Pro Evolution Soccer 2008 - Review

Pro Evolution Soccer 2008

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Review
WII
29
(R)Evolution des elektronischen Fußball?
 
Seit dem Jahr 2001 - damals auf der PlayStation 2 - beschert uns Konami jährlich mit einer Neuauflage Ihrer Fußball-Simulation Pro Evolution Soccer. Während die Simulationsaspekte - für Kritiker - in der 2008er Ausgabe auf den NextGen Konsolen etwas zu sehr in den Hintergrund geraten sind, versucht die Wii Version von PES 2008 einen gänzlich neuen Weg elektronischen Fußball zu zelebrieren. Wie und ob die Evolution gelingt wird unser Testbericht versuchen zu klären.
 
 
Champions Road - "Dieser Weg wird kein leichter sein..."
 
Fangen wir doch mit einem Überblick über den Umfang und die Spielmodi von PES 2008 auf der Wii an. Während die bisherigen Teile der Serie im Kern den umfangreichen Meisterliga-Modus boten, wurde dieser auf der Wii gestrichen. Glücklicherweise nicht ersatzlos! Das neue Herzstück hört auf den Namen "Champions Road" in welcher ihr wie von der Meisterliga gewohnt ein bestimmtes Team (mit Fanatasiespielern) zu Erfolgen führen sollt und dadurch neue Spieler erwerben könnt und vorhandene Spieler sich weiterentwickeln. Grundlegende Unterschiede zur Meisterliga gibt es aber mehrere. Der erste wäre, dass ihr nicht mehr in einem zweistufigen Ligensystem spielt, sondern nur noch kleine regionale Wettbewerbe rund um den Globus spielt. Diese Wettbewerbe sind in mehrere Stufen eingeteilt. Mit jedem erfolgreich gemeisterten Wettbewerb wird eine weitere Stufe in dieser Region freigeschaltet. Befinden sich im Mannschaftstopf der untersten Stufe noch relativ schwache Mannschaften, so werden diese im Verlaufe der Champions Road durch immer stärkere Teams ersetzt. Solltet ihr einen Wettbewerb nicht erfolgreich abschließen, kann dieser jederzeit (mit jeweils zufällig gewählten gegnerischen Mannschaften) wiederholt werden.
 
Motivation bezieht der Champions Road Modus durch die Fortentwicklung eurer eigenen Mannschaft nach jedem Spiel. Unabhängig vom Ergebnis bekommen die von euch eingesetzten Spieler Erfahrungspunkt in sechs verschiedenen Eigenschaften (Angriff, Abwehr, Ausdauer, Geschwindigkeit, Stärke und Technik). Wenn ein Spieler genug Erfahrung einer Eigenschaft gesammelt hat kann der Spieler eine von euch gewählte Grundfähigkeit oder auch spezielle Fähigkeit lernen und erhöht dadurch seine Gesamtstärke im gewählten Bereich. Dabei ist zu beachten das jeder Spieler nur eine begrenzte Anzahl an Fähigkeiten erlernen kann und sich danach nicht mehr weiterentwickeln wird. Spätestens dann ist es Zeit sich nach neuen Spielern umzusehen. Im Gegenteil zum Meisterliga-Modus werden aber keine Transfers mehr durchgeführt. Stattdessen werdet ihr je nach Ergebnis des letzten Spieles einen oder mehrere Spieler der gegnerischen Mannschaft in eure Reihen übernehmen können. Das spannende an diesem System ist, dass ihr lediglich eine kurze knappe Beschreibung der Spieler erhaltet ("Ist gut auf den Flügeln", "Liebt das körperbetonte Spiel" u.ä.) ohne die dazugehörigen Namen und Werte der Spieler. Ihr zieht also blind einen Spieler aus dem Kader des letzten Gegners. Sagt dieser Euch zu, steckt ihr ihn in euer Team oder setzt ihn auf die umfangreiche Reserveliste. Nicht mehr benötigte Spieler könnt ihr gegen den neuen austauschen. So werdet ihr nach und nach eine stärkere Mannschaft bekommen und auch die höheren Stufen der Wettbewerbe meistern können.
 
 
Aufgelockert wird der Spielmodus durch das integrierte Tutorial und einzelne Trainingseinheiten. Nach einigen Spielen werdet ihr immer mal wieder kurze Trainingscamps oder -einheiten durchlaufen, die euch die Steuerung anschaulich näher bringt und einige Tipps verrät. Daraufhin erhaltet ihr Missionsziele wie "Erziele ein Tor durch einen Volley nach Flanke über die Außen" oder "Gewinne drei Spiele in Folge". Durch erfolgreiches Meistern dieser Aufgaben erhöht sich z.B. die Anzahl der erlernbaren Fähigkeiten der Spieler oder die Anzahl der Spieler die ihr in euren Kader übernehmen könnt.
 
Die Langzeitmotivation dieses Modus besteht natürlich im erfolgreichen Abschließen der einzelnen Wettbewerbe und das dazu nötige verbessern des eigenen Teams. Während dies auf niedrigeren Schwierigkeitsstufen ein schneller Spaziergang ist, werden euch die beiden höchsten von insgesamt sechs Schwierigkeitsgraden schon einiges an Können abverlangen. Dennoch kann die Champions Road den Meisterliga-Modus nicht gänzlich ersetzen. Das Mannschafts-Management mit Training, Spielerkauf und -verkauf usw. fehlt einfach. Für kurzweilige Unterhaltung ist der Modus aber bestens geeignet.
 
Neben der Champions Road gibt es die obligatorischen Freundschafts-, Pokal- und Ligaspiele, sowie ein umfangreicher Trainingsmodus, welcher aber auch - wie bereits erwähnt - in die Champions Road integriert ist.
 
Der Online-Modus kann leider nicht überzeugen. Um gegen bestimmte Spieler oder Freunde zu spielen ist es zuerst Wii-typisch nötig Friendcodes auszutauschen. Löblicherweise ist es auch möglich "Freie Spiele" auszutragen. Hierbei handelt es sich um Einzelspiele gegen Zufallsgegner. Ligen, Ranglisten oder Lobbys werdet ihr vergeblich suchen. Auch ist uns bei unseren Tests aufgefallen, dass die Performance in einer Vielzahl von Spielen schlecht ist. Die Spiele werden von diversen Lags gestört und das obwohl ihr in den Einstellung festlegen könnt das ihr ausschließlich gegen Spieler mit guten Verbindungen spielen wollt! Das trübt den Online-Spaß gewaltig und ist leider nichts neues in den 2008er Ausgaben der PES-Serie.
 
 
Wo ist denn nun die (R)Evolution?
 
Nach der ausführlichen Vorstellung der Spielmodi kommen wir nun zum spannendsten und wohl gewichtigsten Teil unseres Testberichts: Dem Gameplay bzw. der neuen Steuerung!
 
Die Steuerung von PES 2008 auf der Wii lässt sich mit nichts bisher da gewesenen vergleichen und lässt sich - Stand Heute - so auch auf keine andere Konsole übertragen. Anstatt die Spieler direkt zu steuern gebt ihr ihnen Anweisungen wohin sie dribbeln, laufen und passen sollen und wann sie den Ball schießen oder köpfen sollen. Dabei steuert ihr nicht nur einen Spieler zugleich, sondern könnt mehreren Spieler taktische Anweisungen geben und so Tore auf bisher nie gesehene Art und Weise herausspielen.
 
Hört sich kompliziert an und ist es zu Anfang auch. Ihr werdet durchaus einige Spiele und Spielstunden benötigen um die Feinheiten des Spieles zu erlernen. Hilfreich ist dabei der einstellbare Schwierigkeitsgrad, der Euch je nach Einstellung mehr oder weniger Zeit am Ball lässt, bevor die Gegenspieler eingreifen oder auch den Torwart passiv auf der Linie kleben lässt als euch beim Alleingang entgegen zu rennen. In den beiden oberen Stufen werdet ihr gegen die K.I. aber kein Land sehen solange euch die Steuerung nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist und ihr den Ball schnell und geschickt durch die eigenen Reihen nach vorne spielen könnt.
 
 
Ihr könnt jedem Spieler jederzeit bestimmte Laufwege, Mann- oder Raumdeckung und Tacklings zuweisen. Laufwege werden strikt befolgt und auch nicht verlassen bis die Spieler ihren Zielpunkt erreicht haben. Hierbei wird einer der kleinen Kritikpunkte an der Steuerung bzw. dem Gameplay deutlich: Selbst wenn der Spieler auf dem Weg zum Zielpunkt einen generischen Spieler kreuzt der im Ballbesitz ist, wird er diesen nicht angreifen sondern seinen Weg unbeirrt fortsetzen. In all der Hektik führt das ab und an zu echten Frustmomenten, die sich aber weitestgehend in Grenzen halten und man meist das ungute Gefühl hat das man selbst dran schuld ist.
 
In Ballbesitz kommt es auf Übersicht und schneller Auffassungsgabe an um den Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Mit dem A-Knopf lasst ihr den ballführenden Spieler in die gewünschte Richtung laufen, welche durch einen Cursor und die Wiimote markiert wird. In Eins-gegen-Eins-Situationen könnt ihr mit dem Analogstick des Nunchuks Dribblings des ballführenden Spielers durchführen bzw. gezielter steuern. Durch drücken des B-Knopf und gleichzeitiger Zielauswahl per Cursor spielt ihr einen Pass. Die Stärke und Höhe wird dabei automatisch gewählt. Optional könnt ihr durch Doppelklick auch einen flachen Pass forcieren. Zum Schießen schwingt ihr das Nunchuk Richtung Tor. Hierbei ist sowohl Länge/Stärke als auch Richtung des Schwungs mit entscheidend. Schwingt ihr zu kurz wird der Ball verhungern, schwingt ihr zu Hoch, wird der Ball über das Gehäuse gehen. Bei Flanken - die genauso wie Pässe funktionieren - ist ein wenig Timing für einen erfolgreichen Abschluss nötig. Schwingt ihr das Nunchuk auf halben Wege des Balles zum Spieler, so wird dieser einen Kopfball Richtung Tor ausführen. Schwingt ihr das Nunchuk knapp vor der Annahme des Balles, so wird der Spieler einen Volley schießen sofern die Position zum Ball stimmt. Verpasst ihr den Zeitpunkt segelt der Ball über euren Spieler hinweg oder er schlägt am Ball vorbei.
 
 
Schwieriger gestaltet sich die Steuerung der Verteidiger. Mit einem Klick auf den A-Knopf während gleichzeitiger Markierung eines Gegenspieler, wird dieser in Manndeckung genommen. Leider gehen die Spieler sehr passiv dem Gegenspieler entgegen, so dass dieser selbst bei doppelter Manndeckung relativ einfach an euren Verteidigern vorbeikommt. Es ist nicht möglich den ballnächsten Spieler direkt zu steuern. Um ein Solo dennoch zu verhindern könnt ihr durch Drücken des Z-Knopf und gleichzeitigen Schwingen des Nunchuk zur Grätsche ansetzen. Hier ist das Timing sehr entscheiden, sonst rutscht ihr am Gegenspieler und Ball vorbei oder ihr begeht ein Foul. Freistöße führt ihr ebenfalls direkt mit einem Schwung des Nunchuk aus, oder durch Drücken des B-Knopfes um den Ball zu einem Mitspieler oder in den freien Raum zu passen.
 
Erfreulich ist die deutlich gestiegene Intelligenz der Torhüter. Diese laufen geschickt aus dem Kasten und retten mit teilweise sensationellen Reflexen ohne aber übermächtig zu werden. Auch die Spieler welchen ihr keine direkten Anweisungen gegeben habt verhalten sich ausreichend intelligent und machen die Räume eng. Dennoch ist es absolut notwendig Spielern Befehle zuzuteilen um gegnerische Angriffe zu vereiteln.
 
Letztendlich ist das Angriffsspiel hervorragend gelungen, während die Spieler in der Abwehrarbeit aggressiver zu Werke gehen könnten und hier noch einiges Verbesserungspotential seitens Konami besteht. Allzu oft gerät die Abwehrarbeit in zu viel Hektik und Chaos das ihr nur noch schwer kontrollieren könnt.
 
Die Werte der Spieler wirken sich auf das Spielgeschehen aus, auch wenn dies in erster Linie nur in der Offensive bemerkbar ist. So entscheiden z.B. Technik und Schußkraft über erfolgreiche und gezielte Schüsse, auch wenn hier die Position zum Ball eklatant wichtig ist. In der Defensive sind die Werte aufgrund der genannten Schwächen nicht ganz so ersichtlich.
 
 
Grafik, Sound und Präsentation
 
Gewohntes Bild der PES-Serie: Grafisch kann das Spiel nicht mit vergleichbaren Spielen mithalten. Die Animationen sind wie immer geschmeidig und gelungen, dafür präsentiert sich das Spiel in durchwachsenem Gewand. Texturen könnten feiner gezeichnet bzw. höher aufgelöst sein, Kantenflimmern macht sich bemerkbar und das Publikum besteht aus zweidimensionalen "Pappkameraden". Das Grafikniveau entspricht in etwa dem der letzten PS2-Fassung.
 
Die Menüs präsentieren sich aufgeräumt, aber verspielt. So werden eure Spieler bzw. die Mannschaftsaufstellung z.B. als Mii-typische Figuren dargestellt. Dies stärkt den Eindruck des Spieles: PES 2008 soll in erster Linie eines machen, nämlich Spaß!
 
Aufgrund des ausgefeilten Gameplays und der hohen Kameraposition ist es jedem anzuraten auf einem größer dimensionierten TV-Gerät zu spielen um nicht die Übersicht zu verlieren und punktgenaue Anweisungen geben zu können.
 
 
Die Soundkulisse ist wenig auffallend aber durchweg angenehm. Die Atmosphäre während der Spiele kommt dennoch nicht immer vollends rüber. Zusätzlich mühen sich Wolff Fuss und Hansi Küpper um einen anständigen Kommentar, welcher aber doch nur die bereits bekannten Sprüche und Phrasen zu bieten hat und allzu oft daneben liegt. In den Menüs bekommt ihr eingängige Musikuntermalung geboten, die nicht weiter auffällt und daher glücklicherweise auch nicht nerven kann.
 
Leider fehlen auch der Wii-Version von Pro Evolution Soccer 2008 umfangreiche Lizenzen und nur die wenigstens Teams und Ligen sind originalgetreu. Als deutschen Vertreter findet man weiterhin nur den FC Bayern München. Dafür sind einige internationale Top-Klubs mit Originalspielern vertreten.
 
 
Fazit
 
Pro Evolution Soccer 2008 auf der Wii geht konsequent einen neuen Weg in Sachen Fußball-Simulation. Sowohl bei der Steuerung als auch bei den Spielmodi. Das Spiel bietet dabei eine beinahe perfekte Symbiose aus Spielspaß, Simulation, Action und Komplexität. Einige Schwächen sind nicht von der Hand zu weisen, da es sich aber praktisch um ein neu entwickeltes Spiel handelt ist dies nicht unbedingt verwunderlich und verschmerzbar. Während die Steuerung in weiten Teilen überzeugen kann und das Spiel riesigen Spaß macht, fehlen PES nach dem erfolgreichen Abschluss der Champions Road leider weitere Herausforderung. Die Meisterliga würde deutlich mehr Spielzeit und Langzeitmotivation bieten und auch der Online-Modus kann keine längerfristige Motivation erzeugen. Ideal wäre die Champions Road zum Erlernen der neuen Steuerung und stetigen Entwicklung der eigenen Fähigkeiten, die man dann in der Meisterliga erfolgreich einsetzen könnte. Aber Konami muss sich ja noch Luft nach oben lassen um das Spiel im nächsten Jahr zu verbessern!
 
+ geniale (indirekte) Steuerung
+ K.I. in den obersten Schwierigkeitsgraden
+ ausführliches Trainingscamp (Tutorial)
+ Champions Road ideal zum Erlernen der Steuerung und verbessern der eigenen Fähigkeiten
+ sehr kurze Ladezeiten
+ Wii-typischer Witz (Mii-Spieler)
 
- fehlende Meisterliga
- keine weitere Herausforderung nach Abschluss der Champions Road
- schlechte Online-Performance
- Online nur Einzelspiele
- maximal zwei Spieler
- fehlende Lizenzen
- Grafik
VOID

Fazit

Pro
 
Contra
 
DarthSonic
Alles in allem macht PES 2008 auf der Wii fast alles richtig und sehr viel Spaß! Sogar mehr Spaß als alle anderen Fußball-Videospiele die ich bisher gespielt habe und das waren nicht wenige. Alleine aufgrund der Steuerung ist das Spiel sehr komplex und simulationslastig, sollte aber dennoch sowohl Einsteiger als auch Liebhaber von actionorientiertem Fußball ansprechen. Aufgrund des neuartigen Gameplays werden auch PES-Profis bei Null anfangen und neu gefordert. Eine generelle Kaufempfehlung kann ich allen Fußball-Fans die Wii-Besitzer sind machen. Bisher habe ich an kein Wii-Spiel Hand anlegen können welches die Steuerungsmöglichkeiten so konsequent ausnutzt.

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