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Review

Hitman

Nachdem von vielen Fans kritisierten Hitman:Absolution will man es bei Entwickler Io-Interactive wieder wissen. Diesmal will man sich wieder mehr an den Stärken der Vorgänger orientieren und keine Experimente mehr wagen. Keine Experimente? Nicht ganz! Diesmal setzt man auf die reine digitale Veröffentlichung im Episoden-Format, welches man eher bei Adventure-Reihen aus dem Hause Telltale Games erwarten würde. Kann so etwas bei einem AAA-Titel gut gehen?

Wolkig mit Aussicht auf Unfall



Am 11.März 2016 erschien mit dem schlichten Titel „Intro-Pack“ die erste Episode von Hitman, welche neben zwei Tutorial-Missionen eine Story-Mission in Paris beinhaltet. Bis Ende 2016 möchte man insgesamt 7 Episoden an die Spieler bringen, welche alle an unterschiedlichen Orten rund um den Globus spielen sollen. Angefangen mit Sapienza, einem typischen kleinen italienischen Küstenort im April, einen Monat später stattet dann Agent 47 anschließend der marokkanischen Stadt Marrakesch einen Besuch ab.

Wir beschäftigen uns erst mal mit den zwei Tutorial-Missionen, welche gut 20 Jahre vor der Haupthandlung spielen. 47 ein talentierter, aber dennoch etwas unerfahrener Auftragskiller, der erst vor Kurzem seinen Erschaffern entkommen konnte und nun nach einem neuen Lebenssinn sucht. So verwundert es nicht, dass die ICA, eine Agentur die sich auf die Vermittlung und Ausübung von Attentätern schnell Interesse an den ständig mürrisch drein guckenden Glatzkopf zeigt.Doch 47 übermenschlich wirkende Kraft und Fähigkeiten schüren schnell Angst innerhalb der Agentur, dass sich dieser womöglich als wandelnde Gefahrenquelle entpuppen könnte. 47 muss nun die Agentur von seinem können überzeugen, was den Spielern zugleich die Möglichkeit gibt sich mit den grundlegenden Mechaniken von Hitman vertraut zu machen.

Unserer erstes Ziel ist der überhebliche Meisterdieb Kalvin Ritter, welcher sich auf seiner Privat-Jacht irgendwo in der bei Sydney verschanzt hat. Hier nimmt uns das Spiel noch brav an der Hand, bei einem zweiten Durchlauf ist es aber uns überlassen, wie wir die Mission angehen. In der zweiten Mission muss ein Schach spielender Überläufer in einer sowjetischen Militärbasis auf Kuba beseitigt werden. Hier zieht der Schwierigkeitsgrad etwas an, bietet dem Spieler aber deutlich mehr Handlungsfreiheiten als noch bei der ersten Mission. Optischer Gag: Jacht und Militärbasis sind reine Kulisse, stilecht mit Holzattrappen und Komparsen.

Herzstück des Intro-Packs ist und bleibt aber der Ausflug nach Paris. Dort muss Agent 47 den Oligarchen Viktor Novikov samt Lebensgefährtin beseitigen, welche beide in finsteren kriminellen Machenschaften verwickelt sind. Gerade bei dieser Location fällt auch, wie gut doch die Entscheidung seitens Io-Interactive war, sich vom linearen Gameplay des direkten Vorgängers zu entfernen und stattdessen wieder auf Sandbox zu setzen. Warum denn nicht gleich so?

Natürlich schafft es Agent 47 ohne Weiteres auf die Modenschau von Viktor Novikov, welcher sich gerne mit der High Society und anderen Neureichen umgibt. Blöderweise sehen viele seiner Gäste aus, als würden sie direkt aus den Klonanlagen von Kamino stammen. Ein paar zusätzliche NPC-Modele hätten wohl keinem geschadet, ein grober Schnitzer ist das aber nicht.

Insgesamt ist es Io-Interactive gelungen, woran viele andere Studios scheitern: Die Glaubhaftigkeit des Szenarios.

Sei der verwinkelte Weinkeller, die großzügigen Gärten der Anlage oder die glamouröse Modenschau, in der ein männliches deutsches Super-Model mit dem Ego in der Größe des Mondes seine Mitarbeiter die letzten Nerven kostet. Vieles könnte direkt aus einem James Bond von Regisseur Sam Mendes (sic) stammen, was auch die musikalische Untermalung beweist. Wie wir unseren Auftrag erledigen, bleibt uns zu jedem Zeitpunkt selbst überlassen, es wäre aber dennoch ratsam, genau sein Vorgehen zu planen und auch seine Ausrüstung danach abzustimmen.Die KI ist deutlich weiterentwickelt als noch bei beim Vorgänger Absolution, weswegen auch spontane Abtastungen durch einen Wachmann im Bereich des möglichen sind!

Da wir aber Fans des diskreten Mordes sind, sollte man Fingerspitzengefühl zeigen und eine etwas unauffälligere Methode wählen: Wie wäre es als Kellern, dem Gastgeber durch etwas Rattengift zu einer kleinen Magenverstimmung zu verhelfen? Oder sollen wir die Kamera einer aufstreben Reporterin manipulieren, damit das Interview ein echter Knaller wird? Natürlich können wir unsere Opfer auch recht unspektakulär eine Kugel in den Rücken verpassen, aber es wäre doch irgendwie nicht dasselbe. Es kann durchaus einige Stunden in Anspruch nehmen, bis man den idealen Weg gefunden hat, an Viktor Novikov samt Lebensgefährtin zu gelangen. Und zur Not können ja immer noch tragische „Unfälle“ passieren ...

Bang Bang, My Baby Shot Me Down ...



Auch wenn Hitman in seiner jetzigen Form einen sehr guten Eindruck macht, ist nicht alles Gold, was glänzt.Unsere Testversion plagten Performance-Einbrüche, den einen oder anderen Glich, unfertig wirkende Menüs und auch die Grafik ist trotz doch recht hohen Systemvoraussetzungen nicht das, was man erwarten würde. Diese Probleme sind aber leider nicht PC-exklusiv, die Playstation 4 Variante plagt zudem unverhältnismäßig lange Ladezeiten und anscheinend unstabile Server, welche den Spieler regelmäßig ins Hauptmenü zurückkatapultieren.

Auch die Steuerung ist nicht so perfekt, wie sie eigentlich sein könnte: So wirft z.B. Agent 47 einen bewusstlosen Wachmann vom Balkon, statt diesen in der sich direkt daneben befindlichen Kiste zu verstecken. Der Waffeneinsatz fühlt sich zudem noch träger wie noch im Vorgänger an, da ist es oftmals einfacher, den letzten Spielstand zu laden als die Konfrontation mit dem Gegner zu suchen. Da bitte auch dringend nachbessern! Der eine oder andere Patch dürfte einige dieser Kritik-Punkte beseitigen, der Eindruck das Io-Interactive während der Entwicklung in zeitliche Bedrängnis gekommen ist, bleibt aber nach wie vor. Vieles deutet darauf hin, das man ursprünglich ein komplettes Spiel veröffentlichen wollte und erst recht spät auf ein Episoden-Format umgewechselt ist.

Die Hintergrundgeschichte lässt zu mindestens vorläufig wenig Raum zum Spekulieren, aber das geht soweit in Ordnung, da "Pilot-Episoden" ja dafür da sind, um die Zuschauer auf die Handlung neugierig zu machen. Wir finden, dass das Konzept eine Menge Potenzial bietet und bei knapp 13 Euro für das "Intro-Pack" dürfte man eigentlich auch nicht meckern. Reicht das aber aus, um dauerhaft zu unterhalten? Das kann man definitiv mit einem klaren Nein beantworten. Die die Idee, das Ganze wie eine Fernsehserie veröffentlichen mag zwar in der Theorie ganz gut funktionieren, in der Realität drehen aber schon die Fans durch, wenn nicht innerhalb von 24 Stunden eine neue Folge Game of Thrones auf irgendeinen Torrent-Server geladen wird. Sinnvoller wäre es gewesen, die im April folgende Episode Sapienza mit zu integrieren und bis dahin noch etwas Bugfixing zu betreiben. Der Elusive-Targets-Modus, welcher für ein begrenztes Zeitfenster eine neue Zielperson mit eigener Hintergrundgeschichte ins Spiel bringt, soll immer wieder für frischen Wind sorgen. Ob dieser nur als eine Überbrückung zwischen einzelnen Episoden dienen soll oder auch dauerhaft motiviert, muss sich noch zeigen.

Aber wie bewerten wir nun Hitman? Zugegeben, das hat uns einiges an Kopfschmerzen bereitet, aber letztlich haben wir in diesem Fall entschieden, vorläufig auf eine Endwertung zu verzichten. Nicht weil es sich um ein schlechtes Spiel handelt, sondern weil es noch nicht abzusehen ist, in welche Richtung sich Hitman entwickelt. Ob man sich als Fan auf dieses Experiment seitens des Entwicklers einlassen sollte und über die aktuellen technischen Mängel hinweg sehen kann, muss jeder für sich entscheiden. Das gegenwärtig Gebotene ist auf hohem Niveau, pauschal davon auszugehen, dass dies auch zukünftig der Fall sein wird, ist aber unserer Meinung her falsch.



Etwas ist faul im Staate Dänemark...

Meine Güte bin ich enttäuscht. Die Idee, die Io-Interactive verfolgt ist ja eigentlich nachvollziehbar, die Umsetzung an vielen Stellen nicht. Hätte man nur etwas mehr Zeit in das Bugfixing gesteckt und die eine oder andere Erweiterung fest integriert, wäre wohl die Wertung zwischen 8.0 und 8.5 gewesen. Diese Zeit hätte man gut und gerne seitens der Entwickler investieren müssen, man kann nur hoffen das man noch die Kurve kriegt, da es sich ja im Grunde genommen um kein schlechtes Spiel handelt. Das Setting ist hervorragend, der Sound und die Synchronisation wirken wie aus einem Guss und beim Preis kann man eigentlich auch nicht meckern. Io-Interactive muss jetzt auf die Tube drücken, damit aus dem aktuellen Hitman doch kein Reinfall wird !

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