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Erst Schule, dann spielen

Mit ausgeschalteten Konsolen gegen Schulschwänzer

Montag, 05. Mai 2008 um 20:55 von Sharky81

"Erst Schule, dann Spielen"

Es ist das Mekka für viele Jugendliche: überall die neusten Flachbildschirme mit fesselnden Bildern, Videospielkonsolen an jeder Ecke. Hier läuft Project Gotham Racing 4, an einer anderen Konsole Guitar Hero 3 und an einer weiteren Resistance. Elektromärkte sind der natürliche Lebensraum vieler Männer und ein wahrer Magnet für Kinder und Jugendliche. Nirgendwo sonst kann man leichter kostenlos eine Runde Xbox360, PS3 oder Wii spielen. Auch euch ist mit Sicherheit schon einmal eine Traube Jugendlicher vor den Konsolen aufgefallen, die sich nicht mehr so recht vom Controller lösen wollten.

Das ganze ist zum Teil so verlockend, das einige Jugendliche dafür sogar die Schule schwänzen und anstatt die Schulbank zu drücken lieber den Vormittag im Elektromarkt verbringen. Um dem entgegen zu wirken, sollen die Spielkonsolen in Elektromärkten vormittags ausgeschaltet bleiben. So will es einer von insgesamt 22 Punkten des Berichtes der "Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Jugendgewalt". Das Ergebnis diese Berichtes ist Besorgnis erregend: "Die Jugendgewalt in Deutschland nimmt immer weiter zu, und es besteht dringender Handlungsbedarf", so Udo Nagel, Innensenator von Hamburg, der den Bericht Mitte April vorgestellt hat. "Nicht jeder Schulschwänzer wird kriminell, aber alle Kriminellen haben irgendwann mal die Schule geschwänzt".

Ob Videospiele auch für ein gesteigertes Aggressions-Potential bei Jugendlichen verantwortlich sind ist eine seit Jahren andauernde Diskussion, bei der sich unzählige Studien gegenseitig widersprechen. Es scheint aber durchaus logisch, dass Videospiele durch ihre Faszination und Suchtpotential von anderen Dingen ablenken können und bei übermäßigem und unkontrolliertem Konsum besonders bei Kindern und Jugendlichen dazu führen, dass andere Pflichten, wie z.B. die Schule, auf der Strecke bleiben.

Dass jedoch nicht immer erst die Politik eingreifen muss um Verantwortungsbewusstsein einzufordern, zeigt das Beispiel des Saturn-Elektromarktes in Hamburg. Hier wird schon seit einiger Zeit freiwillig die Initiative "Erst Schule, dann spielen" mit Erfolg umgesetzt. Spielkonsolen werden konsequent erst ab 14 Uhr eingeschaltet. Wir haben uns über dieses Thema mit Herrn Christian Lauen, verantwortlich für Vertriebsleitung und Personalentwicklung beim Saturn Hamburg, unterhalten:


Consolewars:
Herr Lauen, Ihr Saturn in Hamburg ist einer der Märkte, der diese Initiative umsetzt. Seit wann genau tun sie das?

Christian Lauen:
Seit gut 3 Jahren unterstützen wir unter dem Motto "Erst Schule, dann spielen" diese bundesweite Initiative und lassen Spielkonsolen bis 14 Uhr in unseren Märkten ausgeschaltet. Aufsteller und Schilder weisen unsere Kunden darauf hin.

Consolewars:
Drei Jahre sind bereits eine lange Zeit. Warum hat man bisher nie etwas davon gehört?

Christian Lauen:

Wir haben daraus nie eine große Sache gemacht oder viel Werbung damit betrieben. Für uns ist es Ehrensache darauf zu achten, ob und wie lange Kids vormittags vor den Spielkonsolen in unseren Märkten stehen. Der Start der bundesweiten Initiative kam uns sehr gelegen, und wir haben diese Idee gern aufgegriffen und umgesetzt.

Consolewars:
Haben Sie deswegen bereits Reaktionen von den Herstellern Sony, Nintendo oder Microsoft erhalten? Immerhin könnte diese stören, dass ihre Produkte nicht entsprechend präsentiert werden.

Christian Lauen:
Nein, direkte Reaktionen auf diese Aktion haben wir und werden wir wohl auch nicht mehr erhalten.

Consolewars:
Der Bericht der "Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Jugendgewalt" sieht vor, gegen Schulschwänzer härter vorzugehen. Durch das Abschalten der Konsolen in Elektromärkten soll ein Anreiz genommen werden, die Schule zu schwänzen. Haben Sie verstärkt mitbekommen, dass Kids während der Schulzeit vor den Spielkonsolen ihre Zeit verbringen?

Christian Lauen:
Uns ist schon aufgefallen, dass sich einige Jugendliche bereits vormittags in unseren Märkten aufgehalten haben. Besonders in Märkten, die in dicht besiedelten Wohngebieten liegen. Wir reden hier zwar nicht von Hunderten, allerdings genug, dass es uns aufgefallen ist und deshalb haben wir entschieden, etwas dagegen zu unternehmen.

Consolewars:
Was verspricht sich ihr Markt davon?

Christian Lauen:
Viele unserer Angestellten haben selber Kinder, und es ist uns nicht egal, ob Jugendliche die Schule schwänzen und ihre Zeit damit verbringen, vormittags in unseren Elektromärkten vor der Videospielkonsole zu hängen. Wir haben als großes Unternehmen eine gewisse Verantwortung, der wir uns natürlich stellen. Mit "Erst Schule, dann spielen" wollen wir ein Zeichen setzen.

Consolewars:
Wie wird das Ganze von den Kunden aufgenommen? Gab es auch unangenehme Reaktionen?

Christian Lauen:

Die Reaktion und das Feedback unserer Kunden sind durchweg positiv. Von negativen Auswirkungen können wir eigentlich überhaupt nicht sprechen. Viel mehr ist es so, dass sich unser Image dadurch aus Sicht der Kunden verbessert hat. Oft kommt es zu erstaunten Fragen, warum denn die Konsolen ausgeschaltet seien. Wenn wir es den Kunden dann in Ruhe erklären, erhalten wir durchweg Zustimmung und erleben auch Verwunderung, dass ein Markt solche Verantwortung übernimmt. Viele teilen unsere Meinung und begrüßen diese Kampagne, da sie selbst Kinder haben. Auch wenn Kids uns Fragen "Warum geht denn das jetzt nicht" haben diese meist Verständnis dafür.

Consolewars:
Werden andere Saturn-Märkte diesem Beispiel folgen?

Christian Lauen:
"Saturn" ist dezentral organisiert. Jeder Markt hat seinen eigenen geschäftsführenden Gesellschafter welcher eigenverantwortlich entscheidet, was vor Ort umgesetzt werden soll. Diese Initiative hat jedoch alle Geschäftsführer überzeugt und wird bereits bundesweit in allen Filialen umgesetzt.

Consolewars:
Herr Lauen, vielen Dank für das Gespräch.



Wie seht ihr das? Ist dies der richtige Weg, um Schulschwänzern den Anreiz zu nehmen? Eure Meinung interessiert uns.












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