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Review

Splatoon 2

Nintendos 2015er-Sommerhit Splatoon konnte weltweit eine gewaltige Fangemeinde für sich erobern. Viele sahen in Splatoon die größte Offenbarung im Shooter-Genre seit vielen Jahren. Oft war die Rede davon, dass Splatoon das Shooter-Genre auf eine Art revolutioniert habe, wie Mario Kart und Super Smash Bros. es in ihren Genres geschafft hätten. Bei den Game Awards 2015 konnte Splatoon sich sogar gegen Größen wie Halo, Call of Duty und Destiny durchsetzen.
Doch eigentlich war Splatoon für Wii U ein relativ kompaktes Spiel mit einigem Spielraum für Erweiterungen. Ist Splatoon 2 die erhoffte Offenbarung oder ist es „nur“ Splatoon 1.5, wie viele Fans es nach der ersten Ankündigung etwas skeptisch betitelt haben? Und muss Splatoon 2 überhaupt das Rad neu erfinden, um relevant zu sein? Finden wir es heraus.



Kleckerweise Neuerungen


Zuallererst sei festzuhalten, dass das Kerngameplay von Splatoon 2 dem seines Vorgängers äußerst treu bleibt. Das Spritzen, Klecksen und durch die Tinte schwimmen ist auf den ersten Blick absolut identisch wie im ersten Teil. Sinnvolle Erweiterungen liegen hier vor allem in den Details. Vor allem aber die Bewegungssteuerung funktioniert in Splatoon 2 deutlich besser als noch in Splatoon 1. Das liegt allerdings nicht daran, dass das Wii U-Gamepad damals einen schlechten Gyro-Sensor verbaut gehabt hätte. Stattdessen liegt es schlicht daran, dass die Joy-Cons der Switch, beziehungsweise der Switch-Pro-Controller durch ihre handlichere Größe ein deutlich angenehmeres Zielen ermöglichen. Dadurch geht das Herumspritzen der Tinte nun noch einfacher von der Hand. Und es ist selbst den größten Skeptikern der Bewegungssteuerung zu empfehlen, zumindest mal eine halbe Stunde die Bereitschaft zu zeigen, sich an diese neue Steuerungsmethode zu gewöhnen. Denn die Bewegungssteuerung ermöglicht deutlich feineres, aber auch schnelleres Zielen, als die herkömmlichen Sticks eines Controllers. Und besonders im Falle von Splatoon, in dem der Spieler permanent dazu gezwungen ist, sein Fadenkreuz wild hin und her zu schwenken, um seine Tinte möglichst weit zu fächern, fühlt sich das Zielen per Stick äußerst träge an.
Nutzt man die Bewegungssteuerung im Handheld-Modus, sollte man allerdings die Empfindlichkeit ein wenig höher einstellen, sodass man nicht bei jedem kleinsten Manöver den Bildschirm um 45 Grad schwenken muss. Zum Glück lassen sich die Steuerungseinstellungen für Dock- und Handheld-Modus separat konfigurieren.

Die weitere große Neuerung in der Steuerung ist dem Fakt geschuldet, dass der Spieler auf der Switch, anders als bei der Wii U, keinen Gamepad-Bildschirm mit einer Kartenanzeige zur Verfügung hat. Stattdessen darf die Karte in Splatoon 2 per simplen Druck auf die X-Taste eingeblendet werden. Der anschließende Supersprung zu einem anderen Teammitglied erfolgt dann durch das Drücken einer dem jeweiligen Teammitglied zugeordneten Richtung auf dem Steuerkreuz. Das funktioniert nach kurzer Eingewöhnungszeit nicht nur genauso gut wie mit dem Wii U-Gamepad, sondern sogar besser, da man endlich nicht mehr seine Augen in den Schoß senken muss, um einen kurzen Blick auf die Karte zu erhaschen.
Neben diesen angenehmen Verbesserungen der Steuerung frischen vor allem diverse neue Primär- und Sekundärwaffen, sowie neue Spezialfähigkeiten das Gameplay merklich auf. Hier sind die Entwickler erneut äußerst kreativ geworden und verpassen klassischen Shooter-Waffen einen eigenen Anstrich.
Ebenfalls nach wie vor genial ist der vielseitige Einsatz der Tinte. Diese dient nicht nur als Waffe oder als Werkzeug, um das aktuelle Spielziel zu erfüllen, sondern ist auch essentiell zur effizienten Fortbewegung über die Map oder um Gegner gezielt auszubremsen. Darüber hinaus ist es einfach unheimlich befriedigend, große Bereiche einer Map nach Belieben mit Farbe zu beklecksen.









Wie schon im ersten Teil dürfen Spieler, die eher zur pazifistischen Sorte gehören, sich darauf fokussieren, einfach nur die Map einzufärben, anstatt auf Jagd nach den gegnerischen Inklingen zu gehen. Zumindest gilt dies für die Standard Player versus Player-Multiplayer-Modi.

Und wo wir gerade schon von den PvP-Modi reden: Beginnen wir doch gleich mit dem Bereich, der im Nachfolger augenscheinlich die wenigsten Neuerungen erfahren hat. Der Standard-Multiplayermodus mit seinen klassischen 4 gegen 4-Matches kommt mit denselben Spielmodi daher, welche Splatoon 1 über einige Monate hinweg nach diversen Updates angehäuft hat. Für diejenigen, die nochmal eine kleine Auffrischung brauchen:

    - Im Revierkampf, sozusagen dem Standard-Modus des Spiels, geht es darum, einfach die aktuelle Arena mit so viel Tinte der eigenen Farbe einzufärben, wie nur möglich ist.
    - Der Herrschaftsmodus gleicht klassischen King of the Hill-Modi, zeichnet sich aber dadurch aus, dass der markierte Kartenbereich nicht nur durch die reine Präsenz der Teammitglieder eingenommen werden kann, sondern stattdessen großflächig eingefärbt werden muss.
    - Im Turm-Kommando-Modus geht es darum, einen beweglichen Turm auf Schienen zum anderen Ende der Karte zu eskortieren. Der kleine Turm bewegt sich allerdings nur, wenn ein Spieler des Teams sich gerade auf dem beweglichen Turm befindet.
    - Der Modus „Operation Goldfisch“ ähnelt klassischen Kampf um die Flagge-Modi, besticht aber dadurch, dass man hier keine Flagge transportiert, sondern einen riesigen goldenen Fisch, der gleichzeitig als zerstörerische Waffe fungiert. Anstatt den Flaggenträger zu entkräften, wie es für die meisten Shooter üblich ist, wird ihm hier also ein zusätzlicher Kraftbonus verliehen.


Diese Modi ähneln, wie zu erkennen ist, alle mehr oder weniger bereits etablierten Shooter-Spielmodi. Das Besondere an Splatoon ist allerdings, dass jedem Modus ein einzigartiger Twist verliehen wird, der nur durch den Einsatz der für Splatoon typischen Tinte möglich ist. Dadurch spielt sich Splatoon 2 genau so einzigartig, wie schon Splatoon 1 damals. Ein erfreulicher Nebeneffekt ist außerdem, dass auch Splatoon 2 dadurch komplett ohne Blutvergießen und Gewalt auskommt – allein dafür sollte man die Reihe loben.
Bisher bleibt lediglich fraglich, inwiefern Splatoon 2 in Zukunft auf dem Fundament des ersten Teils aufbauen können wird. Es ist damit zu rechnen, dass in der näheren Zukunft noch einige weitere Spielmodi nachgeliefert werden. Zum heutigen Standpunkt jedoch ist der PvP-Multiplayer von Splatoon 2 „nur“ eine leicht verbesserte Kopie des Vorgängers.
Immerhin bringen einige neue Maps, sowie leicht überarbeitete Maps aus dem Vorgänger frischen Wind in die Segel. Problematisch ist allerdings, dass diese Maps, wie schon im ersten Teil, thematisch und visuell alle recht ähnlich sind. Sie haben zwar alle ihre individuellen Layouts, aber sie schaffen es nur selten, sich voneinander abzuheben. Die meisten Maps sind eher flach und kommen mit einigen simplen Höhenunterschieden und Hindernissen daher. Dadurch lassen sich viele Maps mit einer ähnlichen Taktik erobern.
Erfreulicherweise befinden sich unter den gebotenen Maps auch keine, die im Vergleich zu den anderen besonders stark abfallen. Stattdessen gibt es einige wenige großartige Maps, wie die extrem vertikal strukturierten Muränentürme, die sich positiv hervorheben.
Ärgerlich ist allerdings, dass auch die Map-Rotation des ersten Teils es in den zweiten Teil geschafft hat. So darf man auch diesmal nur jeweils zwei bis drei Maps pro Modus spielen, welche sich alle zwei Stunden abwechseln. So fällt es neuen Spielern zwar leichter, bestimmte Map-Layouts zu erlernen, allerdings kann die ständige Wiederholung der gleichen Maps vor allem bei ausgedehnteren Sitzungen schnell eintönig werden.

Ebenfalls aus dem ersten Teil übernommen wurden die diversen Shops auf der Inkopolis-Plaza, in denen man, ähnlich wie im ersten Teil, für die im Multiplayer-Modus gewonnenen Punkte neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände kaufen kann. Dies funktioniert praktisch genauso wie im Vorgänger und ist dementsprechend immer noch genauso motivierend wie damals. Selbstverständlich haben die Entwickler den Shops für den zweiten Teil diverse neue Items spendiert, in die der Spieler sein virtuelles Geld versenken kann – und das komplett ohne Microtransactions.


Schuften für die Bär GmbH


Die wohl größte Neuerung in Splatoon 2 stellt der Salmon Run-Modus dar. Hierbei handelt es sich sozusagen um den Splatoon-Counterpart zum klassischen Horde-Modus, wie man ihn vielleicht aus diversen anderen Shootern kennt. Zu allererst sei erwähnt, dass dieser Modus online nur alle paar Tage zu bestimmten Zeiten verfügbar sein wird. Es ist nicht ganz klar, weshalb die Entwickler diese Entscheidung getroffen haben und es ist ärgerlich, dass der einzige komplett neue Modus hinter solch einer Barriere versteckt wird. Dieses Ärgernis wird aber zumindest dadurch gelindert, dass der Salmon Run durch die festen Termine stets zu einem kleinen Event ähnlich der Splat-Feste werden dürfte. Auch dass es die Möglichkeit gibt, per Smartphone-App an den Termin des nächsten Salmon Runs erinnert zu werden, hilft dabei, diesen Modus nicht zu sehr unter den Tisch fallen zu lassen. Bisher ist der Salmon Run aber immerhin alle zwei bis vier Tage eingeplant.
Wer genug Freunde mit einer eigenen Switch inklusive Splatoon 2 haben sollte, darf sich übrigens jederzeit im lokalen Mehrspielermodus ins Salmon Run-Getümmel stürzen – ein kleiner Silberstreif am Horizont - auch wenn es schwer werden dürfte, die nötige Hardware in einem Raum zu versammeln.



Doch nun zum eigentlichen Spielmodus: Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Salmon Run um einen klassischen Horde-Modus, wie man ihn schon seit Beginn des Jahrzehnts in gefühlt jedem zweiten Shooter findet. Und auch Splatoon 2 bleibt in diesem Fall ungewohnt nah am etablierten Aufbau eines solchen Modus. Eine Gruppe von bis zu vier Spielern muss sich also auf einem begrenzten Terrain gegen anrückende Wellen von Gegnern verteidigen. Hin und wieder kommt es dazu, dass man als Spieler mit einem von insgesamt acht größeren Boss-Monstern in Berührung kommt, welche sich nur durch das gezielte Angreifen eines bestimmten Schwachpunkts besiegen lassen. Diese Boss-Monster wiederum lassen dann kleine Fischeier fallen, welche die Spieler flott zu einem Korb in der Mitte des Spielfelds transportieren müssen. Um zu gewinnen und am Ende eine dicke Belohnung einzusacken, müssen die Spieler in jeder Welle eine vorgegebene Anzahl dieser Fischeier sicherstellen.

So weit, so gut – der Salmon Run orientiert sich also tatsächlich ziemlich nah an den etablierten Player versus Enemy-Konventionen des Shooter-Genres. Positiv hervorzuheben wäre an dieser Stelle, dass sich auch dieser Modus durch das Kerngameplay von Splatoon, welches auch hier bestehen bleibt, relativ frisch spielt. Durch den Einsatz von Tinte erhält das Verteidigen des begrenzten Bereiches eine weitere Dimension, mit der die Horde-Modi anderer Spiele nicht punkten können. Dazu kommt, dass das Spiel die Spieler dazu zwingt, in jeder Welle mit einer anderen Waffe anzutreten und dadurch nicht ganz so schnell eintönig wird. Auch die Boss-Gegner, welche wirklich kreativ gestaltet sind, verleihen der Action einen individuellen Touch.

Der Salmon Run-Modus weiß also durchaus für kurze Zeit zu unterhalten. Nichtsdestotrotz ist es am Ende vielleicht sogar gut, dass man ihn nicht allzu oft online spielen darf, weil er sich andererseits, aufgrund seiner repetitiven Natur, tatsächlich zu schnell abnutzen könnte. Bisher gibt es außerdem nur eine einzige Map für diesen Modus. Diese ermöglicht aber immerhin bereits ziemlich abwechslungsreiche Spielsituationen.
Wer bereits die PvE-Modi anderer Shooter mochte, wird sicher auch am Salmon Run seinen Gefallen finden. Allerdings steht dieser Modus lange nicht gleichauf mit den anderen beiden Hauptspielmodi von Splatoon 2.


Level-Pack oder Nachfolger?




Und damit wären wir auch schon beim letzten noch offenen Spielmodus, der Singleplayer-Kampagne von Splatoon 2. Und auch hier halten sich die gravierenden Veränderungen im Gegensatz zum Erstling eher in Grenzen. Zumindest beim Schreiben der Story beweist Nintendo, dass die Liebe der Splatoon-Community für die Squid Sisters aus Splatoon 1 nicht auf taube Ohren gestoßen ist. Es geht diesmal also nicht nur darum, den großen Elektrowels aus den Tentakeln der Oktarianer zu befreien, sondern auch darum, die beliebte Squid Sister Aioli zu retten. Bis auf einigen Fanservice für Liebhaber der Splatoon 1-Charaktere bleibt in der Story jedoch alles beim Alten. Man hilft als namenloser Inkling nahezu im Alleingang dabei aus, die entführten Charaktere zu befreien. Es kommt im gesamten Handlungsverlauf zu keinen signifikanten Wendungen und die gesamte Erzählung beschränkt sich eher auf das Einstreuen kleinerer Witze während des Spielens oder nach dem Abschließen einer Welt.

Auch die Struktur des Singleplayer-Modus ist der des ersten Teils sehr ähnlich. Es gibt fünf Welten mit jeweils drei bis sechs Leveln, inklusive abschließenden Boss-Fights. Jede Welt umfasst außerdem ein kleines, offenes Hub-Areal, welches der Spieler frei erkunden darf und in dem es die Eingänge der jeweiligen Level zu finden gilt. Die Level selbst sind erneut kreativ gestaltet und es wird in fast jedem Level zumindest in irgendeiner Weise ein neues Gameplay-Element eingeführt. Der Spieler wird also in diversen Herausforderungen auf die Probe gestellt, welche solide Fähigkeiten im Schießen und vor allem in der Fortbewegung erfordern. Der Singleplayer-Modus von Splatoon 2 spielt sich deshalb erneut wie eine frische Mischung aus 3D-Platformer und Shooter. Dennoch haftet ihm noch immer das Gefühl an, statt einer vollwertigen Kampagne nur eine Art Challenge-Modus zu sein. Zwar können die kreativen neuen Level-Elemente, die dutzenden versteckten Sammelgegenstände, sowie die erneut grandiosen Bosskämpfe durchaus bei Laune halten. Allerdings fühlt sich das Ganze zu sehr nach einer simplen Erweiterung des ohnehin schon etwas minimalistischen Splatoon 1-Singleplayermodus an.
Die neuen Spielelemente, die es gibt, sind allesamt willkommene Neuerungen. Vor allem, dass man endlich mit mehreren verschiedenen Waffen durch die Level ziehen kann, wertet den Splatoon 2-Singleplayer im direkten Vergleich zum ersten erheblich auf. Da der Spieler häufig dazu gezwungen wird, neue Waffen auszuprobieren, stellt die Kampagne diesmal auch eine gelungenere Vorbereitung auf den Multiplayer-Modus dar. Am Ende bleibt jedoch immer noch ein fader Beigeschmack bestehen, wenn man sich nach jedem der etwa sieben- bis zehnminütigen Level fragt, ob man nun noch Lust hat, den nächsten anzufangen.
Splatoon 2 bietet eine handwerklich gut gemachte Singleplayer-Kampagne mit vielen kreativen Ideen und ohne Tiefen – aber leider auch ohne Höhen. Das ist dennoch deutlich mehr als viele andere moderne Shooter mit starkem Fokus auf den Multiplayer-Modus bieten können. Außerdem ist das Spielen des Singleplayer-Modus komplett optional und der Fortschritt in diesem wirkt sich nahezu nicht auf die Multiplayer-Modi aus.


Ein unauffälliger neuer Anstrich






Die erste Reaktion der meisten Leute, welche die Enthüllung von Splatoon 2 live miterlebt haben, war, zu behaupten, dass Splatoon 2 aussähe wie Splatoon 1. Das mag in gewisser Weise auch stimmen. Man blieb bei der Gestaltung von Splatoon 2 dem etablierten Art-Design äußerst treu. Und auch in der grafischen Qualität sind auf den ersten Blick keine Quantensprünge erkennbar. Dennoch sieht das Spiel auf dem heimischen TV im direkten Vergleich zu Splatoon 1 nochmal ein ganzes Stück besser aus. Nicht nur läuft das Spiel nun mit einer deutlich höheren Auflösung als vorher (variabel von 864p bis 1080p im Dock-Modus, 648p bis 720p im Handheld-Modus) bei einer gewohnten Framerate von absolut unerschütterlichen 60fps. Auch viele Effekte glänzen im Nachfolger buchstäblich ein wenig mehr. Die Tinte sieht im direkten Vergleich um einiges „schleimiger“ aus und verteilt sich realistischer über die bespritzten Oberflächen. Auch einige Lichteffekte wie die Reflexionen auf der Tinte, sowie die Darstellung der Schatten wurden verbessert. Der Teufel liegt hier also im Detail. Es sind alles Dinge, die man auf den ersten Blick nicht wahrnimmt. Wenn man aber merkt, dass man beim Tauchen durch die eigene Tinte meterlange Spuren hinterlässt, welche sogar für einige Zeit bestehen bleiben, gerät man schon leicht ins Staunen. Und falls sich jemand Sorgen über die variable Auflösung machen sollte: Der Unterschied zwischen den verschiedenen Auflösungen, zwischen denen das Spiel schwankt, ist während des Spielens praktisch komplett unauffällig, wenn man nicht gerade explizit darauf achtet. Vor allem im Handheld-Modus ist das Spiel mit seinen satten Farben und verspielten Animationen der reinste Augenschmaus.

Auch im Soundbereich macht Splatoon 2 eine hervorragende Figur. Zugegeben – der Soundtrack ist, wie schon im Vorgänger, relativ eigenwillig, hat dadurch aber auch seine eigene Identität. Wie sehr man die Squid-Musik mit ihren Einflüssen aus den Hip Hop-, Pop Punk- und Vocaloid-Genres am Ende mag, hängt vermutlich zum Teil von persönlichen Präferenzen ab. Man kann aber nicht von der Hand weisen, dass die Musik das verrückte Geschehen des Spiels perfekt untermalt.
Unumstößlich großartig sind im Gegensatz dazu die Soundeffekte. Die ploppenden Geräusche der Waffen und das schleimige Schmatzen der Tinte fügt sich perfekt in die Geräuschkulisse des Spiels ein. Hier wirkt absolut alles wie aus einem Guss und verstärkt die Befriedigung beim Vollmatschen der Umwelt noch weiter.
Die wenigen Charaktere mit Sprechrollen kommen auch diesmal mit einer Fantasiesprache daher, allerdings dürfte Splatoon neben Animal Crossing eines der wenigen Spiele sein, dessen Charme und Humor zu großen Teilen von der Fantasiesprache, die es benutzt, getragen werden. Störend ist nur, dass man im Singleplayer-Modus durch die fehlende Sprachausgabe häufiger Witze oder relevante Infos verpasst, welche Limone am unteren Bildschirmrand per Textbox und Squid-Gebrabbel äußert. Ärgerlich, aber kein Beinbruch.

Sämtliche bisher getesteten Online-Modi von Splatoon 2 liefen komplett ohne spürbare Lags oder Verbindungsabbrüche ab. Wie sowas bei voller Serverauslastung aussehen wird, konnte bisher nicht exakt getestet werden, allerdings sieht es durchaus vielversprechend aus. Die Online-Menüs sind hübsch und flott, könnten in ihrer Funktionalität allerdings noch ein wenig kompakter und übersichtlicher sein. Auch die Ansage der Squid-Moderatorinnen bei jedem Starten des Spiels ist nach wie vor nicht überspringbar und hat das Potenzial, Spielern mit kürzerem Geduldsfaden gehörig auf die Nerven zu gehen. Der Voice-Chat des Spiels konnte bisher, mangels zugehöriger App, noch nicht getestet werden. Offline sind die Multiplayer-Modi von Splatoon 2 nur spielbar, sofern jeder Spieler eine eigene Konsole inklusive Spiel besitzt. Beim Test des lokalen Mehrspielermodus auf dem Nintendo Post E3-Event hat das Spielen mit mehreren Systemen im gleichen Raum, trotz unzähliger Störsignale durch Handys und andere Konsolen, hervorragend funktioniert. Einen Splitscreen-Modus gibt es leider trotzdem nicht.

Pro:


+ gewohnt einzigartiges Gameplay
+ verleiht klassischen Shooter-Mechaniken einen neuen Twist
+ farbenfrohe und charmante Ästhetik
+ inhärente Befriedigung dadurch, Sachen schmutzig zu machen
+ gelungenes Zielen per Bewegungssteuerung
+ großartige Bosskämpfe im Einzelspielermodus
+ keine Microtransactions
+ technisch sehr sauber

Contra:


- zeitliche Begrenzungen (Map-Rotation, Salmon Run-Termine)
- keine KI-Gegner im Mehrspielermodus...
- ...im Handheld-Modus ist das Spiel an Orten ohne WiFi deshalb stark eingeschränkt
- Unterschiede zum ersten Teil halten sich bisher in Grenzen

Der fehlende Pinselstrich

Splatoon 2 brilliert in exakt denselben Bereichen, in denen schon der Erstling brillieren konnte. Es hebt sich dabei allerdings auch nicht allzu sehr von diesem ab. Doch muss man denn unbedingt das Rad neu erfinden, wenn es noch derart geschmeidig rollt? Jedes Jahr kommen andere Spielereihen damit weg, Nachfolger mit ähnlich spärlichen Neuerungen auf den Markt zu werfen. Da ist es schwierig, zu entscheiden, wie gravierend man einen solchen Mangel an signifikanten Neuerungen bewertet.

Es ist damit zu rechnen, dass Nintendo Splatoon 2 im Verlauf der kommenden Monate mit einigem kostenlosen Zusatzinhalt pflegen dürfte. So sollte Splatoon 2 es mit der Zeit schaffen, sich ein wenig stärker von seinem Vorgänger abzuheben. So, wie es jetzt ist, bekommt der Spieler aber immerhin noch ein Spiel von mehr als ausreichend großem Umfang. Die Singleplayer-Kampagne, der Salmon Run-Modus, sowie die klassischen PvP-Modi mit ihren unzähligen freischaltbaren Belohnungen dürften auch heute schon für dutzende Stunden Spaß sorgen.

Unterm Strich ist Splatoon 2 also ein absolut hochwertiges Spiel, dessen einziges Problem darin besteht, sich nicht genug von seinem Vorgänger abzuheben. Das ist in meinen Augen aber kein Grund, der Wertung einen allzu starken Dämpfer zu verpassen. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, wie viele potenzielle Neueinsteiger den Vorgänger auf der Wii U ohnehin komplett verpasst haben.