Einloggen

Du bist noch nicht bei consolewars registriert? Dann erstelle
jetzt ein Benutzerkonto!

Vorschaubericht: Assassin's Creed Syndicate

Bald ist es wieder Zeit für ein neues Assassin's Creed. Was hat sich seit Unity getan? Wir durften selbst nach London fliegen um uns davon selbst zu überzeugen.

Montag, 28. September 2015 um 10:07 von HatWolf

Es gibt viele interessante Orte und Zeitpunkte im Geschichtsbuch, aber nur einer hat beschlossen sie alle zu besuchen. Nein, wir reden über keinen Zeitreisenden, sondern über Ubisoft, die es sich zur Aufgabe gemacht haben ihre Assassin’s Creed-Reihe durch die ganze Weltgeschichte stattfinden zu lassen. Nach der letzten Spielweise im historischen Paris zur Zeit der französischen Revolution, bringt uns Assassin’s Creed Sydicate nun in die nächste Revolution, nämlich in die industrielle, Zeitpunkt 1868. Die Location dieses mal ist London. Und keineswegs gibt man jetzt die detailgetreue Darstellung historischer Gegebenheiten auf, für die man ja mittlerweile bekannt ist, ganz im Gegenteil. Als wir der Einladung von Ubisoft persönlich ins moderne London folgten, um selbst einmal Hand an das neue Asssassin’s Creed zu legen, erklärten uns die Entwickler, dass man London sogar fast schon als "Hauptcharakter" betrachten würde. Die verschiedenen Stadtteile würde man mit Liebe und Hingabe in Szene setzen, sich um das unterschiedliche "Feeling" in Westminster oder Whitechapel Gedanken machen - ein weiterer Beweis dafür, dass Ubisoft einige der besten Enviroment Designer in der Industrie beschäftigt. Doch wie hat sich Syndicate spielerisch weiterentwickelt? Kann das neue Assassin’s Creed Fans zurück bringen, die von den alljährlichen Sequels ermüdet sind?


Die Pferdekutschen werden ein ganz neues Transportmittel sein - Verfolgungsjagden inklusive.

Einiges ist von der ersten Sekunde an offensichtlich: Syndicate wandelt in den Fußspuren, die Unity bereits in den Sand getreten hat. Das neue Schleich- oder Kletter-System ist weiterhin vorhanden, dummerweise auch ohne nennenswerten Verbesserungen, sodass die ungenaue Steuerung von Unity ebenfalls zurück kehrt. Die Kämpfe dafür sind schneller, Gegner greifen zugleich an und auch Kombos aneinander reihen erinnert mehr an die Arkham-Reihe als an das typische Assassin’s Creed. Das ungenaue Ausweichen fällt weg, nun kontert man Angriffe wieder, zum Glück ohne aber alle Gegner gleich sofort auszuschalten. Somit sind die Konfrontationen zumindest gegenüber Unity und den älteren Spielen überlegen. Große Neuerung ist unter anderem aber nun, dass man nicht nur einen, sondern gleich zwei Assassinen zur Verfügung hat. Das Geschwisterpaar Jacob und Evie Frye trauen sich in das von Templern dominierte London zurück, um es von Grund auf umzuwerfen, die Korruption zu bekämpfen, die Verantwortlichen zu eliminieren und die Stadt endlich zu befreien. Und wie befreit man eine Stadt, in dessen Straßen die Gewalt und Willkür von üblen Gangs herrschen? Man gründet natürlich eine eigene Gang. All diese Änderungen tragen zumindest dazu bei, dass Syndicate einen eigenen Charakter bekommt. Anstatt wie auf Unity auf einen einzigen Fähigkeitenzweig zu setzen, kann man bei Jacob und Evie unterschiedliche Wege bestreiten. Man kann in ruhigen Momenten zwischen beiden Figuren wechseln, aber beide verdienen gemeinsam neue Skillpunkte, egal wer gerade aktiv ist. Und die Punkteverteilung ist individuell, genauso wie die neue Ausrüstung von Waffen und Kleidung. So kann man sich zeitgleich einen kampfstarken Assassinen basteln, während man den anderen Charakter zum perfekten Schleicher macht. Welche Mission dann man mit Jacob und Evie angeht, ist dann eine Frage der bevorzugten Taktik. Auch die eine eigene Gang zu haben ist interessant. Von dem was wir sehen konnten, erobert man nicht nur Stück für Stück London zurück, sondern setzt seine Schläger in die neuen Gebiete hinein, um sie gegen die alten Gangs zu verteidigen. Auch den eigenen Schlägertrupp levelt man auf und schaltet unterschiedliche Perks frei. So konnten wir z.B. einen neuen Typ von Kämpfer unserer Meute hinzufügen, der öfter als alle anderen zur Pistole greift. Für diese Erweiterung braucht man auch Ressourcen, die man aus Missionen verdient. Insofern erinnert dieser neue Abschnitt sehr an die Verbesserung von Mannschaft und Schiffen aus Black Flag, nur, dass unser neuer zentraler Hub kein Bötchen auf dem Wasser ist, sondern ein Zug rund um Londons Gleise. Leider konnten wir noch nicht in die Tiefen gehen, was uns unsere eigene Gang bieten wird, aber man kann sich gut vorstellen, dass diese aufzubauen sehr motivierend sein wird.


Extrem nützlich, aber noch ein wenig unpräzise:
Der Rope Launcher gehört zu den neuen Spielzeugen eines Assassinen.

Auch ist die Liebe zum Detail wieder nicht zu übersehen. Ja, das alte Paris in Unity sah fantastisch aus, vermutlich die beste virtuelle Umgebung in Videospielen von einem alleinigen historischem Standpunkt aus. Das neue London steht diesem in nichts nach. Die rauchenden Schornsteine der Industrie, gegenüber den Bahnhöfen, den engen Gassen der Armenviertel zu den gewaltigen Türmen der royalen Bauten - ab dem Punkt erwartet man von einem Assassin’s Creed, dass die Umgebung visuell beeindruckend ist. Auch den Soundtrack muss man wohl hervorheben, der passend zum Abschnitt Londons die richtige Atmosphäre erzeugt. Im Gegensatz zu Unity ergibt nun auch der britische Akzent in der Vertonung einen Sinn, wobei einige Figuren derartig platt reden, dass sie ohne Untertitel vollkommen unverständlich wären. Zumindest für ungeübte Zuhörer. Bleiben wir aber einen Moment bei London und der Umgebung, denn Syndicate hat neben Zügen auch eine andere neue Reisemöglichkeit zu bieten, die Pferdekutschen. Ganz in GTA-Manier kann man jeden Karren einfach übernehmen und steuern, allerdings wirkt die Steuerung reichlich träge. Allerdings lässt sich dies noch rechtfertigen. Ein wenig irritierend ist es durchaus, dass man nicht an dem Klettern- und Schleichen der Hauptfigur seit Unity gefeilt hat, immerhin war dies einer der zentralen Kritikpunkte, dass sich aber eine Pferdekutsche behäbiger anfühlt als ein Auto ist völlig verständlich. Auch Verfolgungsjagden gab es sogar, diese waren bisher aber ziemlich einfach, da die feindlichen Kutschen rammen kurzen Prozess mit ihnen machte. Letzte große Neuerung ist der Rope Launcher, um in sekundenschnelle Gebäude zu besteigen oder zwischen ihnen Seile zu ziehen, von denen sich auch auf Gegner springen lässt. Gleiches Fazit wie zur Steuerung: Theoretisch gut, praktisch aber immer wieder mal ungenau. Öfteren kommt es dazu, dass der Assassine höher gelegene Punkte hinter sich anvisiert, anstatt in Blickrichtung nach einem Punkt zum Hochziehen zu suchen. Auch ist es unklar, wann man ihn nutzen darf und wann ein Ort zu weit entfernt ist. Allerdings ist die grundsätzliche Funktion so vielseitig, besonders beim Schleichen oder Entkommen von Gegnerhorden, dass man sie schnell nicht mehr missen möchte. Ein wenig müsste man nur noch an der Präzision feilen.


Die Übernahme Londons planen wir von einem Zug aus.

Während all diese Erweiterungen von der typischen Assassin’s Creed-Norm zu begrüßen sind, fühlt sich Syndicate bisher unter dem Strich allerdings nicht wesentlich besser oder anders als Unity an. Gleiche Vorteile, gleiche Tücken, quasi. Wie gut die erzählte Geschichte sein wird, lässt sich natürlich noch nicht sagen, bisher wirkten Evie und Jacob aber recht sympathisch. Aber wir gehen mal nicht davon aus, dass Syndicate noch irgendetwas aus dem Hut zaubern wird, was mittlerweile mürrisch gewordene Fans zurückholt. Als wir Unity dafür lobten, dass man in eine neue Richtung ging, versucht typische Eigenschaften der AC-Reihe zu überdenken, gingen wir fest davon aus, dass die folgende Spiele weiter dahin gehen werden, weiter feilen, weiter ausprobieren. Wer diese Hoffnung mit uns teilt, dürfte vielleicht ein wenig enttäuscht sein, da einfach nicht genug passiert ist oder man genug aus Fehlern gelernt hat. Das Missionen-Design bleibt qualitativ gleich ohne große Überraschungen, weiterhin gibt es unzählige, ähnliche Nebenquests als kleine Icons auf der großen Karte verteilt, Gameplay ist unverändert, rundum ist es ein Assassin’s Creed wie immer. Wer also es je erlebt hat, dass er die Motivation verlor alle kleine Icons auf der Karte in Watch_Dogs oder Assassin’s Creed abzuklappern, weil es sich anfing wie Arbeit und weniger wie Spaß anzufühlen, der könnte bei Syndicate in das gleiche Problem laufen. Wer jedoch die Menge an Nebenaktivitäten genießt, braucht keine Zweifel daran zu haben, dass Syndicate nicht eine ganze Menge Inhalt bieten wird. Immerhin, der viel kritisierte Multiplayer-Anteil ist weg, auch haben wir keine Companion-App Truhen gesehen. Was die Mikrotransaktionen angeht, so hat man auf die Helix Credits aus Unity verzichtet. Nicht aber auf die Mikrotransaktionen. Ja, richtig, anstatt eine zweite Währung einzuführen, wird man wohl einfach das übliche InGame-Geld über Echtgeld kaufen können. Die Option war bereits im Build enthalten, nur die Bestätigung hat einen bisher natürlich noch nicht zum Kaufbildschirm geführt.

Fazit:

Wir befinden uns mittlerweile bei dem neunten Assassin’s Creed-Teil der Hauptspielreihe. Zu erwähnen, dass Spieler wissen was sie erwarten wird, wäre eine immense Übertreibung. Wer keine Lust mehr auf die Reihe hat, weil es ihm mittlerweile zu viel ist, für den hat Syndicate kein Argument in der Hinterhand, für treue Fans ist es jedoch eine interessante Erweiterungen. Was wir uns ansehen konnten, ist so solide wie immer, zusammen mit einem bezaubernd hübschen London, zwei Hauptcharakteren, einem leicht verbessertem Kampfsystem und neue Mechaniken rund um die Gangs. An den Grundsäulen hat sich nicht viel seit Unity geändert, aber der Anstrich ist immer wieder neu und hübsch. Insofern ist eine Empfehlung oder gar ein Fazit eigentlich überflüssig: Jeder für sich weiß bereits, ob er Assassin’s Creed Syndicate spielen will oder nicht.