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Review

Mass Effect: Andromeda

Die Reihe um Commander Shepard wurde vor fünf Jahren mit Mass Effect 3 beendet. Seitdem arbeitete ein Team bei BioWare Montreal an einem neuen Teil der Reihe, womit eine neue Geschichte beginnen soll. So erhielt Edmonton, die sich um die Original Trilogie kümmerten, die Chance, an einer neuen Marke zu arbeiten. Neben einem neuen Helden, einer neuen Galaxie und einem neuen Gegner, erhalten wir auch erstmals eine Open World. Ob diese Entscheidungen dem Action-Rollenspiel geholfen haben, an die Qualität der alten Teile anzuknüpfen, lest ihr im Review zu Mass Effect: Andromeda.

Ein Teil eurer Crew und ihr



Shepard out, Ryder übernimmt



Schon früh teilte man mit, das größte Mass Effect aller Zeiten erschaffen zu wollen. Damit haben die Entwickler in jedem Fall recht behalten. Knapp 60 Stunden benötigt man, wenn man die Geschichte und einen großen Teil der zahlreichen Nebenquests erledigen möchte. Für 100 Prozent kann man locker mit 80-100 Stunden rechnen. Unser Protagonist war am Ende auf Stufe 55 und die Lebensfähigkeit aller Planeten war bei 100 Prozent. Die Geschehnisse von Andromeda beginnen im Jahr 2819, mehr als 600 Jahre nach den Geschehnissen von Teil 2.

Die Rassen der Citadel haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, um den Heleus-Cluster der Andromeda Galaxie zu besiedeln. Auf jeder Arche von Menschen, Turianern, Salarianern, Kroganern und Asari befinden sich jeweils 20.000 Auserwählte, die eine neue Heimat suchen sollen. Angeführt wird jede Arche von einem sogenannten Pathfinder, der die neuen goldenen Welten untersuchen und den Boden für die Pioniere ebnen soll. Alec Ryder ist der Patfhinder der Menschen. Bereits kurz nach der Ankunft wird diese Aufgabe aber an Tochter oder Sohn Ryder übertragen. Zu Anfang habt ihr die Wahl, ob ihr als Sara oder Scott Ryder der neue Pathfinder sein wollt. Große Anpassungsmöglichkeiten inklusive. Da im Heleus-Cluster alles andere als eitel Sonnenschein herrscht, ist es fortan eure Aufgabe, das Überleben der Kolonialisten zu sichern.

So viel zur Grundprämisse des neuen Teils. Keine der sieben goldenen Welten ist 600 Jahre nach Aufbruch in der Milchstraße mehr bewohnbar. Eine Bedrohung namens "€žGeisel" verstreut alle Archen an unbestimmte Orte, nur die Menschen-Arche Hyperion findet zunächst den Weg zur Nexus, einer Art neuer Citadel für die Parteien. Politische Probleme gilt es genauso zu bewältigen, wie den Kett entgegenzutreten, dem neuen Gegner im Spiel. Zusammen mit ihrem Anführer - den Archon - haben sie sich bereits in Heleus ausgebreitet. Mit den Angara findet man bald neue Verbündete, die sich dem Kampf anschließen.

Crew means Family



Die Tempest



Schon früh im Spiel erhaltet ihr die Kontrolle über die Tempest, eurem neuen Schiff. Mit ihr macht ihr euch auf die Reise durch den Heleus-Cluster, um die Welten wieder bewohnbar zu machen und die Bedrohung durch die Kett zu neutralisieren. Die Tempest hat Platz für insgesamt zehn Crewmitglieder, von denen ihr sechs auf eure Außeneinsätze mitnehmen könnt. Erneut seid ihr in einem Dreier-Squad auf den Planeten unterwegs. Eine der großen Stärken der alten Trilogie lag in der Beziehung zu den Crewmitgliedern begründet und auch Andromeda kann hier anknüpfen. Im Verlauf der Geschichte baut ihr ein Familiengefühl auf, erfahrt mehr über die Charaktere und könnt erneut Beziehungen eingehen. Das gipfelt in eigenen Loyalitätsmissionen, die interessant ausfallen und gute Geschichten bieten. An diesen Stellen wird einem auch das alte Mass Effect Feeling vermittelt. Lineare, intime Missionen, spannend inszenierte Erzählungen und packende Kämpfe werden geboten.

Offen und mehr ist nicht immer besser



Im Gegensatz dazu fällt die Hauptgeschichte rund um die Besiedlung der goldenen Welten stark ab. Während des Spielverlaufs kann man auf einer Hand voll Planeten landen, die teilweise gigantische Ausmaße haben. Für die große Welten gibt es mit dem Nomad ein neues Landfahrzeug, mit dem ihr schnell von A nach B kommt. Ansonsten könnt ihr auch Außenposten errichten und diese als Schnellreisepunkte nutzen. Schnell wird man mit zahlreichen Nebenquests erschlagen. Die Spanne der Qualität ist dabei ebenso gewaltig. Manche Nebenquests bieten interessante Einblicke in die Geschichte und sind mit der Hauptstory verknüpft, viele Quests sind aber lediglich langweilige Sammelaufgaben, die man im späteren Spielverlauf vernachlässigt. Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen.

Die zahlreichen Nebenaufgaben lassen dem Spieler gerne den roten Faden verlieren. Das lenkt leider nicht von der mittelmäßigen Geschichte ab, die an sich ziemlich kurz ausfällt und viele offene Fragen lässt. Es werden zu viele offene Stränge angefangen, beinahe keiner wird wirklich beendet. Andromeda soll der Auftakt einer neuen Reihe sein. Das erste Mass Effect schaffte es seiner Zeit allerdings, genug Freiraum für Nachfolger zu bieten, den Spieler aber trotzdem nicht unbefriedigt zurückzulassen. Die Grundidee des Relikt-Mythos, der Entstehung der Andromeda Initiative und viele andere Themen sind im Prinzip spannend, werden aber einfach unbeantwortet gelassen. Man bekommt den Eindruck, auf DLC oder Sequels vertröstet zu werden.

Die Planeten selbst sind unterschiedlich gestaltet und wie schon erwähnt, nicht lebensfreundlich. Radioaktivität, große Hitze, große Kälte und giftiges Wasser machen einer Besiedlung einen Strich durch die Rechnung. Wer sich anfangs länger dort aufhalten möchte, sollte also die Lebensanzeige im Blick behalten. Mit Aktivierung sogenannter Reliktstätten erholt sich das Klima und man kann unbekümmert über den Planeten reisen. Sind Kernaufgaben erledigt und die Reliktgewölbe aktiviert, kann man dann die Besiedlung einleiten. Je weiter wir kommen, desto mehr Personen kann man aus dem Kryo-Schlaf wecken und sie zu Bewohnern des Heleus-Clusters machen.
Leider merkt man weder auf den Außenposten, noch auf der Nexus später große Unterschiede. Hier hätten die erreichten Erfolge sich noch deutlicher in Menschenmengen und Aktivitäten widerspiegeln können.
Leider bleiben die vorgestellten Planeten zum großen Teil auch leblos. Auf jedem Planeten gibt es die gleichen Tiere und Pflanzen, mit ein paar kleinen Unterschieden. Auf jedem Planeten werdet ihr an gewissen Stellen mit Basen von Kett oder Ausgestoßenen konfrontiert, die euch die Hölle heiß machen. Das Leben auf der Nexus oder auf den Planeten wirkt zu statisch, um die Qualität eines The Witcher 3 zu erreichen. Wichtige NPCs sind zu 90 Prozent immer an der gleichen Stelle zu finden, ein interagierendes Leben wie aus anderen Spielen braucht man nicht zu erwarten.

Die Angara. Eine neue Rasse in Andromeda



Willkommene Gameplay-Neuerungen



Im Kern hat sich am Gameplay nicht viel geändert. Als Grundgerüst dient BioWare erneut ein Third-Person Deckungsshooter, der aber flinker und dynamischer geworden ist. Mit einem Dash könnt ihr viel leichter gefährlichen Situationen entkommen. Das Jet Pack sorgt für neue Möglichkeiten im Kampf. Ihr könnt für kurze Zeit schweben, um Gegner so zu beharken und höher gelegene Positionen einfacher erreichen. Insgesamt spielen sich die Kämpfe sehr viel schneller, als noch in der alten Trilogie. Durch die neuen Möglichkeiten entkommt man besser einer Deckung. Sobald Ryder seine Waffe gezogen hat, geht er hinter Gegenständen aktiv in Deckung. Ab und zu klappt das Ganze aber nicht ganz reibungslos. Eure KI Partner unterstützen euch ordentlich im Kampf. Man kann allerdings nur noch die Positionen zuweisen und zum Angriff auf einen bestimmten Gegner auffordern. Im Spielverlauf kam es selten vor, dass eure Mitglieder blind in die Gefahr rennen und dann wiederbelebt werden müssen. Das lässt sich leider nicht von der KI der Gegner behaupten. Manchmal flankieren sie euch gut und fallen euch in den Rücken, oftmals könnt ihr sie aber auch einfach wegsnipern, ohne dass andere Feinde reagieren.

Skillen bis zum Umfallen



Mass Effect wäre nicht Mass Effect ohne zahlreiche Kräfte, die ihr aufleveln könnt. Es gibt insgesamt drei Skillbäume. Die durch abgeschlossene Aufgaben erhaltenen Punkte könnt ihr frei in die Bereiche Kampf, Biotik und Technik investieren. Drei Fähigkeiten könnt ihr wählen und auf Knopfdruck euren Gegnern um die Ohren feuern. Das reicht von einem Betäubungsschuss, über einen Kryo-Strahl, bis hin zu einer Druckwelle, die Gegner davonschleudert. Jede Fähigkeit lässt sich bis zu Stufe 6 ausbauen. Zahlreiche passive Skills gibt es auch, die euch bessere Schilde oder kürzere Abklingzeiten für eure Waffen/Kräfte geben. Weitere passive Boni erhaltet ihr durch die Profile. Sie dienen als Ersatz für die alten Klassen. Davon gibt es insgesamt auch sechs. Habt ihr genügend Skill-Punkte in die drei Bäume investiert, steigt ihr im Profil-Rang auf und bekommt weitere passive Fähigkeiten.
Euren KI-Partnern gebt ihr ebenfalls Punkte. Schließt ihr die jeweilige Loyalitätsmission ab, könnt ihr Stufe 6 der jeweiligen Fähigkeiten freischalten. Auch Cora, Drax und Co. verursachen dann mehr Schaden. Für das Abschließen besonderer Missionen bekommt ihr Nexus-Punkte. Hier könnt ihr bis zu Level 20 aufsteigen. Habt ihr ein höheres Level erreicht, könnt ihr neue Personen aus dem Kryo-Schlaf wecken und erhaltet in regelmäßigen Abständen neue Rohstoffe, Credits und mehr.

Egal ob ihr euch für die weibliche oder männliche Version von Ryder entscheidet; beide sind ziemliche Muskelpakete. Bis zu vier Waffen kann man gleichzeitig mit sich tragen. Pistole, Sturmgewehr, Schrotflinte etc. lassen sich mitführen. Achten müsst ihr dabei auf das Gewicht eurer Schießeisen. überschreiten diese einen kritischen Wert, regenerieren sich eure Fähigkeiten nicht mehr so schnell. Weitere Perks lassen sich in eure Waffen verbauen. Dadurch erhaltet ihr ein größeres Magazin oder eine höhere Waffenstabilität. Disruptor-, Brand- und andere Munitionsarten dienen allerdings nur noch als Vebrauchsgegenstände und verstärken nur für einen gewissen Zeitraum eure Feuerkraft.
Anpassung gilt auch für die Rüstungen. Beine, Helm, Brustpanzer und Arme lassen sich individuell auswählen und ebenfalls mit Perks verbessern. An einer Forschungsstation könnt ihr verschiedene Teile oder Waffen herstellen und alles auf euch zugeschnitten anpassen. Die Punkte für die Forschung und Entwicklung erhaltet ihr durch Scans. Pflanzen, Bauwerke, Relikte und viel mehr kann man analysieren. Möglich wird das durch die neue KI SAM, die von eurem Vater entwickelt wurde. SAM steht euch über den ganzen Spielverlauf zur Seite, gibt euch Tipps oder unterstützt euch anderweitig.

Die Kett und ihr Anführer, der Archon!



Gespräche, Gespräche, Gespräche



Kein BioWare Rollenspiel wird jemals ohne zahlreiche Dialoge und Antwort-Möglichkeiten auskommen. Das alte Paragon/Renegade System wurde in den Ruhestand geschickt. Nur noch selten kann man moralische Entscheidungen treffen, die aber wenig bis gar keine Auswirkungen auf den eigentlichen Spielverlauf haben. In den Dialogen kann man zwischen vier Antworten auswählen, was an sich genug ist. Allerdings fehlen auch hier die deutlichen Unterschiede. Es ist nicht möglich, wie in der alten Trilogie als Arschloch zu agieren. Man kann gegenüber NPCs schnippisch oder zickig wirken, Auswirkungen hat das aber - wie schon erwähnt - nicht. Über den Verlauf der Geschichte könnt ihr durch eure Handlungen Verbündete um euch scharen, die euch am Ende unterstützen werden. Egal für welche Personen ihr euch entscheidet, das Ende wird trotzdem das selbe sein.
Moralischen Dilemmata muss sich der Spieler nicht stellen. Man ist nicht der Herr über Leben und Tod und macht sich am Ende Vorwürfe, weil man so oder so in gewissen Situationen entschieden hat. Ein Sequel könnte hier auch wieder für mehr Tiefe und Konsequenzen sorgen, was eure Entscheidungen anbetrifft. Das macht die Sache allerdings nicht befriedigender.

Probleme und schlechte Designentscheidungen trüben den Spielspaß



Über die zahlreichen Probleme, mit denen Mass Effect: Andromeda zu kämpfen hat, wurde in den letzten Wochen schon häufig berichtet. BioWare ist sich den Problemen bewusst und will in den nächsten Monaten gezielt gegensteuern. Ein erster Patch brachte einige Verbesserungen, fehlerfrei ist das Abenteuer damit aber noch lange nicht. Der Hauptfeind von Ryder und seiner Crew sind oftmals nicht die Kett und die Planeten selbst, sondern die unzureichende Technik. Anbei nur eine kleine Auswahl mit den Problemen, die über die 60 Stunden aufgetreten sind.

- In hektischen Situationen bricht die Framerate gerne unter die gewünschte 30fps Marke. Seid ihr mit dem Nomad unterwegs, kann es sein, dass das Geschehen für einige Sekunden einfriert
- Eine wichtige Nebenquest konnte man nicht abschließen, weil sie verbuggt ist. Bei einer anderen Quest muss man Leichen scannen, ein Körper ist aber partout nicht zu finden
- NPCs teleportieren sich durch den Raum oder sind kurzzeitig unauffindbar
- Die Kamera versteckt sich in Zwischensequenzen gerne hinter Charakteren, wodurch man immerhin die schlechten Gesichtsanimationen nicht sehen muss
- An einer Stelle müssen wir an unser Vidcon auf der Tempest, um ein Video-Gespräch entgegenzunehmen. Der Tisch ist aber plötzlich weg und wir fallen in einer Endlosschleife in den Weltraum. Ein kompletter Neustart des Spiels war die Folge
- Die Ladezeiten übertreffen nicht selten die Marke von einer Minute, ein paar Mal dauerte es selbst bei vollem Ladebalken nochmal zwei Minuten, bevor man weiterspielen konnte
- Die Ladezeiten auf Planeten werden mit einer Anflugsequenz überbrückt, die nicht zu überspringen ist. In der Zeit kann man zumindest den Klogang erledigen oder sich etwas Neues zu trinken holen
- Das Spiel stürzte mehrere Male ab
- Die Bewegungsanimationen sind unfreiwillig komisch
- Texturen auf den Planeten teilweise ein einziger Pixelmatsch

Die genannten Beispiele sollten an dieser Stelle ausreichen. Mass Effect: Andromeda hätte gut noch drei Monate in der Entwicklung gebraucht, um die Qualität deutlich anzuheben. Q&A Testern hätte der Großteil der Probleme auffallen müssen. Eine derart große Marke in einem solchen Zustand auf den Markt zu bringen, ist unverständlich.

Pro:


+ Tolle Charaktere mit intimen Geschichten
+ Viel zu entdecken
+ Spaßiges Kampfsystem
+ Umfangreiches Skillsystem
+ Interessante Mysterien...

Contra:


- ...die allerdings nicht zu Ende erzählt werden und offen bleiben
- Zu viele langweilige Quests
- Mittelmäßige Hauptstory
- Bugs, Glitches, Aussetzer...

Fazit

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass Mass Effect: Andromeda keinen Spaß macht. Wer 60 Stunden in ein Spiel investiert, sieht irgendwas darin. An den besten Stellen weiß BioWare zu fesseln. Da verfolgt man eine Quest-Reihe über Stunden und wundert sich, wo die Zeit geblieben ist. Besonders die linearen Missionen der einzelnen Crew Mitglieder - in Verbindung mit dem dynamischen Kampfsystem - bringen das alte Mass Effect Feeling super rüber und zaubern euch ein Strahlen ins Gesicht.

Der Einstieg ist dafür sehr zäh und Fans der Reihe können gut und gerne enttäuscht sein, wenn sie den neuen Teil beendet haben. Es gibt zu viele langweilige Aufgaben, die Hauptstory ist nur mittelmäßig. Viele Handlungsstränge werden offen gelassen und werden nicht zu Ende erzählt. Vor allem weil hier so viel Potential schlummert, ist man persönlich angefressen, weil es keine Erklärung gibt. Die technische Umsetzung mit Glitches und Bugs drückt den Spielspaß erheblich nach unten. Die Welten sind gleichzeitig überladen und doch leblos und leer. Eine offene Welt tut nicht jedem Spiel gut und Mass Effect: Andromeda wird wohl als ein Paradebeispiel dafür in die Geschichte eingehen.

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