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Review

Far Cry 3

Gerade an solch grauen Herbsttagen wie heute sehnt sich wohl jeder den wunderschönen Palmenstrand herbei. Blaues Meer, weißer Sand und eine warme Brise, die einem über die Haut streicht. Da aber die Karibik weit weg und auch sonst irgendwie unbezahlbar ist, bleiben uns leider nur schöne Bilder, Filme mit Johnny Depp oder aber der Rum aus der Hausbar. Doch Moment..., da gibt es ja noch Far Cry, ein Ego-Shooter aus dem Hause Ubisoft, dessen Franchise eine durchaus interessante Entwicklung genommen hat. Neben einer gruseligen Verfilmung von Uwe Boll, in dem auch noch ein deplatzierter Til Schweiger sein Unwesen trieb, veröffentlicht der kanadische Publisher diese Woche den dritten Teil der Reihe. Der erfolgreiche erste und der von den Kritikern hoch gelobte zweite Teil, schürte nun eine große Erwartungshaltung seitens der Fangemeinschaft. Eine große Rolle spielte dabei die Tatsache, dass der Entwickler zum heiss geliebten Karibiksetting zurückgekehrt ist. Der Ausflug ins steppenartige Afrika hat einigen Fans im zweiten Teil nicht geschmeckt und diesen Kritikpunkt nahm sich Ubisoft an. Das bedeutet also, in Far Cry 3 erwartet uns nun wieder ein karibischer Augenschmaus. Doch auch das besondere Gameplay verzückte schon viele Gamer, denn einen Ego-Shooter in einem Open-World Gelände sah man bis dato nicht oft. Der Mix aus diesen Komponenten war also der Schlüssel zum Erfolg und die Frage ist nun: Hat sich Ubisoft Diesen bewahrt und können wir mit Far Cry 3 tatsächlich wieder auf eine echte grafische Actionbombe hoffen?

Karibik, Sonne und Psychopathen



















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Jason Brody ist ein junger Partyhengst und von Beruf Sohn. Mit seinen beiden Brüdern, seiner Freundin und diversen anderen Bekannten, lässt er auf einer weit entfernten Südsee-Insel mächtig die Sau raus. In einem Videofilm im "Found-Footage" Stil dürfen wir teilhaben wie sich die Clique mit Parties und Abenteuern ihren Urlaub vertreibt. Doch während eines Fallschirmabsprungs über einer unbekannten Insel geschieht das Unerwartete. Jason und seine Freunde geraten in die Fänge von Piraten, die diese Insel in Beschlag halten. Angeführt von dem psychophatischen Vaas werden auf dieser Insel zahllose Touristen als Geiseln genommen und als Sklaven verkauft. Dabei geht Vaas nicht zimperlich mit seinen "Gästen" um und erschießt schonmal hier und da diverse Gefangene. Ein völlig verängstigter Jason versucht mit seinem älteren Bruder aus der Gefangenschaft zu fliehen, muss aber kurz darauf zusehen wie Dieser kaltblütig von Vaas erschossen wird. Jason gelingt die endgültige Flucht, stürzt dabei in einen Fluß und wird von einem einheimischen Rebell namens Dennis gerettet. Dieser klärt Jason nun erst einmal über die Geschehnisse auf der Insel auf und erkennt zugleich die wahre Bestimmung Jasons.
Far Cry 3 läutet seinen Einzelspielermodus mit einer pragmatisch erzählten Story ein und fesselt den Spieler bereits damit an den Controller. Bösewicht Vaas ist an Grausamkeit und Unberechenbarkeit nicht zu überbieten und bereits der erste Kontakt mit ihm schürt in dem Spieler das was einen Bösewicht ausmacht. Wir wollen diesen Verrückten ausschalten und uns für den sinnlosen Tod unseres Bruders rächen. Jason beginnt dabei dort, wo sich auch der Spieler befinden würde. Ängstlich, ahnungslos und völlig überfordert. Dennis, der eingeborene Rebell ist dabei der perfekt installierte Führer und zeigt uns den Weg ein mächtiger Krieger zu werden, um es mit diesem Psychophaten aufnehmen zu können. Es steht wohl ausnahmslos fest, dass diese Story eine wirklich gelunge Sache ist und das ist dem Spiel unheimlich zuträglich. Im weiteren Verlauf der Geschichte spitzt sich die Rivalität zwischen Jason und Vaas immer mehr zu und die Rollenverteilung zwischen Jäger und Gejagten verwandelt sich Stück für Stück mehr.
Doch der Weg ist weit und der Protagonist muss erst lernen in dieser für ihn neuen unwirtlichen Umgebung überleben zu können. Die Flora und Fauna auf dieser Insel ist fantastisch und zugleich tödlich. Wer Überleben will muss lernen zu töten. Hier gilt nur das Gesetz des Stärkeren und Jason muss sich alles zunutze machen was er finden kann. Mit verschiedenen Pflanzen kann er Heiltränke oder bewusstseinsfördernde Mixturen brauen. Mit dem erjagten Fell von unzähligen Tieren lassen sich Waffen- und Munitionstaschen herstellen. Selbst für das Tragen von mehr Geld um Waffen zu kaufen, muss man Tierfell beschaffen. Dem Spieler steht erwartungsgemäß ein riesiges Gelände zur Verfügung, auf dem er sich austoben kann. Doch Vorsicht ist geboten. Zunächst will die Insel ausgekundschaftet werden. Am besten gelingt dies wenn Jason Störsender von Funktürmen entfernt. Um den Piraten die Kontrolle von verschiedenen Abschnitten der Insel zu entziehen, empfiehlt es sich deren Lager zu erobern. Unterstützt durch die Rebellen kann der Spieler jederzeit seinen ganz eigenen Weg wählen. Entweder wählt er die brachiale Variante und klopft mit dem Raketenwerfer am Haupteingang an, oder er kundschaftet zuerst die Lagerinsassen aus, um sie dann Stück für Stück mit Schleichangriffen und einem Messer leise auszuschalten. Wem das alles hier ein wenig bekannt vorkommt, braucht sich nicht zu wundern, denn das Gameplay ist identisch mit einem Spiel aus der Assassins Creed - Reihe. Jetzt lässt sich natürlich darüber streiten ob Ubisoft hier einfallslos ist oder aber genial. Fakt ist, dass dieses Gameplay bereits in der erfolgreichen Assassinenreihe sehr gut funktioniert hat. Hier greift einfach die Botschaft: "Lieber gut geklaut, als schlecht selbst erfunden!" Mit einer gnadenlosen Konsequenz finden wir wirklich alle Komponenten wieder, die wir bereits aus Assassins Creed kennen. Neben der Haupthandlung, die jeweils über das Starten einer speziellen Mission vorangetrieben wird, gibt es noch unzählige Nebenmissionen und Minispiele zu bewältigen. Die Zahl ist schier endlos, allerdings auch zu oft wiederholend. Die meisten Nebenmissionen wirken einfach zu deplatziert und passen leider nicht immer ins Gesamtbild der ansonsten stimmigen Story. Aberdutzende Botengänge und Headhunter-Missionen lutschen sich dann doch zu schnell aus und an Geld mangelt es nicht. Auch ein Erfahrungssystem wurde Jason geschenkt. Die Idee dies mit einem wachsenden Tattoo an seinem Arm zu verbinden ist clever und bringt einen mystischen Voodoo-Touch ins Spiel. Mit jedem Level-Up kann der Spieler wählen, ob er neue und effektive Tötungsmethoden lernen will oder doch lieber auf neue Rezepte oder bessere Konditionierungen zurückgreifen will.

Die Insel ist nicht nur riesengroß, sie ist auch noch fantastisch anzusehen. Ehrlich, wären hier nicht diese ganzen Gangster und wilden Tiere, wir würden hier Urlaub machen. Eine atemberaubende Flora und Fauna erstreckt sich über bergige Küsten und sandige Strände. Eine Orientierung ist hier eigentlich fast unmöglich und nur diverse Lager und Ruinen, sowie ein Blick auf die Karte sorgen dafür, dass man nicht völlig in der grünen Hölle verloren geht.
Grafisch ist Far Cry 3 wirklich gut anzusehen. Einzig vereinzelte Tearings, sowie Pop-Ups beim Überfliegen größerer Landstriche hinterlassen ein paar Kratzer an der ansonsten soliden Vorstellung auf der Konsole.
Aber auch die deutsche Lokalisierung schwächelt ein wenig und zwar bei der Lippensynchronisation. Es ist schwierig zu sagen, ob hier das Tonstudio versagt hat, oder einfach die technische Umsetzung mangelhaft war. Tatsache ist, dass so etwas eigentlich heutzutage vermeidbar sein müsste. In solch teuren Produktionen muss einfach genügend Professionalität vorhanden sein um solch gravierende Fehler zu vermeiden.

Doch verlassen wir nun den Einzelspieler, denn in Far Cry 3 steckt noch wesentlich mehr als das. Überraschenderweise finden wir nämlich einen richtig guten Koop-Modus in diesem Spiel. Mit zwei Spieler im Split-Screen oder mit bis zu vier Spielern online, dürfen wir eine völlig von der Einzelspielerhandlung losgelöste eigene Story erleben. Diese spielt einige Monate vor den Ereignissen um Jason Brody und handelt von vier Personen die von einem korrupten Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes an die Piraten ausgeliefert werden. Interessanterweise haben diese Charaktere aber alle militärische Erfahrung und spielerisch stellen sie verschiedene Klassen wie Scharfschütze, Unterstützung oder Sturmsoldat dar. Das Levelartige Schlauchdesign hebt sich zwar vom Open-World Charakter des Einzelspielermodus ab, sorgt aber dadurch für wunderbare Abwechslung.
Hut ab Ubisoft, gute Koop-Kampangen haben Seltenheitswert und um so bewundernswerter ist Dieser hier. Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, aber macht dementsprechend umso mehr Spass. Vielleicht hätte die Kampange umfangreicher sein dürfen, trotzdem ist dieser Spielmodus wirklich gelungen.
In Ego-Shootern wird natürlich viel Wert auf den Multiplayer gelegt. In den meisten Spielen dieses Genres ist dieser Teil sogar der Hauptgang. Bei Far Cry 3 ist dies definitiv nicht der Fall. Trotzdem, und das ist definitiv überraschend, finden wir hier einige sehr innovative Elemente vor, die wir selbst aus Krachern wie Battlefield 3 nicht kennen. Ein Beispiel: Am Ende einer Multiplayerunde zwischen Rebellen und Piraten, dürfen die drei Bestplatzierten darüber entscheiden, ob der beste Spieler des Verliererteams in einer animierten Sequenz exekutiert wird, oder überleben darf. Das bringt echtes Flair und zeigt Sportsgeist.
Auch der Map-Editor ist keine Selbstverständlichkeit und dessen Bedienung auch schnell erlernbar. Alle Kreationen sind von Freunden bespielbar und die Besten werden sogar prämiert und von Ubisoft veröffentlicht.

Dieses Spiel ist eine Urlaubsreise wert

Mit Far Cry 3 gelingt es Ubisoft das Genre Ego-Shooter in ein neues und für viele Spieler interessantes Licht zu rücken. Das typisch actiongeladenen Feuerwerk eines Shooters trifft hier auf Rollenspielelemente, eingepflanzt in ein riesiges Open-World Szenario. Die grafische Finesse kann sich auf der Konsole zwar nicht so entfalten wie sie es auf dem PC tut, doch sieht man über diverse Schönheitsfehler hinweg, können wir immer noch eine fantastische Flora und Fauna genießen. Das der Entwickler sich einem bekannten Gameplay aus dem eigenen Hause bedient hat, kann man gnädig betrachten, denn was in Assassins Creed funktionierte und für dutzende Stunden Spielspass sorgte, funktioniert auch prima in der piratenverseuchten Umgebung von Far Cry 3. Die fesselnde Story mit einem diabolischen Bösewicht der seines Gleichen sucht, sorgt für die passende Langzeitmotivation. Wer nach dem Einzelspieler immer noch nicht genug vom “Bacardi-Feeling” hat, kann sich über einen gelungenen Koop-Modus und tollen Multiplayer freuen. Far Cry 3 ist damit ein starkes Kraftpaket, welches sein Geld wert ist.