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Review

Goat Simulator



The 5 Million Dollar Goat



John „Pucky“ Goat hatte es zeit seines Lebens nicht leicht. Zu oft wurde der stolze Ziegenbock von kleinen Kindern im Streichelzoo gequält und ließ sich für etwas Tierfutter prostituieren. Pucky war fertig mit der Welt und versuchte sich in seiner Verzweiflung die Pulsadern aufzulecken. Doch plötzlich wurde von einem merkwürdigen Licht umschlossen und begann zu schweben. Sekundenbruchteile später fand sich Pucky an einem ihm umbekannten Ort wieder, aber er war nicht alleine. Der mysteriöse Pan hatte den stolzen Ziegenbock mithilfe seiner magischen Flöte in seine heilige Grotte ins heutige Israel gebracht. Pan war anders als in den geschichtlichen Aufzeichnungen kein Gott der Römer, sondern ein abtrünniger Diener von Volguus Zildrohar, welcher im alten Mesopotamien auch als „der große Zerstörer“ bekannt war.

Dieser transdimensionale Gott plante seit Jahrtausenden die Erde in sein gigantisches Reich einzugliedern, in dem er mit seinen Anhängern Chaos und Zerstörung stiftete. In der Gestalt eines Wolfes gründete Volguus Zildrohar das Römische Reich und verführte als Papst Sixtus der IV den Mönch Tomás de Torquemada als Großinquisitor zu unaussprechlichen Gräueltaten gegenüber angeblichen Ketzern. Es ist allerdings umbekannt, ob Volguus auch hinter den politischen Ambitionen eines gescheiterten Kunststudenten aus Braunau steckt. Doch seine Ankunft durch das sagenhafte blutige Tor von Babylon wurde immer wieder von Orden von Tobin verhindert, welcher von Vinz Goatesk, einem legendären Krieger und direkten Vorfahren von Pucky gegründet wurde.

Pucky ist somit der letzte Überlebende dieser Heilgen Blutlinie, nachdem seine Eltern durch einen mysteriösen Sturz von einem Ziegenturm verstarben. Pan überzeugt den Ziegenbock, dass nur er die dunklen Mächte von Volguus Zildrohar aufhalten kann und versucht mithilfe eines alten Rituals dessen Kräfte zu erwecken. Doch beide werden unerwartet gestört, als eine Horde von Volguus Schergen die heilige Grotte überfallen und Pan tödlich verwunden. Doch es ist bereits geschehen: Nahe zu unverwundbar, mit einer klebrigen Zunge gesegnet, die selbst Toad aus X-Men vor Neid erblassen lassen würde, vernichtet Pucky die Horde ...


So oder so ähnlich würde wohl die Hintergrundgeschichte lauten, wenn der berüchtigte Ziegen-Simulator so was überhaupt hätte. Freunde von Trash-Gaming aufgepasst, es sind die wohl besten 10 Euro Investition der letzten Jahre!

Willkommen in der Anstalt



Das Grundgerüst vom Ziegen-Simulator ist die Gute alte Unreal Engine 3, was uns gleich zu einer wichtigen Frage kommen lässt: Warum zur Hölle erschafft man mit so einer populären und nicht gerade günstigen Engine so ein Spiel? Indie-Entwickler Coffee Stain Studios wollte mit diesem Projekt eigentlich nur ihre neuen Programmierer anlernen, welche bisher noch keine Erfahrung mit der UE3 Engine hatten. Das Ergebnis war eine an Tony Hawk´s Pro Skater angelegte Techdemo, nur eben mit einem Ziegenbock als Hauptdarsteller.

Und es gleich klarzustellen, es gibt viele Vollpreistitel, die deutlich schlechter aussehen als der Ziegen-Simulator. Klar, die Ingame-Modele sind nur seelenlose Platzhalter, aber ich habe ganz ehrlich schon Schlimmeres gesehen. Es ist bemerkenswert wie viel man innerhalb von ein paar Wochen (sic!) Entwicklungszeit schaffen kann. Der Ziegen-Simulator unterstützt von Haus aus Nvidia´s PhysX, um eine möglichst realistische Zungen-Physik zu gewährleisten. Die Steuerung ist überraschend gut gelungen und erfolgt standardmäßig über die Tastatur, Besitzer eines Xbox360 Controllers dürfen sich ebenso auf eine Unterstützung freuen.

Und es ist erstaunlich, Battlefield 4 zum Beispiel schafft das trotz AAA-Budget und Cross-Plattform nicht. Wir stellen unseren Pc neben unseren Fernseher, lümmeln uns aufs Sofa und legen los. Unser Testsystem besteht wie immer aus einem Intel i5-2500k, 12 Gigabyte RAM und einer übertakteten Geforce GTX 660 Twin Frozr III von MSI. Da wir PC-Spieler/Frickler uns nicht mit FullHD zufriedengeben, erhöhen wir die Auflösung auf 2.880 x 1.620 (1620p) und die Kantenglättung auf 8x MSAA. Damit rutscht uns bei diesem System die Bildwiederholungsrate auf 30 Fps herunter.

Als hätte ich auch einen Performance-optimierten Programmcode erwarten können ...

It´s not a feature, it´s a bug



Das Spielprinzip ist an sich schnell erklärt: Man nehme eine dämlich dreinguckende Ziege und schicke sie in eine suburbane Umgebung. Vergesst einfach alles, was ihr damals in der Schule im Physikunterricht gelernt habt, schnallt eurer Ziege einen Raketenrucksack um und wartet was passiert. Das Ganze macht zwar absolut keinen Sinn, mit nem Kasten Bier und ein paar Kumpels aber richtig viel Laune. Das Ganze ähnelt dem 2007 erschienenen PS3 Titel PAiN, nur kann sich hier der Spieler bzw. die Ziege frei bewegen. Die Spielewelt ist aber sehr klein geraten, viel zu entdecken hat man also nicht. Zwar kann man einige Eastereggs wie den versteckten Klon eines sehr populären Smartphone-Spiels finden, dies ändert aber nichts an der Gesamtsituation.

Da das komplette Spiel wie vom Entwickler angepriesen vollkommen von Bugs verseucht ist, sind die merkwürdigsten Situationen die Folge. So kann der Ziegenbock nicht nur Leitern erklimmen, sondern dank seiner extrem klebrigen Zunge auch die eine oder andere Axt schwingen. So wie im echten Leben halt auch. Die Bewohner der Map kann man nur entfernt, als solche bezeichnen. Hier bekommt der Begriff „fehlende KI“ eine ganz neue Bedeutung und man könnte fast meinen, ein populärer Shooter des Publishers Activision hätte hier Pate gestanden. Auf die zukünftigen Changelogs bin ich gespannt, diese werden dann meine neue Klo-Lektüre.

Die größten Probleme sind aber außerhalb der Technik zu finden. Der Ziegen-Simulator kann in seinem gegenwärtigen Konzept kaum Langzeitmotivation vorweisen. Die Gags mögen zwar wie die unzähligen Bugs für den einen oder andern Lacher sorgen, wer sich damit aber Stunden lang beschäftigen kann, hat meiner Meinung ganz andere Probleme. Es existiert auch kein Mehrspieler-Modus, welcher das Ganze wohl zum Partyknaller schlecht hinmachen würde. Das Spiel ist nur eine Techdemo und daran wird sich auch die nächste Zeit nicht viel ändern. Und ja, es gibt natürlich ein Achievment, wenn das ganze Spiel mal abstürzen sollte. Kein Scherz!

Ja zugegeben, es ist absichtlich zusammen geschusterter Trash vom Feinsten. Es ist wie eins dieser offensichtlich schlechten Mockbuster von The Asylum, welcher bei jedem Blockbuster der großen Filmstudios auf dem Markt geworfen. Man weiß, dass einem rotzfrech ins Gesicht gelogen wird, aber irgendwie will man es doch kaufen. Auf der anderen Seite macht Coffee Stain Studios keinen Hehl daraus, dass es sich beim Ziegen-Simulator um totalen Müll handelt. Das ist in meinen Augen schon fast zu ehrlich und es zeugt von viel Mut, so etwas Unfertiges als etablierter Indie auf dem Markt zu werfen. Das ganze Projekt ist einfach eine kreative Art, einen Indie-Entwickler finanziell zu unterstützen.

Es besteht also theoretisch die Möglichkeit, das dank des integrierten Workshops das eine oder andere noch kommen könnte, daran glauben kann ich aber aufgrund der vielen Baustellen nicht. Es wäre aber deutlich einfacher, mit dem eingenommenen Geld ein komplett neues Spiel mit ähnlichem Gameplay zu entwickeln.

Da das Endzeit-Genre durch The Walking Dead aktuell (warum auch immer) sehr populär ist, könnte ich mir z.B. ein Goat VS Zombies gut vorstellen. Untote mit Geräuschen anlocken, Anlauf nehmen und rammen. So was würde sich bestimmt millionenfach verkaufen, man müsste das bestehende Konzept nur logisch und konsequent ausbauen. Wie schnell sich eine Spielerei zu einem Vollpreisprodukt entwickeln kann, zeigt uns der Entwickler Turtle Rock Studios. Left4Dead entstand, weil es die Programmierer unheimlich unterhaltsam fanden, in Counter Strike: Source ihr Team gegen mit Messer bewaffneten Bots zu verteidigen.

Also liebe Entwickler, bitte macht was daraus!




Genialster Trash mit Potenzial für die Zukunft

Experiment geglückt, Ziege tot. Der Ziegen-Simulator ist ein Phänomen für sich. Trash vom feinsten, aber von einem Indie-Entwickler, der eigentlich gute Arbeit leisten kann. Für schlappe 10 Dollar kommen angehende Ziegen-Fetischisten und Freunde für Skurriles voll auf ihre kosten. Es stellt zwar keine ernsthafte Konkurrenz für AAA-Titel da, es zeigt aber das man mit guten Ideen wirklich Geld machen kann. Spaßbremsen sollten es sich aber gut überlegen, ob man in diesen „Early-Access“ investieren möchte. Schließlich bekommt man für das Geld mittlerweile auch Blockbuster wie Tomb Raider hinterher geschmissen.

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