Einloggen

Du bist noch nicht bei consolewars registriert? Dann erstelle
jetzt ein Benutzerkonto!

Vorschaubericht: Sleeping Dogs

Consolewars konnte den GTA-Konkurrenten Sleeping Dogs von Square Enix bereits anspielen und schaut, ob sich das Warten auf die Hunde lohnt oder ob Rockstar Games in Sachen Sandbox-Open World noch die Nase vorn hat!

Donnerstag, 19. Juli 2012 um 13:52 von HatWolf

Manche Videospiele gehen einen langen Weg. Die Hürden, Veränderungen und Verzögerungen, die ein Spiel während seiner Entwicklung hinnehmen muss, enden oft mehr als unglücklich. Im schlechtesten Fall schiebt der Geldgeber dem Projekt einen Riegel vor und beendet damit die Hoffnung von Entwickler und Fans. Ein ähnlicher Fall wäre auch Sleeping Dogs gewesen, bei dem die schlafenden Hunde nicht nur weitergeschlafen hätten, sondern von Activision gleich eingeschläfert worden wären. Ursprünglich unter dem Projektnamen „Black Lotus“ entwickelt, wurde es 2009 als Reboot zur True Crimes-Serie angekündigt und sollte unter dem Namen True Crimes: Hong Kong erscheinen. Durch das hohe Budget und den resultierenden Verspätungen verlor der Publisher allerdings das Vertrauen in das Spiel und setzte die Hunde 2011 vor die Tür. Doch bereits ein halbes Jahr später nahm Square Enix das Projekt wieder auf und gestattete dem Entwickler die Fertigstellung, wobei eine Namensänderung erfolgen musste, da die Namensrechte am True Crimes-Franchise nicht mit aufgekauft worden waren. So wurden die wahren Verbrechen zu schlafenden Hunden. Wir von Consolewars konnten nun unsere Pfoten an eine Vorabversion des Spiels legen und klären die Frage auf, ob es sich lohnt die Hunde im August von der Leine zu lassen oder ob man nicht besser ein Maulkorb bereit halten sollte.



Worum geht’s? Der chinesisch-amerikanische Polizist Wei Shen unterwandert als Undercover-Cop die Triade Sun On Yee in Hong Kong und muss sich als örtlicher Verbrecher ausgeben. Das ganze ist also eine Art GTA im fernöstlichen Szenario. Trotz großer Ähnlichkeit mit dem Vorbild von Rockstar Games, macht Sleeping Dogs aber dennoch einen unverbrauchten Eindruck. Das liegt vor allem an dem äußerst gut umgesetzten Aussehen der fernöstlichen Metropole, welche schon in der Vorversion durch äußerst viele Detail glänzen konnte. Das virtuelle Abbild der Stadt an der Südküste Chinas machte einen lebhaften und organischen Eindruck, dessen Vielseitigkeit durch die unterschiedlichen Stadtgebiete nur noch unterstrichen wurde. Der Anblick von nächtlichen Märkten mit Neoschild-Beleuchtung, traditioneller Tempelgärten, dreckige Hinterhof-Gassen mitsamt dampfenden Nudelständen und hochmoderne Tanzclubs wechselten sich innerhalb unserer Probespielzeit immer und immer wieder ab. Einen Teller Nudelsuppe oder einen warmen Sake kann man sich dabei auch ab und zu gönnen, da solche Kleinigkeiten die Gesundheitsregeneration des Helden unter anderem auf Trab halten. Einen Anreiz zur Erkundung gibt es aber auch: Nicht nur zusätzliche Nebenmissionen und Gefälligkeiten kann Shen so finden und übernehmen, auch darf er feindlichen Banden Geldkoffer für zusätzliches Cash abnehmen oder an kleinen Schreinen beten, um so seine maximale Lebensenergie zu erhöhen. An Beschäftigungen mangelt es aber ohnehin nicht. Wer gerade genug von der Unterwelt hat, kann sich in Kampf-Clubs prügeln, an Hahnenkämpfen oder Straßenrennen teilnehmen oder sich an Karaoke und Glücksspielen versuchen.

Doch eines nach dem anderen. Der Spieler kann und muss bei seinem Aufenthalt in Hong Kong gleich zwei Dinge beachten. Während der Spieler in GTA zumeist als zwielichtiger Krimineller niemandem außer sich selbst Rechenschaft ablegen muss, so ist Wei Shen immer noch an das Gesetz gebunden. Immerhin ist er auch ein Polizist. Doch auch das Vertrauen der Triade muss gewonnen werden, sodass man sowohl verdeckte Polizeiaufträge ausführt, als auch für die Sun On Yee die kriminellen Machenschaften übernimmt. Dabei verdient man für jeden Auftrag sowohl Triaden- als auch Polizisten-Punkte, die man wie in einem Rollenspiel in neue Fähigkeiten und Eigenschaften investieren kann. Dabei gibt es einen unterschiedlichen Fertigkeitsbaum für Triade und Polizist, die sich selbst noch einmal in zwei weitere Pfade aufteilen. Der Fähigkeitsbaum für Triade und auch Polizisten locken dabei mit nützlichen Vorteilen für den Spieler, wie etwa Autos knacken ohne Alarmanlagen zu aktivieren oder stärkere Tritte und Hiebe. Besonders viele Triaden-Punkte gibt es, wenn man feindliche Bandenmitglieder blutig zusammenprügelt aber auch eindrucksvolle Verfolgungsjagten, egal ob zu Fuß oder per fahrbarer Untersatz, lassen die Punkte aufs Konto wandern. Polizistenpunkte gibt es für verdeckte Ermittlungen, allerdings werden gesetzliche Fehltritte direkt mit Abzügen bestraft. Wer also Unschuldige verletzt oder die halbe Stadt ramponiert geht in der Hinsicht fast leer aus. Ein weiterer Faktor sind die „Face-Punkte“ welche sich durch alle Taten im Spiel ansammeln und beim Aufleveln von alleine neue Fähigkeiten freischalten. Manche Aktivitäten, Kleidungsstücke etc. lassen sich auch erst mit einer gewissen Face-Stufe verwenden. Bestimmte Kampffähigkeiten kann Wei aber nicht durch diese Rollenspiel-Eigenschaften des Spiels verbessern, da diese erst durch Training in einer Martial Arts-Schule erhältlich werden. Um diese besonderen Trainingsstunden zu verdienen, müssen erst Jadestatuen gefunden werden, die in der Spielwelt versteckt wurden. Also Augen auf!





Martial Arts ist übrigens ein gutes Stichwort. Im Gegensatz zu GTA scheint sich Sleeping Dogs weniger auf den dauerhaften Einsatz von Schusswaffen zu verlassen und orientiert sich eher an ordentlichen Kung Fu-Filmen. Mit einem Kampfsystem, welches dem Free Flow-System von Batman: Arkham City nicht unähnlich ist, teilt Wei mit einer harten Faust aus. Auch wenn es bisher noch nicht so geschmeidig und flüssig aussieht wie bei der maskierten Fledermaus, so steuert sich das ganze ähnlich angenehm. Neben dem Austeilen von Schlägen und Tritten können Angriffe auch gekontert werden, wobei der richtige Zeitpunkt dafür mit einem roten Leuchten um den Angreifer angezeigt wird. Auch die Umgebung kann in den Kampf miteinbezogen werden. Greift sich Shen einen Kriminellen, kann er ihn für kurze Zeit mit sich reißen und so mit dem Kopf voraus gegen eine Wand knallen lassen. Allerdings eignen sich Leitplanken, Telefonzellen oder Tischkanten mit einer bestimmten Geschwindigkeit auch gut dazu jemanden Sterne sehen zu lassen. Diverse Objekte in der Umgebung können ebenfalls für zusätzliche Angriffe genutzt werden. In einer Mülltonne lässt sich ein Gegner direkt fachgerecht entsorgen, aber auch Stromkästen und Ventilatoren können zum Einsatz kommen. Besonders bei letzterem lässt sich in aller Ernsthaftigkeit der Gewaltgrad von Sleeping Dogs nicht mehr ignorieren. Das Spiel zeigt sich schon in der Vorversion sehr brutal, da die Gewalt bis ins Details zelebriert wird. Bei einem Konter bricht Wei einem Gegner schon einmal den Arm, tritt auf am Boden liegende Gegner ein, rammt den Kopf das nächsten so stark gegen die Wand, dass es einen feucht-roten Fleck hinterlässt oder hält dessen Gesicht in einen rasselnden Ventilator bis das Blut spritzt. Ähnlich sieht es auch aus, wenn diverse Waffen wie Brechstange oder Messer zum Einsatz kommen. Ob das Spiel am Ende unbeschadet an den deutschen Jugendschützern vorbeikommt, muss sich erst noch zeigen, aber eine Alterseinstufung von "Ab 18" dürfte es jetzt schon sicher haben. Für Schießwütige ist übrigens auch gesorgt. Später im Spiel bekommt man seine Hände auch an einige Knarren, sodass man sich auf einige Schusswechsel in den Straßen Hong Kongs einstellen kann. Dabei bedient sich das Spiel einer typischen Cover-Mechanik, die man bereits aus unzähligen Third Person-Shootern kennt, würzt das ganze aber mit einigen Slow-Motion-Einlagen. Wer über ein Hindernis hinwegstürmt, kann Gegner zeitverlangsamt ins Visier nehmen, wobei auch hier natürlich weiter eifrig das Blut spritzt. Ob man aber nun den Gewaltgrad mag oder nicht, so muss sich Sleepings Dogs bisher keinesfalls in seiner Spielbarkeit verstecken.

Die vorhin erwähnten fahrbaren Untersätze spielen aber auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Fahrsequenzen haben sich dabei eindeutig von Need for Speed inspirieren lassen, was auch kein Wunder angesichts dessen sein dürfte, dass viele Entwickler des Teams vorher an einigen Need for Speed-Titeln gearbeitet haben. Dabei hat man bei Verfolgungsjagten nicht nur in der Rolle des Verfolgers inne, sondern muss auch regelmäßig die Polizei abhängen. Das ganze kann mit einem gewissen Action Film-Flair reizen, da man nicht nur Zeugen von Crashes oder Stunts sein wird, auch kann Wei noch während der Fahrt von einem Fahrzeug zum nächsten springen, um kurzerhand die Kontrolle darüber zu übernehmen. Obacht ist aber geboten, denn wildes Zerstören der Umgebung, Verletzen der Passanten oder gar der uniformierten Kollegen kosten viele Punkte in den Aufträgen. Aber auch zwischen einer Mission darf man sich an dem reichhaltigen Angebot an verschiedenen Wagen und Motorrädern auf den Straßen Hong Kongs bedienen. Wir hatten innerhalb der Probeversion die Kontrolle über schicke Zweiräder, Sportwagen, Bussen und einem Hühnertransport-Lastwagen, inklusive gackerndem Gepäck. Letzterer kam übrigens in einer Polizei-Mission zum Zuge, in der Wert auf verdeckte Ermittlung gelegt wurde und statt harter Action eher vorsichtiges Umherschleichen und heimliches Fotoschießen vorherrschte. Einseitigkeit kann man Sleepings Dogs wohl wahrlich nicht vorwerfen.

Bisher macht Sleeping Dogs einen ziemlich guten Eindruck, so sehr sogar, dass sich GTA V eventuell ziemlich warm anziehen müsste. Was wir in der Vorversion gesehen haben, macht jedenfalls durchaus Lust auf mehr und das Potenzial von Hong Kongs Unterwelt ist immens, sollte Square Enix es am Ende voll ausschöpfen können. Auch die atmosphärische Mischung aus Kung Fu-Streifen und Gangster-Film ist bisher durchaus gelungen und unglaublich vielversprechend. Wei Shens Drahtseilakt als Verbrecher und Polizist versprach auch eine vielseitige Mischung an Aufträgen, die, wenn es weiterhin richtig genutzt wird, ein Abwechslungsreichtum bietet, der für unzählige Stunden vor die Konsole fesseln könnte. Ob diese Lorbeeren auch geerntet werden können, wird man aber am 17. August sehen, denn erst dann werden die schlafenden Hunde erst geweckt.


consolewars liefert tagesaktuelle Spielenews, exklusive Testberichte, sowie die wichtigsten Nachrichten aus dem Games Business und zahlreiche Möglichkeiten sich in die Geschehnisse in Form von Blogs, Gruppen- oder Userpages in einer der größten deutschen Gaming Communities im Internet einzubringen.

Impressum & Disclaimer | copyright © 1999-2013 consolewars®. XXX