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Das echte Leben...

...Think like a Gamer #11

Mittwoch, 15. Oktober 2008 um 11:13 von shadowman

Das echte Leben...

...wie uns Videospiele beeinflussen



- In wirklich? -

Immer wieder kommt es vor, dass unsere virtuellen Erfahrungen uns auch in der realen Welt überraschen. Das passiert vielerorts, oftmals unverhofft, ab und an aber auch bewusst. Da sieht man beispielsweise plötzlich ein Videospiel in den Nachrichten und hört wie der Sprecher einen Amoklauf beschreibt, ausgelöst durch Counterstrike und Co. Das zählt, wenngleich es natürlich der größte Unfug aller Zeiten ist, sicherlich zu den krassesten Einschnitten ins echte Leben. Ich möchte mich heute aber eher den Details widmen, die euch nicht schockieren, sondern faszinieren sollen. Auch wird es natürlich keine wissenschaftliche Analyse (die ich durchaus im Stande zu führen wäre), sondern einfach nur ein wenig Unterhaltung.


- Beim ersten mal tuts immer weh -

Das erste mal das ich die Konsequenzen aus der Verschmelzung beider Welten zu spüren bekam, werde ich wohl nie vergessen. Erfolgreich hatten mein Bruder und ich den Spielplatz-Alltag hinter uns gebracht und saßen nun vor unserem SNES, den Kopf im Nacken und den Mund leicht geöffnet. Da ich der ältere bin, war ich natürlich Spieler 1, mein Bruder Spieler 2. Unsere Leidenschaft: Street Fighter 2. Doch dann kam es zum Supergau: Während ich mit Ryu oder Ken durch das Level hüpfte, entschied mein Bruder sich für den grünen Blanka und ein packender Kampf entbrannte. Doch nachdem er geschickt zwei Attacken von mir geblockt hatte, nagelte er mich in der Ecke fest - mit immer der gleichen Attacke. Ohne mich dagegen wehren zu können, drückte er mich mit seinem Kopf immer weiter in die linke Ecke. Mein lautes Fluchen "Mach doch nicht immer das gleiche!" schien er zu überhören und panisch beobachtete ich die sich rasch leerende Energieleiste. Springen und Blocken, alles scheiterte und als ich meine Spielfigur stöhnend zusammenbrechen sah, boxte ich meinem Bruder so fest gegen den Arm, dass er umfiel. Er spürte also, wie die virtuelle Welt sein Leben beeinflusste, während auch ich nicht davonkommen sollte. Direkt hinter uns hatte unser Vater nämlich das gesamte Match verfolgt und selbstverständlich keinerlei Verständnis für meine wüste Aktion. An die Strafe kann ich mich nicht recht entsinnen, ich glaube es gab Fernseh- und Konsolenverbot. Nehmt es mir also nicht übel, wenn ich es verdrängt habe. Doch so witzig dieser Vorfall (wie ich finde) auch ist, es ist nur ein kleiner Teil des Übergriffs der digitalen Welten auf euer Leben.


Brrr, da schüttelts mich immer wieder...




Diese Spielsituation ist allerdings eine sehr bekannte und vor allem bei Beat 'em Ups wird man gerne mal zum Choleriker. Doch auch besonders miese Spiele bringen mich zum Fluchen, was vor allem für andere Leute zur Realität wird. Man brüllt herum, tritt und schlägt auf Kissen und Couch und einigen Leuten "entgleitet" gar das Gamepad und zerschellt krachend an der Zimmerwand. Das Worst-Case Szenario ist damit aber noch nicht beendet, denn ab und an passiert jetzt das, was für wirklich kochende Gemüter sorgt: Ihr kämpft seit 30 Minuten mit dem Endboss, habt die Wut bis zum Halse stehen und scheitert auch nach dem zwölften Versuch, weil die Spielfigur nicht das tut was ihr wollt. Eure Freundin kommt rein, erkennt eure Wut und möchte euch mit einem sanften Streicheln über den Rücken Trost schenken. "VERFLUUUUUCHTE SCHEISSE!" platzt es da plötzlich aus einem raus. Denn Mitleid oder Körperkontakt gehen jetzt gar nicht - jedenfalls nicht auf die sanfte Tour. Ich kann nicht sagen wieviele Schläge und Tritte meine Couch schon eingesteckt hat und möchte auch nicht wissen wie oft mein Zimmernachbar aus dem Bett oder einem guten Buch hochgeschreckt ist, nur weil ich eine virtuelle Figur lauthals verflucht habe.

Kommen wir doch nochmal kurz auf die eben genannte Freundin zurück, die natürlich auch sonst ein wenig unter der Sucht zu leiden hat. Okay, Hand aufs Herz: Die Partnerin sieht man jeden Tag, ein gutes Spiel allerdings nicht. Folglich müssen soziale Aktivitäten oder körperliche Nähe aufs Wartegleis, während man das neue Spiel standesgemäß mit seinen Online-Freunden und reichlich Bier einweiht. Problem an der Sache: Habt ihr das Game nach sieben Stunden erstmal satt und spürt eure Libido wieder, wird sich die Freundin lächelnd umdrehen und sofort einschlafen.
In diesem Bereich stellt man übrigens die größten Einschnitte fest. Nein, nicht das Sexleben, aber eben soziale Kontakte. Egal ob bester Freund oder Arbeitgeber, Spiele sind schuld am zu spät kommen, an den grässlichen Augenringen im Gesicht, an Fehlstunden in der Schule oder an langweiligen Geschichten, die sich der Kollege im Büro anhören muss. Denn auch wenn man es nicht glauben mag: Viele Leute interessiert eure perfekt geworfene Haftgranate oder der Online-Sieg in letzter Sekunde nicht. Jedenfalls kann man einen Großteil seiner verschwendeten Jugend getrost auf Videospiele schieben. Denn eines ist erstaunlicher Fakt: Obwohl die Welten nur virtuell sind und nicht real existieren, klauen sie uns im echten Leben die Zeit - wahrlich erschreckend.


- Schluss mit dem Schmodder -

Richtig, ich schweife ab. Ein weiteres Beispiel für Nachwirkungen im echten Leben ist Burnout. Diese Geschichte ist witzigerweise wahr und handelt von einem Pärchen, das sich mit der PS2 und Burnout amüsierte. Ich glaube, da bin ich aber nicht ganz sicher, dass es mehrere Stunden über Crashkreuzungen und im Gegenverkehr zur Sache ging. Nur einen Tag später endete die Fahrt am richtigen Steuer in einem realen Unfall. Gottseidank ist nichts passiert und man kann einigermaßen drüber lachen, aber wenn sich selbst Leute wie die beiden, die nicht so tief in der Spielewelt stecken wie wir, davon derart beeinflussen lassen, dann gibt einem das schon zu denken. Meine Fähigkeiten diesbezüglich sind eher praktischer Natur. So habe ich es zahlreichen Online Spielen und Zockerabenden mit RPGs zu verdanken, dass ich eine Blase habe wie ein Stier. Sagt man das so? Das ist besonders bei der monatlichen Pokerrunde bemerkenswert, denn während die meisten nach ein paar Bieren Stunde um Stunde zur Toilette hetzen, sitze ich gelassen auf meinem Platz. Wobei "gelassen" nicht stimmt. Ich spüre den Druck, ich fühle... naja, die Details gibt’s per PM, jedenfalls habe ich mir durch das ständige Gezocke eine voluminöse Blase antrainiert. Ist doch was. Auch jetzt, während ich das hier tippe, muss ich aufs Klo. Schon seit zwei Stunden. Aber ich trainiere weiter...


So schlimm wie im Spiel war der Unfall nun wirklich nicht!




Mit der Wii kam die Brutalität. Kann man das so stehen lassen? Naja, nicht ohne es zu erklären. Bevor Nintendo das Wiimote Kondom, also eine griffige Schutzhülle erfand, mutierte die kleine weiße Fernbedienung gerne mal zum gefährlichen Geschoss. Man findet im Internet zahlreiche Videos zu diesem Thema und auch wenn es viele Fakes gibt, so gingen doch Lampen, Fernseher und auch das ein oder andere Gebiss zu Bruch. Die schmerzliche Erfahrung zeigt doch auf eindrucksvolle Art und Weise, wie stark die Spiele in unser echtes Leben eindringen - völlig unbewusst. Denn auch wenn es viele Spiele versuchen, sind die meisten angesprochenen Beispiele eher unterbewusste Handlungen, bzw. Fähigkeiten. Direkter geht das mit Mortal Kombat. Damals schockierte ich mit diversen Fatalities meine kleineren Cousins, die schon nach Kitanas Fächer-Fatality weinend den Raum verließen.


Wiimote im TV - was ne Sauerei




Leider gibt es auch, vor allem im Bereich der PCs, negative Beispiele. Wenn Leute vor dem Rechner verhungern, reale Freundschaften der Gilde wegen zerbrechen oder man sich überlegt, dass allein in China rund 100.000 Menschen als Goldfarmer arbeiten, dann ist das erstaunlich und schockierend gleichermaßen. Wenn man sich dieses immense Suchtpotential mal vor Augen führt, droht uns deshalb viel mehr Schaden als durch ein paar blöde Amokläufe die nicht mal direkt was mit den Videospielen zu tun haben.


- Mehr als man denkt -

Aber in Wirklichkeit werden Leute wie wir ständig von der virtuellen Welt eingeholt. Sei es direkt im Spiel, in unseren Träumen oder auf Plattformen wie CW. Denn wenn ihr das lest, dann gehört ihr zum ganz harten Kern der infizierten Leute, was ich natürlich begrüße. Nein, man muss sich eingestehen, dass Spiele für uns einfach schon die Realität sind und wir von vielen Kleinigkeiten beeinflusst werden, ohne das überhaupt zu merken. Jeder Mensch wird ja von seiner Umgebung und seinen Hobbys geprägt. Ich denke pausenlos an nack... ähm an Releaselisten, weiß genau wann ein Spiel erscheint, während der Geburtstag der Oma auch mal in den Hintergrund rückt. Das ist zwar beschämend, aber die Realität. Ich meine, es gibt Bands die ihre Songs in Simlish (die Sprache der Sims, ungelogen!) aufgenommen haben, Leute die ganze Warthogs oder Chromehounds nachbauen. Und während mir hier immer mehr Beispiele einfallen, fällt mir auf wie unpassend der Titel dieses Think like a Gamer ist. Man kann Spiele nicht mehr aus dem realen Leben wegdenken. Denn wenn man auch nur das Gamepad in die Hand genommen hat, werden sie zur Realität.


- Gedreht -

Schade ist nur, dass nicht alles zur Realität wird was man spielt. Okay, einige Sachen gehen in Ordnung (Kriege, Unterdrückung, Serienkiller und Co.), aber wie enorm witzig wäre es bitte, wenn der Mensch den Doppelsprung beherrschen würde? Eine absurde und ziemlich bizarre Erfindung der Entwickler, die trotz realer Grafiken und Figuren nicht mehr aus dem Business wegzudenken ist. Ein Doppelsprung. Herrlich. Wenn ich mir vorstelle wie Geschäftsleute im Anzug im Sprung nochmal Springen, dann reicht mir das völlig aus, um den Tag zu überstehen. Und praktisch wäre das Ding obendrein. Genauso wie die Portalkanone aus Valves Portal. Meine Güte, das würde viel Wegstrecke einsparen. Die Sanduhr des Prinzen von Persien... ich glaube fast darüber sollte ich mal einen eigenen Bericht schreiben. Darf ich ehrlich sein? Langsam aber sicher habe ich das Gefühl, dass dieser Bericht keinen Sinn hat. Ich präsentiere weder eine Lösung, noch einen springenden Punkt oder eine Quintessenz. Seis drum...



Die oben erwähnte Kitana beendet diesen Bericht. Ist doch ein toller Ausblick, auch ohne Blut




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