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Review

Death Stranding

Nachdem das finale Kapitel der Metal Gear Solid Reihe veröffentlicht wurde, trennten sich die Wege von Konami und Hideo Kojima. Anstatt in den verdienten Ruhestand zu gehen, hatte Kojima anscheinend noch große Träume. Innerhalb von drei Jahren gründete er in Kooperation mit Sony sein eigenes Entwicklungsstudio, engagierte ein Hollywood Ensemble von Schauspielern und veröffentlichte mit Death Stranding nicht nur eines der meisterwarteten Spiele des Jahres, sondern versucht sich auch gleich in der Einführung eines neuen Genres. Eine Mammutaufgabe für ein neu etabliertes Entwicklerstudio. Ob Death Stranding den hohen Erwartungen gerecht wird, erfahrt ihr in diesem Review.

Once, there was an explosion

Ein aufwärts gekrümmter Regenbogen erstrahlt am Himmel über der mit Moos überzogenen gebirgigen Landschaft und Raben stürzen durch einen aufkommenden Regensturm in den Tod, während ein melancholisches Lied der isländischen Band „Low Roar“ das außergewöhnliche Intro begleitet. Die Anfangssequenz deutet in den ersten Sekunden bereits an, dass es sich hierbei an erster Stelle nicht um ein actiongeladenes Spiel handeln wird. Nach den Ereignissen des Death Strandings sind die vereinigten Städte von Amerika kaum wiederzuerkennen. Städte wurden durch Explosionen ausgelöscht und dämonische Geister, die sogenannten BTs, haben die überlebenden Menschen in den Untergrund verjagt.
Zu allem Übel wird der Alterungsprozess nun durch den Regen bei direktem Hautkontakt rapide beschleunigt. Das Leben an der Oberfläche wird unter diesen Umständen nahezu unmöglich. Die Menschen leben seither in voneinander isolierten unterirdischen Städten und vermeiden die Oberfläche.
Als Sam Porter Bridges, verkörpert von Norman Reedus, erhaltet ihr von der Präsidentin den Auftrag, die verbliebenen Städte miteinander durch ein Netzwerk zu verbinden, um gemeinsam eine Lösung gegen das Death Stranding zu finden. Nicht nur müssen die letzten überlebenden Menschen wieder zusammengebracht werden, es wird von Sam ebenfalls erwartet Frachten auszuliefern, um diverse Forschungen der Bewohner voranzutreiben.
Das postapokalyptische Szenario mit Fantasy-Elementen wird durch die von Kojima gewohnten cineastischen Cutscenes dramatisch inszeniert. Dabei bleibt Kojima seinem Metal Gear Solid V Stil treu und treibt die Geschichte mit relativ kurzen und intensiven Zwischensequenzen rapide voran.


Why do we fall?

Die ersten Stunden des Spiels dienen als Tutorial, was schlimmer klingt, als es tatsächlich ist. Die Grundlagen der Spielmechaniken werden am Anfang der langen Reise quer durch die vereinigten Städte von Amerika mit simplen Missionen eingeführt, ohne auf lineare Leveldesigns zurückzugreifen. Sobald man seine ersten Schritte in die Welt gesetzt hat, wird man auch schon mit einer unerwarteten Herausforderung konfrontiert. Das unbedachte Laufen durch Berge und Täler bringt das Gleichgewicht des Charakters derart ins Schwanken, dass daraus schnell ein Sturz resultieren kann, welcher eurer Fracht und dem Charakter Schaden zufügen kann. Die schwerfällige Bewegungsart fühlt sich zunächst mühselig an, jedoch wird diese schnell verinnerlicht und ist angesichts der Umstände denen man ausgesetzt ist auch nachvollziehbar.

Eine großflächige Welt mit abwechslungsreichen Gebieten steht euch bevor, jedoch erwarten euch nur in vereinzelten Bereichen auch Widersacher, welche sich euch in den Weg stellen. Die größte Gefahr ist allerdings stets die Natur selbst. Das gesamte Terrain ist gespickt mit Gefahrenquellen wodurch der Survival-Aspekt besonders zum Tragen kommt. Daher ist es ratsam, vor dem Aufbruch neben der zu liefernden Fracht ausreichend Hilfsgegenstände wie Leitern, Seile und andere Ausrüstungsgegenständen mitzunehmen. Jedoch sollte beachtet werden, dass mit steigender Last die Reise mühseliger wird, da Sams Ausdauer dadurch schneller in Mitleidenschaft gezogen wird.
Dem Spieler wird es wortwörtlich überlassen die richtige Balance zwischen Hilfsgegenständen und der zu liefernden Fracht zu finden. Ein sogenanntes Bridge Baby, welches BTs detektieren kann, darf natürlich nicht in eurem Repertoire fehlen. Überraschenderweise fühlt sich das Mikromanagement vor den Missionen gar nicht frustrierend an. Ganz im Gegenteil, nach fehlgeschlagenen Aufträgen ist man motiviert die effizienteste Ausrüstung für die bevorstehende Reise zu finden. Was allerdings frustrierend sein kann, ist das überladene Design der Menüs. Trotz der überschaubaren Auswahlmöglichkeiten wird man durch unzählige Infos überwältigt, sodass selbst einfache Aktionen zunächst in Frustration enden können.

You can shoot the messenger but he´ll keep coming


Death Stranding ist an erster Stelle kein Actionspiel, dennoch steht euch ein kleines Arsenal an kreativen und unkonventionellen Waffen zur Verfügung. Menschliche Widersacher können, wie in Kojimas vorherigen Spielen, mit tödlichen und betäubenden Waffen vom Leibe gehalten werden. BTs dagegen werden aus von Sams Schweiß und Ausscheidungen fabrizierten Granaten oder mit blutgefüllter Munition ins Visier genommen.
Die kaum vorhandene Gegnervielfalt würde mehr ins Gewicht fallen, wenn die Kämpfe ein signifikanter Bestandteil des Spiels wären. Es existieren keine speziellen Spielmechaniken, um die Kämpfe strategisch und abwechslungsreich gestalten zu können. Das sogenannte „Strand Game“ Genre lässt sich durch Spielemechaniken der Multiplayerkomponente beschreiben, welche nahtlos in die Kampagne übergehen. Im Grunde genommen wurde das aus der Dark Souls Reihe bekannte Nachrichtensystem erheblich erweitert. Platzierte Hilfssymbole, zurückgelassene Fahrzeuge oder auch selbstgebaute Konstruktionen, wie zum Beispiel Brücken und Energiestationen, erleichtern nicht nur dem Spieler die Reise, sondern erscheinen auch in Spielesitzungen anderer Mitspielern. Durch dieses Feature verändert sich im Laufe der Zeit die Spielwelt und lässt diese dadurch dynamisch und lebendig wirken.
Liefert man beispielsweise von Mitspielern verlorene Päckchen ab oder benutzt fremde Brücken, kann als Dankeschön ein erhobener Daumen hinterlassen werden. Durch die gesammelten Likes werden zwar einige Attribute von Sam verbessert, jedoch wäre es wünschenswert, wenn dieses Feature eine bedeutungsvollere Implementierung gefunden hätte, da das gegenseitige Helfen und der Zusammenhalt der Spieler in Death Stranding ein zentraler Bestandteil der Geschichte und des Gameplays ist. Futuristische Motorräder und Geländefahrzeuge nehmen euch nicht nur die schwere Last ab, sondern ermöglichen auch ein schnelleres Passieren durch das Terrain.
Die Fahrzeuge besitzen jedoch eine geringe Akkuleistung und bleiben gerne zwischen Felsen stecken, wodurch diese mit Bedacht manövriert werden müssen. Im privaten Raum erwarten euch zahlreiche lustige Interaktionsmöglichkeiten mit Sam, wodurch die düstere Geschichte ein wenig aufgelockert wird. Der Raum wird im späteren Verlauf stets mit neuen Funktionen ausgestattet, wodurch dieser zu einem essenziellen Teil der Missionsvorbereitung wird. Die unübersehbaren Monster Energy Dosen wurden dort zwar sinnvoll ins Spiel integriert, dennoch schaden sie leider der Immersion der einzigartigen Welt. Neben der ungefähr 30-stündigen Geschichte erwarten euch unzählige Nebenmissionen, wodurch nützliche Gegenstände freigeschaltet werden können, welche die Reise deutlich erleichtern.



Pro:

+ spannende Story
+ unzählige Nebenmissionen
+ atemberaubende Welt
+ „Strand“-Features
+ wirkungsvolle musikalische Untermalung
+ cineastische Darbietung

Contra:

überladene Menüs -
mangelnde Tiefe des Kampfsystems -
geringe Gegnervielfalt -
sich wiederholende Cutscenes -
Pacing ist Geschmackssache -

Sam...what took you so long?

Abschließend ist zu sagen, dass Death Stranding eines der originellsten Spiele der letzten Jahre geworden ist. Spielerisch schlägt es zweifelsfrei die ruhigere Route ein, aber weiß dank der atemberaubenden Geschichte den Spieler gebannt vor dem Bildschirm zu halten. Der Kampf durch die erbarmungslose Natur ist jedes Mal herausfordernd und durch die „Strand“-Features bleibt die Welt stets dynamisch, sodass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Die Kämpfe und diverse Kleinigkeiten sind definitiv ausbaufähig – nichtsdestotrotz erwartet euch hier insgesamt eine unvergessliche Erfahrung.

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