Code Name: S.T.E.A.M. - Review

Code Name: S.T.E.A.M.

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Review
3DS
27
Ohne Frage besitzt Nintendo einige der merkwürdigsten IPs in der Welt der Videospiele, in etwa wenn es um italienische Klempner geht, die Schildkröten bekämpfen um Pilze zu retten, oder all die Geschichten um Weltraum-Füchse, rosa außerirdische Allesfresser oder um das Leben in einer Gemeinde aus sprechenden Tieren, überschattet von der immer größer werdenden Verschuldung eines kapitalistischen Waschbären gegenüber. Das neue Projekt von der Fire Emblem-Schmiede Intelligent Systems dürfte aber bisher rein vom Konzept her das bizarrste sein: der amerikanische Präsident Abraham Lincoln gründet in einem alternativen Steampunk-London des 19. Jahrhunderts ein Super-Team aus verschiedenen Charakteren der zeitgenössischen Literatur, um einen fähigen Widerstand gegen eine Alieninvasion aufzubauen. Präsentiert wird das ganze im Golden Age Comicbook Look der der späten 30er und frühen 50er Jahre. Klingt recht ausgefallen? Das ist es auch, vor allem wenn man dabei noch bedenkt, dass hier die seltene Mischung aus Third Person Shooter und Runden-Strategie bedient wird, die man aus Valkyria Chronicles kennt. Doch kann das Spiel mehr als nur eine wunderbar verrückte Idee aufstellen? Oder geht Code Name S.T.E.A.M. schnell der Dampf aus?
 

Steam up!

Letztere Frage war rhetorisch gemeint (und eher dazu da den offensichtlichen Wortwitz abzuklappern), aber finden wir trotzdem mal eine Antwort darauf: Ja. Zumindest was die reine Idee angeht. Es wird ziemlich schnell offensichtlich, dass Code Name: S.T.E.A.M. über seine verrückte Prämisse nicht über sich hinaus wachsen kann, was die Handlung, die Welt oder die Charaktere angeht. Obwohl man sich einer so reichen Auswahl aus ikonischer Literatur bedient, in etwa „Der Zauberer von Oz“, „Peter Pan“, „Die Abenteuer von Tom Sawyer“, „Die rote Tapferkeitsmedaille“ oder sogar H.P. Lovecrafts Werken, so findet man nie eine besonders große Bedeutung über besagte Einflüsse. Keiner würde wohl ein Videospiel erwarten, das inhaltlich diesen Werken gleich kommt, doch die Darstellung der verschiedenen Figuren wie Henry Fleming, Tiger Lily, die Kollektion an bekannten Oz-Figuren, ist schlichtweg sehr seicht und eindimensional. Wie es der visuelle Stil schon andeutet geht es mehr um den durchaus treffenden Humor und die Comic-Action, anstatt um die Handlung, aber es enttäuscht trotzdem etwas, dass die Figuren nie interessanter werden als den Namen und die literarische Herkunft, die sie mit sich tragen. Auch das Design der Aliens fällt insgesamt eher mau aus, dafür geben die bunten Farben und der Soundtrack genug her, um Code Name: S.T.E.A.M. optisch und musikalisch ansprechend zu gestalten. Besonders hervorzuheben ist dabei der Theme Song, der sich wie das Intro zu einem 80er Jahre Cartoon anhört, gespielt von einer klassischen amerikanischen Kapelle - es ist dermaßen albern, dass es einfach wieder exakt den richtigen Ton trifft.
 
Auch spielerisch entfernt sich Intelligent System ziemlich stark von ihrer Fire Emblem-Reihe. Insgesamt befinden sich pro Mission immer nur vier von zwölf möglichen Mitgliedern des Teams im Einsatz, wobei der Spieler frei nach Wahl mit seinen Figuren über das in Kästchen eingeteilte Feld ziehen darf. Obwohl die Perspektive an einen Third Person Shooter erinnert, ist der Bewegungsraum aber sehr eingeschränkt. Für jede Handlung verbrauchen die Alien-Bekämpfer nämlich Steam, so ist jedes bewegte Feld eine Einheit Steam wert, bei Angriffen jedoch ist der verbrauchte Dampf abhängig von dem Kaliber der Waffe. Große Granatwerfer verbrauchen bis zu drei, Gewehre ungefähr zwei und leichte Waffen eben nur ein Steam. Das Prinzip ist also denkbar einfach zu begreifen, die taktische Tiefe bleibt allerdings nicht aus. Eine Mechanik ist dabei besonders hervorragend, nämlich der Overwatch. Figuren, die am Ende ihrer Runde noch Steam zum Angreifen übrig haben, bleiben in Wachstellung und schießen automatisch auf sich annähernde Gegner, um diese zu betäuben oder gleich auszuschalten. So können sich Team-Mitglieder gegenseitig Rückendeckung geben, auch wenn sie gar nicht am Zug sind. Allerdings sind nicht alle Waffen für den Overwatch geeignet, in etwa die wirklich schweren Geräte, dafür sind diese besonders hilfreich, wenn auch die feindlichen Aliens per Overwatch in die Konterstellung gehen. Wer nämlich sich einfach in dessen Reichweite bewegt, dürfte dann eine böse Überraschung vorfinden. Mit Granaten und Raketen lässt sich wiederum über Hindernisse auf Gegner in Wachstellung schießen, ohne dass man sich in ihre gefährliche Sichtlinie bewegt. Dank den vielen weiteren Fähigkeiten der Figuren und immer neuen Gegnertypen kommen so mehr und mehr taktische Möglichkeiten ins Spiel, die die durchaus fordernden Kämpfe nie langweilig werden lassen.
 

Gedämpfte Freude

Hilfreich bei dem Prozess ist aber auch die Möglichkeit sein eigenes Team anzupassen. Nicht nur kann man aus den recht unterschiedlichen Charakteren mit jeweils anderen Schwerpunkten wählen, auch kann man jedem Teammitglied eine Zweitwaffe anvertrauen, die ziemlich bedeutend beeinflusst wie sich die jeweilige Figur in der Schlacht spielt. So wird aus Henry entweder mit einem Heilgewehr schnell ein ziemlich wehrhafter Sanitäter oder er schnappt sich ein Raketenwerfer, um noch aggressiver vorzugehen. Oder er legt mit einen Minenwerfer Fallen. In jedem Fall ist die Entscheidung ziemlich wichtig. Auch die Auswahl an unterschiedlichen Boilern hilft die Figuren etwas anzupassen, in etwa um so mehr Steampunkte oder mehr Verteidigung hinzuzufügen. Insofern kann man sich hervorragend für jede Mission vorbereiten - wenn das Spiel es auch zulassen würde. In der Tat verfolgt Code Name: S.T.E.A.M. eine recht merkwürdige „Keine Übersicht, keine Information“-Politik dem Spieler gegenüber. So gibt es während dem Kampf keine Übersichtskarten für die recht gut gestalteten Level, die mit ihren verschiedenen Ebenen und Engstellen sich perfekt dazu eignen taktische Kriege zu unterstützen. Soweit funktioniert das eigentlich ganz gut, immerhin muss man so selbst aus der Sicht der Figuren die Gegnerpositionen erkunden, doch leider gibt es auch kein Mission Briefing. Keine Information zu dem kommenden Gebiet, zu den Gegnern, zu irgendetwas, außer dem groben Missionsziel. Das nimmt dem Teammanagement eine ganze Menge Bedeutung, da man sich einfach nicht auf den kommenden Kampf vorbereiten kann. Erst nach dem Ausprobieren ist man schlauer und weiß dann, dass man sich auf die falsche Taktik verlassen hat. Das gleiche gilt auch für den Respawn von Gegnern. Diese können nämlich spontan neu auf dem Schlachtfeld erscheinen, ohne Ankündigung, ohne direkte Regel. Da dies während dem Gegnerzug passiert, dürfen diese neu erschienen Aliens auch zuerst ziehen und können sehr einfach so eine vorher gut platzierte Figur überrennen, ohne dass man die Möglichkeit hat zu reagieren. Somit haben gewisse Missionen einfach einen unangenehmen Trial & Error-Effekt, den man gerade in einem Strategiespiel nicht genießen kann. Schließlich geht geht es bei rundenbasierender Taktik vor allem um des Gewicht von Spielerentscheidungen, um das Bewerten aller Faktoren und der Ausführung der eigenen Taktik. Einfach neue Faktoren einzuführen, die der Spieler nicht vorhersehen und somit auch nicht bewerten kann, sorgt einfach für unnötig Frust.
 
Code Name: S.T.E.A.M. kommt auch mit einem Multiplayer-Aspekt daher, aber es ist nichts, was man wirklich empfehlen könnte. Der erste Spielmodus ist immerhin recht kurzweilig, da man gegen einen anderen Spieler antritt, aber nur 60 Sekunden Zeit hat zu ziehen. Das macht die Sache wesentlich schneller, aber auch weniger taktisch und strategisch. Eventuell kann man es wohl mit Speed Chess vergleichen. Mit Deathmatch und Medal Match hat man hier zumindest ein bisschen Auswahl, aber auf Dauer dürften die Blitzgefechte nicht wirklich unterhalten. Das gilt auch für den anderen Multiplayer-Modus, der beide Spieler in einen riesigen Kampfroboter zwingt, um sich gegenseitig darin zu verprügeln. Definitiv frei von Strategie und absolut actionorientiert, aber das spielt sich weder sonderlich gut noch macht es besonders viel Spaß. Notwendig ist das ohnehin nicht, immerhin bietet das Spiel für Solo-Strategen mehr als genug Futter, dass sich die Packung insgesamt rechtfertig.
 
 
 
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VOID

Fazit

Pro
+ Hübscher Golden Age Comic Stil
+ Tieftaktisches Kampfsystem
+ Vielseitiges Teammanagement
+ Effektive K.I.
Contra
Neue Gegner spawnen ohne Ankündigung -
Keine Möglichkeit sich auf Missionen vorzubereiten -
Charaktere und Handlung insgesamt eher unspannend -[/head]
HatWolf
Code Name: S.T.E.A.M. macht Spaß und ist fordernd… bleibt aber bei weitem hinter dem Potenzial zurück, das man aus diesem Konzept hätte schöpfen können. Ich applaudiere Intelligent System, dass sie sich an so etwas Verrücktes und Neues gewagt haben, aber es sind eben noch die rauen Kanten zu spüren, die neue IPs manchmal so mit sich tragen. Ich finde es gut, dass es keine Übersichtskarte gibt, das zwingt mich besser aufzupassen und tatsächlichen meine Charaktere als Scouts zu verwenden, aber ich finde es bedauerlich, vorher kein Mission Briefing erhalten zu haben, um eine Vorstellung davon zu bekommen was mich im Einsatz erwartet. Sonst könnte ich viel besser informierte Entscheidungen in der Teamzusammenstellung treffen, anstatt ins Blaue zu raten was ich wohl brauchen werde. Generell fühlen sich viele Missionen noch zu sehr nach Trial & Error an. Erst nachher weiß ich, dass ab einer gewissen Runde neue Gegnerwellen vom Norden her reinkommen, erst dann bemerke ich, dass ich Präzisionswaffen gegen die fliegenden Drohnen hätte gebrauchen können. Kurzum: Es fehlt noch der Feinschliff, der Code Name: S.T.E.A.M. zu einem ähnlich anspruchsvollen Strategiespiel wie Fire Emblem macht. Für Fans von fordernder Rundenstrategie ist aber trotzdem gesorgt, insofern können 3DS-Spieler gerne zuschlagen, um sich die Zeit bis zum nächsten Fire Emblem zu verkürzen.

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