Grand Theft Auto IV - Review

Grand Theft Auto IV

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Review
PS3
300
Grand Theft Auto IV Review
 
Als Einleitung zu einer Review werden gerne kleine Anekdoten oder Weisheiten einer Serie dem Leser wieder in Erinnerung gerufen, um die richtige Stimmung zu erzeugen. Bei Grand Theft Auto könnte man denken, dass diese Aufgabe sehr einfach ist. Es gibt wirklich eine ganze Menge zu berichten. Genau das aber macht es so schwierig. Kaum eine Serie ist so markant und spaltet die Öffentlichkeit wie das Werk Rockstars. In den Augen so genannter Experten ist es der Ursprung allen Übels und ein deutliches Zeichen unserer verkommenen Gesellschaft. In den Augen vieler Gamer ist es aber vielmehr das genaue Gegenteil. Grand Theft Auto ist Kunst, Unterhaltung und Jugendkultur. Dieses Werk prägt unsere Generation und will mit dem vierten Teil das Ganze noch weiter auf die Spitze treiben. Eine schmale Gradwanderung zwischen übertriebener Gewaltdarstellung und Satire. Seit dem 29. April beginnt dieses Spielchen nun wieder von vorne...
 
Willkommen in Liberty City
 
Es gibt ihn noch, den amerikanischen Traum. Genau um diesen dreht sich Grand Theft Auto IV. Die Sehnsucht nach dem, was man nicht selber haben kann, ist immer am größten. Hat man es dann tatsächlich in den Händen, so entpuppt sich das Ganze plötzlich als nicht mehr ganz so begehrenswert. Diese schmerzliche Erfahrung muss auch Niko Bellic machen, der als Einwanderer aus Osteuropa den weiten Weg nach Liberty City aufgenommen hat. Man schlüpft in seine Rolle und wird vom Cousin Roman in Empfang genommen. Dieser behauptet von sich ein gemachter Mann zu sein und dass es in diesem Land genügend Platz für unverwirklichte Träume gebe. Diesem Ruf ist Niko gefolgt, um eine Realität vorzufinden, die ganz und gar nicht mit den zahlreichen Beschreibungen Romans übereinstimmen. Nikos Cousin Roman ist vielmehr ein armes Würstchen. Er schlägt sich irgendwie durchs Leben, betreibt ein marodes Taxiunternehmen und haust in einem heruntergekommenen Appartement. Man steht also mit leeren Taschen da und große Hilfe kann man auch kaum erwarten. Da hilft es nur die ganze Sache selber in die Hand zu nehmen. Am effektivsten und schnellsten geht das Ganze mit Verbrechen. Zu Beginn sind es noch die üblichen kleinkriminellen Aufträge, doch im Laufe des Spiels steigert man sich Schritt für Schritt. Dabei begegnet man allerlei Gestalten, die jeder für sich eine lange Geschichte erzählen könnten. Diese werden euch laufend mit immer neuen Aufträgen beschäftigen. Die stark stilisierten Figuren decken ein reiches Spektrum ab, was wieder beweist, dass sich GTA nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt. Ob nun richtig fiese Mafiosi, Russen, ausgeflippte Jamaikaner, real Hip-Hop Gangster oder prollige Ost-Küsten Iren. In Grand Theft Auto trifft man auf eine Vielzahl typischer Klischeefiguren, die durch ihre übertriebene Darstellung eindeutig als Satire wahrgenommen werden. Allerdings merkt man an vielen Stellen immer wieder kleine moralische Andeutungen und auch ein wenig Sozialkritik, die dem Spieler vor Augen halten, dass alles was so lustig erscheint, in der Realität ganz anders aussieht.
 
Die ersten Aufgaben als aufstrebender Verbrecher in Liberty City sind noch harmloser Natur. Man beginnt mit einfachen Fahrten, in denen man Personen zu einem bestimmten Punkt in der Stadt fährt oder man Botengänge erledigt. Das ganze steigert sich mit den wachsenden Kontakten in der Stadt. Man darf Verfolgungsjagden aufnehmen, den Hitman in einem Auftragsmord spielen oder ganze Freundenhäuser samt Zuhälter aus den eigenen vier Wänden vertreiben. Wem das bekannt vorkommt, der hat sicherlich schon eines der GTA-Spiele gezockt, denn die Missionen sind doch sehr ähnlich. Auch innerhalb des Spiels sind viele Missionen im Storymodus vom selben Typ. Fahre zum Stadtteil X und töte Person Y. Was aber die Faszination so ausmacht, ist das große Rockstar-Plus. Kaum ein Team schafft es so banale Dinge und Aufträge in eine spannende Rahmenhandlung zu umkleiden. Man hat immer das Gefühl Teil einer spannenden Geschichte zu sein und dabei ist es einem nicht bewusst, dass man im Prinzip schon wieder einen ähnlichen Auftrag erfüllt. Besonders die Dialoge und Videos vor einer jeden Missionen steigern das Gefühl im Spiel angekommen zu sein. Ähnlich wie in einem spannenden Film gibt es unerwartete Wendung, durchdachte Dialoge und atmosphärische Kameraeinstellungen. Während der ersten Stunden merkt man auch gar nicht, dass man sehr behutsam in das Spiel eingeführt wird. Mit jeder neuen Mission erkundet man neue Teile der Stadt und lernt neue Funktionen des Spiels kennen.
 
Nikolai "Niko" Bellic, in dessen Rolle man schlüpft, ist eine sehr komplexe Gestalt. Im ersten Augenblick mag man gar nicht glauben, dass man mit diesem Typen, der einen sehr starken osteuropäischen Akzent spricht, die nächsten Stunden verbringen soll. Er wirkt ganz einfach nicht wie ein Held, doch nach und nach erst erkennt man die wahre Größe des Serben, der schon im Balkankrieg sehr durch Gewalt geprägt wurde...
 
"Life is complicated; I killed people... smuggled people... sold people. Perhaps here, things will be different."
 
Bei der Ankunft in Liberty City ist die Hoffnung Nikos sehr groß, doch er wird schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Man könnte schon fast denken Rockstar wolle dem Spieler auf geschickte Art und Weise ein ähnliches Gefühl vermitteln, denn während man bei GTA III dank der 3D Grafik den deutlichen Sprung der Serie sofort erkannt hat, so gestaltet sich die Suche nach der "Revolution" in GTA IV etwas anspruchsvoller. Niemand kann erahnen, was für ein Abenteuer noch vor Niko liegt...
 
Krieg auf den Straßen
 
GTA ist auch in GTA IV sich selber treu geblieben. Trotzdem gibt es zahlreiche Veränderungen im Gameplay. Rockstar hat das Spiel deutlich anspruchsvoller gestaltet. Während man in den Vorgänger wild drauf los ballern konnte, ist bei GTA IV ein gewisser Grad an Taktik gefragt. Die Umgebung muss bewusst genutzt werden. So kann Niko hinter Wänden, Kisten oder Sonstigen in Deckung gehen und von dort aus seine Gegner angreifen. Nun kann man blind und entsprechend unpräzise in die Meute Gegner feuern, oder man visiert mittels Schultertaste einen Gegner genauer an. Ist ein Gegner erfasst, so kann man mittels Analog-Stick noch auf genaue Regionen zielen, was aber im Eifer des Gefechts nicht immer gelingen will. Im Nahkampf gibt es auch einige Veränderungen. So ist es beispielsweise möglich Angriffe zu Kontern. Ein fähiger Spieler kann sich so gegen eine handvoll Gauner wehren, auf Dauer ist diese Variante aber nicht empfehlenswert. Healthpacks sind spärlich verteilt und daher ist das Vorgehen mit etwas Köpfchen und der nötigen Geduld immer ratsam. Man muss bei der ganzen Sache leider anmerken, dass die Idee zwar sehr gut ist, es aber etwas an der Umsetzung hapert. Sicherlich arrangiert man sich während der vielen Stunden im Spiel mit dieser Tatsache, doch ein geschicktes Hechten zwischen den schützenden Barrikaden ist aufgrund der etwas trägen Steuerung nicht drin. Wir meckern hier auf höchstem Niveau und GTA IV bietet ein so facettenreiches Gameplay, dass man schnell darüber hinweg sieht, dass nicht jedes Element völlig ausgereift ist.
 
Das Ballern nimmt in diesem Spiel natürlich eine zentrale Rolle ein und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man es in jeder Lebenssituation ausleben darf. So auch während der Fahrt in einem Auto oder Motorrad. Wenn man schon dabei ist, alle Regeln der Verkehrsordnung zu überschreiten, dann kann man auch während der Fahrt auf Gegner oder andere Fahrzeuge schießen. Während man sich also auf das Lenken des Fahrzeugs konzentriert, kann man mit einem einfachen Befehl auf die Schultertaste ein Fenster einschlagen und seine Waffe aus dem Wagen halten. Dies funktioniert erstaunlich gut und macht irre Spaß.
 
Aus einem fahrenden Auto zu schießen vereint die beiden wichtigsten Elemente der GTA-Serie, was auch eine gute Überleitung zum allgemeinen Fahrverhalten der Fahrzeuge bildet. Ein Löwenanteil im Spiel nimmt die reine Autofahrt ein und hier wurde deutlich am Verhalten geschraubt. Hat man unmittelbar vor GTA IV einen anderen Teil der Serie gespielt, so merkt man es sofort. Die Bremswege sind länger und das allgemeine Verhalten fühlt sich wie eine Fahrt auf Eis an. Allerdings nur für denjenigen, der es nicht lernen will. Nach nur einer kurzen Einspielzeit betätigt man elegant die Handbremse und nimmt geschickt die Kurven. Bei hoher Geschwindigkeit sollte man sicherlich deutlich vorsichtiger sein, als noch in den Vorgängern, doch insgesamt ist das Fahr- und Kollisionsverhalten in Grand Theft Auto IV wunderbar. Da es auch viele Rennen in GTA IV gibt, lässt sich das Spiel mit einem Arcade-Gameplay sogar mit einem Burnout vergleichen. Wer dem abgeneigt ist, der wird keinen Spaß haben, alle anderen erleben wilde Verfolgungsjagden und halsbrecherische Stunts. Alle Fahrzeuge im neuen GTA verfügen über individuelle Fahreigenschaften. Jedes neue Auto, bringt also eine neue Herausforderung.
 
Call me
 
Wie schafft man es dem Spieler zahlreiche Menüs zu bieten und gleichzeitig ihn nicht aus seiner Traumwelt zu entreißen? Das Wundermittel für eine solch schwierige Aufgabe befindet sich in der Hosentasche. Niko besitzt ein Handy, das deutlich mehr Funktionen bietet, als man es von unseren gängigen Modellen kennt. Im Laufe des Spiels füttert man es mit zahlreichen Kontakten. Diese kann man dann jederzeit anrufen oder erhält auf dieser Weise neue Aufträge. Die Lebendigkeit des Spiels wird durch dieses einfache Mittel noch weiter gesteigert. Mal wollen eure Bekannten mit euch einfach etwas unternehmen, mal bekommt man via MMS Informationen für den nächsten Auftrag. Handys können sicherlich nerven, doch die GTA-Variante hat viele Features, die euch das Leben leichter machen. So bekommt man via SMS die Möglichkeit eine gescheiterte Mission direkt nach dem Ableben sofort wieder in Angriff zu nehmen, das euch immerhin die lange Anfahrt zum Auftraggeber erspart. Leider gibt es aber innerhalb einer Mission keine Checkpoints. Dies ist besonders ärgerlich, wenn es sich um eine besonders knifflige Aufgabe handelt.
 
Das GTA-Handy hat auch Organizer-Funktionen, die euch an wichtige Termine erinnern. Man kann es auch wie ein echtes Gerät nutzen und willkürlich Nummer wählen und Leute belästigen. GTA bietet so viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen, dass ein Spaßanruf bei der Polizei wohl nur einmal ausprobiert wird. Eine weitere moderne Neuerung, die Einzug in GTA IV genommen hat, ist das Internet. In eurem E-Mail Account findet man nicht nur Spam, sondern auch brauchbare Informationen und Aufträge. Außerdem kann man hier sich bei einer Datingseite anmelden oder sich die Seiten der zahlreichen fiktiven Firmen im Spiel angucken. Das muss man sich einmal vorstellen. Man fährt mit seinem Wagen durch die Stadt, sieht einen auffälligen Laden und findet deren Webpräsenz im Internet. Da hat sich jemand unglaublich viel Mühe gegeben um eine virtuelle Welt zu erschaffen. Grand Theft Auto IV geht aber noch weiter. Neben Radiowerbung kann man auch im eigenen Versteck die Glotze anschmeißen und dabei wieder auf die Unternehmen stoßen. Es lässt sich kaum in Worte fassen, aber man ist einfach erschlagen von dieser Liebe zum Detail. Es mag zwar sehr abwegig klingen, doch wer wirklich große Langeweile verspührt, der kann sich lange Zeit mit dem Fernsehprogramm von Liberty City beschäftigen. Es gibt Serien, die tatsächlich guckenswert sind. Wenn man schon einmal im eigenen Heim ist, so kann man sich auch eine Runde aufs Ohr hauen. Bekanntermaßen ist dies die Möglichkeit zu speichern. Praktischer ist es aber die Auto-Speicher Funktion zu aktivieren. Dadurch wird während des Spiels jederzeit der Fortschritt gespeichert, was euch wieder rum die Möglichkeit bietet, die Konsole zu jedem Zeitpunkt auszuschalten, ohne dass wichtige Erfolge sofort verloren gehen.
Sehr hilfreich im Spiel ist auch das neue Navigationssystem. Gibt es einen bestimmten Punkt, den man in Liberty City aufsuchen möchte, so genügt ein Klick auf die große Map. Dadurch markiert man die Stelle und auf der Minimap wird dann die kürzeste Route angezeigt. In vielen Missionen wird die Route auch automatisch berechnet, so dass man nicht einfach einem Punkt auf der Map folgen muss, sondern wirklich einen Verlauf vorfindet. Echt praktisch.
 
Das unendliche Verbrechen
 
Das Verbrechen schläft nie! Dies gilt besonders für Liberty City. Allerdings dürfte dies gerade dem Spieler sehr entgegen kommen. Gleichzeitig bedeutet es nämlich auch, dass es viel zu tun gibt. Neben den storyrelevanten Missionen gibt es wieder eine ganze Menge Sekundär-Missionen, die man gut und gerne nebenbei erledigen kann. So erhält man regelmäßig via E-Mail den Auftrag bestimmte Fahrzeuge zu besorgen oder via SMS eine Einladung zu einem illegalen Rennen. Auch gilt es bestimmte Verbrecher zu beseitigen. Um an Informationen solcher Typen zu gelangen, knackt man am besten ein Polizeiauto und bedient sich des Computers, mit dem jede Streife ausgestattet ist. Hier findet man eine reichhaltige Datenbank aller Verbrecher in Liberty City.
 
Die Polizei wurde übrigens auch etwas modernisiert. Wer sich auffällig auf den Straßen benimmt (in GTA bedeutet dies ein Mord auf offener Straße), der wird gleich von der Polizei hart ran genommen. Begibt man sich auf die Flucht vor der Polizei, so steigert sich ähnlich wie in den Vorgängern der Fahndungs-Level. Während am Anfang euch noch einfache Streifenwagen jagen, so muss man es bei einem hohen Fahnungslevel schon mal mit Helicoptern und Spezialeinheiten aufnehmen. Um den Fahndungslevel wieder zu senken, muss man sich zunächst aus dem Suchkreis der Polizei entfernen. Dieser Suchkreis wird stets auf der Minimap dargestellt. Befindet man sich außerhalb des Kreises, so sollte man den Kontakt zu Polizeifahrzeugen vermeiden und sich möglichst unauffällig verhalten. Schneller geht es mit dem klassischen Pay&Spray. In den Lackierwerkstätten kann man seinem Fahrzeug einen neuen Anstrich gönnen, so dass die Polizei euch nicht mehr erkennt und der Fahndungslevel im Handumdrehen wieder auf Null singt. Insgesamt verhält sich die neue Polizei von Liberty City deutlich hartnäckiger und macht euch das Leben wirklich schwer. Erstaunlicherweise gucken sie aber bei Kleinigkeiten (mal einen Passanten in Liberty City überfahren ist schon okay...) gerne auch mal weg. Solltet ihr aber bei der Brückenüberfahrt die Mautgebühren prellen, so werdet ihr sofort von den Ordnungshütern verfolgt. Die Prioritäten in dieser Stadt sind wirklich merkwürdig verteilt.
 
Wer von all dem Stress mal eine Auszeit braucht, der lädt am besten seine Freunde ein und unternimmt etwas. Der Kontakt mit Freunden ist immer sehr wichtig. Pflegt man die Beziehungen, so steigt die Sympathie und man erhält mehr Nebenmissionen. Es gibt viele Freizeitmöglichkeiten in Liberty City, die euch ein bisschen das Verbrecherdasein vergessen lassen. Ein Besuch in einem Strip-Club bringt euch schnell auf andere Gedanken. Auch kulinarisch können die Schnellrestaurants begeistern. Wer auf mehr Action steht, der probiert sich in Billard, Dart oder Bowling. Diese Minispielchen sind sehr gut umgesetzt, so dass man sich sehr schnell dabei ertappt schon etwas länger damit beschäftigt zu sein. Möchte man einfach nur unterhalten werden, so eignet sich ein Besuch der gelungen Theatervorstellungen.
 
New New York
 
Liberty City ist ganz eindeutig eine Nachbildung der Stadt New York. Das dürfte wohl jedem klar sein. Mit seinen vier großen Inseln wurden auch die Stadteile der Megametropole nach empfunden. Insgesamt ist die Map von Grand Theft Auto IV nicht so groß wie San Andreas. Trotzdem verliert man sich aber auch hier genauso gerne. Keine Straße und kein Gebäude ähneln sich. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Jeder Abschnitt bietet etwas Einzigartiges und könnte nicht unterschiedlicher sein. In der City ist man umzingelt von Wolkenkratzern, während man in sich in anderen Teilen durch dunkle Ghettos bewegt. Viele Sehenswürdigkeiten wurden aus der "Stadt die nie schläft" kopiert. So findet man eine neue Variante der Brooklyn Bridge oder der Freiheitsstatue. Diese Stadt lebt einfach. Das merkt man an den vielen Details, die euch wirklich überall überraschen. So erblickt man diese Feinheiten am besten bei einer gemütlichen Taxifahrt. Man erblickt Filmplakate, folgt dem Treiben am Zeitungsstand oder beobachtet einfach die Aktivitäten im Park. Alle diese Details aufzuzählen würde wirklich den Rahmen sprengen, doch jeder neue Tag in Liberty City bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Dabei erlebt jeder Spieler das gesamte Werk auf seine eigene Weise. Auch das Verhalten der Einwohner hat sich spürbar verändert und wirkt deutlich lebendiger. Zwar ist es noch lange nicht perfekt, aber dafür reagieren sie auf eure Aktionen realistischer und individuell. Befindet man sich beispielsweise zur Hauptgeschäftszeit mitten in der City, so sind die Straßen völlig verstopft von Taxen. Es wird gehupt und geschimpft. Hat man einen Auffahrunfall, so steigen die Personen aus ihren Fahrzeugen und beschweren sich, während auf der anderen Straßenseite ein kleiner Gauner von der Polizei gejagt wird. Ob bei Tag oder bei Nacht, Liberty City kommt nie zu Ruhe.
 
Selbst als einfache Stadtsimulation könnte Grand Theft Auto IV funktionieren. Man fährt mit offenem Mund durch die Straßen dieser unglaublichen Stadt. Dabei begegnet man immer wieder Tauben, die versuchen ihren Dreck zu hinterlassen. Hat man sich einmal in diese Welt verliebt, so kann man dies bei bestem Willen nicht zulassen. Also beseitigt man im Auftrag der sauberen Stadt die Ratten der Lüfte. Ingesamt gibt es 200 Tauben, die den Sammelobjekten der Vorgänger entsprechen. Diese Aufgabe alleine dürfte für viele lange Spielstunden sorgen. Aber auch wer sich konsequent nur an die Hauptstory hält, der wird mit rund 25 Spielstunden lange beschäftigt sein. Kaum jemand aber wird sich der vielen Nebenmissionen und den Reizen der Stadt widersetzen können, so dass mindestens die doppelte Spielzeit realistischer erscheint. Die Jagd auf die 100 Prozent hingegen könnte eine monatelange Spielzeit mit sich bringen.
 
Grand Theft Auto IV will erlebt werden. Ein kleiner Blick auf das Spiel reicht einfach nicht. Hier wird nicht mit irgendwelchen detailreichen Texturen oder überirdischen Effekten geprotzt, sondern auf subtile Art eine scheinbar grenzenlose Welt erschaffen. Durch den gelungen Tag- Nachtzyklus wird die Stadt zu jeder Stunde mit einer neuen Atmosphäre bekleidet. Mit aufgedrehter Musik geht es über die Brücke dem Sonnenschein entgehen in Richtung Downtown. Kein Spiel kann auch nur im Ansatz dieses Gefühl einer realen Welt bieten, wie es Rockstars GTA IV schafft. Dafür verdienen die Entwickler höchsten Respekt. Jeder Spieler wird seine eigenen Erfahrungen machen. Man läuft durch die Straßen, begegnet anderen Leuten und stellt für sein Handy einen eigenen Klingelton ein. Kleinigkeiten, die in der Summe aber eine so unglaublich stimmige Welt schaffen. Das Gefühl sich auf eine ewige Suche begeben zu haben packt euch irgendwann mitten im Spiel und lässt euch nicht so schnell wieder los.
 
Genauso detailliert und abwechslungsreich (auch wenn es pervers klingt) sind die Möglichkeiten in Grand Theft Auto IV Mitmenschen zu töten. Dieses Spiel ist ganz sicher nichts für Kinder. Hier geht es wirklich knallhart zur Sache. Dabei macht besonders die gebotene Physik einen guten Eindruck. Beim An- oder Überfahren von Passanten reagieren sie entsprechend real. Dabei werden immer wieder auch Blutspuren hinterlassen. Dass die USK bei diesem Spiel keine Indizierung eingereicht hat, ist wirklich erstaunlich. Da mussten schon harmlosere Spiele dran glauben. Deutsche Spieler können sich aber mal zur Abwechslung über eine komplett ungeschnittene Version freuen.
 
Immer noch nicht genug GTA?
 
Als wäre die reine Solokampagne nicht Grund genug für die nächsten Wochen Urlaub zu beantragen, bietet das Spiel einen richtig gelungenen Multiplayer, der glatt sogar als eigenständiges Spiel hätte veröffentlicht werden können. Als erstes Spiel der Serie geht es hier Online richtig zur Sache. Da wir in Grand Theft Auto IV kein richtiges Hauptmenü zur Verfügung haben, bedient man sich wieder dem Handy. Man kann während der Solokampagne jederzeit die Herausforderung im weltweiten Netz suchen. Beim ersten Aufruf des Muliplayers kann man seine eigenen Spielfigur gestalten und sich in die große Schlacht stürzen. Dieser Modus bietet Platz für insgesamt 16 kampflustige Spielgefährten. Die Möglichkeiten gemeinsam Zeit mit GTA IV zu verbringen sind sehr vielfältig. Die Palette reicht von klassischen Deathmatches bis hin zu Rennen. Insgesamt gibt es 14 verschiedene Modi, die sich mal mehr und mal weniger unterscheiden.
Da wären also das bereits erwähnte Deathmatch und die Variation des Team-Deathmatch. Hinzu kommen noch Domination, das Beschützen bestimmter Personen und die Autorennen. Beim letzteren kann man entscheiden, ob man nur normale Rennen veranstaltet oder aber die GTA-Variante wählt. Bei der GTA-Variante darf man halt auch Gebrauch von Schusswaffen machen und so der Konkurrenz das Leben zur Hölle machen. Die Entwickler haben aber noch mehr Einfälle im Multiplayer verarbeitet. So gibt es beispielsweise den Mafia-Modus. Dabei bekommen alle Spieler den selben Auftrag aufs Handy geschickt. Wer als erstes die Mission erfüllt, bekommt die Belohnung in Form von Geld. Das alleine klingt vielleicht erstmal etwas langweilig, aber beim Gedanken, dass 16 Spieler Jagd auf die selbe Zielperson machen, erscheinen einem schnell spannende Szenarien vor dem geistigen Auge. Es gibt auch Modi in denen man in verschiedene Rollen schlüpft. Bei Cops & Crooks übernimmt die eine Hälft die Rolle der Verbrecher, während die anderen die Polizei spielt. Die moderne Fassung von Räuber und Gandarmen.
 
Das gesamte Spiel läuft sehr flüssig ab, auch wenn jeder Spieler mittels Headset kommuniziert. Der Host erstellt eine Partie und entscheidet dabei welche Variante gespielt wird. Zuvor kann die Größe des Areals (einzelne Teile von Liberty City oder auch die gesamte Stadt kann gewählt werden) bestimmt und verschiedene Einstellungen vorgenommen werden. Zum Beispiel bestimmt man, ob nun auch normale Passanten im Spiel vorhanden sind oder welche Waffen genutzt werden dürfen. Gerade ein Haufen begeisterter GTA-Spieler kommt auf die verrücktesten Ideen. Grand Theft Auto IV bietet den richtigen Spielplatz für alle und dürfte wohl eines der erfolgreichsten Multiplayer-Games des Jahres werden.
 
Open World deluxe
 
Grand Theft Auto IV glänzt nicht irgendwie durch verdammt scharfe Texturen oder bombastischen Spezialeffekten. All diese Elemente wurden zu Gunsten dieser unglaublich großen und offenen Welt etwas zurückgeschraubt. Trotzdem erblickt man immer wieder wirklich faszinierende Grafiken. Beispielsweise sind die Fahrzeuge im Spiel deutlich detailliert. Diese können sogar physikalisch korrekt beschädigt werden. Wirklich spannend sind auch die Wettereffekte im Spiel. Liberty City erstrahlt man im hellsten Sonnenschein und mal präsentiert es sich komplett dunkel und verregnet. Es donnert bei Sturm und die verregneten Straßen spiegeln die Lichter der Großstadt. Eine unglaubliche Atomsphäre, die dieses Spiel aufzubauen versteht.
Bei all der Pracht gibt es aber auch einige kleine Fehler. Beispielsweise beginnt das Spiel bei hohem Aufkommen an zu ruckeln und Pop-Ups sind häufig vertreten. Für diese hat man aber eine ganz geschickte Einblendung programmiert. Pop-Ups gibt es nur bei kleineren und unauffälligen Objekten wie Ampeln. Diese werden sehr sanft ins Bild eingeblendet, so dass es immerhin nicht so auffällig wie in den Vorgängern ist. Bei großen Gebäuden sind sie also nicht festzustellen. Einzig bei einer Fahrt durch die Höhen der Lüfte sind solche massiven Pop-Ups noch auffällig. Allerdings probiert Rockstar es durch geschickten Einsatz von Unschärfe zu kaschieren. Ist man richtig im Spiel, so fallen diese Aspekte ohnehin nicht mehr so sehr ins Gewicht. Viel Potential zum meckern gibt es auch beim Katenflimmern, der Treppchenbildung und der fehlerhaften Darstellung der Schatten. Man muss aber wiederholt darauf hinweisen, dass Grand Theft Auto IV eine so große Welt bildet, die mit wechselnden Wetterbedingungen und der gleichzeitigen Berechnung des gesamten Treibens auf der Straße immer noch ganze Arbeit leistet.
In der Physik hat es teilweise wirklich große Verbesserungen gegeben. Gleichzeitig aber, merkt man aber auch sehr schnell, dass noch nicht alles ganz perfekt ist. Man kann beispielsweise Passanten physikalisch korrekt über den Haufen fahren. Leider aber liegen diese dann völlig regungslos und in sonderbaren Positionen auf dem Boden. Auch die allgemeine KI, die zwar deutlich verbessert worden ist, scheitert oftmals an recht simplen Aufgaben. Eure Mitstreiter finden beispielsweise in manchen Situationen nicht die Beifahrerseite. Bei den Gegnern verhält sich das Ganze sehr ähnlich. Sie gehen zwar geschickt in Deckung, aber insgesamt bleiben sie für den Spieler recht leichte Beute.
Bekanntermaßen muss man vor dem Start von Grand Theft Auto IV auf der PS3 eine Installation durchführen. Dafür aber bekommt man im Spiel recht humane Ladezeiten präsentiert. Befindet man sich im Spiel und fährt durch Liberty City, so gibt es im Prinzip keine Wartezeiten. Lediglich vor einer jeden Mission bekommt man den Ladebildschirm präsentiert.
 
Die Technik von Grand Theft Auto IV ist mit großer Sicherheit nicht perfekt, aber dafür hat es etwas, wovon andere Spiele in dieser Form nur träumen können: Es lebt. Mit allen den eingebauten Kleinigkeiten, die sogar den Spielspaß fördern, präsentiert sich eine einzigartige Welt mit ihrer völlig eigenen Atomsphäre.
Einen entscheidenden Beitrag leistet auch die Musik im Spiel, die wie in den Vorgängern in vielen verschiedenen Radiosendern unterteilt ist. Dabei bekommt man nicht nur viel Musik zu hören, sondern auch Moderatoren, die von sonderbaren Geschichten, Nachrichten und Ereignissen berichten. Hier gibt es wirklich viel verrücktes Zeug, das sehr lustig ist. Die gespielte Musik ist lizenziert und bietet ein reichhaltiges Spektrum an. Da wäre beispielsweise der von DJ Premier moderierte Sender Classics mit vielen Hip Hop Tracks. Nebenbei gibt es noch Sender aus den Bereichen Pop, Funk, Soul, Rock, Russian-Pop oder Klassik. Jeder Sender besticht durch eine gute Rotation und witziger Moderation.
Auf ähnlich hohem Niveau befindet sich die generelle Soundkulisse. Man fühlt sich echt in eine Großstadt versetzt, wenn es durch die Dolby Sorround Lautsprechern von allen Seiten hupt und dröhnt. Einen sehr guten Job haben übrigens auch die Synchronsprecher geleistet, die für jede Charaktere mit dem entsprechenden Akzent aufwarten. Nicht nur inhaltlich sind die Dialoge beeindruckend, alleine die reine Anzahl ist einzigartig.
 
 
Postiv:
 
+ Riesige und lebendige Stadt
+ viel Liebe zum Detail
+ großer Umfang durch Story- und zahlreichen Nebenmissionen
+ gelungene Charaktere und aufregende Dialoge
+ gelungener Multiplayer
+ wechselnde Atomsphäre durch verschiedene Wetterbedingungen und Tag-Nacht Zyklus
+ das perfekte Spiel für Entdeckungstouren
+ viele Radiosender mit lizenzierter Musik und witzigen Moderatoren
+ geniales Handy-Feature
 
Negativ:
 
- immer noch zu schwache KI
- viele Grafikfehler (Ruckeler, Pop-Ups, etc.)
- schwammige Steuerung
 
VOID

Fazit

Pro
 
Contra
 
Becks
Don't believe the hype! Richtig, man darf dem Hype keinen Glauben schenken, denn dieses Spiel ist sogar besser. Löst das Ticket und begebt euch auf eine Reise nach Liberty City. Alleine schon die Spielanleitung in Form des Reiseführers und die in der Verpackung vorhandene Landkarte stimmen euch auf den Trip eures Lebens ein. Mit einem guten Schluck Pißwasser (das offizielle Bier in Liberty City) geht es dann mit aufgedrehter Anlage durch die faszinierenden Straßen dieser einzigartigen Welt.
 
Wir sehen uns in Liberty City.

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