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Review

Hey! Pikmin

Pikmin ist eine dieser Nintendo-Franchises, die nur alle paar Jahre mal für eine kurze Zeit im Rampenlicht stehen. Bisher gibt es nur drei Teile der Reihe: Pikmin (2001), Pikmin 2 (2004) und dann nach fast zehnjährigem Hiatus Pikmin 3 (2013). Alle drei Spiele waren absolute Meisterwerke, die von Fans und Presse zurecht mit Lob überschüttet wurden. Und obwohl alle Spiele einander recht ähnlich waren, fühlte sich jedes – allein durch die Zeit, die zwischen jedem Release verging – erstaunlich frisch an. Es gibt einfach kaum ein anderes Spiel, welches mit Pikmin vergleichbar wäre und gleichzeitig den Qualitätsstandard und den Charme von Miyamotos Zögling einfangen könnte. Da wirkt es relativ gewagt, diesen bisher makellosen Lebenslauf der Spielereihe durch ein Spin-Off zu erweitern. Vor allem, wenn sich dieses weit von den Gameplay-Wurzeln der Reihe entfernt und ausrechnet von Arzest, dem Entwickler des recht durchschnittlichen Yoshi’s New Island entwickelt wird. Aber man sollte ein Entwicklerteam nie anhand eines einzigen Spiels verurteilen – vor allem nicht, wenn dieses kein totaler Fehlschlag war. Vielleicht konnten Arzest bei Hey! Pikmin ja endlich ihr volles Potenzial entfalten.

Auf Wiedersehen, Strategie...


Die ursprüngliche Pikmin-Trilogie war in erster Linie dem Strategie-Genre zuzuordnen. Die Spiele entsprachen weder den klassischen Mustern des Echtzeit- noch des rundenbasierten Strategie-Genres, aber dennoch waren sie unumstößlich Strategiespiele mit Anleihen eines Action-Adventures. Hey! Pikmin wirft diese etablierte Formel nun komplett über Bord und lässt uns das Pikmin-Universum aus der Perspektive eines 2D-Puzzle-Platformers erleben. Konkret bedeutet dies, dass das Spiel in diverse einzelne Level und Welten unterteilt ist. Diese darf der Spieler, wie in einem Mario-Spiel, auf einer klassischen Oberwelt-Karte, inklusive geheimer Levelausgänge und Bonuslevel, ansteuern.
Infolge des deutlich lineareren Spielablaufs fallen auch typische Pikmin-Spielelemente wie das Aufziehen der Pikmin-Kolonie, sowie das Erkunden einer großen Landschaft komplett weg. Anstatt seine Pikmin-Armee durch das Tragen von Beute zur Zwiebel zu erweitern, bekommt man diesmal in jedem Level automatisch 20 Pikmin zugeteilt, welchen man im Verlauf des Levels begegnet. Das erfolgt dann meist in Begleitung kurzer, humorvoller Cutscenes, die ein wenig an die Pikmin Short Movies erinnern. Diese charmanten, kleinen Sketche erschaffen zumindest ein Minimum an emotionaler Bindung zu den kleinen Wesen.





Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass durch ein solches Beschenken des Spielers mit neuen Pikmin-Einheiten das Risiko im Spiel stark gelindert wird. War man in den originalen Pikmin-Spielen noch stets bemüht, abzuwägen, wie viele Pikmin man in einen gefährlichen Kampf mitnehmen sollte, darf man in Hey! Pikmin ohne Rücksicht auf Verluste seine kleinen Kumpane in ihren sicheren Tod schicken. In den meisten Situationen ist es sogar unmöglich, dass die Anzahl der Pikmin auf Null sinkt, da im Falle eines absoluten Pikmin-Genozids, automatisch vier neue Pikmin im nächsten Busch aufploppen. Und damit keine Missverständnisse auftreten: Man muss sich als Spieler schon wie die Axt im Walde verhalten, um in diesem Spiel auch nur annähernd all seine Pikmin zu verlieren, geschweige denn Captain Olimars Tod herbeizuführen.
Dadurch, dass die Pikmin nur in Gruppen von maximal zwanzig Einheiten als Wegwerfmaterial zur Verfügung gestellt werden, tritt allerdings nicht nur die emotionale Ebene in den Hintergrund. Es bleiben auch die spannenden „Alles oder nichts“-Momente der Haupt-Trilogie aus, in denen man vollen Mutes mit einer hundertköpfigen Pikmin-Amarda in einen Bosskampf gestürmt ist (und am Ende um jeden gefallenen Pikmin getrauert hat).
Natürlich ist das Überleben der Pikmin auch in Hey! Pikmin nicht völlig unwichtig. Ganz im Gegenteil – für Spieler, die in jedem Level die 100%-Medaille verliehen bekommen wollen, ist das Überleben der Pikmin sogar essentiell. Denn nur so ist es möglich, am Ende sämtliche Rätsel in den Levels zu bewältigen, an alle Schätze zu kommen und etwaige geheime Ausgänge zu finden.

Und wo gerade die Rede von Schätzen ist: Das Hauptziel des Spiels besteht darin, 30.000 Einheiten des fiktiven Rohstoffs „Glitzerium“ zu finden. Denn vorher wird Olimar nicht imstande sein, den Planeten zu verlassen, auf dem er mal wieder eine Bruchlandung hingelegt hat. Ja, das war eben die Abhandlung der Story des Spiels – sie ist allenfalls zweckmäßig, aber immerhin auch nicht störend.
Die benötigten 30.000 Glitzerium-Einheiten sammelt Olimar entweder durchs Einsammeln schnöder schwebender Glitzerfrüchte oder aber durch das Entdecken seltener Schätze. Diese bestehen – wie üblich für Pikmin-Spiele – aus menschlichen Alltagsgegenständen, welche für den nur wenige Zentimeter großen Captain Olimar genauso gigantisch wie rätselhaft erscheinen. Auf den ersten Blick klingt diese „Sammle 30.000 Glitzerium-Einheiten“-Prämisse des Spiels nach einem Novum für die Reihe. Es klingt so, als könne der Spieler das Spiel früher abschließen, wenn er besonders gut spielt und besonders viele Schätze findet. Womöglich muss man nicht einmal sämtliche Level bereisen, sollte man schon nach zwei Dritteln des Spiels die für den Abschluss nötigen Ressourcen beisammenhaben. Doch falsch gedacht. Sobald der Spieler 30.000 Einheiten Glitzerium beisammenhat, wird Olimar klar, dass er noch ein letztes, essentielles Raumschiffteil für seine Abreise benötigt, welches sich natürlich im letzten Level befindet. Wieso bauen die Entwickler also diese rückblickend völlig irrelevante Suche nach dem Glitzerium als zentralen Plot-Punkt ein? Vor allem, wenn der Spieler an jeder Ecke so vehement mit der „seltenen“ Ressource überschüttet wird, dass es an ein Kunstwerk grenzt, nicht bereits nach dem zweiten Drittel des Spiels die für die Abreise benötigte Menge beisammen zu haben?

Doch das Glitzerium, egal wie sinnvoll oder sinnlos es auch sein mag, ist ohnehin eher Beiwerk. Sein einziger wahrer Nutzen besteht darin, ab und an kleinere Upgrades für Olimar, wie zum Beispiel eine größere Lebensenergieleiste, freizuschalten. Der wahre Spaß und die wahre Herausforderung des Spiels bestehen darin, in den verwinkelten 2D-Levels nicht das Glitzerium, sondern die zwei bis drei geheimen Schätze pro Level zu finden.


Pikmin Mass Attack








Doch nun erstmal zum Kerngameplay von Hey! Pikmin. Wie schon erwähnt, handelt es sich bei diesem Spiel um einen Puzzle-Platformer, in dem Olimar zweidimensionale Höhlenkomplexe erkundet. Dabei greift er auf die Hilfe der Pikmin zurück, welche er nach Belieben umherschleudern kann. Je nachdem, wohin Olimar die Pikmin schleudert, vollführen diese unterschiedliche Manöver. Schleudert er sie auf einen Gegner, greifen die Pikmin diesen an. Schleudert er sie auf einen Schatz, transportieren die Pikmin diesen Schatz zu Olimar. Der Aktionsspielraum Olimars orientiert sich also ziemlich nah am Vorbild der großen Pikmin-Spiele – nur diesmal eben in 2D. Das Werfen der Pikmin erfolgt äußerst präzise und flott per Druck auf den Touchscreen. Hey Pikmin! Ist demzufolge eines der wenigen 3DS-Spiele, in denen die Action fast ausschließlich auf dem unteren Bildschirm stattfindet. Jede der insgesamt fünf im Spiel vertretenen Pikmin-Arten verfügt über ihre üblichen charakteristischen Eigenschaften. Rote Pikmin sind feuerresistent und besonders starke Kämpfer. Gelbe Pikmin sind immun gegen Elektrizität und können besonders hoch geworfen werden. Blaue Pikmin sind die einzigen Pikmin, die schwimmen können. Die grauen Fels-Pikmin sind als Wurfgeschoss äußerst effizient und können mit ihrem Körper sogar Kristalle zertrümmern. Die zierlichen, pinken Flügel-Pikmin vermögen zu schweben und können Olimar gezielt und unter voller Kontrolle des Spielers Abgründe hinabtragen.
Olimar selbst ist, auf sich allein gestellt, eher weniger agil. Sein Lauftempo ist gemächlich und auch springen kann er überhaupt nicht. Er ist aber dazu imstande, Ranken und kleinere Treppchen emporzuklettern und verfügt sogar über ein Jetpack, das ihn über kleinere Abgründe tragen kann. Benutzt er sein Jetpack, lässt er allerdings sämtliche flügellosen Pikmin zurück. Dies ermöglicht einige seltene Nebenabschnitte, in denen Olimar auf sich allein gestellt ist und im Zuge einer kurzen „Fly n Run“-Passage einen Schatz aufstöbern darf. Diese kleinen Ego-Trips sind aufgrund der trägen Steuerung des Captains zwar nicht unbedingt spaßig, bringen, aufgrund ihrer geringen Dosierung, aber immerhin ab und an ein wenig Abwechslung ins Gameplay.
Anders als die eher zweckmäßige Steuerung des Captains per Circle-Pad, funktioniert das Werfen der Pikmin per Touchscreen absolut hervorragend. Es ist äußerst befriedigend, wie eine Sprinkleranlage Pikmin umherzuschleudern. Grundsätzlich gilt außerdem, dass Olimar die Pikmin so schnell werfen kann, wie der Spieler es schafft, auf den Bildschirm zu tippen. Dadurch fühlt sich das Werfen der Pikmin sehr direkt und präzise an und es ist einiger Raum zur Optimierung der Zielfertigkeiten offen.
Hat man die Pikmin erstmal davongeschleudert, darf man sie entweder per Trillerpfeife zurückpfeifen oder darf darauf hoffen, dass die kleinen Tierchen von selbst zu ihrem Anführer zurückkehren. In den meisten Fällen funktioniert dies, aufgrund der ausreichend kompetenten KI der Pikmin, ganz gut. Manchmal kommt es allerdings doch vor, dass ein einzelner Pikmin zu dumm ist, den Weg um eine bestimmte Ecke zu finden. Dadurch wird der ohnehin schon langsame Spielfluss unnötig ausgebremst. Besonders ärgerlich ist sowas, wenn ein Pikmin an einer Ecke hängenbleibt, zu der Olimar selbst nicht mehr zurückkehren kann, um ihn zu holen. Das bedeutet dann nämlich, dass der verirrte Pikmin dem Tode geweiht ist und dem Spieler automatisch seine perfekte Wertung und die Gold-Medaille für den jeweiligen Level kostet.
Ebenfalls frustrierend ist, dass geworfene Pikmin auf dem Rückweg zu ihrem Captain gnadenlos in jeden Gegner hineinrennen, der auf dem Weg liegt. Und es gibt keinen Weg, dies zu verhindern, außer besagten Gegner binnen Millisekunden zu besiegen, was oftmals nicht möglich ist. In Hey! Pikmin reicht es nämlich, anders als in den Hauptteilen, den Körper eines Gegners zu berühren, um den Tod eines Pikmin herbeizuführen. Dadurch gibt es in einem eigentlich ziemlich einfachen Spiel kaum Raum für Fehler, wenn der Spieler wirklich auf die absoluten 100% aus ist. Die Bewertung eines Levels in Hey Pikmin funktioniert so ähnlich wie in den Yoshi’s Island spielen: Man kann sämtliche Collectibles gesammelt haben und unbeschadet durch einen Level gekommen sein. Wenn man aber kurz vor der Ziellinie einen kleinen Käfer antippt, heißt es, dass man für die absoluten 100% (sprich: die „Perfekt“-Wertung) den kompletten Level neu starten muss. Und auch wenn diese Goldmedaille am Ende des Levels das Vorankommen im Spiel oder das Sammeln der Schätze in keiner Weise beeinflusst, dürfte diese unnötige Frustration, gepaart mit dem ohnehin schon langsamen Spieltempo, einige Komplettionisten zur Weißglut treiben.

Spielt man allerdings geschickt, lassen sich die Kämpfe gegen die meisten einheimischen Tierwesen ziemlich einfach bewältigen. In geschätzt 80% der Fälle reicht es aus, die Pikmin einfach nur auf den jeweiligen Gegner zu schleudern, um diesem den Garaus zu machen. In den restlichen 20% muss man noch einige Sekunden warten, um den richtigen Zeitpunkt für einen Wurf abzupassen oder zu einem bestimmten Pikmin-Typ wechseln. Ein wenig mehr Komplexität wäre hier wünschenswert gewesen.
Auch die Rätsel des Spiels lassen sich zu großen Teilen einfach dadurch lösen, dass man seine Pikmin auf das einzige Objekt schleudert, mit dem man gerade interagieren kann. Manchmal muss man minimal mehr Nachdenken, aber Hey! Pikmin bewegt sich bei seinen Puzzles nicht annähernd auf dem Niveau anderer Puzzle-Platformer. Häufig besteht die Aufgabe also schlicht darin, einen Steinblock zu verschieben, einen Sandblock zu zerschmettern oder eine hängende Ranke hinabzuziehen, um sie anschließend zu erklimmen. Auch die verschiedenen Pikmin-Arten werden zu keiner Zeit effizient zur Rätsellösung benutzt. Meistens bekommt man pro Level sogar nur eine einzige Pikmin-Art zur Verfügung gestellt, wodurch jegliches Management der verschiedenen Pikmin-Arten in diesen Leveln wegfällt. Wenn es mal einen Level mit Wasser gibt, kann der Spieler sich also ziemlich sicher sein, dass die Entwickler ihm hier ausschließlich blaue Pikmin zur Verfügung stellen.
Grundsätzlich gibt es in den insgesamt acht Welten des Spiels, welche mit jeweils fünf Leveln und einem Bosskampf daherkommen, nicht annähernd genug Abwechslung, um auf Dauer unterhalten zu können. Nicht nur spielerisch, sondern auch thematisch gleichen sich die meisten Welten so sehr, dass Puzzle- und Gegnerdesign sich im gesamten Spielverlauf nur schleichend weiterentwickeln. Hier hätte man lieber viele durchwachsene Level zu wenigen abwechslungsreichen Leveln zusammenfassen sollen. Zu kurz ist Hey! Pikmin mit seinen knapp zehn Stunden Spielzeit zum einfachen Durchspielen ohnehin nicht.

Will man sämtliche Schätze und den geheimen Ausgang jeder Welt entdecken, ist man aber allerhöchstens wenige Stunden länger mit dem Spiel beschäftigt, da die meisten Geheimnisse des Spiels für halbwegs erfahrene Spieler viel zu offensichtlich versteckt sind. Das Einzige, was den Spieler davon abhält, gleich alles im ersten Durchlauf zu sammeln, sind die zahlreichen Einwegpassagen, wie zum Beispiel tiefere Abhänge, die es dem Spieler verbieten, in frühere Abschnitte eines Levels zurückzukehren, ohne es neu zu starten.
Neben den Standard-Levels gibt es noch einige Bonus-Level auf der Weltkarte, in denen der Spieler ein wenig Glitzerium oder eine Hand voll zusätzlicher Pikmin für den Pikmin-Park sammeln kann. Diese Bonus-Level bestehen allerdings stets nur aus einem einzigen Raum und sind in ihrer Herausforderung so trivial, dass die geringe Belohnung den Aufwand nicht belohnt.

Der gerade eben erwähnte Pikmin-Park ist nicht mehr als ein kleines Beiwerk zum Spiel, das man sozusagen als „Farmville Lite“ beschreiben könnte. Es handelt sich hierbei um einen Garten, in dem sämtliche Pikmin, welche die Hauptlevel überlebt haben, gelagert werden. Dort können sie dann, ähnlich wie in einer kleinen Mobile-Aufbausimulation fünf vorgeschriebene Gebiete im Garten nach Glitzerium und Schätzen abernten. Was erstmal recht unschuldig klingt, ist spielerisch allerdings so absolut anspruchslos, dass man die ständigen Meldungen darüber, was gerade im Pikmin-Park geschehen ist, eher als störend wahrnehmen dürfte. Das Abernten jedes Gebiets erfordert jeweils eine bestimmte Zeit. Allerdings reicht es, stets den passenden Pikmin-Typ seinem passenden Arbeitsbereich (beispielsweise blaue Pikmin zum Teich) zuzuordnen, um einige Stunden vor Ende des Spiels den kompletten Garten abgeerntet zu haben. Und wofür das Ganze? Für das wertvolle Glitzerium, in dem Captain Olimar ohnehin schon ertrinkt.

Olimar lässt es sich übrigens auch in Hey! Pikmin nicht nehmen, wie gewohnt, zu jedem gefundenen Schatz und neuen Gegnertypus einige ulkige Kommentare in seinem Journal festzuhalten. Wie schon in der Hauptreihe ist seine Sichtweise auf die Artefakte, die er im Laufe des Abenteuers findet, oftmals so kreativ, dass es durchaus lohnenswert ist, einen Blick auf diese optionalen Texte zu riskieren.


Der Pikmin-Charme


Die vielleicht größte Stärke des Spiels ist der typische Pikmin-Charme, der auch in Hey! Pikmin ziemlich gut eingefangen wird. Die Körpersprache, die minimalistische Mimik, sowie die charakteristischen Laute der Pikmin verleihen den Wesen, trotz der Art und Weise, auf die das Gameplay sie behandelt, viel Persönlichkeit. Die kurzen Cutscenes bei Begegnungen mit neuen Pikmin-Grüppchen in jedem Level haben zwar das Potenzial, einige Spieler auf Dauer zu nerven, wissen zuweilen aber auch ein Schmunzeln zu entlocken. Beim erneuten Durchspielen eines Levels sind die Cutscenes zum Glück komplett überspringbar.
Auch die Areale selbst versprühen ein angemessenes Maß typischer Pikmin-Atmosphäre - selbst wenn man sich zu sehr großen Anteilen des Spiels nur über Wiesen und durch Höhlen bewegt. Grafisch mögen die Level in Hey! Pikmin nicht annähernd so detailliert sein, wie die von Pikmin 3. Auch der Immersionsgrad ist hier nicht demselben Level, auf dem er schon in Pikmin 1 auf dem Gamecube war. Aber die hübschen Hintergründe und einige verspielte Effekte, wie Sonnenstrahlen, die sich von oben herab über beide Bildschirme des 3DS ergießen, sind zumindest ganz ansehnlich.
Schade ist, dass Hey! Pikmin komplett ohne den 3D-Effekt des 3DS daherkommt. Das ist jedoch verständlich, da durch die Touchscreen-Steuerung der Hauptteil des Gameplay auf dem unteren Bildschirm stattfindet. Da würde das Darstellen des oberen Level-Bereichs in stereoskopischem 3D nur zu einer irritierenden Dissonanz führen. Immerhin haben die Entwickler aber daran gedacht, sämtliche HUD-Elemente, so gut es geht, auf den oberen Bildschirm auszulagern, sodass sie der Immersion so wenig, wie möglich, im Wege stehen.

Wie schon das visuelle Design, fangen auch der Soundtrack und das Sounddesign die Pikmin-Atmosphäre gekonnt ein. Das Spiel kommt mit einer angenehmen Anzahl verschiedener Musikstücke daher, welche sich aber eher im Hintergrund halten und nicht an das Ohrwurmpotenzial der Soundtracks der Haupt-Trilogie heranreichen.


Pro:


+ Darstellung der Pikmin ist verspielt und charmant
+ Werfen der Pikmin per Touchscreen sehr präzise
+ viele versteckte Schätze und Geheimausgänge
+ Olimars Journaleinträge sind unterhaltsam

Contra:


- äußerst geringer Schwierigkeitsgrad...
- ...selbst wenn man alle Schätze finden möchte
- perfekter Abschluss eines Levels ohne verlorene Pikmin kann wiederum frustrierend sein
- nicht genug Abwechslung im Leveldesign
- Stärken der einzelnen Pikmin-Arten werden nur selten genutzt
- Lösungen für Rätsel und Kampfsituationen fast immer offensichtlich
- Halten des 3DS mit einer Hand bei permanenter Nutzung des Touchscreens ist anstrengend
- Pikmin-Park fehlt jegliche Spieltiefe
- Glitzerium nahezu nutzlos

Wie ein farbloser Pikmin

Hey! Pikmin ist ein absolut unschuldiges Spiel, welches die Pikmin-Reihe weder bereichert, noch beschmutzt. Es hat spielerisch durchaus einige interessante Ansätze, schafft es aber nicht, diese in einer Komplexität auszubauen, die nötig wäre, um halbwegs erfahrene Spieler auf Dauer bei Laune zu halten. Nichts an diesem Spiel ist per se schlecht, aber die schiere Anzahl mittelmäßiger Spielelemente machen Hey! Pikmin zu einem Spiel, das in der Summe seiner Teile, bestenfalls leicht überm Durchschnitt liegt.
Ausgehungerte Pikmin-Fans werden mit diesem Spiel sicherlich einige vergnügliche Stunden verbringen können. Dies ist aber vor allem der Atmosphäre und dem Charme des Spiels geschuldet, die über die Schwächen im Gameplay, zumindest für kurze Zeit, hinwegtragen können. Doch Charme hin oder her – selbst dieser ist in diesem Spiel einfach nicht ganz so ausgeprägt, wie in den bisherigen Pikmin-Spielen.
Erfahrene Spieler, die mit Pikmin noch nie besonders viel anfangen konnten, können diesen Titel getrost überspringen. Für Videospiel-Neulinge bietet Hey! Pikmin aber zumindest einen behutsamen Einstieg ins Puzzle-Platformer-Genre, ohne besonders viele Ecken und Kanten. Doch selbst Neulinge könnten an einigen Stellen vom behäbigen Spieltempo und der Abwechslungsarmut gelangweilt sein.