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Review

Gears of War 3



Gears of War 3

Wenn die Kettensäge kreischt und Locust-Einzelteile umherfliegen, ist es endlich wieder soweit. Marcus Fenix und die Delta Squad sind zurück – und das erstmals auch offiziell in Deutschland. 5 Jahre nach dem ersten Teil bringt Epic Games mit Gears of War 3 die Serie zu ihrem vorläufigen Ende. Ursprünglich für Anfang des Jahres vorgesehen, hat Microsoft den Release um ein halbes Jahr auf den 20. September 2011 verschoben. Wurde die Zeit gut genutzt?

Brothers to the End

Zwei Jahre sind seit dem Untergang von Jacinto, der letzten Bastion der Menschheit, vergangen. Die Locust scheinen nach der Flutung der Tunnel vernichtet und der klägliche Rest der Menschheit schlägt sich mehr schlecht als recht damit rum, wieder eine normale Welt aufzubauen. Doch der Frieden ist nur von kurzer Dauer, denn schon bald taucht eine neue Bedrohung auf: die „Leuchtenden“, eine von der Imulsion infizierte Locust-Art, stellen die Überlebenden vor neue Herausforderungen. Und als sei das nicht genug erfährt Marcus Fenix, dass sein tot geglaubter Vater Adam noch am Leben ist. Doch nicht nur das, er scheint auch den Schlüssel zur Rettung Seras in den Händen zu halten. Was folgt, ist klar: Die Delta Squad macht sich auf die Suche nach Adam Fenix - und ihr seid mittendrin in Gears of War 3.

Gears of War 3 lässt sich auf keine großen Experimente ein und präsentiert sich, wie man es als Fan – sind wir mal ehrlich - auch nicht anders erwartet hätte. In der fünf Kapitel umfassenden Kampagne erwarten euch in erster Linie harte Stellungskämpfe, bei denen ihr wieder exzessiv vom Deckungssystem Gebrauch machen müsst. Auch an der bewährten Steuerung und Interface wurde nichts verändert. Kenner der ersten beiden Teile fühlen sich sofort heimisch, was leider auch gleichzeitig ein kleiner Wehrmutstropfen ist. Besonders zum etwas schwächelnden Beginn der fünf Kapitel umfassenden Kampagne stellt sich fast so etwas wie Ernüchterung ein. Irgendwie hat man alles schon mal gesehen und fühlt sich dezent gelangweilt. Dies bessert sich allerdings im weiteren Verlauf und ab Ende des ersten Kapitels nimmt Gears 3 richtig Fahrt auf.



Auch wenn sich am Grundprinzip nichts verändert hat, hat Epic mit Gears 3 die abwechslungsreichste und am rundesten wirkende Kampagne erschaffen. Häufiger als noch in den Vorgängern warten auf euch pompös inszenierte Zwischen- und Endgegnerkämpfe. Auch spektakuläre Schienenabschnitte, bei denen ihr auf LKW-Ladeflächen oder hinter festen Geschütztürmen Platz nehmt, lockern das Geschehen gekonnt auf und sorgen für den nötigen Bombast. Auch wird die bewährte Gears-Mechanik durch nette Einfälle immer wieder aufgelockert. Mal müsst ihr euch als Feuerwehrmann betätigen, als Cole über ein von „Leuchtenden“ verseuchtes Footballfeld sprinten oder an einem Seil gleitend Gegner aufs Korn nehmen. All das wird durch eine gut inszenierte Story zusammengehalten, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet. Leider baut diese stark auf die bisher erschienen Romane auf, sodass Nicht-Kennern viele Details und Anspielungen verloren gehen werden.

Doch Epic hat nicht nur das actionreichste, sondern auch die optisch abwechslungsreichste Gears erschaffen. Ihr durchstreift gigantische Tanker, besucht Coles zerstörte Heimatstadt Hanover, strandet auf einer tropischen Insel oder müsst euch durch sengende Wüste kämpfen. Die unterschiedlichen Farbgebungen und der geschickte Einsatz von Tag- und Nachtabschnitten sorgen für eine komplett andere Atmosphäre. Das düstere, von den Locust-Umgebungen beherrschte Gears 2 gehört eindeutig der Vergangenheit an. Nun durchstreift ihr wieder wie im ersten Teil überwiegend von Menschen geschaffene Landschaften. Insgesamt wirkt Gears 3 wesentlich runder, durchdachter und fertiger als seine Vorgänger. Die Kämpfe sind bombastisch inszeniert, die Story-Präsentation und Zwischensequenzen sind eine Wucht und wirken cineastischer, langweilige Passagen sucht ihr – einmal abgesehen vom holprigen Start – vergebens.

Leuchtende vs. Locust vs. Retro-Lancer

Mit den anfangs erwähnten „Leuchtenden“ zieht nun erstmals eine dritte Fraktion in das Gears-Universum ein. Deren plötzliches Auftreten verleiht nicht nur der Story die nötige Würze, sondern sorgt auch auf dem Schlachtfeld für etwas Abwechslung. Sie unterscheiden sich in ihrem Verhalten zwar nicht wesentlich von den Locust und bedürfen auch keiner ausgeklügelten, neuen Taktik, sind aber hartnäckige Bastarde, die sogar während der Kämpfe zu Würmern oder riesigen Berserkern mit eine extra Portion Tentakel weitermutieren, schaltet ihr sie nicht schnell genug aus. Dass jeder erledigte Leuchtende vor seinem Ableben explodiert, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Doch keine Angst, auch die fast schon lieb gewonnenen Locust tauchen früh genug wieder auf der Bildfläche auf und werden euch das ein oder andere Kopfzerbrechen bereiten. Die Gegnervielfalt ist wirklich atemberaubend und bietet eine gesunde Mischung aus alten und neuen Kreationen. Die Künstliche Intelligenz eurer Gegner hat hingegen keine großen Sprünge gemacht. Sie suchen Deckung und versuchen euch zu flankieren, laufen aber auch oft genug unüberlegt in ihr verderben. Auch die KI eurer ständigen Delta-Squad-Begleiter leistet gute arbeitet, weist jedoch einige Macken auf. Seid ihr verwundet liefern sie schnelle Hilfe, oft übersehen Sie aber auch Gegner, die euch dann in den Rücken fallen.

Einigen Zuwachs hat auch das Waffenarsenal erhalten. Der Retro-Lancer verfügt statt einer Kettensäge über ein Bajonett und ist nicht so präzise wie sein Nachfolger, hat jedoch bei richtigem Gebrauch entscheidend mehr Durchschlagskraft und dürfte sich schnell als Lieblingswaffe vieler Fans erweisen. Dazu kamen beispielsweise noch eine abgesägte Schrotflinte, der Digger, dessen Granaten sich unterirdisch zu ihrem Ziel durchgraben oder ein gigantisches, Macheten-artiges Schwert. Besonders hat es uns jedoch die „One Shot“-Sniper angetan, deren Name eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf. Mit einigen Waffen wie z.B. dem Hammerburst könnt ihr nun sogar über Kimme und Korn zielen, was für deutlich mehr Präzision sorgt. Von Zeit zu Zeit besteigt ihr nun sogar schlagkräftige Kampfroboter, die mit Gatling-Gun und Raketen ordentlich unter den Locust aufräumen.

Verbesserte Technik

Technisch kann Gears of War 3 noch einige Schippen im Vergleich zu seinen Vorgängern drauflegen. Besonders die genialen neuen Lichteffekte haben es uns angetan. Abwechslung wurde dieses Mal groß geschrieben und die eintönigen Locust-Level aus dem zweiten Teil gehören der Vergangenheit an. Verbessert wurden auch die Partikel und Raucheffekte und das nachladen von Texturen – was besonders bei den Vorgängern ein Problem war – wurde nun weitestgehend in den Griff bekommen. Ärgerlich sind allerdings die fehlende Kantenglättung und die kaum verbesserte Zerstörung der Umgebung, was allerdings Jammern auf sehr sehr hohem Niveau ist. Das Geschehen läuft wunderbar flüssig und kommt auch bei hohem Gegneraufkommen kaum ins Straucheln. Wer einen 3D-Fernseher sein eigen nennt, wird sich über den 3D-Modus freuen. Dieser weiß mit sauberen Effekten, guten Kontrasten und einer flüssigen Bildrate zu überzeugen. Ihr müsst jedoch mit einer niedrigeren Auflösung vorlieb nehmen, und es gibt keine 3D-Effekte bei Explosionen oder ähnlichem. Alles in allem aber eine gute Ergänzung. Auch beim Sound gibt’s nichts zu meckern. Wuchtige Explosionen, markerschütternd schreiende Leuchtende und geniale Waffensounds ziehen euch zusammen mit dem epischen Soundtrack ins Geschehen. Die englische Synchronisation ist gewohnt hochwertig und kann auch bei der deutschen Gears of War-Version aktiviert werden. Gut so, denn die deutsche Synchro ist ganz ok, nervt aber wieder mal mit fehlender Lippensynchronität und einigen Fehlbesetzungen.



Koop, Arcade, Versus – Was darf´s sein!

Epic hat für Gears 3 das größte Multiplayer-Paket geschnürt, das ihr je gesehen habt. Zum einen wurde ein komplett neues Ranking-System integriert, das euch für alle Aktionen – egal ob Kampagne oder Versus-Modi - XP-Points und unzählige Embleme und Medaillen beschert. Eine umfangreiche Statistik sagt euch, wann ihr welche Locust-Art am häufigsten mit welcher Waffe getötet habt und eure Leistungen werden zudem in einem globalen Rangsystem zusammengefasst. Was wollt ihr mehr? Die Kampagne könnt ihr jetzt nicht nur im Arcade-Modus spielen, bei dem ihr für jeden Kill ähnlich dem Horde-Modus Punkte erhaltet, sondern auch mit bis zu drei weiteren Mitstreitern Koop via Xbox Live oder im Netzwerk. Auch Splitscreen ist möglich, allerdings dürfen hier nur zwei Spieler losziehen. Der Schwierigkeitsgrad passt sich dabei immer der Anzahl an Mitstreitern an. Gegner, die ihr alleine ohne Probleme ausschalten konntet, verlangen mit menschlicher Unterstützung nun wesentlich mehr Arbeit.
Der beliebte Horde-Modus, bei dem ihr bis zu 50 Gegner-Wellen abwehren müsst, wurde ebenfalls kräftig aufgebohrt. Neben neuen Gegnertypen gibt es ein neues Währungssystem, das euch für jeden Kill mit Punkten für euer virtuelles Konto belohnt. Dafür kauft ihr euch nicht nur Munition, sondern investiert die Kohle auch in Befestigungsanlagen wie Stacheldraht, Papp-Attrappen zur Ablenkung oder schwere Geschützanlagen, um die Locust aufzuhalten. Umgekehrt ist es im neuen Biest-Modus, bei dem ihr in der Rolle eines Locust die menschlichen Stellungen überrennen müsst – allerdings nur in 12 Wellen, was etwas wenig ist. Euren favorisierten Locust wählt ihr dabei aus einer Liste aus und gelangt nach dem Ableben ihr wieder in den Auswahlbildschirm, um es erneut zu versuchen. Je weiter ihr fortschreitet, desto größer wird die Auswahl, doch je stärker der Locust, desto mehr Kohle müsst ihr auch hinlegen. Habt ihr nicht genügend, müsst ihr folgerichtig mit schwächeren Versionen vorlieb nehmen. Die insgesamt zehn Mehrspielerkarten für Horde- und Biest-Modus haben ihr ganz eigenen Tücken und sorgen für die nötige Abwechslung.

Ordentlich Hand hat an Epic auch an den Mehrspielermodus gelegt, dem man die lange Entwicklungszeit deutlich anmerkt. Der saubere Netcode sorgt für extrem stabile und flüssige Matches und Lobbies und Matchmaking funktionieren optimal. Ihr könnt bereits im Hauptmenü ganz einfach eure Freunde zu Sessions einladen. Neben den klassischen Kriegsgebiet- und Hinrichtung-Modi, bei denen jeder Spieler nur ein Leben besitzt - hat man mit dem einsteigerfreundlicheren Team-Deathmatch, bei dem ihr nach jedem Ableben wieder respawnt - nun auch einen Modus für alle Gears-Neulinge integriert. Die Modi „Anführer fangen“ und „König des Hügels“ runden das Angebot ab. Die zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, um die Matches euren Wünschen anzupassen, lassen keine Wünsche offen - bei Bedarf könnt ihr sogar Bots hinzuschalten. Für gute Leistungen werdet ihr mit zahlreichen freischaltbaren Mutatoren belohnt, die jedoch nur kosmetischer Natur sind und damit keinen Einfluss auf das Balancing haben. Alles in allem ist der Multiplayer von Gears of War 3 der beste der Serie.



Fazit:
Gears of War 3 ist ohne Zweifel der beste Teil der Serie. Die Kampagne schwächelt zwar zu Beginn etwas, steigert sich dann jedoch bis zum Finale und klärt viele offene Fragen - von lästigen Cliffhangern bleibt ihr verschont. Wer jedoch die Bücher nicht gelesen hat, wird viele Charakterbeziehungen oder gewisse Anspielungen nicht verstehen. Zwar bietet Gears 3 einen kurzen „Was bisher geschah“-Trailer, wirklich in die Tiefe geht dieser aber auch nicht. Auch in Sachen Abwechslung, Technik und Präsentation hat Epic noch eins draufgelegt. Man merkt dem Titel an, dass zur Programmierung genügend Zeit zur Verfügung stand – hier bekommt ihr das rundeste Gears aller Zeiten. Auch die riesige Masse an neuen und verbesserten Multiplayer-Modi sorgt für genügend Langzeitmotivation. Allein der Arcade-Modus, der Vier-Spieler Koop oder das umfangreiche Ranking- und Belohnungssystem, dass jede eurer Aktionen vermerkt, würde bereits genügen. Doch schon in den aufgebohrten Horde- und den neuen Biest-Modus kann man sich monatelang verbeißen, und selbst wenn dies mal langweilig werden sollte, hat man immer noch den genialen Multiplayer, der dank der langen Vorlaufzeit und sicher auch der Beta-Phase mit dem besten Netzcode der Serie aufwartet. Ohne weiter lange Worte zu verschwenden, können wir euch nur raten - Kaufen!

Pro:

- bombastische Präsentation
- erstklassige Technik
- gewohnt gutes Gameplay
- 4-Spieler-Koop
- Umfangreiches Level- und Belohnungssystem
- genialer Horde-Modus
- neuer Biest-Modus
- aufgebohrter Versus-Multiplayer mit neuen Modi und stabilem Netzcode

Contra:

- mittelmäßige deutsche Synchro
- verwirrende Story, wenn man die Bücher nicht kennt
- schwacher Beginn der Kampagne

Spiel f�r die Ewigkeit!

Anfangs aufgrund des schwachen Beginns fast schon von der unveränderten Spielmechanik ernüchtert, hat mich Gears of War 3 dann doch noch ziemlich schnell gepackt und bis jetzt nicht wieder losgelassen. Die Kampagne und die neuen Landschaften gefallen mir nach dem eher schwachen zweiten Teil extrem gut, und zusammen mit der unglaublichen Anzahl an weiteren Spielmodi bin ich mir sicher, dass Epic mit Gears 3 den besten Teil der Serie abgeliefert und ein Spiel für die Ewigkeit geschaffen hat.

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