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Warum Nintendo die E3 gewonnen hat

Eine kleine Auswertung der vergangenen E3. Wieso kann man Nintendo als Gewinner der Veranstaltung betrachten? Wir schauen uns an, was Big-N dieses Jahr richtig gemacht hat.

Freitag, 13. Juni 2014 um 16:49 von HatWolf

Die Electronic Entertainment Expo ist jedes Jahr aufs Neue das metaphorische Weihnachtsfest für Videospieler, an dem alle großen Publisher zusammen kommen, ihre heiß ersehnten Spiele mitbringen und brandneue Ankündigungen tätigen. Dieses Jahr ging sie vom 10. bis zum 12. Juni und hat dementsprechend heute schon wieder die Pforten geschlossen. Die News sind zahlreich, überfüllt von Trailern, Demos, Versprechungen und Releasedaten - Eigentlich ist für jeden etwas dabei, auf das er sich freuen kann. Doch ein Aspekt der E3 wird immer besonders gerne diskutiert, nämlich die Präsentationen der drei großen Konsolenhersteller: Microsoft, Sony und Nintendo. Wer war dieses Jahr am besten? Wer hat die besten Spiele mitgebracht? Wer hat den Show Floor dominiert und das Publikum am meisten gefesselt? Und wer hat die E3 insgesamt für sich gewonnen? Abhängig davon welche Videospiele einen am meisten ansprechen, gibt es da natürlich unterschiedliche Antworten, allerdings scheint sich ein klarer Gewinner dieses Jahr herauszukristallisieren, nämlich Nintendo. Mit ihrer Konsole aktuell auf den letzten Platz in der neuen Generation abgeschlagen, scheint besonders der Wii U-nderdog hier das Rennen um die beste Presse und die besten Kundenreaktionen zu machen. Und das obwohl Nintendo wie letztes Jahr vollständig auf eine eigene Pressekonferenz verzichtete und stattdessen ein Digital Event streamte. Letztes Jahr wurde dies übrigens noch als Nachteil betrachtet, dieses Jahr offenbar ist es aber ein großer Vorteil. Warum? Schauen wir uns die Gründe an, warum Nintendo dieses Jahr die E3 gewonnen hat.


Die Figurenreihe "Amiibo" soll ein Disney Infinity- und Skylander-Konkurrent werden. Mehrwert oder Abzocke?

Zunächst: Was heißt es "die E3 zu gewinnen"? Für viele entscheidet sich das ausschließlich mit den vorgestellten Inhalten, was an und für sich ein verständliches Urteil ist. Wer mich persönlich schließlich am meisten anspricht, ist selbstverständlich mein Favorit. Objektiv gesehen scheinen sich dieses Jahr aber alle drei Plattform-Halter nicht viel zu geben. Wenn überhaupt, so schien Sony den besten Content zu liefern, kam mit gleich zwei großen Ankündigungen wie Uncharted 4: A Thief's End oder LittleBigPlanet 3 daher, überraschte mit dem exklusiven From Software-Titel Bloodborne und stellte mit Far Cry 4, Dead Island 2, Mortal Kombat X und Diablo 3 etc. eine ausgezeichnete Third Party-Präsentation auf die Beine, nicht zuletzt gekrönt vom Indie-Spiel No Man's Sky, welches im Trailer einen außerordentlich guten Eindruck machte. Microsoft gab mit Halo 5: Guardians, Forza Horizon 2, Fable Legends, Sunset Overdrive und Crackdown 3 ebenfalls viele Exklusivtitel zum Besten, wobei sie mit einem exklusiven Scalebound von Platinum Games einem Bloodborne ohne Frage Konkurrenz leisten können. Im Bereich Third-Party präsentierte man sich ebenfalls ausgezeichnet, unter anderem mit Assassin’s Creed: Unity, Evolve, Rise of the Tomb Raider und Dragon Age Inquisition und natürlich auch mit dem neuen Call of Duty: Advanced Warfare. Beide zeigten uns eine Reihe von hübschen Indie-Spielen und kündigten Klassiker als kommende Remakes an, wie etwa Halo: The Master Chief Collection oder Ratchet & Clank. Der großteilige Fokus auf Videospiele tat beiden Pressekonferenzen sehr gut, trotz einigen trockenen Passagen hier und da. Dass Nintendo hier überhaupt einigermaßen mithalten konnte, ist eigentlich erstaunlich, wobei man natürlich weniger Fokus auf Third Party-Spiele legen konnte - immerhin hat es Nintendo derzeit sehr schwer Publisher für die Wii U zu begeistern. Dafür musste man halt mit exklusiven Titeln aus eigenem Haus punkten: Hyrule Warriors, Bayonetta 2 mit dem ersten Bayonetta als kostenlose Dreingabe, Xenoblade Chronicles X, Yoshi’s Woolly World, Captain Toad: Treasure Tracker, Pokémon Omega Ruby und Alpha Sapphire, Kirby and the Rainbow Curse - eine ordentliche Auswahl mit einigen überraschenden Ankündigungen. Nicht zuletzt gab es auch einen ersten Blick auf das neue The Legend of Zelda, aber genau wie die großen Ankündigungen zu Halo oder Uncharted nur mit wenig Informationen und Eindrücken zum Gameplay. Besonders überraschend sind dabei auch neue IPs gewesen wie etwa das stark in die Präsentation gerückte Splatoon oder das später folgende Code Name S.T.E.A.M., wobei insgesamt das kommende Super Smash Bros. doch den Löwenanteil der Präsentation schluckte.

Insgesamt hält sich Nintendo nicht übel gegenüber den eigentlich stark aufgestellten Sony und Microsoft-Präsentationen. Inhaltlich versagt keiner der großen Drei, sie alle gaben eine ordentliche Mischung aus Überraschungen und Altbekanntem zum Besten, wobei auch keiner mit großem Abstand und wehenden Fahnen die E3 dominiert. Ginge es ausschließlich um den präsentierten Content, würde Nintendo somit hier keinen „Sieg“ davon tragen, trotz dem gut aufgestellten Angebot, das dieses Jahr ohne großes Mario-Spiel im Rücken gegen die Konkurrenz antritt. Die Gründe warum trotzdem Nintendo als Gewinner hervor geht, sind tatsächlich andere. Ein E3-Kampf, der nicht auf dem Schlachtfeld der Videospiele ausgetragen wird? Ja, denn wo sich keiner die Blöße gibt, werden andere Faktoren entscheiden. Wie zum Beispiel die Präsentation.


Das Digital Event glänzt mit amüsanten Ideen, gutem Humor und bissiger Selbstironie.

Nintendos Verzicht auf eine Pressekonferenz funktioniert. Nicht zuletzt, weil man offenbar nun im Gegensatz zum letzten Jahr das Digitale Event nicht einfach als erweiterte Nintendo Direct-Fassung versteht, sondern Vorteile daraus zieht, dass man nicht live übertragen muss. Das Ergebnis ist eine wesentlich weniger langatmige Veranstaltung, die sich direkter auf Inhalte bezieht. Wer sich noch an Iwatas oder Reggies dröge Zahlendrescherei erinnert, bei der man auf Casual und Core Gamer eingehen wollte, wird wissen was damit gemeint ist. Pressekonferenzen, auch von Microsoft und Sony, wirken an gewissen wie eine Aktionärspräsentation. Man merkt genau welche Inhalte nicht für uns als Spieler gedacht sind, sondern anderen Zwecken dienen - meist sind das genau jene Momente, die solche Konferenzen einen Hänger verpassen oder sie langatmig werden lassen. Die Zeit von Zahlen-Tabellen und Pie Charts scheint aber mit Nintendos neuem Formart vorbei zu sein, stattdessen behandelt man die Präsentation als Unterhaltungsformat. Und so zeigt sich Nintendo von einer neuen Seite, nämlich weniger steif und nicht ganz so ernst. Sogleich der Anfang macht dies deutlich. Das Digital Event eröffnet mit einem animierten Stop-Motion Video von der amerikanischen Fernsehserie Robot Chicken, zugleich mit Seitenhieben von Nintendo und gegen Nintendo. Der Humor ist clever: Ein typischer Nörgler aus dem Publikum beschwert sich darüber, dass Nintendo ohnehin nur wieder Mario-Spiele zeigen wird, zusammen mit der Ankündigung, dass wir in der Tat auf ein neues Spiel des Maskottchens vorerst verzichten müssen. Grund genug für Mario backstage wutentbrannt den Raum zu verlassen, während Link mit den Worten "They promised me, you wouldn't be here!" Toon-Link vertreibt, eine Anspielung auf die Enttäuschung der E3 letztes Jahr, da man da nur das Wind Waker HD-Remake zu sehen bekam anstatt das neue Zelda. Die Anspielungen rund um die Fanreaktionen sind zahlreich ("Give us Mother 3!") und teilweise sogar sehr aktuell wie etwa die Verwendung des Luigi Death Stare Meme. Als offizielle Firma in solchen Situationen tatsächlich locker und lässig zu wirken, ist in der Tat ein schwierigeres Unterfangen und endet nicht selten darin, dass man am Ende eher selbst zum Ziel von Spott und Hohn wird. Mr. Caffeine als mittlerweile legendärer E3 Humor-Flop seitens Ubisoft kann davon sicher noch viel erzählen. Letztes Jahr hat Nintendo schon leicht diesen Weg eingeschlagen und kleinere Gags wie die Non-Specific Action Figure fand durchaus seine Freunde, dieses Jahr wurde aber besonders deutlich, dass sich Nintendo um ein neues Image bemüht. Mit Highlights wie einem Matrix-artigen Kampf zwischen Nintendo Präsident Satoru Iwata und Nintendo of America CEO Reggie Fils-Aime für die Ankündigung der Mii-Fighter im neuen Super Smash Bros, ist dieser Versuch aber gelungen. Eine schwierige Balance zwischen Unterhaltungs- und Informationsveranstaltung, gerade von beiden genug in der richtigen Mischung, damit das Event witzig ist, aber nicht zum Kasperletheater verkommt.


Groß im Fokus eine neue IP von Nintendo: Der Online Third-Person Shooter Splatoon.

Konkurrenzfähige Inhalte und eine lockere Präsentation sind aber noch kein vollständiger Grund um Nintendo eine Krone aufzusetzen. Vergleicht man alle Präsentationen steht Nintendo gut da, muss aber deswegen nicht automatisch vorne liegen. Wie gesagt, besonders Sony hat außerordentlich starke Inhalte präsentiert. Ausschlaggebend und das stärkste Argument für Nintendos positive Beurteilung ist das neue Treehouse-Format. Dabei handelte es sich um eine über die E3 geschaltete Live-Stream Aktion, die direkt im Anschluss des Digital Events losging. Dort wurden die eben vorgestellten Spiele mit echtem Gameplay live präsentiert, zusammen mit den japanischen Entwicklern und auch neuen Vorstellungen, die nicht im Rahmen des Events angekündigt wurden. So bekamen Daheimgebliebene auch einen umfangreichen Eindruck von vielen Titeln, was gerade bei einer E3 sehr wohltuend war, bei denen die Trailer häufig nur nichts sagende Zwischensequenzen zeigten. Anstatt sich also auf die Demos auf dem Show Floor und externen Media Outlets zu verlassen, so wie Microsoft und Sony, betrieb man aktiv ein eigenes Outlet an Spielinhalten, Informationen und Demonstrationen. Das ist schlussendlich auch der Grund, warum das neue Format von Nintendo besser funktioniert als alle eigenen Pressekonferenzen zuvor, allein die Menge an live gezeigten Gameplayszenen ist schlichtweg vorbildlich. So ein Format würden wir uns auch von allen anderen Messeausstellern wünschen, unabhängig von den tatsächlich präsentierten Titeln, bringt einem so etwas einfach die Spiele näher. So konnten diverse Spiele wie etwa Splatoon oder Xenoblade Chronicles X in ihrem Live-Stream noch einmal besonders punkten, mehr als die Trailer oder das abgefilmte Material auf dem Show Floor es allein geschafft hätten. Nintendo verdient für die Idee und die Umsetzung von Treehouse also ohne Frage hohes Lob und macht sie zum Favoriten in der offiziellen Spiele-Präsentation über die gesamte E3 hinweg.


Aufeinandertreffen der Videospiel-Ikonen: Super Mario, Mega Man, Pac-Man und Sonic.

Zuletzt hat sich Nintendo auch in einer anderen Sache vorbildlich verhalten. Vorhin war die Rede von "Spielernähe", doch nicht nur ihr Digital Event macht deutlich, dass sie sich ihren Fans angenähert haben, sondern vor allem das Super Smash Bros. Invitational. Im ausgebuchten Nokia Center veranstaltete Nintendo Live vor 3.000 Zuschauern und einer Übertragung im Internet ihren ersten offiziellen Smash Bros.-Wettbewerb. 16 geladene und bekannte Smash Bros.-Spieler traten in einem Turnier gegeneinander an, demonstrierten nebenher ausgiebig den vorgestellten Titel und kämpften um eine Sieger-Trophäe. Die Organisation war dabei ausgezeichnet. Geladen als Host war Geoff Keighley, der gewohnt souverän das Event durch moderierte. Als Kommentatoren für die Kämpfe fanden sich Wynton "Prog" Smith, Bobby "Scar" Scarnewman und D'Ron "D1" Maingrette auf dem Sofa ein, die gekonnt das Publikum anheizten und das Geschehen begeistert begleiteten. Die angeheizte Atmosphäre im Saal durch eine mitfiebernde Zuschauerschaft war selbst in dem Live-Stream spürbar, nicht zuletzt da die ersten Reihen aus Cosplayern bestand, die ihre liebsten Smash-Figuren verkörperten. Gastauftritte von Super Smash Bros.-Director Masahiro Sakurai und Nintendo-CEO Reggie Fils-Aime waren darunter ein weiteres Highlight, sowie eine Ehrenrunde mit einer Handvoll Persönlichkeiten wie Zelda Williams oder Keegan Allen. Alles in allem eine großartige Veranstaltung für die Fans und natürlich auch eine wirksame Promotion für den kommenden Hoffnungstitel der Wii U. Gerade hier konnte Nintendo wahre Nähe zur Fanbase beweisen, was offenbar Nintendos Erwartungen selbst übertraf. Nicht umsonst deutete man am Ende der Veranstaltung an, dass es nicht die letzte sein könnte. Nach einem gelungenen Digital Event und einem vorbildlichen Treehouse-Format ist das Turnier jedenfalls die Krönung gewesen.


Für Reggie Fils-Aime war es sein zehnjähriges E3-Debut. Er sieht glücklich aus.

Ziehe wir ein Fazit: Im Endeffekt gewinnt Nintendo nicht aus offensichtlichen Gründen. Das gut präsentierte Digital Event und das ordentliche Line-Up machte sie gegenüber Sony und Microsoft konkurrenzfähig, doch die Extraleistung durch das Treehouse und das Super Smash Bros. Invitational zeichnete sie dieses Jahr aus. Vielleicht auch ein Beweis dafür, dass man auch auf der E3 punkten kann, ohne die mächtigsten Titel im Gepäck zu haben. Behält Nintendo diese Tugenden ab diesem Jahr bei, dann ist der Verzicht auf eine Pressekonferenz der richtige Weg. Mehr unverblümte Gameplaypräsentation, mehr Unterhaltungs-Events für die Spieler, mehr Spaß und weniger trockene Zahlen- und Statistiken. Ob man so nun die strauchelnde Wii U retten kann, ist natürlich fraglich, aber die positive Presse und der Zuwachs an Sympathie schadet ihnen im kommenden Jahr nicht. So oder so steht die Wii U jedenfalls besser da als zuvor. Man darf auch gespannt sein welchen Weg Nintendo in den kommenden Jahren damit gehen wird, zumindest kann man nur hoffen, dass wir in Zukunft mehr davon sehen werden. Auch die Nintendo Directs können sich hiervon eine Scheibe abschneiden. Auf alle Fälle kann man ihnen schon heute zu einer gelungenen E3 gratulieren.

Was haltet ihr selbst von Nintendos neuem Präsentationsstil? Denkt ihr es sollte mehr Events wie Treehouse oder Smash Bros. Invitational geben? Lasst uns eure Meinung zur E3 wissen.



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