Sushi Watch: Star Trek Discovery Staffel 3

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Eine neue Zeitepoche für Star Trek: Discovery. Wie gehen sie um mit der neuen Freiheit?

Willkommen zum ersten Sushi Watch auf consolewars! Wir werden in regelmäßigen Abständen Serien, Animes und Filme, die uns interessieren hier thematisch vorstellen, anreißen, bewerten oder aber auch einfach nur kommentieren. 
 
Star Trek: Discovery , als siebte Serie in dem Franchise, polarisiert die alteingesessenen Fans seitdem die erste Folge über die Streamingdienste lief, denn es gab viel zu verdauen für Fans der Rick Berman Star Trek Ära (TNG, DS9, Voyager und Enterprise):
 
Zuallererst sind da die neuen alten Klingonen ohne Haare, die für den Geschmack der meisten Fans sehr merkwürdig aussehen und schon nicht zu den Klingonen aus den Sechzigern passen. Dann ist da die meuternde erste Offizierin Michael Burnham, die so gar nicht zu dem üblichen Star Trek Narrativ zu passen scheint und darüber hinaus auch noch die Adoptivschwester von Mr. Spock ist. Zu guter Letzt ist da noch der Sporenantrieb, der die Discovery augenblicklich in die Lage versetzt an jeden Ort der Galaxie zu springen, und das ohne zeitlichen Verlust eines Impuls- oder Warpantriebs. Die Fokussierung der Story auf Michael Burnham als erste Offizierin missfiel den alten Fans auch, da durch sie andere Charaktere in ihrer Entwicklung stockten und in den Hintegrund gedrängt wurden.
 
Was aber das alles ganz besonders problematisch machte, war die Zeitepoche die sich Bryan Fuller und Alex Kurtzmann für Star Trek: Discovery ausgesucht hatten: 10 Jahre vor dem ersten Einsatz von Kirks Originalmission mit der Enterprise. Wie passten und passen diese ganzen Veränderungen und insbesondere Neuerungen der Discovery in den Kontext des bisherigen Kanons? Die saloppe Antwort: Überhaupt nicht. Aber die Produzenten blieben nicht unttätig und hatten Ideen.
 
 

Wir lösen die Probleme... auf unsere Art

 
Das Problem mit Spocks Halbschwester Michael Burnham konnte von den Produzenten einfach gelöst werden indem auf Spocks Halbbruder Sybok aus dem fünften Film verwiesen wurde, der wie Burnham aus dem Nichts auftauchte und damals für Kirk und McCoy genauso eine Überraschung war, wie für die Zuschauer im Kino. 
Die Optik der Klingonen wurde in der zweiten Staffel von Discovery angepasst indem man ihnen wieder Haare gab. Erklärt wurde das so, dass die haarsträubende Haarlosigkeit dem Krieg geschuldet war. Da man sich in der zweiten Staffel nicht mehr im Krieg befand, durften auch die Haare wieder wachsen. Sehr elegant!
Für den Sporenantrieb hingegen musste eine radikalere Lösung her, denn in keiner der zeitlich später auf Discovery folgenden (aber gleichzeitig vorher produzierten) Serien gab es jemals auch nur eine Erwähnung des Sporenantriebs oder gar der Technik. 
 
Warnung: Ab diesem Punkt sind Spoiler für die zweite und dritte Staffel im Text, falls Ihr die dritte Staffel noch nicht gesehen habt, oder sehen wollt, solltet Ihr nicht weiterlesen.
 
 
In der zweiten Staffel trifft die Discovery auf eine Sphäre, die ihre Daten auf den Computer der Discovery kopiert. Diese Daten werden zum Dreh- und Angelpunkt der zweiten Staffel: Control, eine AI die von einem sehr sehr verborgenem Geheimdienst der Sternenflotte mit dem Namen Sektion 31 entwickelt wurde, möchte ein eigenes "Bewusstsein" erlangen sowie die komplette Vernichtung allen organischen Lebens und benötigt dafür eben diese Daten, um den Prozess abschliessen zu können. Da die Daten von dem Discoverycomputer nicht gelöscht werden konnten, war der einzige Weg diese loszuwerden, das Schiff in die Zukunft zu katapultieren - und nebenbei auch alle Kanonprobleme der Discovery mit ihrem Sporenantrieb zu lösen. 
So  springt die USS Discovery am Ende der zweiten Staffel mitsamt dieser unlöschbaren Sphärendaten 930 Jahre in die Zukunft und befindet sich in einer Galaxie, in der die Föderation nur noch in Bruchstücken existiert. 
 
 

Willkommen in der Star Trek Zukunft

 
 
Die dritte Staffel beginnt mit der Einführung neuer Charaktere: So kommen neben Cleveland "Book" Booker als Michael Burnhams Love Interest in der ersten Folge, Adira und Grey in der dritten Folge zur Crew der Discovery hinzu. Die Serie schafft es in dieser Staffel den Fokus von Burnham etwas herunterzufahren und den Nebencharakteren der Serie mehr Raum zum Atmen zu geben. Das tut der Serie insgesamt gut, aber führt zu einem anderen Problem, auf das wir gleich zu sprechen kommen. Der Handlungsstrang folgt der Suche nach der Ursache für den "Brand", einem Ereignis, welches den gesamten Treibstoff aller Raumschiffe (Dilithium) explodieren ließ und alle Warp-fähigen Schiffe damit zerstörte. Als MacGuffin führt diese Suche nach den Gründen zu alten Bekannten aus der Star Trek Welt. Nach einem Besuch auf der Erde, sehen wir in der Staffel neben Trill auch Vulkan (auch wenn letzterer nicht direkt besucht wird) und erfahren allmählich die Gründe, die zur Zersetzung der Föderation geführt haben. Im Orbit um Vulkan trifft Michael ihre verschollen geglaubte Mutter wieder, die sich inzwischen den Qowat Milat angeschlossen hat, für die die absolute Offenheit das höchste Gebot ist. Ein netter Wink der Produzenten in Richtung Star Trek: Picard welches diesen Orden in den Star Trek Kanon einführte.
 
 
Man erfährt, dass in der Zeit nach dem Brand die Andorianer zusammen mit den Orionern ein Syndikat Namens Smaragdkette gegründet haben welche zusammen mit Osyraa den Hauptantagonisten der Staffel stellt. Nach einer erneuten Insubordination durch Michael Burnham weil sie Book retten möchte (wie oft soll dieses Plot Device eigentlich noch für eine Storyentwicklung herhalten?) wird Fähnrich Tilly ersten Offizier gemacht. Gegen Ende der Staffel findet Michael Burnham schlussendlich den Grund für den Brand heraus und gleichzeitig - in bester Deus Ex Machina Manier -findet sich auch "unendlich viel" neues Dilithium um die Schiffe in Zukunft wieder antreiben zu können. Die Smaragdkette wird besiegt und Michael Burnham wird zum Captain der Discovery.
 
 

War das schon alles?

 
Man kann von dieser Zusammenfassung bereits erahnen, dass inhaltlich in der dritten Staffel nicht sehr viel Neues geboten wird, obwohl durch den zeitlich verfügbaren Rahmen viel Platz für spannende neue Ideen möglich gewesen wäre. Es werden durch die Bank weg fast nur alte Planeten besucht und keine neuen Spezies in die Handlung eingebaut. Da die Hauptstory in dieser Staffel dünn ist, wirken die Folgen gestreckt, ja sogar zäh an manchen stellen, so dass man das Gefühl bekommt, dass die gut gemeinte Charakterentwicklung eigentlich nur ein Lückenfüller ist, die den Inhalt nicht wirklich vorantreiben kann. Dies kann man durchaus machen, wenn man 24-26 Folgen wie in den alten Serien zur Verfügung hätte, aber hier wirkt das ganz sowohl gehetzt wie auch paradoxerweise gebremst. An manchen Stellen wird zu viel Zeit verbraucht (Spiegeluniversumsfolgen) und an anderen kommt die Handlung zu kurz (Sternenflottenhauptquartier). Nehmen wir als Beispiel die Episode S3E4 "Vergiss mich nicht". 
 
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Adira im Unterbewusstsein - oder Bewusstsein?
 
Adira muss Trill besuchen, um mit ihrem Symbionten in Einklang zu kommen. Die Charakterentwicklung von Adira, die Hintergründe ihrer/seiner Vergangenheit werden gut beleuchtet, aber es bleibt zu wenig Zeit übrig, um den Zuschauer glaubhaft zu vermitteln dass die 180°-Wende der Trillvorsitzenden in Bezug auf die Föderation realistisch ist - gerade nachdem sich Michael Burnham der Ausladung widersetzt und mehrere Wachen ausgeschaltet hat. Ein ganz ähnliches Problem hat auch die vorhergehenden Folge S3E3 "Bewohner der Erde".
Der Besuch ins Spiegeluniversum in S3E9-10 kostet die  Haupthandlung zwei Folgen, der gut und gerne in einer hätten abgehandelt werden können. Auch, dass der Hüter der Ewigkeit als Transportmittel in eine andere Dimension und für Georgiou in eine andere Zeit genutzt wird, ist Fanservice und das Rehashen alter Ideen. In der dritten Staffel hätten sich Möglichkeiten gefunden, ein vollkommen anderes Bedrohungsszenario zu erschaffen, anstelle die Föderation als zerstört oder marginalisiert zu thematisieren. Nicht nur, dass im Vorfeld der Ausstrahlung der dritten Staffel von Discovery die Fans von der Idee einer kleineren Föderation angewidert waren, so bewegen sich die Produzenten mit diesem Handlungsrahmen kaum weg vom altbewährten, obwohl jetzt die Möglichkeit da gewesen wäre, etwas vollkommen neues zu kreieren. Vor dem Start der Staffel wurde schon befürchtet, dass Discovery in der dritten Staffel der Handlung von Gene Roddenberrys Andromeda folgen würde. Das passiert zwar nicht, aber es bleibt gerade deswegen das laue Gefühl, dass man in dieser Staffel Potenzial für mehr hatte. 
 
 

GEbt mir mehr Osyraa

 
Nachdem wir nun aber mit der Kritik durch sind, kommen wir zu den positiven Aspekten und Stärken dieser Staffel: Im Gegensatz zur zweiten Staffel ist der Hauptantagonist, Osyraa und die Smaragdkette nicht ein Abziehbild eines typischen Bösewichts. Es erfolgt eine zwar späte, aber wichtige Nuancierung von Osyraa in Episode S3E12 als sie versucht, echte, nachhaltige Verhandlungen mit der Sternenflotte zu führen. Im Gegensatz zu Control aus der zweiten Staffel sind ihre Beweggründe nachvollziehbarer, ihr Handeln rationaler. Es wird nicht ein neuer Antagonist eingeführt, den es einfach zu vernichten gilt, sondern hier wird erklärt, dass auch die Smaragdkette Strukturen hat, die nicht gänzlich böse sind. Die Einführung von Aurellio als das Gute in der Kette ist auch ein Pluspunkt, den man der Staffel anrechnen kann. Weiterhin positiv zu sehen sind die Charakterentwicklungen der einzelnen Figuren: Beispielsweise hat Detmer in den ersten Folgen eine posttraumatische Belastungsstörung. Anstelle, dass dies einfach nur dafür genutzt wird, dass sie "böse" ist und womöglich noch Überbleibsel von Control in sich hat (in Discovery ist vieles möglich, wie wir inzwischen wissen), wird mit dem Thema dahingehend umgegangen, dass sie sich der Belastung stellt und sich durch den Schiffsarzt behandeln lässt. Amüsant war auch das gegenseitige Auskotzen der Crew auf Sarus Dinnerabend.
 
Weiter interessant in der dritten Staffel ist, dass ein Bereich des Raumschiffes gezeigt wird, welcher in keinen der Serien bisher irgendwelche Beachtung fand: Der Raum in dem sich die Turbolifte bewegen. Aus den JJ Abrams Star Trek  Filmen sieht man den Maschinenraum der Enterprise als einen geradezu riesigen offenen Ort, das Filmset damals war die Budweiser Brauerei. In der zweiten Staffel von Discovery wird der Raum in dem sich die Turbolifte bewegen, gezeigt. Schon damals wirkte dieser Raum absolut riesig, aber im Staffelfinale haben es die Produzenten geschafft, aus der Discovery eine T.A.R.D.I.S.  zu machen: Noch bigger on the inside! Die Dimensionen sind gefühlt nicht korrekt, aber es macht einen Heidenspaß dabei zuzusehen. Natürlich werden sich die Showrunner von Discovery mit diesen Szenen die Häme im Netz gesichert haben, da es wie bereits gesagt, sich absolut nicht korrekt anfühlt, aber von uns gibt's Punkte für die Umsetzung. Endlich wissen wir worin sich die Turbolifte bewegen - auch wenn es vollkommen unwichtig ist.
 
 
Kommen wir zum Schluss zu Michael Burnham. Hat sie in den ersten zwei Staffeln allen anderen Charakteren die Luft zum Atmen genommen, wurde sie in dieser Staffel etwas heruntergestuzt, was wie oben erwähnt, der Serie gut tut. Bryan Fullers Ansatz beim Erschaffen der Show war es, Star Trek nicht wieder aus der Perspektive des Captains zu erzählen, sondern einen rangniedrigeren Charakter mehr in den Fokus zu rücken. An der Umsetzung haperte es aber bisher immer: So war Michael Burnham zwar nie Captain, benahm sich aber in jeder Staffel wie einer. Was die Serienmacher in Discovery nicht geschafft haben, war den Fokus von Burnham auf andere Charaktere zu lenken. Der Nicht-Captain Michael Burnham war ein De-Facto Captain, ohne dass es gesagt wurde. Dieses Problem wurde am Ende der dritten Staffel nun endlich auch gelöst: Michael Burnham ist jetzt Captain und hat ihren Weg damit abgeschlossen. 
 
Wer mit den bisherigen Discovery-Staffeln nicht warm wurde, wird es wahrscheinlich mit der dritten Staffel auch nicht mehr. Für die neuen Fans der Serie ist die dritte Staffel teilweise nicht mehr ganz so spannend wie es die erste war, aufgrund von manchem Fanservices, den diese nicht nachvollziehen können. Für die alten Star Trek Fans nähert sich Discovery dem, was "Star Trek sein sollte", es aber noch nicht ganz geschafft hat. Leider hat auch die dritte Staffel in manchen Folgen einige Plotholes, Längen (ihr könnt sie gerne in den Kommentaren beleuchten) und unlogische Momente, aber mei, es ist gute Unterhaltung. 
 
Der Weg ist das Ziel. In der vierten Staffel, die inzwischen in Produktion gegangen ist, werden wir sehen, ob die Showrunner es verstehen, die Möglichkeiten Kanon zu schreiben besser auszunutzen, als sie es in dieser Staffel getan haben.
 
 
 
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