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Review

Jam with the Band



Jam with the Band

Neben der Bewegungssteuerung haben besonders Musikspiele in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Von Guitar Hero über Rock Band bis DJHero gibt es bereits unzählige Ableger, die kaum Wünsche offen lassen dürften. Nur auf den Handhelds sieht es bisher etwas mau aus – zwar gibt es die ein oder andere Portierung, so wirklich durchsetzen wollte sich dieses Genre auf den tragbaren Geräten aber nie. Mit „Jam with the Band“ unternimmt Nintendo nun einen nächsten Versuch, durch eine selbst kreierte Marke etwas vom großen Kuchen abzubekommen. Erfolgreich? Wohl eher nicht.

Barbara, who the fuck is Barbara?

Was erwartet man von einem Spiel, wenn die erste Figur, der man begegnet, eine in Latex gekleidet "Schönheit" ist, die auf den Namen "Barbara the Bat" hört? Da wir diesen Gedanken nicht ernsthaft weiterführen wollen, kommen wir gleich zum Punkt - Barbara ist die Eigentümerin eines Nachtclubs, in dem ihr als aufstrebender Musiker durch gute Auftritte das Publikum begeistern wollt. Das Spielprinzip ist dabei einfach und weicht nicht von anderen Musikspiel-Vorbildern ab: Im Rhythmus der Musik bewegt sich eine Markierung von links nach rechts über Symbole, die jeweils einer Taste des DS zugeordnet sind, die ihr dann im richtigen Moment betätigen müsst. Eure Reaktionsfähigkeiten werden dann mit einem good, ok, bad oder miss rating belohnt. Je nach Schwierigkeitsgrad variiert die Anzahl der gleichzeitig auf dem Schirm befindlichen Symbole von eins bis maximal zehn. Auch wenn es löblich ist, blutige Anfänger mit einem einzigen Symbol langsam an das Spielprinzip heranzuführen, so dürfte allerdings auch diesen das monotone drücken einer Taste im Rhythmus der Musik schnell langweilig werden. Ansprechender ist da schon der Amateur-Modus mit vier Tasten oder aber natürlich die Hardcore-Variante mit allen zehn Tasten. Allerdings hat die Wahl des Schwierigkeitsgrades keinerlei Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des Cursors, der sich leider etwas zu schnell über die Symbole bewegt, was besonders in hohen Schwierigkeitsgraden zu echtem Frust führt.



Grundsätzlich wird euer Frustpotential schon recht früh auf eine harte Probe gestellt. So richtig geht es im Karriere-Modus erst ab, wenn ihr den Pro-Modus erreicht habt. Das bedeutet allerdings einen fiesen Sprung von vier auf acht Tasten, der euch in Verbindung mit dem schnellen Cursor schnell an den Rand der Verzweiflung treibt. Erschwerend kommt noch die eigenartige Anordnung der Tonspuren hinzu. Diese laufen nicht etwa von oben nach unten, sondern von links nach rechts, was zur Folge hat, dass die Tonspur an der rechten Seite aufhört und rechts unten weitergeht. Oft müsst ihr die Symbole für eine gewisse Zeit gedrückt halten, und dank dieser verwirrenden Anordnung könnt ihr oft nicht abschätzen, wann es an der Zeit ist, loszulassen.

Playlist vom anderen Stern


Insgesamt bietet Jam with the Band 50 vorinstallierte Songs, via Wi-Fi könnt ihr noch weitere herunterladen. Komischerweise könnt ihr aber, sobald ein Song heruntergeladen wurde, diesen nicht mehr löschen. An sich kein Problem, da jedoch nur 50 Slots zur Verfügung stehen, müsst ihr euch gut überlegen, welche Songs ihr habe wollt. Ein echter Graus ist die Qualität der Songs, die nicht mehr viel mit den Originalen zu tun haben. Jeder wird lediglich in MIDI-Qualität gespielt und der Gesang wurde durch Instrumente ersetzt, sodass die Stücke mehr mit Fahrstuhlmusik als echten unterhaltsamen Nummern zu tun haben. Das macht sie überhaupt nicht hörenswert und erstickt leider jeglichen Anflug von Spaß, den ein Musikspiel eigentlich bringen soll, schon im Ansatz. Hinzu kommt, dass die Songs durch den Einsatz anderer Instrumente oft dermaßen entfremdet werden, dass man einfach nur schreien möchte. Wenn ihr Blink 182´s „All the Small Things“ mit traditionellen japanischen Instrumenten oder „Smoke on the Water“ in einer grauenhaften Jazz-Version mit Flöten und Saxophonen gehört habt, wisst ihr, was wir meinen. Auch die unausgewogene Songauswahl steht dem leider in nichts nach. In einem Moment spielt ihr noch „Slave 4 You“ von Britney Spears, während euch im nächsten Beethovens neunte Symphonie um die Ohren gehauen wird.

Songs könnt ihr entweder im Quick Play-Modus oder im spärlichen Karrieremodus zum Besten geben. Im Quick Play-Modus wählt ihr direkt euren Lieblingssong und eines von acht zu spielenden Instrument wie Schlagzeug, Gitarre oder Bass. Im Karrieremodus hingegen übernehmt ihr ausschließlich den Gesangspart, zudem wählt „Barbara the Bat“ die zu spielenden Songs für euch aus. Nachdem ihr diesen zum Besten gegeben habt, erhaltet ihr eine Bewertung – 85 Punkte und höher erhöhen euren Performance-Rang, bei 70 bis 84 Punkten bleibt ihr im aktuellen Rang und alles unter 70 lässt euch im Rang wieder fallen. Der in Sternen dargestellte Performance-Rang entscheidet über euren Fortschritt im Karrieremodus. Die ersten beiden Sterne erlauben es euch, im Beginner-Modus zu spielen, und wenn ihr euch gut schlagt, geht es mit drei Sternen in den Amateurmodus. Auf diese Weise arbeitet ihr euch die Karriereleiter bis in den unfassbar schweren Meister-Modus hoch, in dem ihr allen 10 Tasten eures DS einsetzen müsst. Leider habt ihr keine Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad selbst festzulegen. Schafft ihr einen gewissen Schwierigkeitsgrad nicht, geht’s auch nicht weiter. Habt ihr sehr gut gespielt, könnt ihr auch eine Zugabe geben, bei der ihr wieder einen anderen Song spielen müsst. Auch hier gilt: erhaltet ihr eine niedrige Bewertung oder brecht die Zugabe sogar ab, vermindert sich euer Rang. Wirklichen Lohn für die Mühen gibt es allerdings nicht: abgesehen von Barbaras Komplimenten gibt es keine Belohnungen oder freischaltbare Gegenstände.



Ist euch das bloße Tastengedrücke zu öde, könnt ihr dank des eingebauten Mikros auch in einem Karaoke-Modus mitsingen. Wie üblich wird der Text dabei in Karaoke-Manier auf dem Bildschirm angezeigt und ihr erhaltet Punkte für eure Leistung. Unverständlicherweise gibt es keinerlei visuelles Feedback in Form einer Linie oder ähnlichem an dem ihr seht, wie gut ihr seid, sodass ihr nur schätzen könnt, warum ihr an einer Stelle kaum Punkte erhaltet. Das Fehlen dieses Feedbacks macht die Karaoke-Funktion absolut sinnlos – genauso gut könntet ihr euch auch vor den Spiegel stellen und Songs aus dem Radio nachsingen. Und da ihr auch für den Karaoke-Modus keinerlei Belohnungen für gute Leistungen erhaltet, ist Motivation gleich ganz im Keller.

Heute schon gejammed?


Doch „Jam with the Band“ ist kein kompletter Totalausfall. Für einigen Spaß sorgt immerhin der Multiplayer-Modus, in dem sich bis zu acht Spieler zu einer Jam-Session treffen können. Dabei muss nur einer der acht ein Spiel besitzen – der Rest kann sich ganz einfach dazuschalten und jeweils ein Instrument übernehmen. Anstatt jedoch nur eine leisere Version der anderen Tonspur zu hören, wenn sich ein Spieler verspielt, hört ihr eine falsche Note. Auch wenn das realistisch sein mag, macht es das Ganze nicht unbedingt einfacher, da euer eigenes Spiel massiv irritiert wird. Im Gegenzug habt ihr allerdings auch wieder das Gefühl, gemeinsam mit euren Freunden wirklich Instrumente zu spielen, was bei erfolgreichem Abschluss eines Songs zu einem echten Hochgefühl werden kann. Und da kein Spieler zu schlechter Leistung aus dem Spiel geworfen wird, könnt ihr solange üben, bis ihr ein eingespieltes Team seid. Ladet ihr euch im Wii-Shop den Jam with the Band-Live-Kanal herunter, könnt ihr über eure Wii-Konsole sogar den Fernseher als Lautsprecher nutzen.

Braucht ihr eine Pause vom ständigen Spiel mit dem Rhythmus, könnt ihr im Musik-Editor auch eigene Songs komponieren. Im Anfänger-Modus gebt ihr Noten durch Summen oder über eine Touchscreen-Klaviertastatur ein und könnt euch im Nachhinein euer Werk anhören. Leider ist keine der beiden Eingabemethoden wirklich geeignet, Lieder zu komponieren. Die Erkennung via Mikrofon ist zu ungenau und die Klaviertastatur bietet nur eingeschränkte Möglichkeiten. Da nur eine Note pro Bildschirmberührung gespielt werden kann, könnt ihr beispielsweise keine Akkorde spielen. Zudem ist immer nur eine Oktave sichtbar. Dies lässt sich zwar durch eine Extra-Taste ändern, diese zu betätigen stört jedoch wiederum euren Spielfluss. Im Experten-Modus hingegen könnt ihr Noten direkt in Notenschrift eingeben. Bis zu acht Spuren stehen euch zur Verfügung, denen ihr jeweils ein eigenes Instrument zuordnen könnt. Die editier-Möglichkeiten sind etwas begrenzt, aber recht nützlich, wenn ihr schnell eine Idee festhalten wollt. Ihr könnt Passagen kopieren und woanders wieder einfügen und solltet ihr einen Fehler gemacht haben, könnt ihr diesen wieder schnell rückgängig machen. Dennoch lassen viele kleine Details den Expertenmodus unausgereift wirken. Ihr könnt euch entweder nur eine Instrumentenspur anhören oder alle gleichzeitig – wollt ihr ausschließlich wissen, wie Gitarre und Schlagzeug miteinander harmonieren, ist dies nicht möglich. Auch könnt ihr nicht die Lautstärke der einzelnen Spuren ändern und so verschiedene Instrumente übereinander legen. Anschließend könnt ihr euren Song hochladen – allerdings nur dann, wenn es sich um die Cover-Version eines bereits existierenden Songs handelt. Eigene Kompositionen werden nicht veröffentlicht.



Fazit:


Jam with the Band ist ein unterdurchschnittliches Musikspiel, das sich durch sein verwirrendes Layout entweder viel zu leicht oder viel zu schwer spielen lässt. Der Karrieremodus bietet keinerlei Ansporn bewältigt zu werden und sorgt aufgrund des plötzlich massiven Anstiegs des Schwierigkeitsgrades von vier auf acht Symbole für Frust. Auch die Präsentation weiß nicht zu gefallen. Angefangen beim eigenartigen Charakter der „Barbara the Bat“ über die grobe Grafik bis hin zu den grellen Farben ist es weit davon entfernt, auch optisch zu unterhalten. Auch beim Wichtigsten, den Songs, hat man völlig ins Klo gegriffen. Nicht nur bei der schlechten und mehr als fragwürdigen Zusammenstellung des Songkatalogs, sondern vor allem deshalb, weil es sich stets nicht um die Originale, sondern um Cover-Songs ohne Gesang handelt, die zum Teil noch schrecklich entstellt wurden. „Smoke on the Water“ in einer Jazz-Version zu bringen dürfte nicht als künstlerische Freiheit, sondern als Verbrechen gelten. Auch der Song-Editor bietet im Anfänger-Modus zu wenig und ist auch im Experten-Modus im Grunde nicht mehr als ein Notizblock, auf dem ihr eure Ideen festhalten könnt. Experten werden umfangreiche Editor-Optionen fehlen, während Anfänger überfordert werden. Habt ihr etwas musikalische Erfahrung oder Freunde, mit denen Ihr den Multiplayer-Modus nutzen könnt, mag Jam with the Band noch ein ganz kleines bisschen Spaß machen. Alle anderen sollten definitiv auf bessere Alternativen wie Guitar Hero zurückgreifen.


Positiv:

- 50 Songs, weitere stehen zum Download bereit
- spaßiger Multiplayer-Modus
- Song-Editor

Negativ:

- schlechte Playlist mit wenigen Genres
- schlechte Soundqualität
- keine Originalsongs, sondern nur Cover-Versionen
- unausgewogener Schwierigkeitsgrad
- schlechte Stimmerkennung via Mikrofon

Lieber zur Konkurrenz greifen!

Ich sag es ja nicht gerne, aber in diesem Fall hat sich Nintendo keinen Gefallen getan. Besonders die komische Aufmachung mit der pseudo-coolen "Barbara the Bat" hat mich eher abgeschreckt als interessiert. Zudem geht es gar nicht, wenn man bei einem Musikspiel an der Soundqualität der Songs spart. Da greife ich viel lieber zu Guitar Hero oder Rock Band!

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