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Review

Need for Speed: Most Wanted (2012)

Charles Darwin entdeckte mit seiner Evolutionstheorie, dass bei einer Kreuzung zwischen zwei Pflanzen genetische Merkmale auf die nachfolgende Generation übertragen werden. Da stellt sich doch glatt die Frage ob dieser „genetische Fingerabdruck“ auch bei Entwicklerstudios zu finden ist.
Die Rennserie „Need for Speed“ wurde in früheren Jahren häufig von hausinternen Entwicklerstudios seitens Electronic Arts entwickelt. Seit dem „Hot Pursuit“ Ableger wurde die Programmierung nun in die erfahrenen Hände des Studios Criterion Games gelegt. Diese wiederum sind eigentlich eher für die „Burnout-Reihe“ bekannt. Zwei große Franchise die den gleichen Publisher und den gleichen Entwickler haben. Geht da nicht ein wenig die Kreativität flöten? Schaut man sich das neuste Produkt namens „Need vor Speed: Most Wanted“ an, welches eigentlich auch nur eine Neuverwertung des im Jahr 2005 erschienen gleichnamigen Titels ist, wird man in der Tat vor die Frage gestellt was denn hier anders ist, als noch beim gar nicht so alten „Burnout: Paradise“?

"Im Blut hat er Stickstoff und im Gehirn ein Tank voller Benzin."



















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So schnell wie es in „Need for Speed: Most Wanted“ abgeht, so rasant werden wir in das Spiel hinein katapultiert. Innerhalb kürzester Zeit werden wir in eine Welt eingeführt, die einzig von Geschwindigkeit dominiert wird. Die Stadt Fairhaven ist das Mekka der Speed-Junkies und die Polizei hat regelmäßig das Nachsehen. Blechschäden, Glasscherben und umgefahrene Straßenlampen gibt es hier wie Sand am Meer. Wer Geschwindigkeit fühlen will, ohne sich der wirklichen Welt aussetzen zu wollen, findet hier eine echte Simulation. Ab 250 Sachen bildet sich der Tunnelblick und die Reaktionszeiten sinken praktisch auf Null. Die nächste Stahlbetonsäule ist schon reserviert und das Auto wird unsanft geparkt. Trümmer, Rauch, gepeinigtes Aluminium, doch fünf Sekunden später steht der Bolide wieder auf der Straße und es gilt die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Most Wanted lässt uns keine Zeit zum Atmen und das Spieltempo ist atemberaubend.
Eine ziemlich sexy klingende Frauenstimme erklärt uns in kurzen Sätzen um was es hier eigentlich geht, ohne das wir einer aufdringlichen Story folgen müssen. Fairhaven wird von zehn Rennfahrern beherrscht, den sogenannten „Most Wanted“. Unsere Aufgabe ist es Speed-Points zu sammeln, um die Most Wanted herausfordern zu können und den Platz ganz oben einnehmen zu dürfen. Das war´s! Mehr gibt es storytechnisch nicht zu erwarten. Um diese Speed-Points einzufahren steht uns ein riesiger Spielplatz zur Verfügung. Fairhaven wirkt durch seine verschieden konzipierten Stadtteile unglaublich groß. Ellenlange Autobahnen, verwinkelte Gassen oder großflächige Baustellen. Eigentlich steht hier alles zur Verfügung um ausreichend Gameplay zu erwarten. Dem ist leider nicht so, denn trotz eines stattlichen Fuhrparks von satten 120 lizensierten Fahrzeugen, werdet ihr stets vor gleiche Aufgaben gestellt. Egal welche Fahrzeug ihr fahrt, es erwarten euch stets Rundfahrten, Speedtests, Punkt zu Punkt Rennen, sowie Polizei-Verfolgungsjagden. Letztere sind natürlich wie es sich für die NFS-Serie gehört der Mittelpunkt der Action. Die Polizei ist auch in dieser Ausgabe nicht zu unterschätzen. Mit bis zu sechs Fahndungsleveln werden die Gesetzeshüter auf Dauer ein echtes Problem. Schwer gepanzerte SUVs und Nagelketten sind da noch umgängliche Schwierigkeiten. Dabei gehen die Beamten nicht zimperlich mit deinem und ihren eigenen Boliden um. Sie schubsen dich auch durchaus mal eine Schlucht hinunter, selbst wenn sie dabei selbst drauf gehen. Wer Rücksicht nimmt wird bestraft.
Als größter Gegner steht uns aber die schwammige und reaktionslahme Steuerung gegenüber. Aufgrund des hohen Spieltempos fehlt es der Lenkung an schnellen Aktionen, so dass der Crash oft unausweichlich ist, obwohl das Hindernis früh erspäht wurde. Zickzackkurse und mangelhafte Kollisionsabfragen lassen den Frustfaktor zudem zusätzlich nach oben schnellen. Oft streift das Fahrzeug nur ein Hindernis, doch das Spiel lässt das Fahrzeug voll einschlagen. Sehr ärgerlich!

Mit den eingefahrenen vorderen Platzierungen und dem Erfüllen der gestellten Aufgaben, erhaltet ihr neben Speed-Points auch Ausbaustufen für das Fahrzeug, welche bei Dauerbenutzung noch in bessere Varianten umgetauscht werden kann. Findet ihr in der Stadt dann ein neues Fahrzeug, müsst ihr allerdings wieder von vorne beginnen, was auf Dauer ein wenig eintönig anmutet. Auch das Erringen der Speed-Points geht so schnell von statten, dass ihr euch in etwa acht Spielstunden schon die „Nummer 1“ von Fairhaven nennen dürft. Mit „Easydrive“ habt ihr einen sehr komfortablen und vor allem schnellen Zugriff auf die zur Verfügung stehenden Rennen, Ausbaustufen und Optionen. Wer über Kinect verfügt kann das sogar per Sprachsteuerung verwalten.

Das Design des Spiels befindet sich grafisch auf durchaus solidem Niveau. Die Stadt ist wunderschön anzuschauen und die Fahrzeuge bestechen durch eine realistische Modellierung. Auch die Schadensmodelle nicht von schlechten Eltern. Einzig die Tatsache, dass wir nur auf nur zwei Kameraperspektiven zugreifen können, verwundert dann doch ein wenig. Desweiteren muten andere Dinge etwas seltsam oder gar übertrieben an. Criterion nimmt sein Spiel scheinbar selbst nicht ganz so ernst. Das ist jetzt nicht so negativ gemeint wie es klingen mag, nur schaut man sich einige der teilweise sehr stylischen Intro-Sequenzen vor den Rennen an, muss der geneigte Zuschauer bei schwebenden Polizeiautos oder amoklaufenden Fahrstühlen doch ein wenig schmunzeln.
Auch die Darstellung des authentischen Renn-Feelings wird ein wenig überzogen. Mit „Lense-Flare“ – Effekten wird nicht gegeizt. In Kombination mit der bekannten Hell-Dunkel-Trägheit, sowie Schmutzpartikeln auf dem Sichtfeld geht bei dem rasanten Tempo dann doch öfters mal die Übersicht verloren. Ganz zu schweigen von der hektischen Navigation im Spiel. Meistens scheitern gute Platzierungen einfach nur daran, dass wir eine Abbiegung übersehen und in die falsche Richtung fahren, denn oft ist einfach keine Zeit da schnell aufs Navi links unten zu schauen, ohne die Spur zu verlieren und damit die Fahrzeugkontrolle. Das frustriert auf Dauer leider schon ein wenig.
Auch der von Simulationsfans verhasste Gummiband-Effekt kommt in „NFS: Most Wanted“ zur vollen Geltung. Es ist oft erstaunlich wie unglaublich schnell eben in die Brückenmauer geschubste KI-Konkurrenten zurück in die Spur finden und zum Protagonisten aufschließen. Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Obwohl das Rennen eigentlich nicht mehr zu gewinnen ist, verliert der Führende ohne Grund an Geschwindigkeit und lässt das Feld aufschließen. Natürlich ist uns klar, dass auf diese Art und Weise die Spannung erhalten bleiben soll und von einem Arcade-Racer wird auch nichts anderes erwartet, aber so auffällig wie hier sah man so etwas selten.

Der Multiplayer besitzt einen interessanten Ansatzpunkt und folgt dem rasanten roten Faden des Spiels. Kaum seid ihr eingeloggt und auf einen Server verwiesen geht die Action auch schon los. Mit bis zu acht Fahrern geht’s durch Fairhaven um in vorher festgelegte Events Speed-Points zu sammeln. Das Repertoire reicht dabei vom einfachen Rennen, über Death-Matches, Takedowns, Weitsprung- und Hochgeschwindigkeits-Events. Sogar die benutzte Fahrzeugklasse kann dabei festgelegt werden. Zwischen den Rennen ist praktisch alles erlaubt, denn auch hier können wir Punkte für die Gesamtwertung sammeln, indem man zum Beispiel als Erster den Startpunkt des nächsten Events erreicht, Stunts vollführt, oder ganz klassisch den Gegner von der Straße bläst. Das alles wirkt zwar ein wenig hektisch und chaotisch, aber Spaß macht es auf jeden Fall. Schade nur ist, dass dies leider nicht lokal möglich ist. Auch einfache Rennen unter Freunden bleibt uns bei diesem Titel verwehrt.

„Unfallwagen, neuwertig, nur für Liebhaber“

Früher wurden Fortsetzungen zu Spielen mit einer „2“ versehen, oder erhielten zumindest einen Namenszusatz der sie von ihrem Vorgänger unterscheidet. Nicht so bei „Need for Speed: Most Wanted“. Scheinbar war Electronic Arts der Meinung, dass sieben Jahre genügen um einen Titel soweit vergessen zu machen, dass der Name kollisionsfrei neu vergeben werden kann. Kollisionsfrei ist „Most Wanted“ aber keineswegs. Eine schwammige Steuerung, kombiniert mit überladenen grafischen Effekten wirken sich brutal auf die Fahrzeugkontrolle aus. Das Tempo des Spiels ist gnadenlos, fühlt sich auch grandios an, aber das sollte nicht über die mangelnde Kontrolle hinweg täuschen. Fairhaven ist ein fantastisch anzusehender Spielplatz für alle Möchtegern-Raser und die Polizei fordert den Spieler schon ordentlich, doch der Pool an Aufgaben rotiert im Kreis. Zwar wird dieser Bereich mit zahlreichen Sammlungen und Belohnungen aufgepeppt, doch sollte das nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, das am Ende doch immer nur fünf bis sechs gleichartige Rennen pro Fahrzeug zu fahren sind. Trotz fehlender lokaler Multiplayer-Eigenschaften kann zumindest die Onlineplattform mit netter Action und großem Eventcharakter glänzen. Das Branding "Burnout" ist unübersehbar. Wo Criterion drauf steht ist auch Criterion drin und das gilt auch für die "Need of Speed" – Reihe. Fakt ist aber, dass der Entwickler mit diesem Spiel ältere Titel nicht übertreffen konnte.