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Review

Sonic Mania

Sonic the Hedgehog, eine der größten Videospiel-Ikonen der 90er-Jahre, hat im Jahr 2016 sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Im August 2017 hat der blaue Igel mit leichter Verspätung sein Geburtstagsgeschenk in Form eines ambitionierten „Back to the Roots“-Titel bekommen. Sonic Mania ist klassisches 2D-Sonic durch und durch. Doch wie viel besser als der letzte Throwback-Versuch, das missglückte Sonic the Hedgehog 4, ist Sonic Mania, das Werk des ehemaligen Fan-Entwicklers Christian Whitehead, wirklich?


Frust, auf Wiedersehen!


Die ursprüngliche Sonic-Trilogie für das Sega MegaDrive dürfte keine allzu ausführliche Einführung bedürfen. Die Spiele haben sich schon damals stark von den gewohnten Platformer-Konventionen abgehoben, die durch die Super Mario-Reihe festgelegt waren. In Sonic-Spielen geht es nicht um das Bewältigen kniffliger Hüpfpassagen in linearen Leveln. Aber es geht auch nicht, wie man denken würde, nur um Geschwindigkeit. Viele Neueinsteiger in die Reihe erwarten einen langen Korridor voller Spektakel mit ab und an eingestreuten Hindernissen – ähnlich wie bei einem Endlos-Runner. Sonic-Level zeichnen sich aber vor allem durch ihre non-lineare Struktur aus, die den Spieler zur Erkundung motiviert. Die Level zweigen an unzähligen Stellen in mehrere Pfade ab. Mal geht es nach oben, dann nach unten – teilweise läuft man sogar nach links. Klingt nach Chaos; der Clou ist aber, dass jeder Weg den Spieler auf natürliche Weise zum Ziel führt.



Und kein Sonic-Spiel hat diesen Spielfluss im Leveldesign bisher so perfekt gemeistert wie Sonic Mania. Jeder Level ist extrem facettenreich und steckt voller aufregender Details. So bleiben alle Level auch beim fünften Durchlauf immer noch interessant. Vorbei sind auch die Zeiten unfairer Hindernisse, die plötzlich am Bildschirmrand auftauchen. Wie oft ist es in der klassischen Trilogie passiert, dass Sonic in einen Gegner hineingerannt ist, den der Spieler gar nicht schnell genug sehen konnte? Solche frustrierenden Momente zogen sich durch Sonic 1-3 und haben – gepaart mit der Erwartung vieler Spieler, pure Geschwindigkeit zu bekommen – für viel Frust gesorgt.

Zu behaupten, Sonic Mania hätte sich dieser kleinen Ärgernisse komplett entledigt, wäre ein wenig zu viel gesagt. Dennoch wird deutlich, dass die Leveldesigner von Sonic Mania genau wussten, wo die Schwächen der klassischen Sonic-Level gelegen haben. Ironischerweise liegen die signifikantesten Verbesserungen im Leveldesign von Sonic Mania vor allem im Detail. Es wirkt so, als hätte man beim Gestalten jeder Kurve und jeder Plattform deutlich mehr Fingerspitzengefühl bewiesen, als Segas Entwickler der 90er es getan haben. Dadurch wirkt Sonic Mania im direkten Vergleich zu den Klassikern wie ein deutlich flüssigeres, flotteres und vor allem faireres Spiel. Das 16:9-Bildformat, sowie die 60fps sorgen zusätzlich dafür, dass der Spieler mehr Übersicht erhält und schneller auf Hindernisse reagieren kann.

Generell sind die neuen Level die größte Stärke von Sonic Mania – und das obwohl gar nicht sämtliche Level neu sind. Tatsächlich bringt Sonic Mania sogar nur vier komplett neue Level mit sich. Der Rest des Spiels besteht aus Leveln der ursprünglichen Trilogie. Diese wurden teilweise aber so stark verändert, dass sie kaum wiederzuerkennen sind – meist im Positiven. Jeder Level hat außerdem ein einzigartiges Gameplay-Element spendiert bekommen, welches ihn spielerisch von den anderen Leveln abhebt.

Neben den Änderungen im Leveldesign fühlt sich auch die Steuerung der Protagonisten, Sonic, Tails und Knuckles, im Vergleich zu den alten Spielen direkter an. Nach wie vor ist die Steuerung extrem physikbasiert und vom Gefühl her komplett anders als die Steuerung anderer Platformer. Das dürfte Sonic-Neulingen etwas Eingewöhnungszeit abverlangen. Hat man aber erstmal ein Gefühl für Sonics Beschleunigung bekommen, wird deutlich, wie vielseitig und spaßig dieser einzigartige Steuerungsansatz tatsächlich ist.


Knuckles & Knuckles




Sonic Mania kommt mit genug Leveln daher, um selbst erfahrenere Spieler im ersten Durchlauf für etwa drei Stunden bei Laune zu halten. Die Spielzeit variiert natürlich, je nachdem, wie oft der Spielercharakter das Zeitliche segnet. Eine kontroverse Entscheidung der Entwickler ist, dass sie auf ein klassisches Leben-/Game Over-System gesetzt haben, das sich nicht deaktivieren lässt. Es ist zwar möglich, nach jedem beendeten Level zu speichern, allerdings nicht zwischen den einzelnen Akten eines Levels. Sonic-Veteranen dürften mit der Lebensbeschränkung keine größeren Probleme haben, da das Spiel, selbst in den Bosskämpfen am Ende jedes Aktes, einen angemessenen und fairen Schwierigkeitsgrad hat. Auch hätten die sammelbaren Ringe stark an Wert verloren, wenn die zusätzlichen Leben bei hundert gesammelten Ringen, plötzlich irrelevant wären. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn man Neulingen zumindest optional die Möglichkeit gegeben hätte, nach einem Game Over beim Boss des zweiten Akts eines Levels nicht gleich an den Anfang des ersten Aktes zurückgeworfen zu werden. Vor allem, dass man jedes Mal mit lediglich drei Versuchen neu startet, könnte in den späteren Leveln zu einem Frustfaktor für unerfahrene Spieler werden. Wir leben nicht mehr in den 90ern und Zugänglichkeit ist ein wichtiger Aspekt jedes Spiels – der Beliebtheit von Roguelikes und Dark Souls zum Trotz.

Hat man es erstmal durch alle Level des Hauptspiels geschafft, schaltet man die freie Levelauswahl frei und es wird deutlich, dass es noch einiges an Bonuscontent zu entdecken gibt. Wie üblich für Sonic-Spiele gibt es ein „True Ending“, welches durch das Sammeln aller Chaos Emeralds freigeschaltet wird. Darüber hinaus lassen sich durch das Abschließen von Bonus Leveln weitere Modifikationen freischalten, mit denen man das Spiel dann genießen darf. Da wären zum Beispiel Sonics Spurt-Fähigkeit aus Sonic CD oder die Möglichkeit, mit jedem Charakter Knuckles als Partner zu bekommen – ja, sogar Knuckles selbst darf Knuckles als Partner haben. Allein das Ausprobieren der verschiedenen Charaktere und ihrer individuellen Fähigkeiten dürfte für einigen Wiederspielwert sorgen. In einigen Fällen verändern sich sogar Level, je nachdem, mit welchem Charakter man sie betritt.

Doch Chaos Emeralds und Modifikationen hin oder her – das Spiel mag durch die Integration von Sammelgegenständen deutlich an Langzeitmotivation gewinnen. Problematisch ist allerdings, wie man diese Collectibles freischaltet. Sonic Mania bietet zwei Arten von Bonusleveln, die man hin und wieder aus den normalen Leveln hinaus betreten darf. Zum einen wären da die sieben Bonuslevel, in denen man die Chaos Emeralds findet. In diesen muss Sonic in einer dreidimensionalen Ansicht ein fliegendes Ufo fangen.



Die Ufo-Level sind für sich genommen überraschend spaßig, werden aber schnell frustrierend, da man bei einem Fehlschlag keine weitere Chance bekommt, den Bonuslevel neu zu starten. In der Praxis bedeutet das also, dass man – wenn man die Emeralds so effektiv wie möglich sammeln will – stets ins Hauptmenü zurückkehren muss, um das gesamte Level, in dem sich der Bonuslevel befindet, neu zu starten. Diese unnötig komplizierte Handhabung verwandelt ein eigentlich motivierendes Sammeln der Emeralds in ein stupides Abarbeiten dieser Aufgabe.
Die andere Art der Bonuslevel orientiert sich an den „Collect the Blue Spheres“-Bonusleveln aus Sonic 3. Diese bleiben genau so bizarr wie zuvor und werden erneut freigeschaltet, indem man mit einer bestimmten Anzahl von Ringen einen Checkpoint durchschreitet. Auch hier können die Level ab und zu ganz spaßig sein. Will man allerdings so schnell wie möglich sämtliche der insgesamt 32 Bonuslevel abschließen, um die zuvor erwähnten Gameplay-Modifikationen freizuschalten, verbringt man schnell mehr Zeit in diesen teils frustrierenden Bonusleveln, anstatt die Hauptlevel des Spiels zu genießen.
Das Problem liegt also darin, wie diese Bonuslevel ins Spiel integriert sind und dass sie der einzige Weg sind, nach dem ersten Durchspielen von Sonic Mania noch neue Inhalte freizuschalten. Das Spielen der tatsächlichen Hauptlevel bleibt für pragmatisch handelnde Komplettionisten also eher Beiwerk.

Neben dem Hauptspiel gibt es noch einen Splitscreen-Mehrspielermodus für Wettrennen, sowie einen Time Attack-Modus. Beide Modi halten genau das, was sie versprechen. Ein wenig ärgerlich ist allerdings, dass der Splitscreen-Modus den Bildschirm so stark streckt und quetscht, dass es beinahe klaustrophobische Ausmaße annimmt.


Pixelart in Perfektion


Einige Spieler mögen nach der großen Pixelart-Renaissance, die in den letzten zehn Jahren über uns hineingebrochen ist, die Nase voll von Spielen mit Retro-Grafik haben. Nichtsdestotrotz gehört Sonic Mania audiovisuell zur absoluten Speerspitze der Spiele mit Retro-Ästhetik. Sämtliche Charaktermodelle und Level-Elemente sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet sowie mit mehr Animationen ausgestattet, als es damals auf dem MegaDrive möglich gewesen wäre. Jedes Areal ist wunderschön anzusehen und wird von einem erstklassigen Soundtrack untermalt. Dieser umfasst sowohl stimmige Remixes älterer Lieder, als auch einige neue Kompositionen. Bemerkenswert ist, dass Optik und Soundkulisse perfekt das Gefühl der klassischen Sonic-Spiele einfangen, ihnen aber trotzdem einen modernen Touch verleihen.
Dieser Liebesbrief an die Sonic-Fangemeinde wird mit einer Wundertüte der verschiedensten Eastereggs abgerundet, die das Spiel an jeder nur erdenklichen Ecke einstreut.

Pro:


+ verbesserter Spielfluss
+ weniger Frust
+ hohe Anzahl an Leveln und Bossen
+ einzelne Level abwechslungsreicher denn je
+ klassische Sonic-Atmosphäre audiovisuell perfekt eingefangen
+ wunderschöne Pixelart
+ Ohrwurm-Soundtrack mit vielen neuen Kompositionen und Arrangements
+ hoher Wiederspielwert
+ drei spielbare Charaktere
+ freischaltbare Modifikationen

Contra:


- Game Over-System nicht für Jedermann...
- ...da es ab und an immer noch unfaire Tode gibt...
- ...vor allem in ungeschickt platzierten Einquetschzonen
- unelegante Integration der Bonuslevel
- freischaltbare Boni überwiegend durch Bonus-Level zu bekommen...
- ...worunter der Wiederspielwert der Hauptlevel etwas leidet
- Bildschirmausschnit im Multiplayermodus zu gedrängt

Ein meisterhaftes Retro-Revival

Ich habe erst letztes Jahr Sonic 1, 2, 3 & Knuckles und CD zum ersten Mal komplett durchgespielt. Dementsprechend frisch sind meine Referenzpunkte, wenn ich behaupte, dass Sonic Mania das bis heute beste 2D-Sonic-Spiel ist. Es nimmt die Stärken sämtlicher vorangegangener Teile und ergänzt sie durch frische neue Ideen. Vor allem aber hat es sich endlich der vielen Frustmomente entledigt, die mich vor allem an Sonic 1 und 2 stets extrem gestört haben.
Sonic Mania ist ein Geschenk für alle langjährigen Sonic-Fans und der perfekte Einstieg für Serienneulinge – auch wenn diese sich unter Umständen erstmal an das unkonventionellere Platformer-Gameplay der Reihe gewöhnen müssen.

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