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Review

Nex Machina

Das finnische Entwicklerstudio Housemarque, welches für Spiele wie Super Stardust HD oder das zuletzt veröffentliche Alienation bekannt ist, kehrt mit Nex Machina zurück und liefert wieder einmal ein hochexplosives Arcade Spiel ab, das seinesgleichen sucht. Zum Launch der PS4 haben Housemarque mit dem Twin-Stick Shooter Resogun ganz unerwartet den großen AAA-Games wie Killzone oder Assassin’s Creed die Show gestohlen und haben die Rechenleistung der PS4 mit ihrer Voxel-Engine mehr als überzeugend veranschaulicht. Als das erste PS+ Spiel für die PS4 hat Resogun die verdiente Aufmerksamkeit von den Spielern erhalten und hat sich rasant zu einem Geheimtipp gemausert. Das Spiel wurde von der Fachpresse für seinen einzigartigen Voxel-Style, sein präzises Gameplay und seinen adrenalintreibenden Synthwave-Soundtrack gelobt. Nun kehrt das Team hinter Resogun mit ihrem vielleicht ambitioniertesten Projekt zurück und setzt die Messlatte für knallharte Arcade Games um ein ganzes Stück höher. Einige Monate vor der Enthüllung von Nex Machina auf der Playstation Experience 2016 hat Housemarque ihr neuestes Spiel unter dem Namen „Project Jarvis“ angekündigt. Das Besondere an dem Projekt war die Zusammenarbeit mit Eugene Jarvis, dem Erfinder von Spielen wie Smash TV, Defender und Robotron: 2084. Dass Housemarque von den Werken von Eugene Jarvis beeinflusst wurde, kann man hier nicht übersehen. Nex Machina sieht auf den ersten Blick wie eine neu interpretierte Version von Smash TV mit Einflüssen von Resogun aus. Ob das einen Oldschool-Vibe versprühende Nex Machina das Potenzial hat, den großen AAA Games das Wasser zu reichen, erfahrt ihr im Review.




RAGE AGAINST THE MACHINE!


Sobald man den Arcade Mode startet, wird man ohne Cutscenes, Tutorials oder irgendwelche Dialoge mitten ins Spielgeschehen hineingeworfen. Nex Machina ist ein erbarmungsloser Twin-Stick Shooter, in dem das Gameplay und die von Housemarque gewohnte audiovisuell beeindruckende Action im Vordergrund stehen. Die Geschichte erscheint wie eine Hommage an die Filme der achtziger Jahre, welche auch den Zeitgeist der Arcadehallen einfängt. Die Roboter haben sich gegen die Menschen gerichtet, da sie als überflüssig angesehen werden. Mit dieser simplen Terminator-ähnlichen Story startet man in der ersten von sechs Welten. Die Reise beginnt in einem unerwartet idyllischen Waldgebiet, wobei die nachfolgenden Locations zunehmend düsterer werden, je weiter man sich dem Kern der Roboterbedrohung nähert. Neben den beiden Analogsticks, die benutzt werden, um den Charakter bewegen und um 360 Grad zu schießen, gibt es zusätzlich einen Dashbutton um aus brenzligen Situation zu entkommen, sowie einen weiteren Button für eine Zweitwaffe. Raketenwerfer, Laser oder eine fernzündbare Granate sind nur einige der Sekundärwaffen, die dabei helfen, gegen die Gegnerhorden vorzugehen. Schreitet man weiter im Spiel voran, erhält man zusätzliche Upgrades wie den dreifachen Dash, einen Schild oder die sogenannte Dash-Explosion, wodurch am Ende eines Dashes eine kleine Explosion erzeugt wird, die Gegner in unmittelbarer Nähe erledigt. Eine Reihenfolge der Upgrades und der Sekundärwaffen gibt es nicht, sodass das Spielgeschehen so dynamisch wie möglich bleibt. Auf diese Weise vermeiden die Entwickler eine klare Struktur, was dafür sorgt, dass die Spieler sich in jedem Durchgang neuen Situationen ausgesetzt fühlen und die Level nicht zu einer repetitiven Arbeit verkommen.


SAVE THE LAST HUMANS............. AGAIN!


Das Ziel ist nicht nur, alle Gegner auszuschalten. Optional können Menschen, ähnlich wie in Resogun, gerettet werden, um den Highscore zu erhöhen. In jeder Welt gibt es zahlreiche Menschen, welche auf den Levelabschnitten positioniert sind. Die Menschen selbst werden ebenfalls von bestimmten Gegnertypen angegriffen, weshalb rasche Entscheidungen vom Spieler gefordert sind. Zusätzlich gibt es versteckte Menschen, welche sich in Felsen oder sonstigen Objekten befinden, wodurch jedes Gebiet einen gewissen Erforschungswert erhält. Neben den versteckten Menschen sind außerdem geheime Ausgänge vorhanden, durch die neue Areale erreicht werden können. Das Leveldesign unterscheidet sich von dem Housemarques vorheriger Spiele. In Nex Machina wird man, nachdem der letzte Gegner getötet wurde, begleitet von einer Voxel-Explosion blitzschnell ins nächste Gebiet geflogen. Somit bleiben das Tempo und die Action bis zum Ende konstant hoch und lassen dem Spieler kaum einen Moment zum Durchatmen. Die Kunst besteht hierbei darin, das Gleichgewicht zwischen dem Retten der Menschen, dem Entdecken der Geheimnisse und dem Ausweichen der gegnerischen Geschosse zu finden. Am Ende jeder Welt steht ein Bosskampf an, in dem nochmals die Geschicklichkeit des Spielers auf die Prüfung gestellt wird. Hierbei wechselt die Musik zu einem bedrohlich klingenden Synthwave Boss-Theme und treibt die Spannung weiter in die Höhe. Die Bosskämpfe sind selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad herausfordernd. Jedoch wird der Frustfaktor durch die Möglichkeit, Continues zu benutzen, gering gehalten. Nachdem der Boss nach einer Netzhaut zerfetzenden Explosion gefallen ist, kann im Result-Screen betrachtet werden, wie sich der Highscore zusammensetzt und wie viele geheime Menschen und Ausgänge gefunden wurden. Die plattformübergreifenden Ranglisten dienen in Nex Machina nicht nur dazu, die Highscores zu vergleichen. Dank der integrierten Replay-Funktion werden die Durchgänge zu den jeweiligen Highscores automatisch aufgenommen und können dafür verwendet werden, den Ranglisten-Spitzenreitern den einen oder anderen Trick abzukupfern, wodurch der kompetitive Aspekt des Spiels zum Vorschein kommt.


EASY TO LEARN, HARD TO MASTER




Das Spielprinzip und die Steuerung sind mehr als simpel, jedoch versteckt sich hinter dieser Fassade ein relativ komplexer Twin-Stick Shooter mit einigen Gameplay-Mechaniken, welche man auf den ersten Blick nicht wahrnimmt. Durch das Retten der Menschen wird die Humancombo in Gang gesetzt. Diese dient dazu, den Multiplikator schneller zu erhöhen als sonst. Um die Humancombo aufrecht zu erhalten, wird vom Spieler gefordert, die Menschen nicht so schnell wie möglich einzusammeln, sondern in gewissen Zeitabständen, bevor der Counter auf Null fällt. Wenn man sich dabei geschickt anstellt, kann man die Humancombo sogar bis zum Ende der Kampagne halten. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Gameplay-Mechaniken zu entdecken, wodurch sich das Spiel zu einer eigenen Wissenschaft entwickelt. Jedoch können sowohl Highscore-Jäger, als auch Gelegenheitsspieler Nex Machina gleichermaßen genießen, da man sich zu keiner Zeit im Nachteil fühlt, wenn man sich nur darauf konzentrieren möchte, gegen die außer Kontrolle geratenen Roboter vorzugehen. Falls der Adrenalinrausch im Arcade Mode nicht ausreichen sollte, erwarten einen im Arena Mode modifizierte Versionen der einzelnen Welten, wie zum Beispiel die Möglichkeit, bestimmte Level in doppelter Geschwindigkeit nochmals zu spielen. Im Moment sind eine überschaubare Anzahl an Herausforderungen verfügbar, jedoch sollen im Laufe der Zeit neue dazu stoßen. Kosmetische Anpassungsmöglichkeiten sind für den Charakter vorhanden, jedoch sind diese Veränderungen im Eifer des Gefechtes kaum erkennbar und erscheinen eher unnötig. Das Spiel bietet zahlreiche Ingame-Erfolge, allerdings gibt es keinerlei Belohnungen nach dem Freischalten der Erfolge, wodurch diese ziemlich sinnlos erscheinen. Neben dem Arcade Mode gibt es leider nicht viel Neues zu entdecken, womit man zu womöglich zum größten Kritikpunkt kommt:
Inhaltlich erhält man hier ein relativ knappes Spiel, jedoch fällt es schwer, bei dem süchtig machenden Gameplay den Controller aus der Hand zu legen. Und mit den zahlreichen Geheimnissen ist die Motivation, am Ball zu bleiben, ziemlich hoch. Sollte die Motivation doch anfangen, abzuflachen, kann der lokale Coop Modus frischen Wind bringen, indem man mit einem Kumpel zusammen gegen die Roboterhorden zieht. Überraschenderweise funktioniert auch der lokale Coop Modus mit butterweichen 60fps und ohne grafische Einbußen, womit der doppelten Action auf der Couch nichts im Weg steht. Leider fehlt jede Spur von einem Online Coop Modus, welcher anscheinend durch einen Patch später nachgeliefert werden soll. Unterschiede zwischen der PS4 und der PS4 Pro gibt es nur bei der Auflösung. Nex Machina kommt auf der Standard PS4 mit einer Auflösung von 900p daher, wogegen die PS4 Pro eine Auflösung von bis zu 4k bietet. Ein eigenständiger Pro Patch soll später nachgereicht werden.

Fazit:

Es besteht kein Zweifel, dass Housemarque ein Händchen für qualitativ hochwertige Arcade Spiele besitzen. Sie liefern mit Nex Machina das nächste fulminante Voxel-Feuerwerk. Nachdem die Gameplay-Features verinnerlicht wurden, blüht das Spiel erst richtig auf und lässt einen nicht mehr so einfach los. Fans von schneller und skrupelloser Action werden mit Nex Machina auf ihre Kosten kommen. Dank der simplen Steuerung ist das Spiel der perfekte Adrenalinkick für Zwischendurch und bietet durch die unzähligen Geheimnisse einen hohen Wiederspielwert - trotz des relativ dünnen Gesamtinhaltes. Die Abwesenheit eines Tutorials, sowie der hohe Schwierigkeitsgrad können den Einstieg erschweren, jedoch sollte jeder, der ein Herz für Arcade Games hat, einen Blick auf Nex Machina werfen.