Unbemerkt von vielen älteren Spielern galloppiert gerade das Mobile-Game Umamusume: Pretty Derby an vielen großen Releases vorbei und lässt dabei auch Persona 5: The Phantom X oder das System Shock 2 Remaster im Staub hinter sich. Die Gründe sind vielfältig: Natürlich sorgen schräge Titel wie "Move over, cat girls: horse girls are the new waifus" in den Medien für Aufsehen bei älteren Semestern, die mit Mobilespielen nicht so viel am Hut haben. Andererseits hat das Spiel auf Twitch wegen seiner eigensinnigen Aufmachung zwischen Management-Simulation, Pferderennen und japanischer Popkultur einen gewissen Kultstatus erlangt - zeitweise erreichte das Spiel 78.000 Zuschauer.
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Doch gerade die jüngere GenZ scheint vom Spiel angetan zu sein. Neben den inzwischen etwa 3 Millionen Downloads, wovon je über eine Million auf Android und iOS entfallen sowie geschätzte 680.000 Downloads auf Steam verbreitet sich auch die Lore hinter den Animemädchen mit Pferdeschwänzen auf Social Media. Sie macht vielen Menschen bewusst, wie hochsensibel die Tiere sind - und oft auch menschlicher, als man es auf den ersten Blick erwarten würde.
Besonders gut kommt die Story von "Haru Urara", dem ewigen Pechvogel, an. Dieses Rennpferd gewann von über 100 Rennen kein einziges, inspirierte aber dafür umso mehr Menschen. Das Pferd wurde zu einem Hoffnungsträger für alle, die im Leben Rückschläge erleiden, und inspirierte Menschen dazu, immer weiterzumachen. Gerade wenn das Leben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unüberwindbar scheinende Hürden aufstellt, identifizierten sich viele Japaner mit ihrer Geschichte und sahen in ihr ein Vorbild für das Prinzip des „Nichtaufgebens“ – „ganbaru“, das in Japan als wichtige Tugend gilt.
Auch die Lore hinter "Gold Ship" geht aktuell viral. Dieses Pferd war dafür bekannt, seinen eigenen Kopf zu haben: Mal war es wochenlang in Bestform und gewann ein Rennen nach dem anderen, nur um im nächsten Rennen das mit dem Rennen nicht so ernst zu nehmen und seine Fans um umgerechnet über 70 Millionen Euro Wetteinsätze zu erleichtern. Gold Ship war auch dafür bekannt, seinen eigenen "Chef", im Pferderennsport Jockey genannt, nicht besonders zu mögen und gerne schlecht gelaunt um sich zu treten. Nach der Verrentung des Rennpferds wegen mangelhafter Leistungen stellte sich raus: Das Pferd war physisch topfit, hatte aber schlicht keine Lust mehr auf seinen Job. Seine neue Aufgabe als Deckhengst, um gemeinsam mit diversen Zuchtstuten neue, temperamentvolle Rennfohlen zu zeugen, könnte mehr in seinem Sinn sein.
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Einige Fans des Spiels machen in ihrem Japanurlaub sogar Abstecher zu den Ranches der inzwischen verrenteten Rennpferde - manche stellen sich dabei so ungeschickt an, dass der Spielehersteller Cygames darauf aufmerksam macht, sich doch bitte an gewisse Benimmregeln zu halten, um die Pferde nicht zu erschrecken.
Die Gründe für den Erfolg des Spiels sind also nicht genau zu benennen. Sicherlich gibt es einige Hardcore-Japan-Fans, die die Animeaufmachung des Spiels und die Idol-Konzerte nach einem erfolgreichen Rennen feiern. Doch das alleine erklärt nicht die Millionen an jüngeren Fans im Westen. Das süchtigmachende Gameplay mit Management-Anteilen ist sicherlich ein Hauptfaktor. Die mediale Komponente über Twitch spielt ebenso eine große Rolle, aber auch die tollen Storys der Charaktere, die an reale Ereignisse angelehnt sind, können begeistern. Auf Social Media tippen viele Millenials auf einen anderen Grund: Die sorglose, unbeschwerte Aufmachung des Spiels mit den chaotischen Geschichten, die das echte Leben schreibt. Die inzwischen bärtigen Bronys erinnert das ganze an die Zeit, als "My Little Pony: Friendship is Magic" zum breiten Phänomen wurde.