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Morphite - Das bessere No Man's Sky?

...und Metroid Prime 64 im Geiste.

Mittwoch, 29. November 2017 um 01:01 von MeanMrMustard

Wie viele Bugs und kleine Unfeinheiten kann ein Spiel aushalten? Im Falle von Morphite sind das so einige. Das Spiel ist, zumindest in der Switch-Fassung, technisch alles andere als sauber. Die Problemchen belaufen sich größtenteils auf Dinge, bei denen ich mir ums ein oder andere Mal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe. „Wie konnte den Testern sowas nur entgehen!?“ Und dennoch hatte ich unheimlich viel Freude an dem Spiel. Wieso?

Die Entwickler von Morphite, Crescent Moon Games, sagen selbst, dass das mittlerweile 15 Jahre alte Metroid Prime einer ihrer größten Einflüsse für Morphite ist. Und wer mich nur halbwegs kennt, weiß, dass ich bei der Erwähnung des Namens „Metroid Prime“ sofort alles stehen und liegen lasse, um die Lage zu prüfen. (Ich Trottel hab mir sogar eine Xbox One gekauft, nur um ReCore zu spielen – schließlich war Mark Pacini, der Director der Metroid Prime-Trilogie, bei ReCore einer der Leiter des Entwicklungsprozesses.)
Tatsächlich fühlt sich Morphite zuweilen ein wenig an wie Samus’ erstes Abenteuer in der dritten Dimension. Nicht nur vermittelt das Spiel dieselbe Atmosphäre von Isolation sowie das Mysterium, verlassene Planeten zu erkunden. Es bietet auch leichte Metroidvania-Elemente in Form von Items, welche dem Spieler neue Spielabschnitte eröffnen - und das bei einer spielerischen Grundstruktur, die in vielerlei Hinsicht No Man’s Sky entlehnt wurde.


No Man’s Sky für Arme?






Morphite ist sozusagen ein „No Man’s Sky für Arme“. Allerdings nicht, weil das Spiel (noch) schlechter ist als der 2015er Hype-Titel. Sondern viel mehr, weil es eine rundum bessere Spielerfahrung als No Man’s Sky bietet – und das zu einem Viertel des Launch-Preises von No Man’s Sky.
Ähnlich wie in No Man’s Sky reist die Protagonistin von Morphite, Myrah Kale, von Planet zu Planet, um dort nach der seltenen Ressource mit dem titelgebenden Namen „Morphite“ zu suchen. Die Story ist vergleichsweise oberflächlich und wird zwischendurch mittels kurzer Cutscenes vermittelt. Hört man sich die Synchronsprecher des Spiels an, merkt man sofort, dass das Budget von Morphite nicht ansatzweise so groß war wie das Vermögen, welches Hello Games für No Man’s Sky zur Verfügung stand. Die Darbietungen der Sprecher klingen nach Playstation 1-Ära-Trash der besten Sorte. Es wird allerdings nie so schlimm, dass die Story ihren liebenswerten B-Movie-Charme verlieren würde.

Die Planeten, die Myrah auf ihrer Suche nach Morphite durchstreift, sind größtenteils zufallsgeneriert und dienen vor allem dem Beschaffen der Ressourcen, die zum Upgraden der Ausrüstung notwendig sind. Der entscheidende Punkt, in dem sich Morphite von No Man’s Sky unterscheidet, sind die storyrelevanten Planeten. Diese sind nicht zufallsgeneriert, sondern stattdessen handgemacht mit einigen leichten Rätseleinlagen, Platforming-Abschnitten und sogar Bosskämpfen ausgestattet. Die meisten dieser handgefertigten Herausforderungen sind zwar relativ seicht, verleihen Morphite aber trotzdem deutlich mehr Abwechslungsreichtum, als ein komplett zufallsgeneriertes Leveldesign es ermöglichen würde. Noch dazu sind die besagten Planeten äußerst hübsch und einzigartig gestaltet, sodass sie sich visuell deutlich von den zufallsgenerierten Himmelskörpern abheben. Generell ist die grafische Gestaltung von Morphite wunderschön. Trotz (oder gerade wegen) der Low-Poly-Optik des Spiels hat das Spiel einen einzigartigen Look und kann, trotz des geringen Budgets, aufwendige Welten darstellen. In gewisser Hinsicht erinnert Morphite manchmal an das Metroid-Spiel fürs Nintendo 64, welches wir nie bekommen haben. Vielleicht hätte Metroid Prime ungefähr so ausgesehen wie Morphite, wäre es für Nintendos 64-Bit-System erschienen... nur eben mit ein bisschen mehr Nebel.

Während der knapp sieben- bis zehnstündigen Hauptstory des Spiels findet Myrah allerlei neue Ausrüstungsgegenstände, die ihr das Vorankommen auf anderen Planeten ermöglichen. Neue Waffen, einen Grapple Beam-ähnlichen Enterhaken... Das klassische Metroidvania-Prinzip eben. All diese spielerischen Konzepte, deren Integration die Entwickler sich als Ziel gesetzt haben, sind sinnvoll integriert und ergeben zusammen ein unheimlich atmosphärisches sowie frisches Weltraum-Abenteuer. Einige Leser werden jetzt wahrscheinlich vorm Bildschirm sitzen und sich denken: „Oh mein Gott! Ein besseres No Man’s Sky mit Metroidvania-Elementen? Wo war dieses Spiel mein ganzes Leben lang? Das klingt alles viel zu gut!“
Und ja, ihr habt recht. Das klingt tatsächlich alles ein wenig zu gut.


Wo war das QA-Team?



Auch wenn ihre Inszenierung eher langweilig ist, bringen
die Bosskämpfe eine willkommene Abwechslung ins Spiel.



Die manuelle Steuerung des Schiffs ist leider
nur in bestimmten Situationen möglich.

Man merkt Morphite sein geringes Budget an allen Ecken und Enden an. Besonders im späteren Spielverlauf scheint dem Entwicklerteam das Geld für die Qualitätssicherung ausgegangen zu sein. Allein die unzähligen Fälle unsauberer Hitboxen sowie schlampiger Kollisionserkennungen hätten sogar einem Blinden auffallen sollen. Unzählige Male habe ich direkt auf Gegner geschossen und sie trotzdem – scheinbar – nicht getroffen. Etliche Level ließen mich durch Elemente der Kulisse einfach so hindurchlaufen, als wären diese Luft. Manchmal bin ich sogar glatt durch den Boden gefallen, wie im im Schattentempel aus Zelda: Ocarina of Time. In den schlimmsten Fällen ist das Spiel einfach komplett abgestürzt.

Und diese Schlampereien waren nur die Spitze des Eisbergs. Ein weiterer Makel ist z.B. die Gegner-KI, die so strunzdumm ist, dass sie immer nur frontal auf den Spieler zustürmt – egal, ob er sich auf einem unerreichbaren Vorsprung befindet oder nicht. So kann man die meisten Gegner des Spiels einfach von einer vorteilhaften Position abgrasen. Selbst die Bosskämpfe sind eher rudimentär und nicht sonderlich spannend.

Deutlich weniger angenehm als die Schwächen im Kampfsystem sind die ungenauen Platforming-Abschnitte im späteren Verlauf des Spiels. Das liegt vor allem daran, dass Protagonistin Myrah immer erst ein wenig verzögert nach dem Druck des A-Knopfes springt. Aber naja... allein, dass der A-Knopf, statt des B-Knopfes auf der Switch fürs Springen zuständig ist, zeigt, dass jemand im zuständigen Port-Team seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Auch die kaum vorhandene Zielhilfe sorgt beim Zielen per Control-Stick für eher ungenaue Manöver. Immerhin haben die Entwickler auf Twitter das Nachreichen von Gyro-Aiming per Patch versprochen – löblich! Wenn sie schon dabei sind, sollten sie auch gleich das sperrige Waffenauswahlmenü beheben. Dieses lässt den Spieler jedes Mal im Schneckentempo durch eine vertikale Liste seines Arsenals wandern, bis er die gewünschte Waffe auswählen kann.

Das war jetzt eine ziemliche Tirade über die Mängel, so kurz nach meinem großen Lob für Morphite. Ob man es glauben mag oder nicht – Morphite hat mir entgegen seiner unzähligen Macken immer noch sehr gut gefallen. Zwar waren vor allem die vereinzelten Komplettabstürze unheimlich ärgerlich. Aber im Großen und Ganzen überzeugt Morphite immer noch durch sein originelles Spielkonzept sowie seine einzigartige Atmosphäre. Es ist ein wenig kurios... Gewissermaßen wirkte Morphite durch seine vielen kleinen Schwächen in der Gesamtheit sogar charmanter. Selbstverständlich wäre mir ein perfekt poliertes Spiel lieber gewesen. Aber keine von Morphites Schwächen war so störend, dass sie die Gesamterfahrung signifikant heruntergezogen hätte.

Man merkt dem Spiel an, dass es ein ambitioniertes Projekt ehrgeiziger Menschen ist. Die Entwickler wollten ein vergleichsweise kleines Budget in ein gewaltiges Spiel verwandeln. Nicht jedes Spiel muss an der Perfektion kratzen, um seine Zielgruppe zu überzeugen. Vielleicht machen die kleinen Mängel sogar einen kleinen Teil des Charmes von Morphite aus. Denn auch No Man’s Sky war alles andere als perfekt. Allerdings lagen die Fehler in dessen aufgeblähter Produktion an einer völlig anderen Stelle. Sowohl das Marketing, als auch die grundlegende Spielstruktur von No Man’s Sky waren eine mittelschwere Katastrophe. Morphite dagegen fühlt sich nicht nur zielgerichtet sowie konzeptionell kompetent, sondern vor allem menschlich und ehrlich an. Vielleicht ist es das, was mich an Morphite im direkten Kontrast zu No Man’s Sky so sehr fasziniert hat.

Trotz all der Mäkel war das Durchstreifen des Morphite-Universums immer noch eine aufregende und zugleich entspannende Spielerfahrung. Vor allem im Handheld-Modus der Switch, in dem das Spiel, entgegen sonstiger technischer Unfeinheiten, komplett ruckelfrei läuft, ist Morphite ein wunderbar atmosphärisches Weltraum-Abenteuer für Zwischendurch. Es mag einige technisch bedingte Frustmomente mit sich bringen. Aber es kommt nur selten zu diesen typischen „Ich würde das Spiel am liebsten in die Ecke schmeißen!“-Momenten, welche man aus anderen unsauberen Spielen kennt. In dieser Hinsicht gleicht das simple Grundgameplay des Spiels die technischen Unfeinheiten aus.

Deshalb ist Morphite für seinen recht günstigen Preis durchaus einen Blick wert – vor allem, wenn man auf Weltraumerkundung mit einzigartiger Ästhetik steht. Vielleicht sind die anderen Versionen des Spiels für PS4, Xbox One, PC, iOS oder bald auch Android ja sogar ein wenig sauberer programmiert als die Switch-Fassung.


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