In Japan stehen Wahlen bevor und im Endspurt sucht die vor allem bei jüngeren Wählern beliebte, populistische Partei "Sanseito" noch mal die Aufmersamkeit im politischen Diskurs.
Sanseito, was übersetzt so viel heißt wie "Partei der politischen Teilnahme“, ist eine Oppositionspartei, die in aktuellen Umfragen ca. 7% der Wählerstimmen gewinnen kann und damit zur drittgrößten Partei werden könnte. Auf ihrer offiziellen Webseite bezeichnet Sanseito die japanische Unterhaltungsindustrie als eine "Kernindustrie“ Japans und als "wichtige Werkzeuge der japanischen Kulturdiplomatie und internationalen Einflussnahme“.
Daher will die Partei die Branche mit mehreren Maßnahmen fördern. Einige dieser Vorschläge ähneln der bisherigen „Cool Japan“-Initiative der Regierung, die bestehende Fachkräfte besser ausbilden und auch internationale Fachkräfte nach Japan holen möchte. Kontrovers ist jedoch ihr Vorschlag, die "Übertragung der Zuständigkeit an die Agentur für Kulturangelegenheiten, um die gesunde Entwicklung von Manga, Anime und Games als Kultur sicherzustellen - und das nicht nach ökonomischen, sondern nach Werte-Maßstäben“.
Diese Formulierung stößt auf Kritik, weil sie sehr vage ist und staatliche Einflussnahme bis hin zur inhaltlichen Überwachung auf „Werteorientierung“ angedeutet wird. Deshalb hat die Haltung der Partei zum Thema Regulierung der Unterhaltungsindustrie deutlichen Unmut ausgelöst. Insbesondere im Kontext des zunehmend alternden und auf konvervativen Werten basierenden Japans in Verbindung des erst vor zwei Jahren angehobenen Schutzalters von 13 auf 16 Jahren ist die Diskussion über Sexualisierung von Teenagern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Viele jüngere Japaner befürchten dagegen staatliche Zensur und einen Eingriff in ihren persönlichen Lebensbereich.