Vorsicht, Erotik 1...
...Think like a Gamer #12
Dienstag, 06. Januar 2009 um 15:38 von
...nackte Tatsachen - Teil 1
- Realismus braucht Brüste -
Willkommen zu einem "Think like a Gamer", der so viel Platz benötigt, dass ich ihn in zwei Bereiche gespalten habe. Passenderweise behandeln diese die Themen Liebe und Erotik. In zwei Teilen werde ich also für euch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, heiße Details verraten und euch wahrscheinlich auch mit ein paar sexy Screenshots verwöhnen - wenn ihr lieb seid. Beginnen möchten wir mit dem züchtigeren Thema, aber gleichzeitig auch dem anspruchsvolleren: der Liebe.
Denn die Liebe, so abgedroschen es nun auch klingen mag, ist doch eine der stärksten Kräfte in dieser Welt - leider in beide Richtungen. Doch widmen wir uns nicht Frühlingsgefühlen und Herzschmerz, sondern der Liebe im Videospiel. Da wäre zunächst die Liebe zum Spiel selbst. Jeder von uns wird sich schonmal dabei erwischt haben, wie er das Cover eines heißbegehrten Spiels geküsst hat. Vielleicht auch nur weil Ayane oder Vanessa Z. Schneider darauf zu sehen waren. Doch die Liebe zur eigenen Sammelleidenschaft meine ich nicht. Ich meine tatsächlich die Liebe und wie sie in der heutigen Zeit im Videospiel thematisiert wird. Und um eines mal vorweg zu nehmen: Viele Spiele gibt es nicht, die dem Thema gerecht werden.
- Where is the Love? -
Vielleicht ist auch genau das nach wie vor der große Nachteil gegenüber einem anständigen Kinofilm. Denn selbst dem Laien fällt auf, dass es in einem Videospiel alles gibt - nur keine Romantik. Dabei ist es gerade das Band zwischen Mann und Frau, das die Sache um einiges realistischer gestalten könnte. Doch was tun die Entwickler? Anstatt sich eine Liebesgeschichte auszudenken, verpassen sie der Protagonistin lediglich ein paar übergroße Brüste und schicken sie halbnackt ins Rennen. Nicht das ich was dagegen hätte, aber stumpfe Dead or Alive Püppchen (sorry Moggy ^^) und zickige Call Girls aus GTA sind nicht das, was das Medium Videospiel weiter nach vorne bringt. Seht es mal so: In Sachen Action, Umsatz, Faszination und mittlerweile auch Massentauglichkeit und Werbung, hat "unsere" Branche die große Leinwand schon vor langer Zeit eingeholt. Viele Spiele haben auch Hollywood reife Geschichten parat. Jedoch kommt die Liebe dabei immer zu kurz. Ironischerweise fehlt genau dieser Teil des Realismus, nach dem so viele Spiele streben, jener Aspekt, der ein Spiel glaubwürdiger und intensiver machen könnte.
- der Tunnel -
Um unser Hobby auf eine neue Ebene zu hiefen, braucht es also klevere Schreiber und natürlich auch eine passende Umgebung. Sicher, Aliens, Zombies und wütende Marines lassen sich leichter in einen Ego Shooter integrieren als eine Romanze, aber genau daran sollten die Studios arbeiten. Negativ Beispiele gibt es dabei so einige. Die Nutten und Callgirls aus GTA haben wir bereits erwähnt. Kurz hupen, rein ins Auto und beim vierten Teil ohne jeglichen Sinn mal schnell einen Blowjob bestellt. Dazu kommt die Tatsache, dass Nico Bellic seine Freundinnen behandelt wie Nutzvieh, sie anruft wann er will und auch nicht gerade redselig ist. Das Rockstar Game ist zwar als ironisch zu betrachten, dennoch kennen die meisten Zocker wohl eher einen anderen Typ Frau. Nämlich entweder Mutti, die euch abends an der Tür noch einmal einen Gute Nacht Kuss zufliegen lässt, oder die Freundin, die neben euch steht und ins Ohr brüllt, wie lange ihr noch "Mettl Gier" zocken wollt. Doch aufgepasst, gerade habe ich selbst die Frauen pauschalisiert - jedoch nur um den Artikel interessanter zu gestalten. Worauf ich hinaus will: Frauen sind selten so wie im Spiel dargestellt. Sie sind meist zu platt, zu einfarbig und eine echte Liebesgeschichte gibt es nur selten. Selbst Titel wie Fable, die bei denen man mit dem richtigen Partner sogar Kinder haben kann, machen auf Dauer keinen Spaß. Ihr könnt beliebig oft mit beiden Geschlechtern fremdgehen und selbst wenn ihr eure Gattin betrogen habt, reicht ein sexy Pfeifen oder ein erotischer Tanz aus, um die Betrogene wieder glücklich zu stimmen. Kann im echten Leben eigentlich nicht so einfach sein...
- Ja, wie auch -
Richtig, ihr habt aufgepasst. Nimmt sich ein Entwickler die Liebe mal zu Herzen - und dazu gehört nunmal körperliche Nähe - dann gibt es von den bösen Kontrollinstanzen gleich was auf die Finger. Ein Spiel, das aus jedem Blickwinkel betrachtet den absolut richtigen Weg gewählt hat, ist Mass Effect. Bei dem Rollenspiel-Hit könnt ihr nach vielen Stunden im Abenteuer, ganz freiwillig, eine Liebesgeschichte entfachen und eine Liaison mit einer Aliendame beginnen. Was im Spiel gar keine so große Rolle spielt, ist storytechnisch hervorragend gelöst worden, erntet dafür in den Staaten aber auch böse Kritik. Da wird wütend mehr Schutz für Kinder gefordert, Kirchenvorstände fürchten um das geistige Wohl der Jugendlichen und von der Propagandamaschinerie verwirrte Fernsehpüppchen fragen nach dem Sinn der angedeuteten Sexszene. Da kann ich nur sagen: Danke Amerika, so klappts bestimmt nicht!
- das Licht -
Eben gabs den Tunnel, jetzt das Licht. Haha. Jedenfalls stolpert man doch tatsächlich ab und an mal über einige Spiele, die alles richtig machen, wenngleich nicht perfekt. Können sie auch gar nicht, dazu gibt es leider zu wenig Vorbilder und Wegbereiter. Nehmen wir doch mal Fahrenheit. Es sah nicht super aus, hatte aber gerade bei der Storyline einige wundervolle Wendungen parat. Mit dabei: Ein kurzer Liebesausflug mit Partnerin Carla. Passt einfach ideal in das Grundgerüst von Fahrenheit und das Thema Liebe (nackte Haut inklusive) wird hier deutlich ernster behandelt als bei vielen Konkurrenten. Großes Highlight ist natürlich auch Max Payne. Angetrieben von seiner schmerzlichen Liebe, die einfach nicht gut enden soll, kämpft sich der Held in dem bittersüßen, vom Film Noire angehauchten Spiel durch das Desaster seines eigenen Lebens. Bereits auf dem Cover hält er seine Liebe in den Armen und dank den stimmungsvollen Monologen werden sich viele reifere Spieler hier irgendwie verstanden fühlen. Auch die Helden von Silent Hill sind meistens mit schwerem Herzen unterwegs und suchen zwar nicht immer ihren Partner, aber jemanden den sie lieben. Respekt verdienen natürlich auch viele Rollenspiele aus Japan. Oft kommt die Liebe hier nicht zu kurz, es gibt ein wenig Romantik, aber auch Neid und Betrug. Eben die Facetten des Lebens, die uns menschlich machen. Und das sind zumeist Dinge des Herzens.
- Jungs mögen doch Bonbons -
Und Männer mögen doch Frauen. Die Frage ist jetzt nur: Sind die Entwickler zu festgefahren um tolle Geschichten rund um das Thema Liebe zu schreiben oder ist die Akzeptanz der Gesellschaft einfach noch nicht da? Wer könnte eigentlich was dagegen haben, wenn Spiele dadurch reifen, intensiver und spürbarer werden? Videospiele sind handarbeit, erfordern Konzentration, Geduld, Aufmerksamkeit und auch ein bisschen Glück. Alles Attribute, die man auch auf die Liebe anwenden kann, denn auch hier sind diese Tugenden keinesfalls fehl am Platz. Warum dürfen sich also ab 13 Uhr Mittags die hässlichsten fetten Kühe in diversen Talkshows entkleiden und ihren Speckhüften schwingen und im Videospiel ist schon eine Brust verächtlich? Wobei man in diesem Bereich mit der deutschen Zensur wohl am wenigsten Probleme hat. Nein, ein wenig ist das die Zeit schuld, die mittlerweile vergangen ist. Wir zocken halt alle schon was länger und da wirken weibliche Wesen, sofern sie keine Laserkanone in der Hand haben oder oben ohne auf dem Fahrrad sitzen, immer ein wenig befremdlich. Fast schon so, als würde der Nerd im abgedunkelten Zimmer zum ersten mal ein weibliches Wesen sehen. Auch wenn das hoffentlich nicht auf euch zutrifft, sind wir es doch selber schuld. Zu wenig Leute verlangen die Liebe im Spiel, man ist zufrieden mit dem was man hat, auch wenn das wahrscheinlich nur daran liegt, dass man die Gegenseite noch nicht kennengelernt hat. Wie etwas vermissen, wenn man es nie hatte?
Doch wohin führt uns dieser Think like a Gamer nun? In mir wächst seit langem der Wunsch, dass man beim Videospiel ähnlich emotional empfindet wie beim Film. Zwar spiele ich wesentlich lieber als ich Filme gucke, dennoch bin ich nach vielen Filmen deutlich aufgelöster und irritierter, als nach einem Videospiel. Das liegt mitunter an der fehlenden Liebe. Dabei kann man sich tatsächlich auch von der Liebe einer Beziehung lösen, denn auch was Eltern oder Kinder betrifft, so werden diese im Spiel gerne ausgeklammert. Klar, hier und da wird mal ein Familienmitglied weggebombt und Silent Hill haben wir bereits erwähnt, aber bei welchem Spiel steuert man bitte eine Mutter die nach ihrem Kind sucht? Okay, das ist jetzt auch nicht unbedingt das was ich mir wünsche, aber ich denke ihr wisst worauf ich hinaus möchte.
- shadow die alte Emanze -
Nur wer nicht richtig gelesen hat denkt nun, ich wäre ein Befürworter der Frauenwelt. Ich habe es einfach nur satt just auf billig aufgepumpte Ladies und nutzlose "Objekte" zu stoßen. Vielleicht sind es nicht die Frauen die den Spielen fehlen, sondern die Partnerinnen. Dass ich übrigens gegen das Thema nackte Haut und auch einen übergroßen Busen nichts einzuwenden habe, werdet ihr in Kürze zu lesen bekommen. Denn immerhin bin ich es, der in jedem Videospiele (sofern verfügbar) den weiblichen Charakter wählt und ihn möglichst knapp bekleidet. Freut euch also auf den zweiten Teil von "Vorsicht, Erotik"...
Trotzdem fühle ich mich ein wenig so, als würde hier das Fazit fehlen. Weil man, ähnlich der deutschen Zensur bei Videospielen, gegen eine Großmacht anrennt. Nur kann ich hier nicht mal auf die Urheber zeigen. Es gibt sie nicht. Und selbst wenn hier jetzt 20 Leute sagen "Joa, ein paar etwas ernstere Spiele wären super", wird sich an der Situation kaum was ändern. Liebe und Videospiel passen eben irgendwie noch nicht recht zusammen. Nur würde es unserem Hobby helfen, wenn dies irgendwann mal der Fall sein könnte.

