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Review

Mass Effect 2



Mass Effect 2

Vor etwas mehr als zwei Jahren setzte Bioware auf der Xbox360 Rollenspielstandards. Mass Effect überzeugte mit einer packenden Story, eingebettet in ein riesiges, bis ins kleinste Detail ausgefeiltes Universum. Wegweisende Gesichtsanimation und fesselnde Dialoge schufen wohl einige der überzeugendsten Charaktere dieser Konsolengeneration - Commander Shepards Kampf um das Überleben des Universums wird auf ewig in die Videospielanalen eingehen. Nun ist es Zeit, die Geschichte fortzusetzen. Mit Mass Effect 2 erschien jetzt der zweite Teil der als Trilogie geplanten Weltraumsaga und versucht, die Qualität des Vorgängers zu übertreffen. Mission erfüllt?

Zurück ins Leben

Die besten Geschichten sind häufig die, bei denen der Held am Ende stirbt. Den Hauptprotagonisten jedoch bereits zu Beginn eines Abenteuers sterben zu lassen, würden selbst Hollywood-Autoren als gewagt bezeichnen. Dennoch tun die Jungs von Bioware genau das. Mass Effect 2 geht dort weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Kurz nachdem Commander Shepard und seine Crew die Citadel vor der Bedrohung durch die Reaper gerettet haben, wird die Normandy auf einer Patrouille von einem unbekannten Raumschiff attackiert und vollständig zerstört. Bei dem Versuch seine Crew zu retten, wird Shepard in die weiten des Universums geschleudert - und stirbt. Zwei Jahre später erwacht der charismatische Commander auf einem OP-Tisch der Cerberus Corporation. Diese Organisation der Menschen, die vielen noch aus dem ersten Teil bekannt sein dürfte, hat Shepards sterblichen Überreste geborgen und dank modernster Technik und Milliarden von Dollar im Projekt "Lazarus" wieder zu leben erweckt. Warum? Seit Monaten verschwinden die Bewohner zahlreicher menschlicher Kolonien, ohne eine Spur zu hinterlassen. Der geheimnisvolle Cerberus-Boss, von allen nur "Der Unbekannte" genannt, vermutet dahinter einen neuen Versuch der Reaper, alles Leben im Universum zu vernichten. Ausgestattet mit einer brandneuen und verbesserten Normandy soll Shepard sich ein neues schlagkräftiges Team zusammenstellen und die Vorkommnisse untersuchen. Soweit, so gut. Mehr wollen wir euch an dieser Stelle von der erneut packenden Hintergrundgeschichte nicht verraten.



"Der Unbekannte" ist Boss von Cerberus und eine der geheimnisvollsten Figuren in Mass Effect 2. Warum hat er für Milliarden von Dollar Shepard ins Leben zurückgebracht? Was führt er im Schilde?



Shepards Widerherstellung ist natürlich die Gelegenheit für euch, das Aussehen eures Charakters festzulegen. Zu Beginn könnt ihr entweder einen völlig neuen Shepard kreieren oder eure Speicherstände und das Aussehen aus dem ersten Teil importieren. In diesem Fall startet euer Charakter mit einem kleinen Erfahrungspunkte-, Credit- und Ressourcen-Bonus. Zudem haben Entscheidungen, die ihr im ersten Teil getroffen habt, Auswirkungen auf die Handlung in Mass Effect 2. Insgesamt stehen euch die sechs Charakter-Klassen Soldat, Infiltrator, Frontkämpfer, Wächter, Experte und Techniker zur Auswahl - jede mit eigenen Vorzügen und Fähigkeiten. Kann der Soldat beispielsweise als einziger ein Sturmgewehr benutzen, verfügt der "Wächter" über besondere Biotik - und Tech-Fähigkeiten. Auch in Mass Effect 2 könnt ihr wieder Gegner Jedi-mäßig durch die Luft schleudern oder Elektroschocks verpassen.

In den darauf folgenden gut 20 bis 40 Stunden Spielzeit schickt euch Mass Effect 2 wieder auf eine emotionale Achterbahnfahrt durch die Weiten des Universums, auf der ihr neue Team-Mitglieder rekrutiert und zahlreiche Haupt- und Nebenmissionen erfüllt. Ihr bringt Gegenstände von A nach B bringt, rettet Menschen oder tut verzweifelten Personen einen Gefallen. Erneut beherrschen dabei ausgedehnte Dialoge einen Großteil des Spielerlebnisses, bei denen verschiedenen Handlungsoptionen den Storyverlauf und eure Gesinnung maßgeblich beeinflussen. Ob ihr als strahlender und hilfsbereiter Held oder gefürchteter und rücksichtsloser Commander auftretet, ist also ganz euch überlassen. Je nachdem, wie stark ihr eine Gesinnung ausprägt, werden zudem spezielle Antwortmöglichkeiten freigeschaltet, die kritische Situationen entspannen oder zum eskalieren bringen. Dank des im ersten Teil etablierten und unverändert übernommenen Dialogrades gehen die Gespräche wieder sehr intuitiv von der Hand. Frischen Wind in die Dialoge bringt Bioware mit dem neuen Unterbrechungssystem. In speziellen Momenten habt ihr wie bei einem Quick-Time-Event die Wahl, ob ihr das laufende Gespräch durch eine gute oder böse Aktion abbrechen wollt. Da euch für die Entscheidung jeweils nur ein paar Sekunden Zeit bleibt, handelt ihr hier meist intuitiv und aus dem Bauch heraus, was den Gesprächen eine zusätzliche Würze verleiht.

Team-Geflüster

Fans des ersten Teils fühlen sich in Mass Effect 2 also sofort heimisch, sollten sich jedoch auch auf einige Änderungen gefasst machen. Bioware hat nämlich den Shooter-Anteil erweitert und Rollenspielelemente zum Teil drastisch gekürzt. Das macht bereits der als Tutorial dienende Auftakt deutlich, in dem ihr euch kurz nach eurem Erwachen mit Waffengewalt eurer Haut erwehren müsst. In Deckung geht ihr nun durch betätigen des A-Knopfes, Hindernisse können nun übersprungen werden und die Waffen benötigen ab sofort Magazine - regelmäßiges nachladen und Munition sammeln sind als angesagt. Insgesamt wurde die Steuerung nochmals direkter. Tödliche Treffer sind damit nun nicht mehr das Ergebnis guter Charakter-Skills, sondern einzig und allein eures Könnens am Controller. Diese Entscheidung hat auch Konsequenzen auf den Missionsaufbau. Nahezu 90 Prozent der Missionen enthalten ausgedehnte Schusswechsel, in denen ihr die zahlreichen Deckungen nutzen müsst. Im Gegenzug wurden die entwickelbaren Charaktereigenschaften gehörig geschrumpft. Aus ursprünglich über zwölf Eigenschaften wurden im Falle von Shepard sechs, bei seinen Teamkollegen nur noch vier, die jeweils in vier Stufen ausgebaut werden können.


Mit einigen der weiblichen Crewmitglieder könnt ihr wieder eine Romanze anfangen - ob ihr sie ins Bett kriegt, hängt einzig und allein von euren Entscheidungen ab!



Trotz dieser Einschränkungen ist die Charakterentwicklung aber nach wie vor ein wichtiges Element, um den zahlreichen Gegnern gut gerüstet gegenüber zu treten. Vor jeder Mission müsst ihr euch für zwei Mitstreiter aus eurem Team entscheiden - wer hier die Fähigkeiten nicht auf sich und die zu erwartenden Gegner abstimmt, gerät schnell in ernsthafte Schwierigkeiten. Bioware stellt euch im Laufe des Abenteuers viele neue und interessante Gesichter zur Seite, alle mit eigenen Beweggründen und Hintergrundgeschichten. Die psychopathisch veranlagte und von Kopf bis Fuß tätowierte Jack verfügt beispielsweise über enorme biotische Kräfte, während der Attentäter Thane Krios eine gute Mischung aus Waffenskills und Tech- und Biotik-Kräften darstellt. Helft ihr euren Teammitgliedern zusätzlich bei ihren persönlichen Problemen, gewinnt ihr deren Loyalität, wodurch weitere Fähigkeiten freigeschaltet werden. Es lohnt sich also, sich ausgiebig mit Ihnen zu beschäftigen – auch schon allein deshalb, weil ihr wieder mit einigen der weiblichen Crewmitglieder eine Romanze anfangen könnt. Kenner des ersten Teils können sich aber auch über ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen. Wer das ist, verraten wir euch natürlich nicht.

Überhaupt hat Bioware nochmals gehörig am Umfang des Mass Effect-Universums geschraubt und viele kleine Verbesserungen durchgeführt. Die eintönigen Fahrzeugmissionen mit dem Mako wurden abgeschafft und Türen und Terminals werden nun durch kleine Minispiele gehackt. Die zur Verfügung stehenden Missionen werden nun direkt auf der riesigen Universumskarte angezeigt, zudem wurden viele aufwendige Laufwege drastisch entschärft. Die langatmigen Fahrstuhlsequenzen wurden nun durch Ladebildschirme ersetzt und nach dem Ende einer Mission findet ihr euch direkt an Bord der Normandy wieder. Ein kurzer Abschlussbericht am Ende jeder Mission klärt zusätzlich darüber auf, welche Ressourcen und Erfahrungspunkte ihr gesammelt habt und wie sich die Mission auf die Story auswirkt. Untypisch für Rollenspiele, dennoch hilfreich. Über den "Kodex" erhaltet ihr erneut tonnenweise Informationen über die zahlreichen Völker und neuen Rassen wie die Vorcha oder Drell, deren Kultur und Vergangenheiten sowie über Waffen, Ausrüstung und Planeten. Die Dichte und Überzeugungskraft, die Mass Effect 2 damit erreicht, sucht ihresgleichen. Das zu erforschende Universum hat gigantische Ausmaße - allein die Erforschung aller Sonnensysteme wird euch viele Stunden vor den Bildschirm fesseln und belohnt fleißige Forscher mit zusätzlichen Nebenmissionen. Abseits der Hauptplot-Wege stoßt ihr auch durch Gespräche mit Personen oder das hacken von Terminals auf weitere optionale Nebenmissionen, die nicht nur Credits und Erfahrungspunkte einbringen, sondern euch auch tiefer in die Mass Effect-Welt eintauchen lassen.


Der Charakter-Entwicklungsbildschirm wurde deutlich übersichtlicher. Die entwickelbaren Eigenschaften wurden im Vergleich zum Vorgänger nahezu halbiert!



Die Waffen eines Commanders

Da ein Großteil der Missionen auf Auseinandersetzungen mit den zahlreichen Gegnern hinauslaufen, benötigt ihr erneut ein entsprechendes Waffenarsenal. Wie bereits im ersten Teil greift ihr hier wieder auf Argumentationsverstärker wie Maschinenpistolen, Schrotflinten oder Pistolen zurück oder nutzt die zahlreichen Biotik und Tech-Fähigkeiten, um Gegner umherzuschleudern, bei lebendigem Leibe zu verbrennen oder einzufrieren. Doch Vorsicht: Wie bereits erwähnt hat die Wahl eurer Charakterklasse entscheidende Auswirkungen darauf, welche Waffen und Tech-Fähigkeiten ihr nutzen könnt. Grundsätzlich ist das Arsenal dieses Mal wesentlich überschaubarer als noch im Vorgänger. Hattet ihr im ersten Teil stellenweise zehnmal das gleiche Gewehr im Ausrüstungsmenü genügt es nun, jeden Waffentyp einmal zu finden, damit alle anderen Teammitglieder ebenfalls darauf zugreifen können. Grundsätzlich gestaltet sich die Item-Übersicht in Mass Effect 2 komfortabler und aufgeräumter, da ihr die Gegenstände nicht mehr mit euch herumschleppt, sondern diese auf der Normandy oder an speziellen Terminals verwahrt werden. Auf euren Missionen findet ihr deshalb zu 99 Prozent nur Credits und Munition. Solltet ihr dennoch auf einen neuen Gegenstand oder Upgrades stoßen, wandern diese gleich in den Ausrüstungsbereich der Normandy. Das strafft den kompletten Spielablauf, da man keine Zeit mehr damit verbringen muss, seine Ausrüstung zu sortieren oder zu verkaufen, hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: vor jedem Auftrag müsst ihr euch für eure Ausrüstung und die eures Teams entscheiden. Ein Wechsel während der laufenden Mission ist nicht möglich bzw. müsst ihr dazu umständlich zur Normandy zurückkehren oder einen entsprechenden, seltenen Terminal suchen.

Im Gegenzug könnt ihr eure Ausrüstung nun durch zahlreiche, freischaltbare Upgrades aufrüsten und euren Wünschen anpassen. So verstärkt ihr nicht nur eure Waffen oder biotischen Fähigkeiten, sondern schaltet neuen Waffentypen frei, verbessert die Normandy mit stärkeren Schilden oder erhöht die Widerstandskraft von Shepard und seinem Team durch bessere Panzerungen. Auch das Aussehen eurer Rüstung ist nun individuell gestaltbar. Angefangen bei der Farbe bis hin zu neuen Helmen, Schulterstücken oder Brust- und Beinplatten (die natürlich alle vorher freigeschaltet werden müssen) legt ihr Shepards Erscheinungsbild selbst fest. Auf das Aussehen eures Teams habt ihr jedoch keinen Einfluss. Vorgefertigte Rüstungen wie im ersten Teil, die ihr euren Teammitgliedern anlegen könnt, gibt es nicht mehr, was angesichts des fantastischen Rüstungsdesigns allerdings nicht weiter schlimm ist. Für all diese Upgrades benötigt ihr neben dem nötigen Kleingeld aber auch die entsprechenden Ressourcen. Iridium, Platin, Palladium und Element Zero findet ihr zwar in kleinen Mengen auch während der Missionen - die richtig großen Brocken gibt es jedoch nur auf den zahlreichen unerforschten Planeten, die ihr nun in einem Minispiel mit einem Scanner Quadratkilometer für Quadratkilometer absuchen müsst.

Ring des Todes


Nein, nicht was ihr denkt. Die berühmte Xbox360-Fehlermeldung ist damit nicht gemeint. Für die Kampfszenen hat Bioware das bewährte Ringemenü für Waffen- und Fähigkeitenauswahl beibehalten. Durch gedrückt halten von LB oder RB pausiert das Geschehen und ihr könnt euch in Ruhe euren nächste Schritt überlegen, eine neue Waffe auswählen oder eurem Team befehlen, welcher Gegner mit welcher Fähigkeit angegriffen werden soll. Unterstützung erhaltet ihr dabei im Form von Einblendungen am Bildschirmrand, die euch mitteilen, ob die ausgewählte Fähigkeit bei diesem Gegner Wirkung zeigt oder nicht - ebenfalls eine Neuerung im Vergleich zum Vorgänger, die den Einstieg erleichtert. Die Kämpfe gestalten sich zwar actionreicher, sind jedoch nach wie vor taktisch angehaucht. Da viele Gegner Schilde oder Panzerungen benutzen und auf spezielle Munition oder Kräfte besonders allergisch reagieren, sollten eure Aktionen aufeinander abgestimmt sein. Auch das Gegnerrepertoire hat sich im Vergleich zum Vorgänger deutlich vergrößert. Hattet ihr es vorher hauptsächlich mit den Geth zu tun, müsst ihr euch nun auch mit Söldnern, Kampfrobotern und anderen Aliens herumschlagen. Zwar solltet ihr eure Fähigkeiten und Munition auf die jeweiligen Gegner-Arten abstimmen, eine andere Kampf-Taktik ist jedoch nur selten nötig. Egal mit wem ihr es zu tun bekommt, das Gegnerverhalten ähnelt sich meist sehr. Während sich Einige verschanzen versuchen Andere, eure Stellung zu stürmen oder zu flankieren. Dadurch werden die Kämpfe zwar nicht weniger herausfordernd, nach einer Weile stellt sich jedoch etwas Monotonie ein.


Das Rüstungsdesign überzeugt erneut mit vielen Details. Zudem könnt ihr Shepards Rüstung nun ganz euren eigenen Wünschen anpassen!



Verstärkt wird dieser Taktik-Touch dadurch, dass ihr eure Kameraden nun getrennt an verschiedene Orte dirigieren und den Einsatz einer ihrer Spezialfähigkeiten als Schnellwahlfunktion auf das Digikreuz legen könnt. Auch euch stehen nun mit LB, RB und Y insgesamt drei Schnellwahltasten zur Verfügung. Wie stark ihr diese Taktik-Komponente nutzen wollt, ist natürlich euch überlassen. Ihr entscheidet, ob sich euer Team lediglich verteidigt und die Auswahl der Spezialfähigkeiten euch überlässt oder komplett selbständig agiert. Dank der guten Intelligenz eurer Mitstreiter stellt letzteres auch kein Problem dar. Nur selten müsst ihr aufgrund von Fehlverhalten gefallene Teammitglieder heilen.

Nicht von dieser Wlt

Mass Effect 1 fesselte besonders wegen seiner spannenden Geschichte und den packenden Dialogen, die praktisch jedes kleine Gespräch zu etwas ganz Besonderem werden ließen. Mass Effect 2 legt hier noch einmal eine Schippe drauf. Die packende Handlung zieht euch dank kinoreifer Präsentation und cineastischen Kamerafahrten in ihren Bann und lässt euch nicht mehr los, bis ihr das Geheimnis um die Angriffe auf die Kolonien gelöst habt. Geschickt verquickt Bioware den Haupt-Handlungsstrang mit den zahlreichen Nebenmissionen, die euch stets andere Charaktere näher bringen, aber nie das Gefühl vermitteln, dass man nun den roten Faden verloren hätte. Eine echte Meisterleistung ist die Einbindung der Ereignisse aus dem ersten Teil, insofern ihr einen entsprechenden Spielstand auf eurer Festplatte habt. Geschickt werden Anspielungen auf früheren Entscheidungen gemacht, was das Mass Effect-Universum noch glaubhafter erscheinen lässt. Die Tatsache, dass sich Dialoge und Handlungsstränge nicht nur von eurem Verhalten, sondern auch von der gewählten Charakterklasse und dem Geschlecht beeinflussen lassen, macht Mass Effect 2 zudem zum idealen Kandidaten für mehrmaliges durchspielen. Glaubt uns, es lohnt sich. Nie werdet ihr exakt das gleiche Spielerlebnis haben.

Auch grafisch überflügelt Mass Effect 2 seinen Vorgänger in allen Belangen. Die Umgebungen wirken um einiges lebendiger und nicht mehr so steril, wie es im ersten Teil oft der Fall war. Handelszentren wie IIlium oder Omega, der Umschlagplatz für alle galaktischen Kriminellen, wirken durch Neonreklamen, belebte Straßen und atemberaubende Panorama-Blicke direkt wie aus Science-Fiction-Filmen vom Schlage eines Blade Runner oder Star Wars. Aus dem ersten Teil bekannte Schauplätze wurden zudem optisch überarbeitet. Die ehemals sehr steril und etwas unübersichtlich wirkende Citadel hat sich nun zu einem belebten Marktplatz verwandelt, hat im Gegenzug allerdings auch etwas an Größe eingebüßt. Für die nötige Übersicht sorgt die neue Karte, die wichtige Läden oder Missionsziele markiert. Überhaupt bieten die Jungs von Bioware wesentlich mehr optische Abwechslung. Von sterilen Handelszentren über üppig bewachsene Urwaldplaneten bis hin zu dreckigen Gassen und Hinterhöfen ist alles vertreten. Grafische Details wie aus Rohren austretender Rauch, Pfützen auf den Straßen, abwechslungsreichere Texturen oder Straßenschilder erfüllen das Mass Effect-Universum überzeugend mit Leben.


Viele neue Alien-Rassen und Charaktere feiern in Mass Effect 2 Premiere. Hier die mäßig intelligenten, dafür im Kampf umso gefährlicheren Vorcha!



Absolutes Highlight sind nach wie vor die extrem detaillierten Gesichter und Charaktermodelle, die ihr in den zahlreichen Dialogen in Nahaufnahme präsentiert bekommt. Das einzigartige Design von Außerirdischen und Rüstungen überzeugt auf ganzer Linie und sorgt dafür, dass Mass Effect sich wohltuend aus der Rollenspiel-Masse hervorhebt. Kratzer auf den Rüstungen und abwechslungsreiche Oberflächenstrukturen machen jeden Charakter zu etwas ganz Besonderem. Das Niveau des Vorgängers in Sachen Texturqualität und Animationen konnte hier zwar nur leicht gesteigert werden, dennoch ist Mass Effect 2 in dieser Hinsicht nach wie vor absolute Referenz. Offensichtlich ließ sich Bioware auch von Titeln wie Fable inspirieren, denn Shepards Gesinnung kann nun auch direkt von seinem Gesicht abgelesen werden. Ist dieses aufgrund seiner aufwendigen Wiederherstellung anfangs noch von Narben gezeichnet, verheilen diese im Laufe der Zeit, solltet ihr euch für den guten Weg entscheidet. Züchtet ihr stattdessen ein gemeingefährliches Monster heran, verheilen die Narben nur schlecht oder gar nicht, zudem bekommen die Augen einen düsteren rot-Stich. Das Problem der spät geladenen Texturen hat man nun größtenteils in den Griff bekommen, dafür trüben nun plötzlich hereinploppende oder falsch stehende Charaktere und teilweise Texturfehler an den Augenpartien mancher Charaktere das Gesamtbild. Da diese Probleme aber nur selten auftreten, sind sie leicht zu verschmerzen.

Zur Qualität der Dialogszenen trägt auch erneut die gute bis sehr gute deutsche Sprachausgabe bei, die zu großen Teilen sogar nahezu Lippensynchron ist. Die Hautpcharaktere vermitteln überzeugend ihre Gefühle, lediglich der ein oder andere Nebencharakter könnte etwas enthusiastischer klingen. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, das Commander Shepard eine andere Stimme erhalten hat, zudem werden manche Begriffe wie "Geth" oder "Saren" von verschiedenen Charakteren unterschiedlich ausgesprochen. Verwirrend, aber nicht weiter schlimm. Störend sind hingegen die teilweise auftretenden Soundfehler. Sätze werden aus heiterem Himmel abgebrochen, und in sehr seltenen Fällen fehlt die Sprachausgabe komplett. Beispielsweise fehlten in unserer Version in einer wichtigen Schlüsselszene Sprachausgabe und Soundeffekte - sehr ärgerlich.


Der Detailgrad der Gesichter ist einfach nur atemberaubend!



Fazit:

Mass Effect 2 übertrifft seinen Vorgänger in alle Belangen. Erneut verquickt Bioware eine packende Story mit einer kinoreifen Präsentation, die euch bis zum Ende nicht mehr loslassen wird. Das bewährte Dialogsystem erzeugt gepaart mit der guten deutschen Synchronisation und den detaillierten Gesichtern nahezu eine Sucht nach neuen Informationen. Kein Gespräch ist wie das andere, und ihr habt nicht nur das Gefühl Beobachter zu sein, sondern aktiv am Gesprächsverlauf mitzuwirken. Eine echte Meisterleistung ist die Einbeziehung der Geschehnisse aus dem ersten Teil und die unterschiedlichen Handlungsverläufe. Je nachdem, welche Entscheidungen ihr trefft, hat dies mitunter gravierende Auswirkungen auf die Story und eure Teammitglieder. Ihr könnt Mass Effect 2 mehrmals durchspielen und erlebt dabei niemals genau dasselbe. Zudem führte Bioware viele kleine Verbesserungen durch, die das Spielerlebnis deutlich straffen. Laufwege wurden verkürzt und die eintönigen Fahrstuhlsequenzen durch informative Ladebildschirme ersetzt, zudem wurde die Menü-Führung und Item-Verwaltung vereinfacht und deutlich übersichtlicher. Nun müsst ihr euch nicht mehr stundenlang mit dem Verwalten eurer Gegenstände aufhalten, sondern könnt euch voll und ganz dem Spiel widmen. Die starke Betonung der Shooter-Passagen und das herunterfahren der Rollenspielelemente dürfte Hardcore-Rollenspielern weniger gefallen, das Konzept geht aber dennoch auf. Obwohl Shepard und sein Team nicht mehr über so viele veränderbare Charakter-Eigenschaften wie im Vorgänger verfügen und auf Statusanzeigen für Rüstungen und Waffen komplett verzichtet wurde, macht das Aufleveln und upgraden der Waffen sowie Biotik und Tech-Fähigkeiten unglaublichen Spaß. Auch in den Kämpfen ist noch immer ein Hauch von Taktik nötig. Zudem wurde nochmals gehörig an der Grafikschraube gedreht. Die Umgebungen wirken nun deutlich lebendiger und sind wesentlich abwechslungsreicher. Das aus dem ersten Teil bekannte späte laden von Texturen wurde deutlich reduziert, dafür ploppen nun zum Teil ganze Charaktere ins Bild - allerdings nur sehr selten.

Wirklich zu kritisieren gibt es recht wenig. Die Missionen könnten etwas abwechslungsreicher sein, der Missionsverlauf wiederholt sich recht häufig. Oft müsst ihr euch einfach nur durch anstürmende Gegnerhorden schießen und das Ende des Levels erreichen, um die Mission zu erfüllen. Viel Anspruch ist da nicht gefragt. Die atmosphärische Präsentation macht das jedoch locker wieder wett. Die Shooter-Passagen sind zwar deutlich besser als im Vorgänger, aber immer noch schlechter als bei einem reinrassigen Shooter. Shepard kann beispielsweise nicht wie in Gears of War zur Seite hechten oder blind aus der Deckung schießen, außerdem gestaltet sich das von Deckung zu Deckung hechten noch immer etwas hakelig. Hinzu kommt die durchschnittliche Intelligenz eurer Gegner, die fast immer dieselben Verhaltensmuster an den Tag legen und selten für echte Überraschungen sorgen. Zudem respawnen an manchen Punkten Gegner immer wieder, was besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden für Frust sorgen kann. Auch dass ihr eure Ausrüstung nur noch an bestimmten Terminals ändern könnt und Umwege in Kauf nehmen müsst, um neue Gegenstände anzulegen, ist etwas nervig. Hinzu kommen noch gelegentliche Soundprobleme.

Dennoch: Selten hat uns ein Spiel dermaßen vor den Bildschirm gefesselt und für etliche Stunden auf höchstem Niveau unterhalten. Kaufen!

Positiv:

- packende Story, deren Verlauf sich individuell eurem Verhalten anpasst
- Atmosphäre sucht ihresgleichen
- überzeugendes Universum und Charaktere
- riesiger Umfang
- hoher Wiederspielwert
- wesentlich verbesserte Umgebungsgrafik, überragende Gesichtsdetails
- verbesserte Shooter-Steuerung
- viele kleine Ergänzungen straffen das Spielerlebnis
- keine eintönigen Fahrzeugsequenzen mehr

Negativ:

- kaum noch Rollenspielelemente und größerer Fokus auf Shooter-Elemente
- Shooter-Passagen gut, aber nicht überragend
- gelegentlich Grafikfehler und Soundprobleme
- Team-Feature nicht mehr so wichtig
- mittelmäßige Gegner-KI
- überschaubare Level
- sich wiederholendes Missionsdesign

Eindeutiger Game of the Year-Kandidat!

Selten hat mich ein Spiel dermaßen vor den Bildschirm gefesselt und zum erneuten durchspielen motiviert. Bioware liefert bereits im Januar einen lupenreinen "Game of the Year"-Kandidaten ab. Neben all der Euphorie hat mich jedoch eines ganz besonders gestört: Mass Effect 2 legt wenig Wert auf das suchen von Gegenständen und Erkunden der Umgebung - für mich elementarer Bestandteil eines Rollenspiels. Die Level sind viel zu überschaubar, zudem werden alle einsammelbaren Objekte bereits von weitem als solche gekennzeichnet. Auch ein Grund, warum es für mich nicht ganz zur 14 gereicht hat.

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