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Gestatten, ich bin der Pimmel-Udo...

...Think like a Gamer #10

Donnerstag, 18. September 2008 um 16:30 von shadowman

Gestatten, ich bin der Pimmel-Udo...

...sag mir wie du heißt und ich sag dir wer du bist!



- Mein Alter Ego neben mir -

Sie legt jede Woche etwas mehr als 500 Kilometer zurück. Im Zug, in der U-Bahn und auch im Bus. Eingewickelt in zwei schicke Küchenhandtücher. Das macht im Monat fast 2000 Kilometer, mal mehr mal weniger holprige Reisestrecke. Die Rede ist von meiner Xbox Festplatte, die ich brauche um in zwei Städten mit meinem Profil zu spielen. Denn kaum ist die Festplatte an die Xbox angeschlossen, geht "mein" Startmenü auf. Mein Name, mein Bild, mein Gamerscore, mein Design.


- Ich ist ein anderer -

In der heutigen, sehr schnelllebigen Welt, muss man schon etwas tun um aufzufallen. An jeder Ecke entdeckt man Paradiesvögel, Leute die aufgrund von unheimlich wenig Talent in aller Munde sind oder solche, die wirklich was auf dem Kasten haben. Da hat mans als durchschnittlicher Typ schwer und freut sich natürlich, wenn man das mit seinem Alter Ego ändern kann. Ein anständiges Profil ist wichtig, egal wo man auftritt. Bei besagter Xbox ist an das Profil nicht nur ein alternativer Nickname gebunden, man hat auch eine Übersicht über die gespielten Spiele, eine Freundesliste und mitunter sogar ein eigenes Foto. Der Gamerscore zeigt außerdem wie erfolgreich ihr viele Spiele beendet habt. Schon deutlich mehr also, als ein einfacher Spitzname in einem Forum. Wobei auch hier bei uns schon deutlich mehr dazu gehört. Durch den eigenen Blog, eine kurze Übersicht und die persönlichen Vorlieben, ist das Internet-Antlitz schon eine verdammt wichtige Sache geworden. Beweist auch das StudiVZ, bei dem das Profil zwar etwas löchrig ist und von Arbeitgebern mitunter tatsächlich gecheckt wird, aber jeder ist ja für sich selber verantwortlich. Worauf ich hinaus will: Man hat den Drang sich zu repräsentieren, will gesehen, gelesen und gemocht werden. Und es macht unheimlich viel Spaß so ein Profil auszufüllen. Von der Lieblingsspeise bis zum Lieblingsspiel, für einen kurzen Moment würde man nahezu alles preisgeben dessen man sich nicht schämen muss.


Das Anmeldefenster... Hindernis? Ansporn für kreative Köpfe?




- Aller Anfang -

Wie immer ist der Einstieg fast am kompliziertesten. Jeder kennt das: Völlig willkürlich surft man auf einer Seite im Internet und wird prompt, damit man überhaupt ein paar Features nutzen kann, zur Anmeldung gezwungen. Doch was ist das? Benutzername? Nickname? Ein Spitzname. "Öhhhh..." und schon steht man auf dem Schlauch.
Dabei muss man zwischen mehreren Typen von Usern unterscheiden, was schon bei der Wahl des Namens möglich ist. Da wären zum einen die Personen, die mit dem Eingabefenster völlig überfordert sind. Die eben noch so tolle Seite rückt plötzlich in den Hintergrund und nur noch der zukünftige Name geistert euch durch den Kopf. Und jetzt klingelt auch noch das Telefon. Da schweifen die Augen plötzlich über den Schreibtisch, vorbei an der Tastatur und bleiben Sekunden später an einer Twix Verpackung hängen. "Paha!" schießt es einem in den Kopf "das nehm ich". Und schon ist der Nick gesichert und die Seite steht euch zum Erkunden offen. Von diesen Namen, die oft auf den Alltag bezogen sind, gibt es auch bei CW eine Menge: Kaffeemühle, Pfanne, dasbrot, Wurst, RobertsOma oder klobrille - fühlt euch gegrüßt :)

Doch um mal ehrlich zu sein: Diese Typen sieht man nicht so oft. Sie sind die Mischung aus dem durchdachten Nickname und dem realen Namen. Denn ja, hin und wieder entdeckt man auch Leute, die sich mit ihrem echten Namen anmelden - wie uncool ist das denn bitte? Da trifft man einen Sven, einen Lars oder einen Florian Toberbayer. Diese Leute sind zurecht in der Unterzahl, wird vor allem der Nickname-Guru behaupten. Er weiß natürlich schon vorher, dass er auf dieser und jener Seite einen Spitznamen braucht. Bevor er sich übereilt registriert, wird nochmal mindestens einen Tag lang nachgedacht, in den Hobbys geforscht, an sämtliche Leidenschaften gedacht und schließlich entsteht ein wahrhaft epischer Name. Dabei muss man aber noch selektieren: Nimmt man sich einen geklauten Namen und macht sich einen Spieletitel oder einen Comichelden zum Vorbild? Oder treibt man es auf die Spitze und entscheidet sich für eine Eigenkreation. Zugegeben, dieser Typ User schwirrt nicht übermäßig häufig an euch vorbei. Oft nutzen diese schrägen Vögel ihre Namen auch im echten Leben und versuchen ihn auf jeder Seite direkt zu reservieren. Stike oder TKX sind da gute Beispiele für, wobei es natürlich ein regelrechtes Drama ist, wenn der Name dann doch mal besetzt sein sollte. Gut, meist haben diese Typen Glück, ihr Wort ist ja kein bekanntes, aber wenn sich plötzlich noch jemand anders mit dem Namen identifiziert, ist das tatsächlich ein merkwürdiges Gefühl. Hier muss ich auch nochmal Spitz Pass Auf erwähnen, dessen Namen mit zur Crème de la Crème gehört.

Es gibt also verschiedene Arten und Weisen, sich ein virtuelles Konterfei zu bauen, mal geht eine Leidenschaft mit euch durch, mal muss der Zufall herhalten und ab und an reicht der echte Name. Ein Problem, was viele User Mitte Zwanzig vielleicht kennen, ist die falsche Wahl. Darunter stufe ich mich selber ein. Sicher, damals war Shadowman ein geniales Spiel und ich hab die Story schon vor dem Release regelrecht verschlungen, dass dieses "shadow" mir dann aber überall angehängt wurde, ist ein Fehler gewesen. Meine eMail Adressen hießen so und bei Xbox Live heiße ich cw shadow, zwischenzeitlich habe ich sogar mein Fahrrad so genannt - obwohl das was her ist. Doch ohne jetzt blöd klingen zu wollen: Ich kann ihn nicht mehr ändern. Er hat sich eingebrannt, scheint mir auf die Stirn geschrieben und "alle Welt" wäre irritiert, würde ich mich jetzt umbenennen. Shadowman... so heißt immer irgendein Arschloch in irgendeinem Forum. Fürchterlich und eigentlich nicht mal sehr passend. Wenigstens schreibe ich mich mit einem kleinen s.


Danke an Urban für das Bild. CW-User und ihre Nicks :)




- "Wo isn xxPimpUpYourMommyxx?" "Ach, der putzt sich die Zähne" -

Auch wenn es nicht immer klappt, Sonderzeichen verboten sind oder eure erste Wahl besetzt ist, ein Nickname ist zum Wohlfühlen da. Wenn man sich die virtuelle Haut seines Alter Ego überstreift, dann identifiziert man sich mit der geschaffenen Person, bewegt sich nicht mehr als Rainer Kamphausen durch die Welt, sondern als SneakingNightmare. Es gibt Wortkreationen die einem zum Lachen bringen, an denen man hängen bleibt und schnell wird man in der Community mit seinem neuen Namen aufgenommen. Ganz wie Descartes einst gesagt hat, denn unsere eigene Existenz ist nur dadurch zu erkennen, weil andere uns erkennen. Und wenn man danach geht, dann ist euer geschaffenes Alter Ego ein Bildnis eures Selbst, drückt euch den Stempel seiner Existenz schneller auf als ihr denkt. Außerdem schwappt euer Nickname rasch ins echte Leben rüber. Glaubt ihr nicht? Na seid ihr denn noch nie auf der Games Convention gewesen? Gut, auch mich nervt das Thema so langsam, aber es ist schlicht und ergreifend das beste Beispiel für den Übergriff vom Internet aufs echte Leben. Denn ihr pennt nicht mit Rudi und Thomas auf dem Zimmer, Nein, da trifft man auf DjDream, cqipb, Wednesday, -CyraX- oder sharky81. Alles Leute, die einem mehr als vertraut sind. Immerhin kennt man die Namen, schreibt regelmäßig mit ihnen oder schlägt sich die Nächte in Online-Kämpfen um die Ohren. Und schon steckt man in der Zwickmühle. Wie nennt man den Gegenüber denn jetzt? Kennt man überhaupt den richtigen Namen?
"Öh...Hi, ich bin der shadow... also Daniel... also... nenn mich wie du willst."
"Kein Ding, ich nenn dich Arschkrampe"

Der Erstkontakt ist ein witziger. Man ist schüchtern und scheu, gerät manchmal ins stottern und ab und an gefällt es so gar nicht, den coolen -DaNcEfLOOrKILLA- plötzlich Günther nennen zu müssen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass eine Mischung am besten ist. Bis auf wenige Ausnahmen besteht niemand auf seinen realen Namen und wenn sich erwachsene Leute im Restaurant plötzlich mit Guts, Tyler oder shadow ansprechen, ist das auch irgendwie verdammt witzig. Ich tendiere übrigens dazu, eigene Namen aus den bereits verdrehten Nicknames zu basteln. -CyraX- ist für alle nur noch T-Rex, Guts ist zum Gutsyboy geworden und User wie Nightelve werden Nighty oder N811 "gerufen". Sonderbar und bizarr, dieser Kult um den Namen, aber ein eigenes Profil ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Das gilt aber nicht für jeden Typ Mensch. Einige Leute widersetzen sich dem Kult und machen ihre Online-Identität zu einer Art Witz. So kam es tatsächlich vor, dass in eine launige Runde Rainbow Six Vegas 2 eine Gestalt namens "Pimmel-Udo-09" hereinschneite. PIMMELUDO! Stundenlang haben wir uns amüsiert und ich stelle mir noch immer vor, wie Udo der Xbox Hotline seinen Namen durchgibt? "Ach, Pimmeludo?" "Ja, genau!". Ähnliche Namen gibt es auch auf CW, jedenfalls solche die mich zum schmunzeln bringen: Grüße an Dein_Vater, Biermensch, Fettarme Milch, Krebskolonie und Gast, um nur einige wenige zu nennen.
Gegenteile gibt es davon natürlich auch. Wie im beigefügten Screenshot zu sehen, treiben sich im Ausland auch Leute herum, die sich beispielsweise xxAdolfHitlerxx nennen. Sowas kann man nicht tolerieren und die Motivation hinter diesem Namen kann ich ebenfalls nicht verstehen. Alles in allem kann man sagen, dass so ein Nickname sehr wichtig ist, nicht aber jedem gleich viel bedeutet. Denn auch wenn ich vorhin noch über meinen eigenen Namen gelästert habe, so bin es doch ich, ich allein. Vermeiden muss man nur, anderen Leuten ebensoviel Ehrgeiz und Ehrlichkeit zu "unterstellen", sonst gibt es mitunter böse Überraschungen.


Zum Abschied völlig Nickname-Frei,
grüßt euch Daniel




Hab ich vor Ewigkeiten fotografiert, ist die Rangliste von Amped 3



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