an Ort und Stelle geschlossen. Das Problem für Gates war jetzt nur, dass er zum einen kein Betriebssystem hatte und zum anderen auch keiner bei Microsoft wusste, wie man so etwas programmiert. Also machte er das, was Microsoft auch noch 20 Jahre später noch praktiziert: Er kaufte einfach ein passendes Betriebssystem ein. Nach einiger Suche trieb er in Seattle den Programmierer Tim Paterson auf, der Gates sein QDOS-Betriebssystem (Quick and Dirty Disc Operating System... der Name sagte eigentlich alles aus) für 50.000 $ verkaufte.

Gates setzte alles auf eine Karte und bot IBM folgenden Deal an: Für 80.000$ durfe IBM das MS-Betriebssystem zeitlich unbegrenzt nutzen, dafür hatten sie aber keine Exklusivrechte und keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung. IBM willigte ein. Am 12. August 1981 wurde der IBM-PC der Öffentlichkeit vorgestellt - mit MS-BASIC und MSDOS 1.0 (das Quick and Dirty hatte Gates aus dem Programmnamen gestrichen). Wenig später gab es die ersten IBM-Klone, die nicht von BigBlue stammten, sondern von Compaq - und natürlich hatten auch die Klone MS-DOS installiert und natürlich musste für jede Lizenz gezahlt werden. 1983 hatte Microsoft um die 500.000 MS-DOS-Lizenzen verkauft und alle ernsthaften Mitbewerber vom Markt verdrängt.

Allerdings gab es auch zu dieser Zeit noch einige skurile Dinge an Microsoft - z.B. war bei den Vorträgen von Gates meistens sein Vater mit dabei, der die Overhead-Folien wechselte. Heutzutage im Zeitalter der metergrossen Videowänden wirkt das schon etwas archaisch. Und Microsoft selbst war ein ziemlicher Chaotenhaufen, ganz im Gegensatz zur bürorkatischen IBM. Der Altersschnitt lag bei 22, die Haupternähung bestand aus Pizza und Kaffee und programmiert wurde mit allen Tricks (für Eingeweihte: Das A20-Gatter verdanken wir einem Microsoft-Hacker ;)).

Aufstieg und Monopol




Heute (Stand 2002) macht Microsoft über 28 Mrd. $ Umsatz pro Jahr und mehr als 11 Mrd. $ Gewinn. Im privaten PC-Sektor ist Microsoft mit über 90% Marktanteil der unbestrittene Monopolist was Betriebssysteme angeht, bei Office-Software sieht es ähnlich aus. Im Serverbereich ist Microsoft erst sehr spät eingestiegen. Als Windows NT (auch ein zugekauftes Produkt) auf den Markt kam, waren diverse Unix-Versionen von IBM, SCO, HP und anderen schon lange etabliert - und Firmen wechseln ungerne die Software aus ("never change a running system!"). Ausserdem hatte man den Internet-Boom verschlafen bzw. falsch eingeschätzt und auf ein proprietäres Netzwerk ähnlich dem AOL-Netz gesetzt, deshalb konnte sich der Open-Source-Webserver Apache bereits etablieren und hat momentan etwas über 60% Marktanteil während der IIS von MS bei ca. 20% liegt - was aber immer noch den 2. Platz bedeutet. Überhaupt, das Internet! Nachdem MS sah, dass ihr proprietäres MSN-Netz ein Flop wurde befahl Gates die Kehrwende. MSN wurde zum Internet-Provider und Microsoft setzte voll und ganz auf das Netz der Netze. Den Marktführer für WWW-Browser Netscape versuchte man mit dem Internet Explorer (ebenfalls ein zugekauftes Produkt) in die Schranken zu weisen. Ähnlich wie damals bei MS-DOS versuchte Gates die Konkurrenz zu verdängen, indem man das eigene Produkt kostenlos vertrieb - mit Erfolg. Netscape hat heute wenig Marktanteile.
Seine Monopole verteidigte Microsoft durch strikte Verträge, die es PC-Herstellern z.B. verbot, andere Betriebssysteme ausser Windows zu installieren, oder indem gezielt kleine Inkompatibilitäten mit Konkurrenzprodukten eingebaut werden oder indem man einfach andere Firmen durch kostenlose Produkte ruiniert. Wenn das alles nichts half, kaufte man halt einfach den Gegner auf: "If you can't beat them, buy them!".

Seit einigen Jahren ist Microsoft damit in das Visier der amerikanischen Kartellbehörde geraten. Das Gerichtsverfahren dauert jetzt schon recht lange und scheint zur never-ending-story zu werden. Microsoft könnte im schlimmsten Fall in mehrere kleinere Firmen aufgeteilt werden. Das wurde schon einmal bei AT&T, dem grössten amerikanischen Telefonanbieter gemacht... allerdings sind inzwischen die aufgesplitteten Firmen von AT&T mächtiger als das damalige Unternehmen. Naja, man muss halt sehen, was kommen wird. Gates ist inzwischen als Microsoft-Chef zurückgetreten, hat Steven Ballmer das Feld überlassen und ist jetzt Chef der Technologieentwicklung. Ballmer ist vielen vielleicht bekannt durch das geniale Video von einer MS-Konferenz, wo er seinen berühmten "Affentanz" aufführte (ca. 3MB, MPEG,unbedingt anschauen!!!)... ausserdem ist er bekannt dafür das er auch auf grösseren Veranstaltungen gerne mal das Mikrofon weg lässt, da er ohne Probleme eine Halle auch alleine beschallen kann. Unter Ballmer wurde dann auch eine neuen Strategie für das Unternehmen geboren: Mit der neuen .NET-Initiative versucht Microsoft sich als Zentralstelle für zukünftige Internetdienste zu etablieren. Ein weiteres potentielles Monopol? Naja, noch ist es keins und wir als Anwender haben die Wahl, ob wie .NET wollen oder nicht.... naja, jedenfalls haben wir fast die Wahl ;)

Die XBox




.NET wurde übrigens massgeblich von einem MS-Mitarbeiter namens J. Allard entworfen - allen XBox-Fans sollte er bekannt sein als der Chef der XBox-Abteilung. Aber fangen wir besser ganz am Anfang an. Sony, einer der grössten Konzerne der Welt schaffte es doch tatsächlich mit der Playstation bzw. der PS2 ein Quasi-Monopol bei Videokonsolen zu etablieren. Microsoft blieb das natürlich nicht verborgen und erst recht nicht die Gewinne, die Sony mit der PS einstrich - vor allem da Microsoft vorhatte die Wohnzimmer mit Settop-Boxen zu erobern. Man hatte bereits mehrere Abkommen mit Kabel-TV-Unternehmen geschlossen und einige Produkte entwickelt.
Gates sah also wie Sony fette Gewinne einstrich, ein Monopol aufbaute und gleichzeitig mit der PS2 eine Bedrohung für MS darstellte, denn die Konsole konnte der Brückenkopf für eine Multimedia-Box von Sony werden.
Das waren wohl die entscheidenden Gründe, warum Gates entschied das man Sony auf diesem Gebiet etwas entgegensetzen musste. Es wurden zwei Teams beauftragt ein Konzept zu erstellen. Das eine Team sollte ein Konzept für einen Settop-Box erstellen, die auch normale PC-Spiele abspielen kontte. So eine Art Mini-Multimedia-PC halt. Das zweite Team entwickelte ein Konzept für eine "richtige", eigenständige Spielekonsole und konnte Gates davon überzeugen, dass man nur mit einer einfach zu bedienenden und extrem leistungsfähigen Spielkonsole der PS2 von Sony begegnen könne. Das Projekt wurde XBox getauft und J. Allard wurde zum Chef des Ganzen. Allard hatte bereits Erfahrungen mit Spielen und Konsolen.
Mit 14 Jahren hatte er sich eine Atari zugelegt und so ziemlich alles, was danach kam - inklusive SEGA Genesis (Megadrive). Er hatte schon als Kind Computerspiele auseinandergenommen um an Cheats zu kommen und selbst ein paar Spiele für den Apple II programmiert und per Post verkauft. Ausserdem hatte Microsoft bereits eine Abteilung, die erfolgreich PC-Spiele herausbrachte.

Insgesamt hatte Microsoft aber wenig Erfahrungen mit dem Konsolengeschäft und so beschloss man die XBox mit PC-Komponenten zu bauen, die man kannte. Heraus kam eine Konsole mit einem leicht modifiziertem Pentium3/Celeron-Zwitter von Intel, einem Grafikchip von NVidia, einer Festplatte, 64 MB DDR-RAM und Ethernet-Port. Aber obwohl das alles vielleicht wie ein abgespeckter PC wirkt, hat MS die Komponenten gut aufeinander abgestimmt. So sind die RAM-Speichersteine z.B. direkt auf das Motherboard gelötet, weshalb es weniger Spannungsverluste gibt als bei den Steckbausteinen der PCs, was eine höhere Taktung ermöglicht. Beim Aufbau der XBox wird aber auch deutlich, worauf MS mit der XBox hinaus will. Das Internet ist immer noch das grosse Zielgebiet von Microsoft, aber schlecht unter Kontrolle zu behalten. Mit der XBox und dem Online-Spielenetzwerk Live kann Microsoft ein eigenes, proprietäres Netzwerk etablieren, ähnlich wie damals MSN, nur wohl mit mehr Erfolg - jedenfalls hofft das MS.

Die Zukunft




Technisch jedenfalls ist die XBox wohl die leistungsfähigste Konsole die es momentan auf dem Markt gibt. Die ersten Spiele zeigen auch, wie ernst es Microsoft ist. Aber ob das reicht Nintendo oder gar Sony in die Schranken zu weisen ist noch fraglich. Nintendo hat mit dem Gamecube eine technisch so gut wie ebenbürtige Konsole auf dem Markt, die billiger ist. Und ausserdem hat BigN jahrzehntelange Erfahrung, gute Spieleentwickler und eine fanatische Fangemeinde. Sony dominiert noch immer den Markt mit der PS2 und kann auf ein gigantisches Angebot von Spielen und ebenfalls absolut ergebene Fans bauen.
Der Start der XBox war dann auch nicht ganz so erfolgreich wie MS sich das wohl gedacht hat - vor allem in Japan - aber Word und Windows haben bewiesen, dass MS auch mehrere Jahre an einem Produkt festhalten kann um es dann doch noch gegen die Mitbewerber durchzusetzen... und so schlecht sieht es ja mit der XBox auch nicht aus. Allerdings sollte man nicht gleich verzagen und glauben das alles, was Microsoft macht sofort auf ein Monopol hinausläuft.
MSN, IIS und der Erfolg von Linux und Apache zeigen, dass auch Microsoft nicht unfehlbar ist. Überhaupt macht Linux und die gesamte OpenSource-Bewegung MS Kopfzerbrechen. Man kann sie nicht finanziell in den Ruin treiben, weil die Leute kostenlos arbeiten. Man kann nicht mit kostenloser Software Marktanteile erobern weil OpenSource auch kostenlose ist (und noch mehr, das würde aber jetzt zu weit führen). Aufkaufen kann man sie auch nicht, weil Linux niemandem gehört. IBM wittert Morgenluft und setzt voll auf Linux um MS bei den Betriebssystemem Konkurrenz zu machen, HP springt auch auf den Zug auf, Sun und Java mach der .NET-Initiative massiv Konkurrenz und an der Office-Front kommt mit StarOffice (ebenfalls inzwischen von Sun) auch Konkurrenz auf. Und da ist noch die leidige Angelegenheit mit dem Kartellprozess. Ich würde mal behaupten, dass es möglich ist in 5-10 Jahren das Windows-Monopol zu brechen... aber ich denke nicht, das MS untergehen wird. IBM hat auch seine Monopole und einen Kartellprozess verloren und ist immer noch der weltgrösste IT-Konzern und ähnlich wird es mit MS sein. Sie werden immer noch stark bei den Betriebssystemen sein, sie werden im Konsolenmarkt bleiben und auf die Dauer erfolgreich sein und immer noch dicke Gewinne einfahren. Naja, aber warten wir es doch einfach ab und schauen was passiert :)


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