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Manchmal kommen Sie wieder...

...Think like a Gamer #9

Samstag, 16. August 2008 um 15:55 von shadowman

Manchmal kommen Sie wieder...

...und sie legen Hand an



- Ach das ist der Typ, mit dem ich immer chatte -

Sie gab uns Videospiele aller Art, neue Konsolen, halbnackte Messebabes und überteuerte Würstchen. Sie gab uns Coke Zero so viel wir wollten, wohlriechenden Gamer-Schweiß und Vodka im Club. Sie hatte Klasse, schaffte jedes Jahr neue Superlativen und sorgte für ein Lächeln auf den Gesichtern der Spieler - die Games Convention. Ich selbst war ihr vier Jahre in Folge treu und werde es 2008 ein letztes mal so richtig krachen lassen.

Wie jedes Jahr ruft die Perle des Ostens die Spielergemeinde mit ihrem Sirenengesang zu sich und wie jedes Jahr werden verschwitze Leiber aus den Straßenbahnen platzen und zu ihrem Mekka pilgern. Vorbei an dem großen Brunnen, vorbei an dem Elite-Eingang, direkt unter die große Glaskuppel, die schon erfüllt ist von elektronischem Geruch und jener Magie, die wir alle spüren wollen. Doch ob die Games Convention ein unkonventionelles Paradies, oder just ein Treffpunkt für daddelnde Deppen ist, das lässt sich so leicht nicht beantworten.



Die große Kuppel des elektronischen Dufts...



- Ich trau mich nicht -

Widmen wir uns zuerst mal einem Problem, das einige vielleicht noch aus der Zeit von Chat-Beziehungen und Internetflirts kennen: Der erste Moment, in dem man seinen Gegenüber trifft. Den Typen, mit dem man gemeinsam Locust zersägt hat, dem man jüngst einen Kopfschuss verpasste und genau jene Gestalten, die einem in der letzten Runde in die Parade fahren oder einen im Forum beschimpft haben. Jetzt ist man entweder positiv überrascht, geht zusammen einen trinken und freut sich das Eis der Anonymität gebrochen zu haben, oder man ist bitterlich enttäuscht, wendet sich angeekelt von seinem Gegenüber ab und löscht ihn daheim heimlich aus der Freundesliste. Letztes ist mir noch nie passiert. Ihr seid alle echt dufte Typen und Hunderte Erinnerungen haben sich mir ins Hirn gebrannt. Ob gewisse Leute jetzt halb in den großen Springbrunnen vor der Messehalle stolpern, man nach drei Stunden Schlaf unter der Dusche steht und sich fragt warum die Augen nicht aufgehen, von Abrissbirnen, Limousinenfahrten, Staropramen, der Milchbar, dem EB Games am Hauptbahnhof und Wurstpfannen... Und achja, da war ja noch was: Games!



Allabendliches Ritual mit /ajk



- Ich will doch nur Spielen -

Jetzt ärgere ich mich schon, dass ich diese Sub-Überschrift benutzt habe. Egal, worum es gehen soll ist damit wenigstens klar geworden. Um die Spiele nämlich, von denen es in all den Jahren unglaublich viele gab. Premieren, Anspielstationen, Tanzmattenduelle und chillige Momente in übergroßen Sitzsäcken. Für wenige Tage werden auch viele reifere Leute wieder zum Kind, lassen sich auf die merkwürdige Atmosphäre ein und genießen den audiovisuellen Überfluss. Überall kracht es, man ist irritiert vom nackten Fleische der Weiber, die sich für ein paar Euros an den Messebesuchern reiben müssen, ist versucht zu schreien "Leiser" und gibt sich dann doch dem Tranceartigen Zustand hin. Wenn sich selbst um drittklassige Entwickler große Menschentrauben bilden, nur weil diese ein paar T-Shirts in die Meute schmeißen, dann ist das ein zugleich bizarres und auch faszinierendes Bild. Und ja, auch ich habe einst in solch einer zähen Menschenmasse gestanden und nach Merchandise gegeifert. Die Entwicklung, vom gesitteten Spieler zur gierigen Bestie ist eine seltsame, wird aber mit Sicherheit von Wühltischerfahrenen Frauen nachempfunden werden können.
Aber so sehr einem der Trubel auch oft zuviel wird, es ist einzigartig dort. Man sieht erschreckend viele Kollegen und Gleichgesinnte, atmet die Luft aus der die Träume sind und kommt oftmals zum ersten mal mit einem langersehnten Titel in Kontakt. Na sicher, die Schlangen sind groß, Samstags herrscht akuter Luftmangel, aber das alles gehört zur Games Convention. Nirgends sonst gibt es eine so geballte Elektronik-Übermacht, nirgends sonst hängt Gamepad neben Gamepad, Nerd neben Geek und Sammler neben Freak. Man glotzt und staunt, lässt sich von den Publishern berieseln und erlebt, wieviel Geld tatsächlich in dem Business steckt. Die Games Convention war es, auf der ich zum ersten mal Resident Evil 4 spielte, Hand an Mario Galaxy und Halo 2 legte. Genau das ist es, was der Kern der Spieler auch will. Die künftigen Hits anspielen, selber beurteilen... und dann zu Hause weiter auf den Release warten. Es ist eine aktive Sneak-Preview, das erste beschnuppern und fast so, als würde man das Rad der Zeit für wenige Tage weiter vorwärts drehen können.



Der Brunnen der Entspannung. Mit Siskarad, DjDream, Stike und mir



- Special Feature -

Ohhh ja, ihr alle mögt es leugnen. Aber auch eure Augen neigen zum Abschweifen. Ich habe das nackte Fleisch oben schonmal erwähnt, aber die wohlgeformten weiblichen Körper mit einem Pfund Hack zu vergleichen ist nicht ganz fair. Tatsächlich ist die Geschichte des "Messe-Babes" eine Geschichte voller Missverständnisse. Erstmal hole ich euch auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Mädchen, das ihr auf dem Foto im Arm habt, lächelt nicht weil es neben euch steht, sondern weil ihr Portemonnaie während der Games Convention mächtig anschwillt... jedenfalls grinsen sie nur für bare Münze und nicht weil sie tatsächlich erheitert sind. Aber ich bin sicher, diesen Zauber habt auch ihr schon lange durchschaut. Die Damen, ich schätze sie mal auf 17 bis 35, laufen in den Messehallen herum, fast so wie Gott sie geschaffen hat. Was Gott nicht bedacht hat, waren hautenge Latexanzüge, Hosen die nicht mal den ganzen Po bedecken, Tonnenweise Schminke, Solariumsbräune und Aufklebe-Fingernägel. Nicht das ich mich darüber beschweren möchte, aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn sich plötzlich ein Stau bildet, nur weil die Mädls der Software Pyramide an einer Stange tanzen. Bei mir mischt sich zwar wilde Neugierde mit hinein, aber schon die erste Handy Kamera reisst mich aus dem feuchten Traum. Dann plötzlich keimt Scham auf. Tatsächlich schäme ich mich und ziehe meist recht schnell vorbei. Doch im Gegensatz zu vielen anderen von uns, haben sich die Babes immerhin freiwillig fürs ihren Job auf der Messe entschieden... und das ist auch gut so!



Da ham wa doch schon direkt ein paar Exemplare!



- Außerhalb der Messe -

Ich weiß, man will es nicht wahrhaben, aber irgendwann ist auch eine Games Convention mal zu Ende. Immer irgendwann zwischen 18 und 20 Uhr. Doch was ist danach? Nun, nach all den Jahren hat sich Leipzig an die immense Welle des Männerüberschusses gewöhnt und bietet dem geneigten Spieler auch in der Stadt selbst viele Möglichkeiten sich zu amüsieren. Ich selbst tendiere jedes Jahr zur Würstchenpfanne mit Bautzner Senf. Eine Spezialität, serviert in einer heißen Pfanne aus Gusseisen. Doch das Rahmenprogramm ist Vielfältig. Jeden Abend lockt eine Bar, Kneipe oder eine Discothek mit günstigen Getränken und wer ein wenig mit den Scheinen wedelt, der bekommt sogar eine exklusive VIP Ecke eingerichtet. Das ist nicht mal ein Scherz, zwar haben wir auch zwei Flaschen Vodka geordert, mit einem so zutraulichen Kellner hatten wir dennoch nicht gerechnet. Er servierte uns Erdbeeren, schob Sofas zusammen, reichte Salzstangen und war sehr um unser leibliches Wohl bemüht. Wer Zeit findet, der amüsiert sich zusätzlich auf den Partys der verschiedenen Hersteller, was auch jedes Jahr eine wahre Freude ist. So hat man am Ende nur ein verdammtes Problem: Wann soll man schlafen? Jeden Abend das gleiche Spiel. Geht man jetzt früh ins Bett und verpasst die größte Party die man als Gamer in Europa feiern kann? Nein, man bleibt wach, schleppt sich viel zu spät ins Bettchen und wundert sich dann am nächsten Morgen, warum man nicht aus dem Quark kommt.



Richtige Gamer brauchen keinen Luxus ;)



- Der Kampf zweier Städte -

Wie ihr jetzt gelesen und hoffentlich auch mal selber erlebt habt, gerät man bei der Leipziger Games Convention gerne mal ins Schwärmen. Und auch wenn der Trip in den Osten für viele Leute mit hohen Kosten und viel Aufwand verbunden ist, hat die Meldung, dass die Games Convention umzieht, uns alle getroffen. Nach einem langen Wettstreit einiger Städte, hat die... nunja... hübsche... nee... hat die Domstadt Köln das Rennen gemacht. Irgendwie ein ziemlicher Schlag in das Leipziger Gesicht, die immerhin den Namen behalten haben. Zickenterror? Da kann man geteilter Meinung sein. Fakt ist, dass die GAMESCom nächstes Jahr wohl die größte Messe wird, da unter anderem EA sich für den Westen ausgesprochen hat. Ob uns 2009 nun eine große und eine kleine Messe erwartet, Köln alles in Grund und Boden stampft oder die Games Convention es schafft genug Leute anzulocken, das steht in den Sternen und wird wohl noch für reichlich Zündstoff sorgen. Fest steht nur, dass Zahlen alleine nicht reichen um aus der Spielemesse ein Erlebnis zu machen. Und auch wenn es mehr Hotels, einen Flughafen und mehr U-Bahnen gibt, muss Köln erstmal zeigen was es kann.





- das Ende -

Gedacht ist dieser Think like a Gamer übrigens als schicke kleine Ergänzung zu unserem großen Games Convention Feature, den ersten Teil könnt ihr euch bereits angucken (unten ist der Link), der zweite folgt in Kürze. Und solltet ihr jetzt spontan Lust auf ein Date haben: Halb CW ist natürlich wieder in Leipzig mit dabei und ich freue mich schon euch zu treffen...


Euer Schleimbolzen,
shadow



Games Convention Special 1






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